ZEIT . GEIST

Was der Zeitgeist ist und wer den Zeitgeist bestimmt, darüber wird viel geredet. Es kommt darauf an, um welchen Bereich des täglichen Leben es sich dabei handelt. Ein Zeitgeist drückt sich in dem Schlagwort „Geiz ist Geil“ aus. Dies betrifft das Einkaufsverhalten vieler Menschen. Geht man in einen Supermarkt eine Jause kaufen, dann werben Preisschilder mit der Ankündigung „Der kleinste Preis“, „Nimm drei zahl zwei“, „Der Tagesbestpreis“, „Heute minus 30 Prozent“ um Aufmerksamkeit. Manche verlassen bei diesen Wortspenden fluchtartig den Markt und versuchen eine Fleischhauerei oder eine Bäckerei zu finden. In manchen Orten werden sie danach vergeblich suchen. Es gibt keinen Metzger Müller oder Bäcker Berger mehr, es gibt nur das Diskontfleisch und die tiefgefrorenen Semmeln zum Aufbacken unter dem Motto „stündlich frisches Brot“.
Ist in der Wohnung etwas kaputt gegangen oder soll etwas neu montiert werden, so kann das Besorgen eines Nagel, einer Schraube oder einer Dose Farbe bis in die nächste Stadt führen, Treffpunkt Baumarkt. Den Fachgeschäften in den größeren Gemeinden auf dem Land wurden von den Einkaufszentren der nächstgelegenen Stadt die Kundschaft abgeworben. Inzwischen sind die Fachgeschäfte gestorben. Ähnlich wie bei menschlichen Verstorbenen bedauert man das Ableben, die Schließung des Fachgeschäftes, und überhäuft den Verstorbenen mit schönen Komplimenten.
 
Vom Aussterben bedroht.  
 

Kommentar(e)     

(23.10.07 09:07)
Hallo Schlagloch,
fortwährend ändern sich Dinge. Kann sein, daß in einigen Jahren wieder der Bedarf nachFachgeschäften entsteht, vielleicht in anderem Gewand.
Und: Meines Wissens sind zu allen Zeiten sinnvolle Einrichtungen „gestorben“, waren plötzlich nicht mehr gefragt, wurden abgelöst durch scheinbar Besseres. Irgendwie gleicht das, wenn dies so ist, der Evolution, die auch immer wieder gute Zustände auflöst/vernichtet und einen ganz anderen Anlauf auf eine mögliche Spitze macht.

Gruß
Gerhard

schlagloch
Hallo Gerhard!
Ich meine, dass der heutige Evolutionsfaktor Gewinn heißt, und es dabei nicht darum geht etwas besseres, sinnvolleres zu finden.
Gruss schlagloch.
Gerhard (23.10.07 23:27)
Ja, stimmt! Die biologische Evolution führt ja manchmal auch auf falsche Pfade. Irgendwann wird man merken, daß es so nicht geht – und dann kehrt man womöglich wieder zurück…falls dies dann noch möglich ist.

Gruß
Gerhard

Mo / Website (24.10.07 19:58)
Das Sterben der kleinen Läden hat in der Großstadt schon vor Jahren begonnen. Nicht umsonst werden die Innenstädte immer uniformer und eintöniger, da sich dort nur noch die immer gleichen Großanbieter finden….

Mir als „Angsthase“ sind die großen Läden ein Grauen. Ich bin Gott sei Dank noch finanziell in der Lage, für meine Einkäufe auch einen Umweg in Kauf nehmen zu können und unterstütze gern die kleinen Händler in meinem Vorort, auch wenn ich dort manchmal etwas mehr bezahlen muß. Dafür kennt man mich dort beim Namen, während man in den großen Läden schon fast um eine Bedienung „betteln“ muß.
Alles hat seinen Preis……


schlagloch /

Hallo Mo.
Ohne die kleinen Laeden werden die Innenstaedte immer einteoniger und uninteressant.und auch das Angebot wird immer gleicher.
Gruss schlagloch.

SEELEN . RHEUMA

Bei dem Wort Rheuma denken viele an die eigenen Lendenwirbel-,  Brustwirbel- oder Halswirbelbeschwerden. Mit Massagen, Heilbäder, Moorpackungen und Heilgymnastik können die Beschwerden gelindert werden. Die beste Wirksamkeit erreicht man bei blockweißer Anwendung oder, wenn es der Krankenversicherer bewilligt, im Rahmen eines Kuraufenthaltes. Trotz der vielen Spa- und Wellnässangebote bescheinigt man der traditionellen Kur mit einer Aufenthaltsdauer von drei bis vier Wochen die besseren Heilungserfolge. Bei einem Kuraufenthalt kann man die Therapien langsam konsumieren. Dabei hat man Zeit seine Gedanken zu ordnen, sie ausklingen zu lassen und sie nicht durch neue Termine zu belasten. 
 
Vom Weichteilrheuma sagt man, dass es im Körper einmal in diesem Muskel, dann wieder in einem anderem Muskel auftritt. Oft spielen dabei Temperaturschwankungen und Wetterumschwünge mit, es gibt Funktionseinschränkungen und Dauerschmerz. Weniger bekannt und erforscht ist das Seelenrheuma. Die seelischen Verletzungen führen einmal zu Magengeschwüren, zu Herzrasen, Nackenschmerzen oder Verspannungen in den Zehen. Wird es an einer Stelle eingedämmt, dann tritt es an zwei anderen Stellen erneut auf. Es ist ein ständiges Fließen im Körper.
 
Die Fließgeschwindigkeit. 
 

 Kommentar(e)     

Gerhard (19.10.07 16:42)
Der Körper als Spiegel der Seele. Er drückt aus, was gerade los ist, was gärt, was problemhaft ist.
Es gibt ja meines Wissens Übersichten, wo was aufzutreten pflegt, wenn man bestimmte Charaktereigenschaften oder Problemfelder hat.
Doch genaues weiß niemand. Im Nachgang kann man dann oft sagen: Diese oder jene Krankheit musste ja kommen…
(20.10.07 22:32)
Hallo schlagloch!Den Begriff „Seelenrheuma“ habe ich noch nie gehört, aber ist meist so, dass man erst Hilfe und Heilung sucht, wenn es körperlich schmerzt. Also muss eine Seele – wenn man es so ausdrücken will – , die in Disbalance ist, sich wohl auf diese Weise bemerkbar machen, damit man darauf reagiert. Heilpraktiker setzen ja im Allgemeinen auf ganzheitliche Therapien, die den Gemütszustand miteinbeziehen. Blockaden im Energiefluss sollen aufgearbeitet werden, damit die optimale „Fließgeschwindigkeit“ wieder erreicht werden kann. Die Schulmediziner arbeiten anders und so verschiebt sich manches Leiden von einem Punkt zu anderen. ..ein Zusammenspiel von beiden wäre wohl das Beste.

Schönes Wochenende und lG
Isabella.

schlagloch
Hallo Gerhard!
„Im Nachhinein sagt man, diese oder jene Krankheit musste ja kommen“. Vom freien Willen sagt man, nach der neuesten Hirnforschung, es gibt ihn gar nicht. Alles sei vorbestimmt. Da ist mir das Fließen lieber, alles fließt.
Gruss schlagloch.

schlagloch
Hallo Isabella!
Ich habe den Begriff „Seelenrheuma“ noch nie gehört, bis er auf meinem Bildschirm gestanden ist. Ich möchte fast sagen, ich weiß es nicht, wer dieses Wort dorthin geschrieben hat. Jetzt steht es da und es gefällt mir. Wenn die Blokaden beseitigt sind und die Körperenergie wieder fließt, wird auch das Rheuma schwächer werden.
Gruss schlagloch.

ERNTE . ZEIT

An einem sonnigem Oktobernachmittag am Gailufer bei Müllnern sitzen und auf das fließende Wasser schauen, auf den Widerstand den die Felsblöcke dem Wasser bieten, bis das Wasser unbeschadet an den Seiten vorbeifließt. Auf der anderen Uferseite verläuft der Fahrradweg und viele fahren der Gesundheit nach. Die Ameisen vergraben sich im Sand, ein Käfer krabbelt über ein Stück Holz. Auf der Autobahnbrücke, welche das Tal und die Gail überquert, fließt der Autoverkehr auf vier Fahrstreifen. Aus der Nase fließt der Schleim, der Druck in den Stirnnebenhöhlen lässt nach. Der Körper befreit sich von den Krankheitserregern.
 
Im Kopf beginnen die Gedanken zu fließen, in welche Richtung sie fließen werden und wie stark der Gedankenfluss sein wird ist unbestimmt. Entspringt der  Gedankenfluss einer klaren Quelle oder ist die Quelle durch Sprengungen getrübt. Kommt man in der Tiefe der eigenen Quelle zu neuen Erkenntnissen oder wird das Wasser immer trüber. Will man aus seiner eigenen Quelle trinken oder bevorzugt man die  Quelle die verspricht, wer aus mir trinkt wird ewig leben. Der Mensch strebt nach Glück und wird zu der Quelle gehen, die ihn glücklich macht.
 
Das Glück ist ein Vogel.  
 

 Kommentar(e)   

Gerhard (15.10.07 23:36)
Ein schönes Bild da an der Gail.

Der Mensch strebt nach Glück – und ist so nicht bereit, das Normale anzunehmen.
Wieso ist man unzufrieden, wenn bspweise ein Abend unfruchtbar verlief – und dagegen zufrieden, wenn er Ergebnisse und Schönheit gebracht hat? Wieso bewerten wir so?
Offenbar sind wir hungrig nach Bestätigung – auch vor uns selber.

Gruß
Gerhard

schlagloch /
Hallo Gerhard!
Wahrscheinlich bewerten wir, weil wir von Geburt an bewertet werden. Was das Baby schon alles kann und sofort.
Gruss schlagloch.

Windrider (18.10.07 10:54)
vielleicht bewerten wir, um uns in dieser komplexen Welt besser zurechtzufinden?
lieben Gruß Windrider

HEIMAT . FRAGE

Was ist für wen, wo und was Heimat ? Diese Frage hat roman im Internet gestellt und hier sind die Antworten. Beteiligt haben sich dreißig Blogs, darunter auch schlagloch (Franz) .  Eine Lesereise wert.
 
Heimat: Schlussbericht
11.10.2007, 12:15 Uhr
von Roman Hanhart

Was bedeutet Heimat? Worin erkenne ich sie und gibt es so etwas wie Heimat überhaupt? Ist es nur ein Hirngespinst oder eine degradierte geographische Bezeichnung? Ist die Heimat wirklich fassbar, ist sie tatsächlich bestehend oder ist sie rein imaginär und damit nicht rational erfassbar? Sehen wir sie als Ort, als Gefühl oder Emotion oder gar als Ziel?
 
Mit der Parade wollte ich mit Euch zusammen mehr über den Begriff erfahren. Und das ist in vorzüglicher Weise gelungen. Denn ich konnte neue Eindrücke gewinnen, ja dazulernen und erkennen, dass Heimat tatsächlich existiert. Zwar auf eine bizarren, nicht wirklich fassbaren Ebene, aber sie ist da.
 
Mit den Beiträgen kann ich den Begriff Heimat wirklich ausdehnen und vertiefen. Von Herbert lernte ich, wieder als Kind zu sehen oder mich daran zu erinnern, was Heimat als Kind bedeutete. Von Doris nehme ich gerne an, dass auch eine Person Heimat bedeuteten kann, Frank erinnert mich, dass in kreativen Tätigkeit ein Stück Heimat integriert ist und von Réne lerne ich, dass Heimat dann aktuell werden kann, wenn man sie nicht mehr hat. Dass Heimat eine Liebesbeziehung sein kann, lerne ich von Dorin, Res bestätigt mir, dass Heimat manchmal einer Suche bedarf, Norbert nennt die Gesundheit im Zusammenhang mit der Heimat, ein völlig neue Verkettung für mich und Sabrina erzählt, dass auch das Netz eine Heimat bilden kann. Jenes Internet, in dem wir täglich unterwegs sind. Von Frank lerne ich, dass „Nichtdazugehören“ in Form einer Minderheit zu Heimat führen kann, Goggi erklärt auf seine Weise, dass sie sich nicht festbinden lässt, die Heimat. Ja, sie ist nicht fassbar. nff zeigt mir, dass Heimat mit Stärke vereinbar ist, Sabine „beweist“, dass Heimat dort ist, wo das Herz liegt, Rick spielt mit Ernsthaftigkeit mit dem Begriff Heimat, was mir sehr gefällt und Benjamin erinnert mich, dass auch Heimat dem Wandel unterlegen ist. Von Ray lerne ich, den Begriff Heimat mit der Mutter zu verbinden, der Schattenewahrer zeigt einmal mehr, wie diffizil Heimat ist und Roger zeigt mir, wie wichtig Ankommen und Heimkommen für die Heimat ist. Peter hinterfragt sogar den Begriff Heimat als solches, was ich für sehr spannend halte, vor allem sein Fazit und der Nordsee-Club blendet sehr schön in die Kindheit zurück und vergleicht jene Erfahrungen mit der heutigen. Die Erinnerungen, die bilden einen wichtigen Bestandteil der Heimat, das ist nun auch mir klar. Vom bugsierer lerne ich, dass auch der Begriff Heimat nicht gefeit ist vor der Macht der Medien, der Falschmeldungen und dem Kampf gegen jene. Jochen erschüttert meine leichte und kindliche Wahrnehmung über Deutschland und nennt das Kind beim Namen, Falki gibt sich dem Gegenteil hin und erklärt unsere Schweiz zur Heimat. Er erinnert mich daran, dass ich vielleicht zu weit suche. Franz nimmt sich die Heimat und die Erde zu Gemüt. Sehr beachtlich, was man beim Lesen entdecken kann! Pascal lässt mich durch seine Erfahrung daran teilhaben, wenn Heimat vermisst wird, weil die wichtigsten und simpelsten Dinge im praktischen Leben fehlen. Julia beschreibt in ihrem Beitrag die Suche nach der Heimat im geographischen Sinn. Ein weiterer Bereich, der in der Weise noch nicht zur Sprache kam. Und schliesslich bebildert Chrigu seine Heimat aus den Alpen heraus. Von David lerne ich, dass Heimat reifen kann, sie verändert sich, wechselt ihren Ort und wird zu dem, was wir ihr geben. Sie ist aber auch Leidenschaft und Verwurzelung. Thomas zeigt mir, dass der Geburtsort gar nichts mit der wahrgenommen Heimat zu tun haben muss. Im Gegenteil; die Heimat muss man zuerst finden.