MADONNA:angelo

Am Ende der Landzunge, welche bei Caorle in das Meer ragt, steht die Marien-Wallfahrtskirche „Madonna dell`Angelo“, separat daneben der Campanile. Zusammen sind sie ein weithin sichtbares Wahrzeichen für Seefahrer und Touristen. Alle fünf Jahre wird Anfang September, in mehreren Tagesetappen, die Muttergottesstatue mit Booten in die verschiedenen Ortsteile gebracht und dort in der jeweiligen Kirche angebetet. Am 12. September wird sie in Anwesenheit des Patriarchen von Venedig, im Rahmen einer großen Schiffsprozession wieder an ihren angestammten Platz über dem Altartisch in die Kirche „Madonna dell`Angelo“ zurückgebracht. Während dieser Tage sind die Häuser in der Altstadt und die Hotels entlang der Meeresstrände mit weiß–blauen Geschenkbändern und Maschen geschmückt. Dazwischen flattert ein Bild der „Santuario Madonna dell`Angelo“. Es gehört zur Ehre eines jeden Besitzers sein Haus im weiß-blauen Bänderschmuck erstrahlen zu lassen. Bei einigen Häusern sind auch die Gitterstäbe des Gartenzaunes mit den Bändern liebevoll umwickelt.

Während dieser Tage ist der Platz der Madonna über dem Altartisch verwaist. Trotzdem knien täglich Menschen vor dem Altar und beten zur Madonna. Wie kann man sich die Erhörung der Fürbitten vorstellen, wenn die Madonna „auf Reisen ist“?

Paralleluniversum.

SCHNÄPP:chen

Touristen, welche in der Draustadt  auf der Suche nach den Sehenswürdigkeiten sind, legen dazwischen eine Rastpause ein, dafür wird gerne ein Café gewählt. Die Pauschalreisen werden  meistens mit Halbpension angeboten, da genügt zu Mittag ein Kebap. Diese sind für den Bratwurstkönig eine starke Konkurrenz. Besucher mit Kindern bevorzugen die Pizzerias. In Kärnten werden diese von  Zuwandererfamilien aus Süditalien oder Spanien betrieben. Ein muss für Familien ist ein Besuch in einer McDonald Filiale. Daneben haben sich einige Gaststuben gehalten, die Kärntner Küche anbieten. Dort kehrt der eine und andere Gast ein, um die landesüblichen Spezialitäten zu verkosten. Zusätzlich gibt es in der Innenstadt Lokale, die den vielen Angestellten ein günstiges Mittagsmenü anbieten. An den Stadträndern befinden sich die urigen Bierlokale, wo sich zumeist die Männer zu einem Gespräch treffen. Diese sind oft auch die Vereinslokale von der Feuerwehr, dem Fechtklub oder dem Fischereiverein. Manchmal kann sich in einem Vorort ein günstiges Speiselokal etablieren, wo sich die Pensionistin und der Pensionist aus den Wohnsilos am  Sonntag eine Mahlzeit leisten kann. Dabei wird auch die Eintönigkeit des Alltags unterbrochen. In den Sommermonaten gibt es am Wochenende im Biergarten zünftige Musik.

In den Einkaufszentren und in den Kinopalästen spielt die Gastronomie ebenso eine große Rolle. Dort verbringen immer mehr Einheimische ihr Wochenende. Die großen Möbelhäuser locken die Kunden mit Schnäppchenmenüs, bereits ab € 3.90. Meistens sind die Restaurantplätze dreifach belegt, das bedeutet, dass die Nächsten schon auf den Sitzplatz warten, bevor man die Nachspeise verzehrt  hat. Daneben gibt es Familien, die immer wieder vorbeikommen und sozusagen auf ein Schnäppchen bei der Platzsuche hoffen.

Kreuzbiss.

LAUF:rad

Am Anfang der Entwicklung wurde das Fahrrad als „Laufrad“ oder „Hochrad“ bezeichnet. Im Wesentlichen dienten die ersten Fahrräder nur der Beschleunigung des Gehen, sozusagen Gehen mit Unterstützung von zwei Rädern. Man mußte geschickt sein, um mit einem Hochrad fahren zu können. In diese Zeit fällt auch die Industrialisierung und Mechanisierung, da war viel von Laufrädern und Schwungrädern die Rede. Diese immer gleichen Bewegungen dienen als Vergleich für das Leben, wenn sich im Leben nichts ändert. Man befindet sich im Laufrad des Leben, hat selbst keinen Einfluss auf die Entwicklung. Es werden immer die gleichen Probleme gewälzt, man sieht nur die sogenannten Problemzonen. Viele können sich diesem Prinzip nicht entziehen und sehen die Dinge nur von ihrer schlechten Seite. Es gibt sogenannte Laufradfamilien, es ist niemand in der Verwandtschaft da, der die Sichtweise verändern könnte. Ein Zweck eines Kuraufenthalt ist, dass man aus dem Laufrad aussteigt und die Richtung ändert. Plötzlich gibt es mehrere Wege und die eigenen Erfahrungen zählen.

Vielseitig.

E:mobil

Der Gesundheitszustand erlaubt es nicht immer, dass ältere Leute, dabei denkt man heute an über Siebzigjährige, noch Fahrradfahren können. Eine Alternative dafür sehen jetzt viele in einem Elektrofahrrad.  Dieses bietet Unterstützung wenn es eine Steigung zu bewältigen gibt oder bei Ermüdung. Der Ankauf eines Elektrofahrrades wird von der Landesregierung unterstützt. Frauen sind  beim Kauf eines Elektrofahrrades wählerisch, es soll elegant wie ein trendiges Citybike sein, man soll von der Batterie und vom Antrieb nichts sehen. Man will sich keine Blöße geben und keine Zweifel an der eigenen Sportlichkeit aufkommen lassen. Das man mit siebzig oder achtzig noch genauso  fit und leistungsfähig ist wie mit vierzig oder fünfzig, zählt zu den Mythen unserer Gesellschaft. Bei einer Familienfeier oder bei einem Verwandtenbesuch will man seine Fitness unter Beweis stellen. Dies gilt auch, wenn man bei der Betreuung der Enkel zur Stelle ist oder den Kindern bei der Wohnungsrenovierung hilft. Die wenigsten machen die Kinder darauf aufmerksam, dass man gerne einen halben Tag hilft, aber nicht mehr, weil man nicht mehr so kann. Einen anderen  Beweis legt man in späteren Jahren den Bekannten gerne vor, dass ist der Befund von der Vorsorgeuntersuchung beim Internisten. Sozusagen das Pickerl, wie in Österreich die KFZ Überprüfung heißt. Kaum jemand der nicht gesagt hätte, dass er völlig gesund ist, dabei aber täglich sechs Tabletten einnehmen muss.

Nicht viel Zustimmung finden über Achtzigjährige die noch mit dem Auto unterwegs sind, wenn auch nur im Nahverkehr. Bei einem Bekanntenbesuch in der Steiermark ist ein Nachbar, ein älterer Herr mit seinem neuem Renault Clio, vorgefahren. Die Bekannten haben mich aufgefordert das Alter des Nachbarn zu schätzen, ich habe auf Mitte Siebzig getippt. Der Herr war siebenundachtzig Jahre alt und hat sich mit dem Einwand bemerkbar gemacht: „Jetzt, wo die Kraft seiner Füße nachlässt und er nicht mehr so gut gehen kann, hat er sich ein neues Auto gekauft“.

Sag niemals nie.  

BEFREI:ung

Eugen Drewermann, der von der katholischen Kirche seiner Ämter und Weihen enthoben wurde, hat in einem ORF Gespräch mit seinen Aussagen für orientierungslose oder verunsicherte Gläubige Hoffnung verbreitet. Als profunder Kenner der Heiligen Schrift und der menschlichen Seele sind seine mahnenden Aussagen überdenkenswert. Seine Schlüsselsätze lauten: Das Jesus keine Kirche als Institution wollte, er wollte die Angst der Menschen lindern. Die Angst vor dem Leben hier auf Erden und die Angst davor, was nach dem Tod sein wird. Er sieht in der Priesterelite eine Barriere zwischen Mensch und Gott. Gott will sich nicht in Rundbriefen verwirklicht sehen, sondern im Leben jedes Einzelnen. Die Priesterkaste war schon bei den Azteken und Ägypter eine Herrschaftsklasse. Sie benützt als Druckmittel das Jüngste Gericht.

 Die Bevölkerung ist früher durch die Feiern im Jahreskreislauf eine Zweckgemeinschaft mit der Kirche eingegangen. Man hat den Himmel durch den sonntäglichen Kirchgang geschenkt bekommen. Die veränderte Gesellschaft bedarf dieser Zweckgemeinschaft nicht mehr, sie kann sich in allen Bereichen Teile holen, sozusagen Lebensabschnittsglaube. Für die Jugend, für die keine Planung mehr möglich ist, nicht für zehn, nicht für zwanzig Jahre. Dies trifft auf den Beruf, die Partnerschaft und auf den Glauben zu. Sind die Pflichttermine, wie Erstkommunion oder Firmung vorbei, ist es auch oft mit dem Kirchenbesuch vorbei. Bei Lebenskrisen wird dem einzelnen Menschen nicht die Möglichkeit angeboten die Umstände zu ändern, sondern als Alternative „zu Glauben“. Zum Sonntag müsste es eine Alternative geben. Gottfindung kann auf vielen Wegen stattfinden, nicht nur in der Institution Kirche. Vor der Bestrafung der Sünde gehen die meisten Ängste aus.

Erbsünde