SEIL:schaft

Beim Bergsteigen wird der Begriff „Seilschaft“ verwendet, wenn eine Gruppe von Menschen einen schwierigen Berg besteigt, es müssen keine Extrembergsteiger sein. Eine Seilschaft gibt Sicherheit und hilft den Schwächeren mitzuhalten. Wichtig ist, dass man sich auf den Anderen verlassen kann. Die Herstellung von Hanfseilen war früher ein eigenes Gewerbe und die Seile haben in der Schifffahrt und in der Fördertechnik eine große Rolle gespielt. In manchen Bereichen wurden sie, wegen der längeren Haltbarkeit und der stärkeren Zugkraft,  durch Stahlseile verdrängt. Während meiner Lehrzeit bin ich bei einer Seilerei vorbeigekommen, im Ausstellungsraum hatten manche Seile die Stärke eines Oberarms.

Im übertragenen Sinn spricht man, wenn sich Menschen im Beruf, im politischen und öffentlichen Leben gegenseitig unterstützen, von einer Seilschaft. Das Wort Seilschaft kann einen guten oder einen schlechten Beigeschmack haben. Nicht zeigenswert ist eine Seilschaft wo sich das Vorwärtskommen aus der Zugehörigkeit zu einer Vereinigung oder einer Partei ergibt und nicht die entsprechende Leistung dahintersteht. Dadurch kommt es zu Misswirtschaft und Verschwendung bei den Steuergeldern.

Es ist offen, ob man eine Freundschaft oder eine Lebensgemeinschaft als Seilschaft bezeichnen kann. Dabei gibt es  das Risiko, dass jemand aus der Seilschaft ausbricht oder die Seilschaft aufkündigt. Gibt es eine Seilschaft welche ein ganzes Leben dauert? Gerne wird von der ewigen Treue und von der ewigen Liebe gesungen. Was ist Ewigkeit und wo findet sie statt? Unser Leben kann nicht als ewig bezeichnet werden. Eine ewige Seilschaft kann uns nur Gott anbieten. Diese Seilschaft gilt nicht nur für das Jetzt, sondern auch für die Ewigkeit, wenn es sie gibt. Für die gegenseitige Seilschaft demonstrierten die Kirchenbesucher in Völkendorf, als sie sich an einem Seil festhielten und als lange Prozession durch die Kirche wanderten. Ob diese Seilschaft über die Messfeier und  das Pfarrcafé hinaus Bestand hat, wird sich beim nächsten Grad, beim nächsten Ausrutscher erweisen.

Seilerei. 

auto:fahren

Die Einstellung dazu, wer wie lange ohne Nachprüfung mit dem Auto fahren darf, hängt wesentlich vom eigenen Alter ab. Es gibt Führerscheinneulinge welche der festen Meinung sind, dass jeder über dreißig einen Tauglichkeitstest machen sollte, ob er so gesund ist, dass er unfallfrei und ohne Gefahr für den die anderen Verkehrsteilnehmer unterwegs sein kann. Dabei ignorieren sie, dass die meisten Unfälle Fahranfänger verursachen, weil sie bewusst oder unbewusst ihr Fahrkönnen unterschätzen. Verkehrserfahrung hat etwas mit Zeit zu tun. Da schneiden vierzigjährige besser ab. Für die Verkehrsteilnehmer ab fünfzig klingen die Vorbehalte der Dreißigjährigen so, als müsste man bei ihnen den Führerschein einziehen oder jedem Fünfzigjährigen einen Beifahrer beistellen. Je älter man wird, umso weiter schiebt man das Alter für einen neuerlichen Fahrsicherheitstest hinaus. Bist du sechzig, sagst du ab siebzig, bist du siebzig sagst du ab achtzig. Von mir kann ich sagen, dass ich so gut wie möglich versuche vorausschauend zu fahren. Auf eventuelle Missstände, die auf mich im Verkehr zukommen, vorausschauend zu reagieren. Ist es absehbar, dass es zu einer Verlangsamung des Fließverkehrs kommt, schon früher als unbedingt notwendig das Tempo zu reduzieren und nicht mit Vollgas auf die trödelnde Verkehrsschlange drauflosfahren.

Die Manie des kurzfristigen Reagieren, des abrupten Bremens befällt auch schon Autofahrer unter fünfzig und beschwört Gefahren für die Nachkommenden herauf. Sehr schnell ist man mit der Meinung bei der Hand, liest man von einem Verkehrsunfall in den ein Siebzig- oder Achtzigjährige involviert ist, dass es besser gewesen wäre, dieser hätte kein Auto mehr gelenkt. Bei vorsichtiger Fahrweise gibt es in diesem Alter weniger Unfälle als in jüngeren Jahren.

Rot

SICHERHEIT:risiko

Jeder hat andere Vorstellungen von Sicherheit und Risiko, welche Sicherheiten er sich wünscht und braucht, welche Risiken er bereit ist einzugehen. Die einen wünschen sich ein risikofreies Leben, sie entscheiden sich bei der Berufsausbildung und später bei der Arbeitsstelle danach. Dabei wird das Kind von den Eltern unterstützt und versuchen es bei sogenannten krisenfesten Firmen, meistens sind dies halbstaatliche Firmen oder öffentliche Körperschaften unterzubringen. Man hofft, dass der Sohn bei einem staatlichen Energieerzeugung nach der Lehre dort einen lebenslangen Job haben wird. Viele Absolventen der Handelsakademie oder des Gymnasium drängt es in den Verwaltungsbereich, wie Gemeindeamt, Bezirkshauptmannschaft oder Landesdienst. Dort ist auch der Pförtner und das Küchenpersonal pragmatisiert.

Die Berufsentscheidung wird danach ausgerichtet, welche Sicherheiten gibt es und nach wie vielen Dienstjahren kann man in Pension gehen. In den letzten Jahren ist in Österreich die Pragmatisierung den Reformen zum Opfer gefallen. Es klingt nicht trendig, wenn man sagt, dass die Tochter, der Sohn, bei der Bahn oder der Post einen Job hat, aber es hört sich krisenfest an. Man weiß, dass sie oder er durch eine starke Gewerkschaft vertreten wird, die sich gegen jede Bundesregierung mit ihren Forderungen durchsetzen konnte. Zuletzt haben die Schulden der staatlichen Betriebe das Budget so stark belastet, dass vieles privatisiert wurde. Damit sind auch viele Privilegien verloren gegangen.

Kommt man in die Landeshauptstadt und spaziert ein wenig durch die Innenstadt, dann können einem die Gebäude der öffentlichen Stellen beeindrucken. Sei es der Sitz der Landesregierung, das Landesgericht oder die Wirtschaftskammer. In diesen vielen, meist hohen Räumen, sitzen überall Beamte, die alles festhalten von der Geburt bis zum Tod. Hier wird geherrscht, es geht eine Macht aus. Um vieles größer sind die Verwaltungsgebäude in Wien.

Verwaltungsreform.

HÖRIG:keit II

In meinem Geburtsort gab es in einer kleinen Ortschaft eine Schneiderei, der „Avemichlschneider“, er arbeitete allein in seiner Werkstatt. Er war von kleiner und zarter Statur, gerade so, wie die Schneider in den Lesebüchern dargestellt werden. Bevor ich in ein Internat kam nahm der Schneidermeister an mir Maß und fertigte für mich einen Kärntneranzug an. An zwei Sonntagen musste ich zur Anprobe vorbeikommen. Diesen Anzug trug ich im Internat zu allen festlichen Anlässen. In den Ferien wurde der Anzug in die Schneiderei gebracht, um ihn an mein Wachstum anzupassen. In der vierten Klasse passte schon vieles nicht mehr, die Ärmel und die Hosenröhren waren zu kurz, ich hatte sogenannte „Hochwasserhosen“. Der Rock war mir zu eng, ich konnte ihn nicht mehr zuknöpfen. Im Sommer war dies kein Problem, aber im Winter war es bitterkalt und es sah unordentlich aus.

Der Sohn erlernte den Beruf beim Vater und erweiterte die Schneiderei um eine Fertigungshalle für Hemden. Darin beschäftigte er etwa fünfzig Mitarbeiter, hauptsächlich Frauen. Er produzierte für verschiedene Versandhäuser Modehemden und -blusen. Die Modehäuser drückten, trotz gestiegener Lohn- und Materialkosten, jedes Jahr den Preis für die Hemden und Blusen. Er erhöhte den Druck auf die Arbeiterinnen und versuchte durch eine straffere Produktion die Rabattforderungen aufzufangen, bis er in den Konkurs schlitterte. Gegen die Konkurrenz aus dem fernen Osten, nachdem man vorher in Spanien produzieren ließ, wäre er so und so chancenlos gewesen.

Handgenäht.