SCHNÄPP:chen

Touristen, welche in der Draustadt  auf der Suche nach den Sehenswürdigkeiten sind, legen dazwischen eine Rastpause ein, dafür wird gerne ein Café gewählt. Die Pauschalreisen werden  meistens mit Halbpension angeboten, da genügt zu Mittag ein Kebap. Diese sind für den Bratwurstkönig eine starke Konkurrenz. Besucher mit Kindern bevorzugen die Pizzerias. In Kärnten werden diese von  Zuwandererfamilien aus Süditalien oder Spanien betrieben. Ein muss für Familien ist ein Besuch in einer McDonald Filiale. Daneben haben sich einige Gaststuben gehalten, die Kärntner Küche anbieten. Dort kehrt der eine und andere Gast ein, um die landesüblichen Spezialitäten zu verkosten. Zusätzlich gibt es in der Innenstadt Lokale, die den vielen Angestellten ein günstiges Mittagsmenü anbieten. An den Stadträndern befinden sich die urigen Bierlokale, wo sich zumeist die Männer zu einem Gespräch treffen. Diese sind oft auch die Vereinslokale von der Feuerwehr, dem Fechtklub oder dem Fischereiverein. Manchmal kann sich in einem Vorort ein günstiges Speiselokal etablieren, wo sich die Pensionistin und der Pensionist aus den Wohnsilos am  Sonntag eine Mahlzeit leisten kann. Dabei wird auch die Eintönigkeit des Alltags unterbrochen. In den Sommermonaten gibt es am Wochenende im Biergarten zünftige Musik.

In den Einkaufszentren und in den Kinopalästen spielt die Gastronomie ebenso eine große Rolle. Dort verbringen immer mehr Einheimische ihr Wochenende. Die großen Möbelhäuser locken die Kunden mit Schnäppchenmenüs, bereits ab € 3.90. Meistens sind die Restaurantplätze dreifach belegt, das bedeutet, dass die Nächsten schon auf den Sitzplatz warten, bevor man die Nachspeise verzehrt  hat. Daneben gibt es Familien, die immer wieder vorbeikommen und sozusagen auf ein Schnäppchen bei der Platzsuche hoffen.

Kreuzbiss.

MOZART:kugeln

Im Sommer erschweren es einem die vielen Besucher, Salzburg mit den Fahrrad zu erkunden. Es ist vorteilhaft, wenn man die meistbesuchte Straße der Stadt, die Getreidegasse, auslässt. Obwohl ich das Notizbuch und einen Kugelschreiber schreibbereit in der Gesäßtasche habe, schaut es so aus, als ob ich nichts neues entdecken könnte. So setze ich mich auf dem Residenzplatz im Freien, beim Café Demel, nieder und bestelle einen Cappuccino. In der Sommerhitze ziehen immer wieder Gruppen von Touristen mit ihrem Stadtführer vorbei. Alle schwitzen in der Mittagssonne, einige schützen sich mit einem Regenschirm davor. Wenn die Einzelnen vorbeigehen, dann kommt man zu dem Schluss, dass alle Amerikaner übergewichtig sind. Am Nebentisch wird nach einer Torte, bei einer Milchallergie, verlangt. Diesen Wunsch kann die ehemalige K. u. K. Hofbäckerei erfüllen. Ein junger Mann verteilt an die Caféhausbesucher Heiligenbilder: „Christkönig kommt Ende November“. Junge Paare marschieren mit Einkaufstaschen von Zara und Tommy Hilfinger vorbei.

Danach fahre ich über den Kapitelplatz, der von einer neuen Skulptur geprägt wird,  eine große goldene Kugel und darauf steht ein kleiner Mann, der fragend und orientierungslos in die Welt schaut,  weiter zu dem weniger frequentierten Kajetanerplatz. Dort entdecke ich vor einem Souvenirgeschäft einen Plakatständer mit dem Hinweis : „Letzte Möglichkeit vor der Autobahn, 18 Stück Mozartkugeln um € 4.95“. Ich frage mich, was diese Tafel in einer verkehrsberuhigten Zone in der Innenstadt, soll? Die nächste Auffahrt zur Autobahn liegt am Stadtrand, weit von diesem Platz entfernt. Der berühmteste Salzburger der hier lebte war der Barockmaler Sylvester Bauer. Für ihn gibt es an einer Hausmauer eine Gedenktafel. W. A. Mozart ist allgegenwärtig und hat in jeder Gasse gelebt. Jetzt lebt er weiter als Mitbringsel in Form von Mozartkugeln. Noch schnell besorgt, bevor man die Stadt über die Autobahn verlässt. Mozarttaler.

ROTE:stuhl

Vor der Stadt liegt das Viertel der gelben, blauen, grünen Neonröhren, der blinkenden, laufenden Leuchtreklamen, der Werbespots. Abends umschwirren die Shoppingsüchtigen die Leuchtreklamen wie die Maikäfer das Gartenlicht. Nach regnerischen Frühlingstagen wird das Lichterviertel von einer Nebelbank eingehüllt. Durch die Nebelwand leuchten rot die Umrisse von einem übergroßen Stuhl. Bei Tagesanbruch sieht man zwischen den frisch verschneiten Berggipfeln das Rosa der inneren Schamlippen von den Nachtträumen. Der Schnee verfärbt sich im Frühsommer rosa, von den Fußverletzungen und Rippenbrüchen. Die Sitzfläche des roten Stuhls zieren Heizspiralen, die sich in den Hintern brennen. Wer sitzt als erster auf den roten Stuhl, wer besteht die Feuerprobe. Kommt das Leben abhanden, dann bleibt das Ich übrig, das Unbekannte. Wer kennt sein körperliches Inneres. Die Funktion der Leber, der Lunge, des Herzen, die Schmerzen der Nieren, die Trägheit des Darmes. Was tun, wenn die Funktionen nachlassen. Das Sitzen am Stuhl schnürt den Darm ab, es schneidet in die Darmwand. Mit dem Feuerstuhl fährt man zwischen den Berggipfeln in ein fremdes Land.

Feuerwagen.

WUNSCH:los

Die  Einkaufszentren laden zu einem Rabatteinkaufswochenende ein, alles minus 10 bis 20 Prozent. Dort  wird man schon lange nicht mehr gefragt: „Haben sie noch einen Wunsch.“ Früher war dies beim Greisler eine Standardfrage, wenn alle gewünschten Artikel auf dem Verkaufspult standen. Die Positionen wurden durchgezählt und mit den Posten am Kellnerblock vom Villacher Bier verglichen. Danach händisch zusammengezählt, zweimal zur Kontrolle. Dies ging alles sehr schnell, nicht ganz so schnell wie heute beim Scannen im Supermarkt. Von der Supermarktkassiererin wird verlangt, eine gewisse Anzahl von Positionen, in einer gewissen Zeit einzuscannen. Erreicht sie das vorgeschriebene Limit nicht, ist sie ihren Job los. Da bleibt keine Zeit zu fragen: „Haben sie noch einen Wunsch“. Bei einer Begegnung auf der Straße wird nach der Begrüßung oft gefragt, wie geht es heute und es heißt dann, ich bin wunschlos.

Wunschlos glücklich sein kann man auch, wenn man infolge eines grippalen Effekts im Bett liegt, keine ernsten Beschwerden hat, und sich die Zeit gönnt auszuspannen. Nichts muss funktionieren, niemand verlangt etwas, alles geschieht freiwillig. Die Augen, die Gedanken, den Körper baumeln lassen.

Vitamin C Brause.