schlag:loch

Nach den ersten Anwendungen im Therapiezentrum Warmbad fühle ich mich wohler, die Beschwerden im Nackenbereich und in den Hüften haben sich gebessert. Eine Möglichkeit um die Abnützungen der Gelenke auszugleichen ist, die Muskulatur zu entspannen und zu stärken. In Stadtzentrum geht es am Ostermarkt rund, vieles wird von den Menschen in dieser Woche nur mehr am Rande wahrgenommen. Egal ob Korruption in der Politik, schlechte Wirtschaftsprognosen oder Milliarden an Euros für marode Banken. Ein Sprichwort sagt: Wenn die Katze aus dem Haus ist, dann feiern die Mäuse Ostern. Wird die Kontrolle ausgeschaltet, dann feiern die politischen Funktionäre Kirchtag.

Vieles ist leichter zu ertragen oder bedeutet dies Verdrängen, wenn man ein paar ausgelassene Stunden im Vergnügungspark verbringt. Dort wird auch ein sechzigjähriges Knochengerüst für ein paar Stunden mit Schwung erfüllt. Muss mit Sechzig alles im Körper so funktionieren wie mit Vierzig? Sind die Abweichungen als Defizite zu sehen oder ist es der Wechsel vom Mittelalter in das Spätmittelalter, bevor man in das Altertum wechselt? Wenn im Körper bis zu guter Letzt alles top funktioniert, dies wäre das Glück an sich. Wie lange kann das Glück dauern und braucht es dafür einen guten Arzt? Vor allem Einen, der mich da abholt, wo ich gerade körperlich und seelisch stehe. Bei Literaten gibt es das Problem, dass der behandelnde Arzt meistens nichts von den Texten kennt. Wie kann ein Arzt einen Künstler, egal ob Komponist, Maler oder Dichter behandeln, von dem er nichts gehört, gesehen oder gelesen hat. Er kennt einen wesentlichen Teil seines Patienten nicht.

Beim Arztbesuch ergeht es mir so, dass die Ärztin oder der Arzt nichts von mir gelesen hat. Somit wissen sie von mir wesentliches nicht, wie können sie dann meine Symptome und Beschwerden richtig zuordnen. Eine Diagnose gleicht einer Flugzeuglandung bei Nacht, ohne Lichtmarkierungen am Flugfeld. Ähnlich einer Autofahrt mit Standlicht im Halbdunkeln. Ein Vorwärtstasten mit Gespür, ein verdecktes Schlagloch, anstatt Licht in die Beschwerden zu bringen.

Alles Schlagloch.

speku:lation l

Schon immer hat das Wort Spekulation einen schlechten Beigeschmack. Die damalige Situation war so, dass bei einer Lebensversicherung und beim traditionellen Sparbuch akzeptable Zinsen gezahlt wurden und Sicherheit bestand. Im 21. Jahrhundert wurden vielen Menschen von eifrigen Börsengurus und Bankangestellten überredet, Anleihen,  Fonds und Aktien zu kaufen.  Um die Jahrtausendwende gab es die Internetblase, wo viele Wertpapiere innerhalb kurzer Zeit zwei Drittel von ihrem Wert eingebüßt haben. Nach dem Platzen der Internetblase wurde bald munter weiterspekuliert, die Konjunktur sprang wieder an. Auch der sogenannte kleine Mann kaufte auf Grund der Gewinnversprechungen Aktien. Der Euro wurde zur Weltwährung  hochgelobt und es ging bei den Fonds  wieder bergauf. Von Amerika hat sich vor einigen Jahren die Immobilienblase wie ein riesiger Feuerball über den ganzen  Globus ausbreitet und dabei viele Banken, Anleger und Staaten zu Fall gebracht. Das große Bankenerdbeben  war auch in der EU zu spüren und die maroden Staatskassen einiger Mitgliedsstatten waren überfordert. Heute verliert das Geld auf dem Sparbuch täglich an Wert. So werden die Menschen fast systematisch zu spekulativen Geldgeschäften getrieben. Zu  Aktienkäufen von Firmen,  dabei weiß man oft nicht, wer die Firmen sind sind. Wie es wirtschaftlich  weiter geht ist alles Spekulation, man hofft auf das nächste  Halbjahr, auf den Herbst 2014.

selbst:prüfung

Aus den Tageszeitungen und den Nachrichten erfahre ich, wie unverschämt sich viele Bankmanager verhalten haben, wie sorglos sie mit dem Geld der Anleger und Sparer spekuliert haben. Zusätzlich haben sie sich unappetitliche Gehälter und Provisionen genehmigt. In der Schweiz kam es zu einer Volksabstimmung darüber, um wie viel mehr darf ein Manager als ein gewöhnlicher Arbeiter, verdienen. Oft gehen wir mit unseren Vorstellungen und Werten sorglos um, wir werfen sie über Bord. Wollen wir anderen Menschen Werte vermitteln, müssen wir sie selbst leben. Ermahnt einem der Arzt  mit dem Rauchen aufzuhören, sollte er selbst nicht mit einer brennenden Zigarette im Cafe gesehen werden. Kommt von einem übergewichtigen Orthopäde der Vorschlag bei Hüftschmerzen das Gewicht zu reduzieren, verliert diese Aufforderung sofort an Wirkung. Höhere Strafen für Alkohol am Steuer fordern die Politiker und werden dann selbst bei einer Verkehrskontrolle alkoholisierte erwischt.

Ein Seminarleiter über Stressabbau zeigte sich erbost weil seine Studienunterlagen nicht rechtzeitig gekommen sind. Mit der Auskunft, dass es Lieferschwierigkeiten gibt, ist er nicht zufrieden.  

Im Stresslabor.

uni:tag

Nach dem Betreten des Vorlesungsraums steht man als älteres Semester plötzlich in einer Runde von jungen Studenten, ist etwas verunsichert und weiß nicht, wie man sich artgerecht verhalten soll. Die Anspannung bleibt, was kommt, höflich und locker bleiben. Seniorstudenten sind die Ausnahme und werden von den Jungen kritisch beäugt. Ein Einsteigertipp, nicht die vorderen Reihen wählen, die Eingweihten sitzen in den hinteren Reihen. Es ist spannend wie in der Grundschule, bis zum Augenblick wo die Lehrerin oder der Lehrer die Klasse betreten hat. Der Professor fordert uns auf, in die vorderen Reihen zu wechseln, damit seine Stimme geschont  wird.

Mit dem Lehrpersonal hatte ich als schrulliger Papierwarentandler im Berufsleben viele Berührungspunte und dabei das Gefühl, dass Lehrer erwarten, dass ihre Meinungen ohne Widerspruch akzeptiert werden. Außer beruflichen Fortbildungskursen habe ich nach dem Schulabschluß keinen Unterricht mehr genossen. Nach Beginn der Vorlesung beobachte ich, dass die Studentinnen und Studenten nahtlos an das Grundschulsystem anschließen. Für Fragen heben sie artig die Hand, verwenden als Anrede Herr Professor und stimmen in den meisten Fällen seinen Aussagen zu. Es gibt kaum andere Meinungen oder Einwände zur Vorlesung. Der zeitliche Ablauf der Lehrveranstaltung ist auf die Bedürfnisse des Professors abgestimmt. Die meisten Studierenden verhalten sich wie eine Herde braver Lämmer.

Durch meinem Kopf geistern Szenen aus den sechziger und siebziger Jahren, als in Frankreich, Deutschland, Italien und anderen Staaten von Mitteleuropa die Studentenunruhen stattgefunden haben. Rudi Dutschke war mein großes Vorbild. Dieser Widerstandsgeist ist aus den Unis verschwunden, nicht mehr notwendig, weil die Professoren um vieles liberaler sind.

Attentat.