schöpf:er

Erschöpft sitze ich am Zusammenfluss von der Drau und der Gail, der Himmel ist bedeckt, die Luft  ist warm. Nach dem Radfahren komme ich am Flussufer zur Ruhe. Ich bin auf der Suche nach dem Schöpfer. Von ihm sagt man, dass er in der Natur zu finden ist. Wer lange genug die Natur betrachtet, dem offenbaren sich die Schöpfung und der Schöpfer. Bei meinem Blick dem Ufer entlang auf die Stauden, Weiden und Bäume, den Gräsern, Blumen und Gestrüpp stellt sich mir die Frage, wo versteckt sich der Schöpfer? Sitzt auch er erschöpft zwischen den Sträuchern auf einem Flussstein? Zwei Schwäne schwimmen, begleitet von den Stimmen der Vögel, flussaufwärts. Jedes Lebewesen, jede Pflanze ist für den Anderen da, sie unterstützten sich gegenseitig. Braucht es für die Abläufe in der Natur, im Großen wie im Kleinen einen Schöpfer? Schöpft die Natur die Regeln aus sich selbst, ist sie nicht Schöpfer ihrer selbst. Durch die Wolken kommt etwas Sonne. 

Erleuchtung.          

 

sechzig:jahre

Was denkt ein Neunzigjähriger über das Alter, wenn er zur Feier eines Sechzigjährigen eingeladen wird? Sein äußeres Erscheinungsbild ist tadellos, Anzug mit Krawatte und mit voller Aufmerksamkeit folgt er den Gesprächen am Tisch. Die meisten anderen Gäste werden ihm jung vorkommen. Er erhebt sich jedes Mal vom Stuhl, wenn er eine  Dame begrüßt. Der Großteil der Eingeladenen ist zwischen fünfzig und siebzig Jahre alt. Er spricht von ihnen, als von den Jungen. 

Junge Alte.

strahle:mann

Wie kann am schnellsten die Psyche und in weiterer Folge das tägliche Leben zerstört werden? Dahin führt ein Weg, wenn man vom Partner aufgefordert wird ein perfekter Mensch zu werden. Korrigiert wird, wenn es darum geht die Stühle auszurichten, den Müll zu trennen und die Küchentüre zu schließen. Auf die Frage nach dem persönlichen Befinden keine Alternativen zugelassen sind und die Antwort lautet: „Es geht mir gut“. An der Aussage, „Alles im Griff zu haben“, gescheitert ist die Jugendrichterin Kirsten Heisig in Berlin. „Ich habe alles im Griff“, war ein Standardsatz von ihr. Sie ist  bei Fernsehdiskussionen für eine bessere Integration und mildere Bestrafung von Jugendlichen eingetreten. Eine Vorzeigefrau wie es die Gesellschaft liebt und dann hat sie Selbstmord verübt. Bei solchen Auswirkungen zeige ich mich als ein Mensch mit Schwächen und Fehlern, kein Strahlemann für Strahlefrau. 

Wie ist es nach dem  Berufsausstieg möglich unterschiedliche Leute kennenzulernen, eine Mischung aus Alt und Jung?  Einen Ort zu finden, wo die unmöglichsten Geschichten erzählt werden, wie diese:  Eine Lehrerin hat in einem Aufsatz das Wort „Hifler“ nicht anerkannt, obwohl es im österreichischen Wörterbuch steht und durch „Stange“ ersetzt. Eine Stange ist kein „Hifler“. 

Heuhifler.

rede:antwort

Man kann sagen jeder Mensch hat eine andere Nase, einen anderen Mund, eine andere Stirn und doch erkennen wir sie als Nase, Mund und Stirn. Es gibt in den Gesichtern der Menschen verschiedene Stimmungsbilder, wie ein Verzogenes, ein Aufgewühltes, ein Lächelndes, ein Schmerzhaftes, wir erkennen die unterschiedlichsten Stimmungsschwankungen. Auf diesen Gesichtsausdruck, der etwas von der Stimmung im Innersten preisgibt, reagieren wir mit unserem eigenen Gesichtsausdruck. Wir reagieren mit unseren Gesten, mit unserer Sprache, mit unserem Mitgefühl und mit unseren Entscheidungen.

Die Redegewohnheiten sind bei den Menschen, wie die äußeren Merkmale, verschieden. Im Alltag befinden sich unsere Redegewohnheiten auf umgangssprachlichem Niveau. Meistens geht es darum jemanden seine Wünsche mitzuteilen, eine Frage zu stellen, sich über eine Sache zu äußern oder eine Antwort zu geben. Es geht um Äußerungen, die mit dem unmittelbaren Leben zu tun haben. Ein nüchternes, abgeschliffenes Redeverhalten, dass sich beim Umgang mit Kindern und mit älteren Menschen verändert, einen anderen Tonfall annimmt. Oft ist dies im Umgang mit Kindern, Senioren und dem Partner ein belehrender Tonfall. Der Befehlston schleicht sich bei langjährigen Beziehungen ein, wenn der Partner, die Partnerin, Rede und Antwort einfordert. Dann kommt Skepsis auf, an dem was gesagt wurde.   

Von Menschen die einen Vortrag halten erwartet man, dass sie Punkt für Punkt zum Kern der Sache kommen, für alle verständlich. Diese Vorträge sind oft nicht sehr kreativ. Philosophen und Schriftsteller gehen einen anderen Weg, sie erzählen zuerst von den Nebenschauplätzen, sie verweisen auf Dinge die nur am Rande mit dem ursächlichen Thema etwas zu tun haben, es wird ein Umweg gemacht. Sie springen manches Mal von einer Wortverbindung zu einem Wortspiel. Vieles andere ist wichtiger und von sprachlicher Schönheit, als das gewählte Thema. Eine  Angelegenheit wird eingekreist, wie eine schöne Blume auf der Wiese, sich Spirale um Spirale der Blume nähern. Um eine Antwort zu erhalten müsste man zur  Blüte vordringen, die Blume zerstören. Danach hätte man verschiedene Blüten, aber keine Antwort. Es braucht eine gute Geschichte und nicht eine Antwort die alles zerstört.

Beantworten.