VITAMIN:b

In Österreich war es lange Zeit selbstverständlich, dass durch die Partei alles geregelt wurde und in vielen Fällen gilt dies bis heute. Ob bei der Suche nach einem Arbeitsplatz oder einer Wohnung, die Zugehörigkeit zu einer Partei war dabei behilflich. Besonders ausgeprägt ist die Parteipolitik in der Verwaltung, im Unterrichtswesen, bei den halbstaatlichten Industriebetrieben. Man hatte oft den Eindruck, dass die Parteimitgliedschaft genügte um einen Arbeitsplatz oder eine Wohnung zu ergattern. Lokalpolitiker haben in ihrem Stammgasthaus die Sprechstunden abgehalten. Man konnte sie dort am Vormittag zu einer bestimmtem Zeit antreffen und seine Anliegen vorbringen. Die berufliche Karriere oder die Vergabe einer Wohnung wurden am Wirtshaustisch entschieden. Mit der Privatisierung der verstaatlichten und staatsnahen Betriebe hat sich der Einfluss der Politik abgeschwächt. 

Eine Gepflogenheit des politischen Alltags ist, dass bei Orts- und Bezirksversammlungen von den Obmännern lange Reden, mit belanglosem Inhalt, gehalten werden. In Vorwahlzeiten wird den Mitgliedern erzählt, dass es um das Überleben der Partei geht, dabei geht es um die Wiederwahl des Bezirksobmannes. Zu den Ritualen gehört, dass die Tagungsordnungspunkte auf mehrere Sitzungen verteilt werden, um mehr Präsenz zu erreichen. Die Politiker leiden unter Entzugserscheinungen, wenn sie abgewählt werden und nicht mehr gebraucht werden. Es ist eine Ausnahme, wenn jemand bemüht ist sein Leben ohne die Unterstützung der Partei, wie es im Volksmund heißt ohne das Vitamin B.,  zu leben. 

Überdosierung.         

VER:laufen V

Die Fernsehsender setzen alles daran die Zuschauerzahlen zu steigern. Dadurch sind sie für die Wirtschaft und deren Werbeeinschaltungen attraktiv. Die stärkste Motivation ist das Lukrieren von Werbeaufträgen und die damit verbundenen einnahmen. Das Niveau im Fernsehen steigt nicht, wohl aber die Ansprüche der Zuschauer, sie verlangen mehr Spannung, Grusel und Ekel. Auf diese  Gruppe zielen die  Doku Soap ab. Viele Zuseher sind der Meinung, dass diese Zustände in der Nachbarschaft herrschen. Dabei macht es keinen Unterschied ob es sich um eine Soap wie, „Frau mit Kind sucht Mann“, „Bauer sucht Frau“, neuerdings „Bauer sucht Bauer“ oder „Richterin Barbara“, handelt. Die Wirklichkeit kann sich dabei nicht widerspiegeln, da die Kamera dabei ist und große Gefühle verlangt werden. Bei den meisten Dokusoap werden Laienschauspieler eingesetzt, die stellvertretend für andere ihren Emotionen freien Lauf lassen. In einer Messies Soap werden schreckliche Bilder gezeigt, Ratten in der Wohnung, Müll bis an die Decke, verstopftes und verdrecktes Bad und WC. Könnten die Zuseher den Gestank aus der nachgestellten Wohnungen riechen, so würden sich zwei Drittel der Zuschauer übergeben müssen.

Das Sozialamt meint es in manchen Orten gut und versorgt Arbeitslose und Bedürftige mit einer Fülle von Kleidern. Dabei kontrolliert aber niemand, wie groß der Kleidungsbedarf wirklich ist, ob die Kleider gepflegt und getragen werden und nicht  in einer Ecke der Wohnung gehortet werden. Ähnliches gilt  für Lebensmittelpakete die verrotten, weil man nicht gewillt ist zu Kochen.

Die Antschi war ein fixer Bestandteil des Ortsbildes in Möselstein. Sie schaute viele Stunden am Tag, Woche für Woche, aus dem Fenster vom 1. Stock auf die  Bundesstraße. Dabei stützte sie sich auf einen Polster und redete Jeden und Jede, die sie erspähen konnte, an. Da sie nur eine Fürsorgerente bezog, beschenkte sie das Sozialamt zu ihrem Geburtstag und zu Weihnachten immer mit einem großen Kleiderpaket. Trotzdem trug sie Jahr für Jahr immer dieselben Kleider. Als die Antschi in eine andere Wohnung übersiedelt wurde, wurden aus ihrem Zimmer ein LKW voll unbenützter Kleider entsorgt.

Alles geschenkt.     

E:bikes

Im letzten Jahrzehnt haben immer mehr Menschen ihre Vorliebe für das Radfahren entdeckt. Beigetragen hat dazu die Einsicht, dass es gesünder und billiger ist, im Alltag kurze Strecken mit dem Rad zurückzulegen. Im Stadtverkehr gibt es, bei der Begegnung zwischen Rad- und Autofahrern sowie den Fußgängern, eine Reihe von Gefahrenquellen. Gefordert wird eine gegenseitige Akzeptanz zwischen Auto- und Radfahrern und bei gegenseitiger Rücksichtnahme ist im öffentlichen Verkehrsnetz Platz für beide. Das Radwegenetz wird weiter ausgebaut und verkehrssicher gemacht. Für das Radfahren werben die Gesundheitsaposteln und die Fremdenverkehrswirtschaft. Seit kurzem werden E-Bikes zum Kaufen angeboten, dabei wird die eigene Muskelkraft bei Bedarf durch einen E-Motor unterstützt. Ich stehe als Radfahrer, der die Muskelkraft benützt, dem E-Bike skeptisch gegenüber. Es ist gut, wenn man zu Fuß schlecht unterwegs ist oder eine Unterstützung durch den E-Motor braucht um eine Steigungen zu überwinden. Ich kann mir vorstellen, dass sich E-Bikefahrer zu einer Gruppe zusammenschließen, um gemeinsame Ausflüge zu unternehmen. Argwöhnisch bin ich, wenn in einer Gruppe ein Teil mit E-Bike unterwegs ist und der andere Teil mit herkömmlichen Fahrrädern. Ähnliche Skepsis habe ich, wenn ein  Partner das traditionelle Fahrrad verwendet und der Andere ein E-Bike. Dadurch entsteht ein Wettbewerbsverzehr der Kräfte. Während der Eine mit Unterstützung des E-Motor bequemer und schneller die Strecke zurücklegt, fährt der Andere mit dem herkömmlichen Fahrrad hinterher und fühlt sich gestresst.  Ein ungleicher Wettbewerb tut einer Gruppe oder einer Paarbeziehung nicht gut.

Für mich bedeutet Rad fahren nicht ein fahren von Punkt A nach Punkt B, sondern für mich steht das Loslassen, das Entspannen und ein leichtes Konditionstraining im Vordergrund. Radfahren hat für mich meditativen, religiösen Charakter, es ist eine Kulthandlung. Das Wichtigste am Radfahren sind für mich die Pausen, in denen ich mich niedersetzte und die Beobachtungen in einem Notizheft festhalte.

Tagebuchnotizen.   

FUND:ament

Im Kurs, „Fit für den Rücken“, werden Übungen im Stehen gemacht, dabei ist es wichtig, dass man auf beiden Füßen ausgewogen steht. Bei Yogaübungen soll man gut „geerdet“ sein. Dabei stellt man sich vor, dass man mit Hilfe der Fußsohlen Verbindung mit dem ganzen Universum aufnimmt. Die Reifenindustrie verweist in ihrer Werbung darauf, dass es vier Reifen sind,  welche das Auto mit der Straße verbinden. Sind diese abgefahren oder von schlechter Qualität, dann kann das Auto in heiklen Situationen, wie Nässe, Schnee und Regen, die Bodenhaftung verlieren. Dies bedeutet für die Autoinsassen Lebensgefahr. 

Im Leben ergeht es uns ähnlich, wir brauchen für die verschiedenen Lebensabschnitte ein gutes Fundament. Ein liebevolles Elternhaus und eine umfangreiche Schulbildung bilden ein gutes Fundament für das weitere Leben. Später muss jeder, je nach Schicksal, selbst für ein geeignetes Fundament sorgen. Die einen finden es in der Gründung einer Familie, im Beruf, in einem Verein, wie der Feuerwehr oder der Caritas und heute aktuell in einem Social Media Netzwerk. Diese Fundamente haben manches Mal über Jahrzehnte Bestand. Ändert sich dieses Fundament oder bricht ein Teil weg,  je nach Größe und Bedeutung, wird es ungemütlich. Die Situation entspricht der auf einer Klippe, wenn ein Teil unter den Füßen wegbricht. Bei Männern und bei immer mehr Frauen ist dies das Ende der Berufszeit, der Ausstieg aus dem Arbeitsleben. Auf welches neue Fundament kann man dann sein Leben stellen und wie kann man es erden? Dabei spielt auch die Höhe der Pension eine Rolle. Es ist nicht möglich die Höhe des Einkommens selbst zu bestimmen, die Erhöhungen werden vom Staat bestimmt. Es ist gut, wenn sich dann etwas Neues öffnet, eine Bibelrunde, ein neuer Arbeitsplatz oder die Mitarbeit in einem Verein zur Errichtung eines Heimatmuseums. Auch handwerkliche und künstlerische Begabungen können in späteren Jahren, so nach dem Ende der Berufszeit, zu einem neuen Fundament werden. Die Basis für die Zukunft schaffen heute Computer- und Internetkurse für Späteinsteiger. 

Für viele Pensionisten in der Draustadt ist ein neuer Anfang, am Morgen einen Cappuccino bei McDonald zu trinken, die Zeitungen durchzublättern und den Jugendlichen hinterherschauen. 

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