Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

schuld:schulden I

In den meisten europäischen Staaten haben nach der Sommerpause die ersten Parlamentssitzungen stattgefunden. Auch die Politiker verbringen einen Sommerurlaub, wobei das politische Tagesgeschäft nicht von vornherein steuerbar ist. Vielerorts richten sich die Zeiten der Plenarsitzungen nach den großen Sportereignissen. Besonders brisant, wenn eine Mannschaft des Landes zu den Finalteilnehmern gehört. Am liebsten bleibt man bei dem Motto „Brot und Spiele“ hängen, so bleibt die Frage nach der Schuld und den Schulden immer aktuell. Wie viel Schuld vertragen wir, als Einzelner und als Volk, wem sind wir etwas schuldig? Die Frage ist durch die großen Zuwandererströme aktuell, stehen wir bei denen in der Schuld? Auch der finanziell meist gefährdete Staat der EU, Griechenland, droht immer mit dem Zeigefinger. Mitteleuropa hätte bei den Griechen noch eine Schuld abzutragen. Sind diese Fragen nur im Parlamentsclub oder auch in der Kirche zu diskutieren, während einer Messfeier?

Schuld und Schulden, zwei Begriffe welche in unserem Alltagsgebrauch einen negativen Beigeschmack haben. Welche einen Menschen, eine Gesellschaft, ein ganzes Volk belasten können. Er, sie, es hat sich schuldig gemacht, sind schuldbeladen. Einerlei, ob man an etwas Schuld ist oder bei jemanden Schulden hat. Immer verlangt Schuld nach Vergeltung oder aber der Schuldige bereut und bittet um Vergebung. Wie der Einzelne mit diesen Wörtern umgeht hängt damit zusammen, in welchem sozialen und religiösen Umfeld er aufgewachsen ist. Im christlichen Bereich nimmt das Einbekennen von Fehltritten eine zentrale Rolle ein. Bei der Feier der Sonntagsmesse erfolgt zu Beginn das Schuldbekenntnis: „…..ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken, durch meine Schuld, durch  meine große Schuld….“. Bei der Messfeier in der Pfarre „Herz Jesu“ in  Klagenfurt fügte das Evangelium noch etwas dazu. Ein Mann fragte Jesus: „Wie kann ich ewiges Leben erlangen“? Nach seiner Selbstauskunft befolge er schon alle Gebote. Da sagte Jesus: „Verkaufe alle Güter, verschenke deinen Reichtum, dann wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben und ewiges Leben erlangen“. Danach folgt ein Kernsatz, von denen sich in unserer materialistischen Welt viele betroffen fühlen: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt“. Der Pfarrer knüpfte hier an, seine Aufforderung unseren Reichtum aufzugeben, könnte bei vielen Unbehagen ausgelöst haben. Für die breite Masse kann man sagen, wir verteidigen unseren Wohlstand. Den sehen wir auch in Gefahr, durch die alles überlappende Flüchtlingskrise. Es lässt auch die Gegenfrage zu, hat nicht auch die katholische Kirche als Institution großen Reichtum angehäuft? Es den Reichen über Jahrhunderte leicht gemacht, durch einen Ablassbrief sich von Schuld freizukaufen und so einen bleibenden Schatz im Himmelreich zu sichern.

Kamelreiten

kraft:ort

Die steirische Landesausstellung „Wallfahrt – Orte der Kraft“ findet in einem ehemaligem Kloster, in Pöllau bei Hartberg, statt. Die Ausstellung beginnt mit religiösen Symbolen von Opfer- und Kultstätten der Antike und führt dann weiter zu den christlichen Wallfahrtsorten. Zuerst waren es Kirchen mit den Reliquien verschiedener Heiliger. Im Mittelalter entsteht die Marienverehrung mit neuen Kultstätten. Maria war vor allem für die  armen und einfachen Leute eine Bezugsperson und gab ihnen Hoffnung. Als einzelne Person ist man schon immer Gefahren ausgesetzt, welche oft nicht zu bewältigen sind. So haben wir bei Göttern, bei Gott und Maria um Hilfe und Schutz gesucht. Ein Zeichen der Marienverehrung sind die Opferkerzen vor den Marienaltären. Jede Kerze die hier angezündet wird, ist mit einer Bitte oder Dank verbunden. Es gibt im Leben jedes Einzelnen, trotz aller privaten Versicherungen und Absicherungen durch die Gemeinschaft, immer ein Restrisiko, dem man machtlos gegenübersteht. Dafür sucht man Hilfe bei einer höheren Macht. Ich erlebe es persönlich, dass ich bei den Worten, „Der Friede sei mit Dir”, Trost finde. Im schönen Innenhof des Klosters werden bäuerliche Produkte aus der Umgebung, Kerzen, Andenken und esoterische Waren verkauft.

Am Pöllauberg steht eine mächtige Wallfahrtskirche, der Kirchturm ragt weit in den Himmel. Ich gehe in die Kirche, ein angenehmer Zustand.

Aus meinem Tagebuch…

grenzen:los

Eine neue Funktion erhalten die Grenzübergänge Thörl-Maglern und Wurzenpass seit die Balkanroute für die  Flüchtlinge geschlossen wurde. An beiden Grenzübertrittsstellen trifft man Vorbereitungen um wieder Passkontrollen durchzuführen. Es betrifft alle Reisende, egal ob In- oder Ausländer, Immigranten oder Flüchtlinge. Mit Skepsis beobachtet man die zukünftigen Entwicklungen, handelt es sich doch um keinen Grenzverkehr unter Nachbarn, sondern zwischen Kontinenten. Plötzlich ist es wieder notwendig, dass man bei einer Reise innerhalb der EU, auch zum Nachbarn, den Reisepass einpackt. Dies war einige Jahre völlig vernachlässigbar. Auf Grund der Migrantenströme will man von jedem Staatsbürger immer mehr Daten speichern, jede Person gilt als verdächtig. Für meinen neuen Reisepass wurde bei mir erstmals vom Zeigefinger ein Fingerabdruck gemacht. Dieser ist im neuen Pass integriert. Gegenüber der Beamtin habe ich mein Erstaunen ausgedrückt, dass ich dies noch erleben kann!  Ein Kuriosum ist der Geburtsort, welcher in meiner Geburtsurkunde angegeben ist. Als Geburtsort steht: Politzen. Üblicherweise wäre Ferndorf  der Geburtsort, bei mir steht in allen Dokumenten Politzen. Dies war damals eine kleine Ortschaft in der Gemeinde von etwa fünf zerstreuten Bauernhäusern. Wie die Beamtin mir versicherte kennt man den Ort Politzen weltweit. So wird ein weiteres Pseudonym “Franz von Politzen” geboren. Ich habe auf Google eine Suchanfrage gestartet: Zu Politzen gibt es auf Google 10.400 und zu Ferndorf  373.000 Einträge. Zu einer gewissen Bekanntheit haben es die beiden Politzner Kampfkatzen, Charly und Undine,  gebracht, weil sie von mir öfter im Blog erwähnt wurden.

Die verschiedenen Währungen im Dreiländereck, Österreich-Ex-Jugoslawien- Italien, vor der Einführung des Euro, haben das Kopfrechnen der Jugend und der Erwachsenen geschult. Heute ist dies infolge der gemeinsamen Währung nicht mehr notwendig. Gestiegen ist das Interesse an der Sprache der Nachbarn. Diese werden bereits in der Elementarschule in den Unterricht eingebaut. Wahrscheinlich muss friedliches Zusammenleben von jeder Generation neu erarbeitet werden. Alles braucht seine Pflege, ob Nachbarschaft oder Sprache.

Nationalfeiertag.

grenz:übertritt II

Um die Einkäufe Revue passieren zu lassen gehörte der Besuch einer Pizzeria dazu. Dabei wurden im Kopf die ersparten Münzen zusammengezählt und gegenseitig Geheimadressen ausgetauscht. Gestärkt mit einer Pizza oder einer italienischen Jause und einem Glas Wein fuhr man entspannt der Grenze entgegen. Im vorhinein wusste niemand, wird heute kontrolliert oder durchgewunken. Für den Fall der Fälle hatte man sich für die Frage des Zöllner: „Haben sie etwas zu verzollen“, eine ausweichende Antwort zurechtgelegt. Zumeist gab es für Einheimische kaum Kontrollen. Ein altgedienter Zöllner beschreibt es so: “Wie ein Polizist bei einer Verkehrskontrolle die Alkoholfahne vom Lenker riecht, so konnte er den Ledergeruch aus dem Kofferraum wahrnehmen”. Besonders in der Vorweihnachtszeit wurde beim Verdacht auf die Einfuhr von Lederwaren Nachschau gehalten.

Die Stimmung am Wurzenpass war beim Passieren der Grenze, nach und von Ex-Jugoslawien, gedrückt. Schon bei der Einreise wurde der Pass einer strengen Prüfung unterzogen. Den jugoslawischen Zöllnern und Grenzpolizisten kam dabei kein Lächeln über das Gesicht. Schwerbewaffnete Soldaten standen rechts und links des Grenzbalken. Auf der Passhöhe war das Militär in geheimen Bunkern omnipräsent. Auch auf österreichischer Seite gab es Bunkeranlagen, man war sozusagen immer gefechtsbereit. Der Aufenthalt in Ex-Jugoslawien bestand aus der Einnahme eines preiswerten Mittagsmenüs und einmal günstig Auftanken. Bei der Einreise konnten die Raucher im Dutyfreeshop billig Zigaretten kaufen. Dort gab es auch Kosmetika und Markenuhren zu reduzierten Preisen. Hier war man bei der Einreise um vieles angespannter als in Thörl Maglern. Lag es daran, dass der jugoslawische Wein nicht so süffig war? Niemand verweilte in Ex-Jugoslawien länger, als unbedingt notwendig.

Bei mir verflüchtigen sich diese Stimmungsbilder immer mehr, die Waren- und Personenkontrolle ist beim Grenzübertritt obsolet, damit auch der Reiz des Verbotenen. In Kärnten haben sich inzwischen internationale Modeketten, von Diskont bis Markenqualität, etabliert. Der Tarviser Markt leidet seit über einem Jahrzehnt unter Besucherschwund. Durch die Generalsanierung um die Jahrtausendwende hat er zusätzlich an Flair verloren. Die Verkaufsstände sind zu korrekt, die Ladenbesitzer zu professionell. Der Besuch einer Pizzeria ist immer noch einen Ausflug wert. Am Wurzenpass  hat man jetzt die Möglichkeit die ehemaligen Bunkeranlagen zu besuchen, der Einkauf von Zigaretten und Kosmetika in den Dutyfreeshop ist immer noch beliebt.

Kofferraumkontrolle.