plan:los II

Von den vielen Ereignissen des Jahres ist bei mir der Terroranschlag in Barcelona hängen geblieben. Es liegt einige Jahre zurück, da sind wir bei einer Stadtbesichtigung  auf der Rambla Promenade flaniert. Im Gedächtnis geblieben wohl auch deshalb,weil wir mehrheitlich die negativen Vorfälle behalten und weil die Hausärztin  in dieser Woche in Barcelona auf Urlaub war. Dabei hat sie den gewaltigen Polizei- und Militäreinsatz miterlebt. Orakelhaft war das Eintreffen einer Ansichtskarte aus Barcelona,die genau am Tag des Terroranschlages abgesandt wurde. Der Absender war mein Bruder, von dem wir wissen, dass er kaum Urlaub macht. Keine weiter entferntere Reisen, lieber arbeitet er in seinem Urlaub in seiner eigenen Firma. Dieser Bruder befand sich mit der Familie zu der Zeit des Terroranschlages in Barcelona und hätte ein mögliches Opfer sein können. Einen unwahrscheinlicheren Zufall kann ich mir nicht vorstellen.

Da stelle ich mir die Frage, gibt es so etwas wie einen Plan, der unser Leben steuert? Wer hat diesen Plan, von dem wir selbst nichts wissen, festgelegt? Wir planen zwar, können aber gegen das Schicksal oder wie es pathetisch heißt, gegen die Vorsehung nichts ausrichten. Sind wir die Erfinder unseres eigenen Planersteller und halten alles, was wir für unvorhersehbar erleben, als dessen Absicht? Erfreulich, wenn die Ereignisse besser sind, als wir es uns vorstellen. Zerknirscht müssen wir uns fügen, wenn der Plan für uns ein Desaster ist. Zumeist retten wir uns mit der Ansage, es wird schon für etwas gut sein. Wir können uns mental helfen, wenn es nicht nach unseren Absichten verläuft.

Oft weitet man, wenn es nicht mehr nach Plan läuft, den Plan auf andere aus. Man bezieht ihn eigennützig in seine Vorhaben ein. Ein Beispiel dafür ist, dass man das Autofahren an den Nagel gehängt hat. Das Autofahren bedarf einer regelmäßigen Übung. Gibt es keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen, kann man es bis in das hohe Alter ausüben. Dazu muss man feststellen, verliert man die Sicherheit beim Autofahren oder es wird einem der Verkehr auf der Straße zu viel, sollte man auf das Autofahren verzichten. Schon im Interesse der anderen Verkehrsteilnehmer. So ist es verständlich, ist man  selbst nicht mehr fahrtauglich, dass man nach einem Ersatzfahrer sucht. Somit kann man auch andere Aktivitäten delegieren, vor allem unangenehme  Aufgaben.

Verkehrshölle.

plan:los I

Vor uns liegen die letzten Tage im alten Jahr. Jetzt zeigt sich, dass während des Jahres über vieles  geredet wurde, aber nicht alles wurde verwirklicht. Es gab Monate, wo man nicht den Mut hatte etwas Konkretes zu planen, wie eine Reise zu buchen. Die Ursache lag zum Einem im nicht stabilen Gesundheitszustand und die Schwierigkeiten, trotz Reisestornoversicherung eine Buchung zu stornieren. So hütet man sich, sind die Aussichten nicht zu hundert Prozent erfüllt, eine Reise fix zu buchen. Wegen akuten Ischiasschmerzen konnte ich eine Pilgerreise nicht antreten. Es war vorgesehen täglich zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Kilometer zu wandern. Wer bei Beginn der Fahrt nicht fit ist, für den besteht keine Aussicht, dass er mit der Gruppe mithalten kann. Schon die Frage auf der Schadensmeldung zur Stornoversicherung, ob man schon einmal unter den angeführten Beschwerden gelitten hat, schloss praktisch von vornherein einen Rücktritt aus. Die Ärztin formulierte, dass die Ischiasschmerzen spontan aufgetreten sind und keine sofortige Besserung der Beschwerden möglich ist. Zum Anderem, dass die Teilnahme an einem täglichen Marsch von fünfundzwanzig Kilometern unmöglich ist.

Das Reisebüro hat sich bereit erklärt für mich die Unterlagen bei der Versicherung einzureichen. Nach einer Frist von drei Monaten bekam ich von der Versicherung die Mitteilung, dass ein weiterer Fragebogen ausgefüllt werden muss. Weiteres verlangten sie, obwohl ein Attest von der Ärztin bei ihnen vorlag, nochmals eine Bestätigung der Ärztin über meine Reiseunfähigkeit. Die Ärztin beklagte bei dieser Gelegenheit, dass von den Versicherungen ärztliche Atteste mit Skepsis aufgenommen werden. Zumeist gibt Rückfragen. Diese kommen erst Monate später und man hat bis dahin schon einiges verschwitzt. Nach etwa einem halben Jahr bewilligte die Versicherung die Rückzahlung der Reisekosten, wobei davon das Reisebüro ein Drittel für das Einreichen der Stornomeldung kassierte. Alles in allem war es eine zeitaufwendige Bittstelleraktion, obwohl ich eine Reisestornoversicherung dazugebucht habe.

Alles Storno

über:kärnten II

Manche politischen Vorkommnisse in Kärnten, nach der Jahrtausendwende, wurden über die Landesgrenzen, teilweise über die Bundesgrenzen hinaus bekannt. Bewegte man sich als Kärntner im österreichischen Ausland, wurde man über Jahrzehnte auf die  Person Jörg Haider angesprochen. Ein politisches Talent, wie man es in der österreichischen Innenpolitik selten erlebte. Mit einem Talent geboren zu sein, bedeutet  für dieses Talent Verantwortung zu übernehmen. Dabei gibt es den Bibelspruch, dass man seine Talente nicht unter den Scheffel stellen soll und auch nicht vergraben. Dem Talent hat ein Verkehrsunfall ein jähes Ende bereitet. Für die negativen Folgen seines Handelns hat er keine Haftung übernehmen müssen. Wie wir es bei Schauspielerinnen und Sängerinnen erleben, dass sie ein früher Tod vor dem Alter bewahrt hat. Am Höhepunkt seines Ruhmes ist er abgetreten, für die Schattenseiten musste er nicht mehr gerade stehen.

In diesem Zusammenhang wurde, nicht zum ersten Mal, die Psyche der Kärntner von Wiener  Psychiatern unter die Lupe genommen. Schon Erwin Ringel, der Erklärer der Österreichischen Seele, hat darauf hingewiesen, dass die Kärntner Seele sich wesentlich von den Restösterreichern unterscheidet.  Er hat die Kärntner als die Sizilianer Österreichs bezeichnet. Im Herbst 1988 hat Erwin Ringel im Schlossgarten von St. Kanzian einen denkwürdigen Vortrag gehalten. Diesem Vortrag habe ich gelauscht  und im Hermagoras Verlag ist danach das Buch, Die Kärntner Seele, erschienen. Vor zwei Jahren war ich wieder in St. Kanzian und habe dabei gesehen, wie sich das Ambiente des Schlossgartens verändert hat. Den Mittelpunkt bildet heute ein Bildungszentrum mit einem angeschlossenen Hotel und Restaurant. Manche Bäume, dachte ich mir, sind schon damals hier gestanden.

Ein Psychologe hat anlässlich des 10. Todestages von Jörg Haider erklärt, der Umgang der Kärntner mit dem verunglückten Landeshauptmann gleicht mit dem eines Heiratsschwindler. Obwohl man vom Heiratsschwindler emotional hereingelegt und finanziell ausgenommen wurde, schwärmen dessen ungeachtet viele Frauen weiterhin vom Charme und dem weltoffenen Auftreten.Dies ist eine Seite der menschlichen Psyche, wir verdrängen oftmals das Unangenehme und erinnern uns nur an die schönen Seiten. Bei Heiratsschwindlern sind die Opfer vornehmlich Frauen. Uns Männern geht es ähnlich. Jahre nach einer gescheiterten Beziehung beschwört man das Liebliche in der Verbindung, die schönen Augenblicke. Die unschönen Seiten und  Erlebnisse in der Partnerschaft, welche die Seele verletzt haben, werden ausgeblendet.

Fabrikant

über:kärnten I

Die kreative Empfindsamkeit betrifft nicht nur Musik und Gesang, sondern auch Literatur und Malerei. Kärnten wird gerne als Land der Dichter bezeichnet. Bedeutsame deutschsprachige Schriftsteller der Vergangenheit, wie auch der Gegenwart stammen aus Kärnten. Meine Favoriten, um drei Namen zu nennen: Ingeborg Bachmann, Peter Handke und Christine Lavant. Mir persönlich bekannte Literaten will ich hier nicht erwähnen. Wie in allen Künsten gibt es ein breites Fußvolk, dieses hat auch seine Berechtigung. Mitunter ändern sich die Zeiten. Es passiert, sind Personen zu Lebzeiten auch sehr bekannt, rücken sie nach dem Tod wieder in den Hintergrund. Darüber bestimmen auch die Nachlassverwalter mit. Verwandte, welche den künstlerischen Ambitionen eines Familienmitgliedes zu Lebzeiten skeptisch gegenübergestanden sind. Wo es um ein Mitspracherecht geht, in der Öffentlichkeit auf den Lorbeeren des Verstorbenen sich auszuruhen, ist man interessiert. Möglicherweise kein Buch des Familienmitgliedes aufmerksam gelesen, sie stehen zu Hause ungelesen im Bücherschrank.

Die Jungkärntner in Wien werden wahrscheinlich auf die tollen Events im Land, auf die Freizeitmarke Kärnten angesprochen. Auf das GTI-Treffen im Frühsommer zudem GTI-Fahrer aus ganz Europa anreisen, auf den Villacher Kirchtag, wo Scharen von Italiener die Innenstadt bevölkern. Weitere Events, in Verbindung mit den Kärntner Seen, verbreiten den Geschmack des lebensfrohen Kärnten. Zu dieser Marke gehört auch die Nachbarregion Friaul. Das bunte Kärntner Völklein wird als eine Mischung aus Italiener und Österreicher eingestuft, mit einer gewissen Sorglosigkeit im Alltag.

Die Kreativität zeitigt aber auch besondere Auswüchse. So gibt es das Kärntnerwasser mit Zitrogeschmack in Flaschen zu kaufen. Für Einheimische  müsste es beim Kauf eine Vergünstigung geben, handelt es sich dabei doch um das Kärntner Wasser und gehört dies nicht allen Kärntner? Die Verkäuferin im Supermarkt meinte auf eine diesbezügliche Anspielung, auch für Kärntner gibt es keinen Rabatt.

Undine

reise:abenteuer II

Hätten wir in Mailand den Bahnsteig verlassen, hätten wir ihn im schlimmsten Fall nicht mehr betreten dürfen, weil wir keine gültigen Fahrscheine für diese Strecke hatten. Eine Rarität im italienischen Bahnverkehr ist, dass bei den großen Bahnhöfen bevor man den Bahnsteig betreten kann kontrolliert wird, ob man eine gültige Fahrkarte hat. Damit sollen Schwarzfahrer abgeschreckt werden. Anderseits braucht es in den Fernverkehrszügen eine Platzreservierung, die wir nicht hatten. Zu unserem Glück war der Zug von Mailand nach Savona überfüllt und der Schaffner hat unsere Fahrscheine nur oberflächlich kontrolliert. Einen Teil der Zugstrecke mussten wir am Gang sitzen, dann lichteten sich die Plätze und wir fuhren entspannt Savona entgegen.

Während der Zugfahrt hatten wir ausführlich Zeit uns über unsere Herkunft und die kommende Reise zu unterhalten. Dem jungen Paar konnten wir einige nützliche Tipps zum Einchecken und zum Bordleben  geben. Im Gespräch steckten wir den gemeinsamen lokalen Raum ab, das Beziehungsgeflecht zwischen uns, von dem wir vorher nichts wussten. Der junge Herr hat seine Schulferien bei einer Familie in Arnoldstein verbracht, umgekehrt waren die Kinder dieser Familie bei ihnen in der Steiermark. Da ich vierzig Jahre in Arnoldstein gelebt habe, war ich auf den Familiennamen neugierig. Möglicherweise kenne ich sie, obwohl ich kein Namensgenie bin. An den Namen konnte er sich nicht mehr erinnern. Handy sei Dank, hat er mit seiner Schwester telefoniert, die mit der Arnoldsteinerfamilie  immer noch sporadisch Kontakt hat und nach dem Namen gefragt. Es war eine Familie aus dem Ort, deren Tochter in meiner Papierhandlung eine Lehre absolviert hat. Mit dieser hat er als Kind im Sandkasten gespielt. So schloss sich der Bogen. Am Bahnhof  in Savona bestiegen wir gemeinsam ein Taxi, welches uns zum Schiff brachte.

Heimathafen