FLUG:verkehr

In der Ferienzeit steigt  der Flugverkehr deutlich an. Die Reiseveranstalter bieten vierzehn Tage Urlaub in Ägypten oder in Tunesien inklusiven Flug günstiger an, als einen vergleichbaren Inlandsurlaub. Dazu kommt der Städtetourismus mit einem Flugpreis um € 19.90. So entwickelt sich eine Mehrklassenurlaubsgesellschaft.  Für die einen ist es normal im Urlaub eine Flugreise zu machen, andere lehnen das Fliegen ab und andere können es sich nicht leisten zu verreisen. Bei den Flugreisenden gibt es die eine Gruppe, welche sich unbelastet in das Flugzeug setzt und eine Gruppe, für die es eine Überwindung ist, in ein Flugzeug zu steigen. Selbst kann man zur Sicherheit nichts beitragen, man vertraut  auf das Können und das Wissen des Kapitän und der Fluglotsen.

Vor meiner Sitzbank  ist eine Pfütze und die Ränder sind schwarz von Bienen. In der Nähe befinden sich Bienenstöcke und es herrscht reger Flugverkehr. Ein Bienenvolk besteht  aus zirka dreißig- bis fünfzigtausend Bienen. Jede Biene ist ihr eigener Kapitän und Lotse. Bei der Pfütze „tasten“ sich die Bienen gegenseitig ab, wer gehört zum selben Bienenvolk, bevor sie sich niederlassen und mit der Wasseraufnahme beginnen. 

Die Flugschneise.

ERD:mensch

Den Traum vom Fliegen gibt es schon lange. Die Menschen konnten an den Vögeln beobachten, wie diese mit ihren Schwingen durch die Luft segeln. Sie hatten damit die Möglichkeit sich schneller und weiter zu bewegen, als es den Menschen früher möglich war. Götter, Engel und Geistwesen bewegen sich mit  Flügeln fort. Das Bild, das Engel Flügel haben, hat sich in uns so eingeprägt, als wären es leibhaftige Wesen. Seit dem Mittelalter konstruiert man Flugmaschinen, um mit der eigenen Muskelkraft zu fliegen. Die Entwicklung des Düsentriebwerkes legte den Grundstein dafür, dass das Flugzeug zu einem Massenverkehrsmittel wurde. Heute gibt es Massen von Fluggästen, nicht alle sind vom Fliegen begeistert. Viele müssen sich überwinden, wenn sie in ein Flugzeug steigen. Die einen bedrückt der enge Raum und die vielen Menschen im Flugzeug, die anderen macht die Höhe Angst. Sie spüren, dass sie keinen festen Boden unter den Füssen haben. Ihnen wird im wahrsten Sinne des Wortes der Boden unter den Füssen entzogen. Seit  Millionen Jahren haben sich die Menschen mit den eigenen Füßen auf festem Boden fortbewegt.  Beim Fliegen wird ihnen zugemutet diese Sicherheit aufzugeben. Wir sind Erdmenschen, wären wir zum Fliegen geboren, hätte uns die Evolution Flügel gegeben. 

Es gäbe massive Beschwerden, wenn  man bei einem Konzert  von den Besuchern verlangen würde, dass sie sich zwei Stunden vor Konzertbeginn im Konzerthaus einfinden müssen und sich einer Körper- und Handtaschenkontrolle unterziehen müssten. Niemand würde das Konzerthaus betreten, wenn neben der Eingangstür Polizisten mit dem Gewehr im Anschlag postiert wären.  Beim Fliegen nimmt man dies alles in Kauf. Man geht zwei Stunden vor dem Abflug an schwer bewaffneten Polizisten vorbei in das Flughafengebäude und es wird eine strenge Körper-  und Gepäckkontrolle  durchgeführt. Ist man auch körperlich in einem fernen Land, so hat man das Gefühl, dass die Seele nicht mitgereist ist. 

Singen verleiht Flügel.

EURO:traum

Für die Euro Fußballmeisterschaft gibt es in Südkärnten viele Baumassnahmen. In einem Bergdorf wird entlang der Gehsteige eine Absperrung angebracht. Von den Hauseigentümern wird reklamiert, dass damit die Hauseinfahrten abgesperrt werden. Das Straßenpersonal weist darauf hin, dies sei für die Sicherheit bei der Euro notwendig. Auf die Gehsteige werden Sägespäne und Sand aufgebracht. Damit wird die Rutschgefahr für die Besucher beseitigt. Ich befürchte, dass bei einem Sturm der ganze Ort in eine Staubwolke gehüllt sein wird. Als ich den Mund im Traum öffne ist er voll Sägespäne, ein Vorderzahn bricht aus, der Kiefer ist ganz porös. 

Die Euromillionen. 

TIER:paradies

Sitzt man auf der Bahnüberführung im Möselsteinermoor, dann blickt man in die Tümpel, in Flächen mit Seegras, in das braune, abgestorbene Schilf, dazwischen kommen die grünen, neuen Triebe hervor. Man sieht Bäume in Schieflage, Föhren deren Wurzeln im Wasser frei liegen. Dazwischen schwappt und glückst es, in der Mitte bewegt sich ein kleiner Wasserstrom und kommt in einem Tümpel zum Stillstand. Unter mir rauschen, klopfen, schmettern die Züge in allen Tonlagen durch. Entlang der Schienen verläuft ein Kabelkanal aus Betonplatten, aus im schlängelt sich eine Hornviper. Im Kabelkanal befinden sich die Winterquartiere und Brutnester der Schlangen. Aus dem zerbröselten Beton ragen verrostete Stahlstäbe, in den Fugen tummeln sich die Ameisen. Im Moor hat der Lurch, der Feuersalamander, der Frosch, der Schmetterling, alle ihren Freiraum. 

Wir haben die Wahlmöglichkeit für die Freiheit zum Leben und die Freiheit zum Sterben. Die Freiheit am Leben ist  schöner als die Freiheit am Tod. Die Freiheit in Frieden zu sterben, ohne Kampf. Man wird immer etwas behalten wollen, noch etwas erleben wollen. Der Mensch ist nie selbstlos, weil der letzte Wille der Wunsch nach dem Paradies ist. 

Wunschlos unglücklich.

SA:hara

Viele Personen  versuchen in diesen Tagen vor der frühsommerlichen Hitze in Südkärnten zu fliehen. Die außergewöhnlichen Temperaturen von über dreißig Grad,  Ende Mai – Anfang Juni,  werden durch einen Föhnsturm aus der Sahara verursacht und mit dem Föhn wird ein feiner Sandstaub mittransportiert, der die Fernsicht trübt. Die Berge verbergen sich hinter einem diesigem Schleier, manchmal die Sonne.

Die  älteren Menschen leiden mehr unter der Hitze als die Jüngeren. Die Jugend sucht die Hitze, die pralle Sonne. Sie entblößen ihren faltenlosen Körper auf der Dachterrasse der Wohnanlage, in den Schwimmbädern oder am Strand vom Presseggersee. Die älteren Personen versuchen eine Strategie zu entwickeln wie sie die heißen Tage überleben können, eine Hitzeüberlebensstrategie. Jeder hat seinen Geheimtipp, versucht einen Ort zu erreichen, wo die Hitze erträglich ist. Manche schaffen es körperlich nicht sich aus der Wohnung zu entfernen. Sie ziehen die Vorhänge zu, öffnen die Fenster nur nachts und halten die Rollladen tagsüber geschlossen. Oft ist das Bad in der Wohnung der kühlste Ort im Sommer. Dort sitzen die hitzegeplagten Menschen und tauchen die angeschwollenen Füße in das kalte Wasser der Badewanne. Hat man einen Balkon der nach Norden gerichtet ist, dann kann man sich hier am Abend abkühlen. Nicht viel Abkühlung verschaffen die Markisen,  wie sie heute auf vielen Balkons zu sehen sind. Sie schützen vor direkter Sonneneinstrahlung, aber Kühlung verschaffen sie nicht. Besser dran ist wer vor dem Haus oder vor der Wohnanlage einen Garten, einen Hof hat, wo mehrere Bäume stehen. Die besten Schattenspender sind die Laubbäume. Im Hof besteht die Wahrscheinlichkeit, dass man jemanden zum Reden trifft, der ebenfalls vor der Hitze geflüchtet ist. Die außergewöhnlichen Hitzetage sind gleich ein Thema. 

Ein Geheimtipp um den tropischen Temperaturen in Möselstein zu entgehen ist eine Bank in der Nähe der Kreuzkapelle. Hinter der Kapelle erhebt sich ein bewaldeter Felsen mit Moos und Farnen, vorne rauscht der Möselsteiner Bach vorbei. Dazwischen ist ein Grünstreifen mit einer Bank zum Ausruhen. Der Felsen ragt in den Altarraum hinein. Direkt aus dem Felsen ist in groben Zügen ein gekreuzigter Christus gemeißelt. Die zum Himmel gerichteten Augen sind für mich ein Leidensthermometer. Sind die Schmerzen in der Welt  groß, dann sind die Augen ganz nach oben gedreht und die Augäpfel quellen aus dem Stein hervor. Schauen die Augen geradeaus, dann herrscht die Normalität des Alltags. Blicken sie gütig zu Boden, dann drückt der Gekreuzigte sein Wohlbefinden über den Zustand der Welt aus. Die Knospen des Rosenstrauches stehen knapp vor dem Aufblühen. 

Im Rosengarten.