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KOTZ

 

Monche wochsn ols Kinda

mit Viecha auf, de kennan

an Hund, de Kuah,

dos Pferd bevor se zan

lafn onfongan.

Ondre hom mit de Viecha

ka Freid, se wochsn

im Lärm und im Vakehr

von da Stodt auf.

A jeda hot späta vül zan

tuan im Lebn, da Beruf,

de Frau und de Kinda.

Fir sich sölba wüll mon

a bissl Freizeit hobn.

 

Donn passiert epas,

a liaba Mensch valosst an,

a ondra stirbt oda es

passiert a Unfoll und

mon hot vül Zeit

zan nochdenkn. Do laft an

a Kotz zua und da Olltog

hot a neichs Gsicht… 

 

 

VALOSSN

 

A jeda Urt wüll heit

an Gewerbepark.

So wearn auf da

greanan Wiesn Blechhalln

mit groaße Fenstascheibn

hingstöllt und runduma vül

grean zan aussponnan.

De Industrie ziagt

aufs Lond.

In da Stodt hot se ka

greans Fleckl freiglossn.

Durt wochsn aus de

valossanan Fabrikn Grosbischln,

Staudn und da Löwnzohn…

 

 

SCHREIBN

 

Nit fir olle scheinan in

da Nocht de helln Stern,

monche firchtn sich

vur da Dunklheit,

vur da Zukunft,

vur de schlechtn Tram.

Wonns um mi gonz still weard

fong i on zan Schreibn… 

 

 

 

MundArt  HörProbe

 

04-04-spur-4

 

 

EIN:ladung

IMPETUS – Kultursommer in Arnoldstein

BUCHPRÄSENTATION

„GSUND BLEIBN“ von

Franz Supersberger

Sonntag, 3. August 2008, um 20 Uhr

Arnoldstein – Klosterburg

Franz Supersberger liest aus seinem neuem Mundartbuch

Musik von „Ab und Zua Musi“

Mit ruhiger Bestimmtheit skizziert Franz Supersberger die Front zwischen dem inszenierten schönen Schein des Fortschrittlichen und dem, was davon verdrängt und erstickt wird. In ihm hat Kärnten einen Beobachter mit scharfem Blick und der Fähigkeit, das Wesentliche zu kurzen Texten zu verdichten.

Mundartautor des Monats Mai 2008 , Juli 2006  und April 2005

MundArt HörProbe

MUND:art

SCHREIBN 

Nit olle sehgn in

da Nocht de helln Stern,

monche firchtn sich

vur da Dunklheit,

vur da Zukunft,

vur de schlechtn Tram.

Wonns um mi gonz still weard

fong i on zan Schreibn,

vom Olbtram zua an

neichn Gedicht…  

 

RECLAME 

Wer heit om Lond

in an Urt einefoahrt,

der siaght zerst dos

haushoche Reclameschüld

vom Supamorkt, glei ba

da Urtseinfoahrt, erst

späta den Kirchturm.

Im Urtszentrum draht sich

ka Wettahohne om Doch,

auf an Reclamemost draht

sich a Plastiktrogtoschn… 

 

MENSCH 

Es weard oft gfrogt,

woas is a Mensch,

wo kimmta her,

wo geahta hin.

Woas gschiacht mit

seine Gedonkn,

wonna  stirbt.

Vüle Frogn, de mon

goar nit olle beontwortn

konn, weil miar schterbn

vül zua friah…

 

 

KLANIG . KEIT

Plattdeutsch – Kärntnerisch Das Mundargedicht „Klanigkeit“ wurde vom Kärntnerischen ins Plattdeutsche übersetzt, von Schätzelchens Tante El-Fidi S. ( schlafmütze )

 

Kleenigkeit
Up de Bundesstroot sind
de Lüü an´t Gemischworngeschäft
vorbi, in´t Inkoopcenter
no Statt föört.
Immer weniger sind stohnblewen.
At dat Gemischworngeschäft
wegen to wenig Kundschaft
dich mok het,
hebt de Lüü klogt, wie
möt wegen jede Kleenigkeit
in´ne Statt föhrn…

Aus „An schean Tog“ von Franz S.
übersetzt ins Plattdeutsche von El-Fidi S. 😉

 

Klanigkeit
Auf da Bundesstrossn san
De Leit om Gmischtwoarngschäft
Vurbei zua de Einkaufscenta
In de Stodt gfohrn.
Imma weniga san steahnblibn.
Wias Gmischtwoarngschäft
Wegn zwenig Kundschoft
Zuagsperrt hot, hom
De Leit geklogt, mir
Miassn wegn jeda Klanigkeit
In de Stodt fohrn…..

Aus “ An schean Tog“ von
Franz S.

 

 

Kommentar(e)     

schlafmuetze / Website (3.9.07 17:17)
Fein !!!
Möchtest du die anderen drei übersetzten Gedichte auch haben? Es sind:Sperrmüll, Döörpplatz und Öbern Winter.
Dann mail mir kurz eine Nachricht.
Meine Mailadresse veröffenliche ich, bis du dich darüber gemeldet hast, kurzzeitig in meinem Blog 😉
Du darfst über die übersetzten Gedichte nach Gutdünken verfügen.
Elfriede (El-Fidi genannt) hat sie direkt übersetzt. Sie ist mit Plattdeutsch aufgewachsen (71 Jahre alt) . Sie erzählte allerdings, das sie bei einigen kärntnerischen Worten lange über deren Bedeutung nachdenken mußte 😉
Ganz liebe Grüße  

Gerhard (3.9.07 22:53)
Hallo Schlagloch!Wieviele Varianten gibt es denn eigentlich Kärntnerisch? Ich denke doch, daß so mancher Kärntner sagen würde: „So kenn‘ ich mein Kärntnerisch nicht!“
Hier in Unterfranken sind oft die Dalekte von Ort zu Ort ziemlich unterschiedlich.
Doa biste manchmoal richtich verlore..

Danke fürs Platt, Schlafmütze!

 

schlagloch
Hallo Gerhard!
In den Tälern von Kärnten (Möll- Gail- Rosen- Drau-Jauntal usw.) werden unterschiedliche Dialekte gesprochen. Meine Mundartgedichte sind in einer verständlichen kärntner Umgangssprache geschrieben, weil mein größtes Augenmerk liegt beim Inhalt der Gedichte. In meinen MundArtGedichten werden zeitbezogene Themen und Probleme aufgegriffen und nicht „alte Zeiten“ und längst bekannte „Stimmungen“ verklärt.Gruss schlagloch.

THESEN ZUR MUNDART (MA)
A) Die MA soll sich gegenwartsbezogener Themen annehmen.
B) Literatur ist sich darstellen.
C) Der Schriftsteller soll die Gesellschaft provozieren.
D) Schreiben bedeutet sich einzumischen.
E) Wichtig ist der Raum zwischen den Zeilen, das Offenlassen von Gedanken.
Der Leser soll einen Freiraum für seine eigenen Gedanken haben.
1.9.84

 

Gerhard (4.9.07 23:36)
Hallo Schlagloch,
das Dichten in Mundart hat was.
Mir gefiel besonders „HOFFNUNG“ und hier die Passagen „übern Sepp sei Ongst“. Ongst ist elementar. Jeder kennt sie. In Mundart klingt das Unvermeidiche, das Archaische, das seit Äonen bekannte der Ongst an. Ongst ist wie Broatesse, Gucke, Schloafe, Lufthole ein menschl. Phänomen – und in den Tälern sowie den Bergen zuhause.
In „Hoffnung“ ist Dir die Beschreibung des „Stoffs“, aus dem wir Menschen sind, recht gut gelungen. 

schlagloch
Hallo Gerhard,
deinem Kommentar ist nichts hinzuzufügen. Ich habe mir erlaubt eine „Kopie“ von deinem Kommentar zum Beitrag mit den Mundartgedichten „Hoffnung“ hinzuzufügen.
Gruss schlagloch. 


schlafmuetze / Website (5.9.07 17:17)
Hallo Schlagloch 😉
Zugegeben .. meine E-mail – Adresse ist etwas versteckt .. aber dennoch da. Ich wollte verhindern, das ich mit Spam ohne Ende zugeschüttet werde.
Deine Addy habe ich mir notiert, du kannst sie hier und bei mir im Blog wieder entfernen.
Liebe Grüße 🙂
In einigen Tagen schicke ich dir die Gedichte … !!