BE:schwerden

Der am häufigsten geäußerte Glückwunsch bei festlichen Anlässen ist: „Bleiben sie gesund“, in Kärnten kurz: „Gsund bleibn“. Daher erleben wir jeden Tag, an dem wir nicht gesund sind, als Ärgernis, als einen Fehler der Natur, eine Misswirtschaft des Schöpfers. Wie aber gehen Menschen mit dem Alltag um, die in frühen Jahren krank geworden sind oder im Alter kränklich werden? Dabei sehnen sich gerade diese nach Freude und Abwechslung. Oft ist man der Meinung, dass man der Einzige mit Beschwerden ist, alle anderen sind gesund und glücklich. Diese Ansicht bleibt so lange aufrecht, bis man einen Bekannten im Krankenhaus besucht, der zu den glücklichen Menschen zählte und jetzt total unglücklich ist.

Spürt man beim Abschiednehmen vom Betrieb körperliche Unsicherheit, so muss man dies akzeptieren. Steht man im leeren Lager und weiß das man hier nichts mehr zu sagen hat, kann  dies Betroffenheit hervorrufen. Man muss etwas loslassen, an dem man sich festhalten konnte. Noch weiß man nicht, an was man sich in der Zukunft festhalten wird.

Kärntnerstraße.

GESCHÄFTS:zeiten

Bei einem Geschäft ist es üblich, dass in der Nähe der Eingangstür die Öffnungszeiten ersichtlich sind. Manches mal sind die Geschäftszeiten in der Reklamesäule vor dem Geschäft integriert. Arbeitszeiten sind ein gutes Mittel um dem Tag und dem Leben eine Struktur zu geben. Die umherirrenden Gedanken werden auf den Arbeitsprozess zurückgeführt. Eine klare Struktur kann Grübeleien ausschalten.

Eine solche Struktur sollte man sich  in der Pension  schaffen, einen Pensionsrythmus. Vom Klosteralltag kann man sich ein Muster ausleihen. Nicht  um der Aktivitäten willen jede Kleinigkeit sofort besorgen oder erledigen, sie bündeln und  gemeinsam erledigen. Nicht in der Stille  verharren, neue soziale Verbindungen schaffen und sich caritativ  betätigen. Regelmäßig ein Tagebuch führen und Texte verfassen. Gedanken können einsam machen.

Gsund bleibn.

ALT:werden

Es vergeht kein Tag, an dem man nicht etwas zur demografischen Entwicklung der Bevölkerung in Österreich aus den Medien erfährt, und es stimmt, wir werden älter. Auch die Buchverlage haben entdeckt, dass dieses Thema ein Hoffnungsmarkt ist, eine Marktlücke. Man versucht anderen Branchen, wie Seniorenreisen, Nahrungsmittelergänzungen oder Bekleidung für Senioren nachzueifern. Die Bücher, welche sich mit der Lust, der Freude und den Beschwerden beim Altwerden beschäftigen, sind so zahlreich wie die Bäume am Waldesrand. So gibt es die Spezialisten, ob Theologe, Philosoph, Internist, Sportarzt, Hirnforscher oder Psychotherapeut, die selbst in das reife Alter gekommen sind und alle verfassen einen Ratgeber über das Älterwerden. Eines ist unumstößlich, am Älterwerden kann niemand etwas ändern, kein Ratgeber und kein Sachbuch, ändern kann man seine Einstellung zum eigenen Körper. Die Gebrechlichkeit des Leibes annehmen, zur Kenntnis nehmen, dass man verschiedene Aufgaben nicht mehr so schnell erledigen kann. Angefangen beim Gehen, besonders das Aufwärtsgehen, beim Essen, man verträgt nicht mehr alle Speisen gleich gut.

Nach einer Geburtstagsfeier im Familienkreis wird oft gesagt, jetzt ist die Tante schon fünfundsiebzig Jahre alt und noch immer „gut drauf“. Das bedeutet, dass sie sich drei oder vier Stunden von ihrer besten Seite gezeigt hat, meistens ohne körperliche Anstrengungen. Familienfeiern haben viel mit Sitzen zu tun, man muss die Feier absitzen, so wie man eine Strafe absitzen muss, obwohl man nichts Unrechtes getan hat. 

 Professor Ernst Pöppel hat sich aus der Sicht der Hirnforschung mit dem Alter beschäftigt, und den Schluss gezogen: „Je älter umso besser“, so der Buchtitel. Zitate aus dem Buch: „Nicht wie die Welt ist, ist das Mystische,sondern dass sie ist.“ „Heutzutage denken viele Menschen zu egoistisch“. „Altern bedeutet, vom Müssen zum Wollen gelangen. Es ist die geschenkte Freiheit nicht zu müssen“. 

Es gibt für jeden zeitlose Momente, wie am Meer zu sitzen, die Wiese zu betrachten, seinen Körper zu spüren und sich innerlich jung fühlen. Der Verstand versteht es nicht, dass man körperlich betrachtet bald das sechzigste Lebensjahr erreicht, aber tief im Inneren fühlt man sich so, als würde man als Dreißigjähriger am Meer sitzen. Das Gefühl macht den Alterungsprozess, wie es  für die die Haut oder die Muskeln gilt, nicht mit. Dazu sagt die Psychotherapie, dass die Gefühle nicht altern müssen, dass man im Alter genau dieselben Gefühle haben kann wie in jungen oder mittleren Jahren. Wie wäre es sonst möglich, dass sich ältere Leute, über Siebzig, noch genauso verlieben können wie Zwanzigjährige.

Ewige Liebe.

FASCHING:kehraus

Manche erreichen im Leben nur mit viel Mühe Aufmerksamkeit. Sie fahren von  einer Party zur nächsten und versuchen auf der  Faschingsparty durch ein schillerndes, knappes Kostüm aufzufallen. Jeder will beim Gschnas der jungen Wirtschaft gesehen werden, dort besteht die Möglichkeit Verbindungen zu anderen Kollegen herzustellen. Die Stadtpolizisten treffen sich zu einer Schnapserrunde,  die Wirte zu einem Sauschädelschmaus. Frauen bilden ein eigenes Netzwerk, für mehr Erfolg im Berufsleben und nicht durch die Beziehungen zu Männern Karriere zu machen. Die Fischer laden zur Nixenparty, die „Stempler“, Menschen welche Arbeitslosengeld beziehen, haben ihren Stemplerball und besonders lustig ist es auf dem Gschnasfest der Pfarrhaushälterinnen.

Auf dem Weg zur Arbeit trifft man Leute, die ohne es zu wollen auffallen. So, wenn jemand bei starkem Schneefall mit dem Fahrrad auf dem Fahrradweg, der nicht geräumt ist, unterwegs ist. Er  wird von einem Polizisten, der einen Schutzweg überwacht, angehalten und sein Fahrrad wird kontrolliert. Der Polizist beanstandet, dass er am Fahrrad keine Winterreifen montiert hat. Er muss dreißig Euro Strafe zahlen und das Fahrrad schieben.

Ein älterer Herr geht mit einer Katze im Transportkorb über den Hauptplatz und kehrt beim Mc Donald zu. Katzen wollen einen Big Mac fressen.

Lei drei.