non:plus:ultra II

Heute ist es verpönt das Wort Altersheim zu verwenden, weil das Altern ausgeblendet wird. Wo fängt das menschliche Alter an, bei über Neunzig? Sagen wir Seniorenheime, dort werden die Insassen in Zukunft mit einem Pflegeroboter kommunizieren. Für die Z- Generationen, geboren nach der Jahrtausendwende, könnte es die übergangslose Fortsetzung ihrer Arbeitswelt sein. Morgens wird der Roboter das Zimmer aufräumen, mittags das Essen servieren und abends schöne Träume wünschen. Im Altersheim von einer schnorrenden Stimme aufgefordert werden, am Handy ein Mittagsmenü zu wählen. Das Guten Appetit wird nach dem Servieren der Suppe, wie wir es heute sagen,  wohl blechern klingen. Die Jahrzehnte, als man zu den Computern und den vollautomatisch gesteuerten Maschinen Blechtrottel gesagt hat, sind vorbei. Geahnt hat man es, die Blechtrottel werden uns die Arbeit wegnehmen, dies ist inzwischen vielfach eingetroffen.

Sciencefiction

non:plus:ultra

Die Generationen der fünfziger und sechziger Jahre hatten das Glück, dass die Zeugnisnoten nicht das Nonplusultra waren. Heute glauben viele Eltern die Schulnoten entscheiden über den weiteren Lebensweg ihrer Kinder. Niemand duldet es, dass der Sprössling einmal einen niederen Beruf ausüben soll. Diese Vorurteile werden durch Zeitungsberichte genährt und mit den Ausländern in Zusammenhang gebracht. Von denen arbeiten die Weiblichen in Reinigung- und Pflegeberufen oder im Hotelgewerbe. Die Männlichen sind im Baugewerbe oder in Handwerksberufen wie Maurer, Fassadendämmer oder Bodenleger tätig. Wer hat das Recht, diese als minderwertige Berufe einzustufen? In unserer digitalisierten Welt geht es ohne Service- und Handwerksberufe nicht. Der PC allein vermag es nicht für das Wohlbefinden in unseren Wohnungen zu sorgen.

Die Botschaften von den intelligenten Reinigung- und Pflegerobotern klingen traumhaft. Dafür bedarf es ein neues soziales Verständnis, wird man im Stiegenhaus statt dem Personal vom Haus- und Gartenservice auf eine Schar von Reinigungsrobotern treffen. Im Hotel werden automatisierte Zimmercleanroboter für ein millimetergenau gefaltetes Handtuch und Überdecke sorgen. Das Gefühl, hier hat ein menschliches Wesen aufgeräumt, wird sich bei den Gästen nicht mehr einstellen.

KI

tür:öffner

An automatische Türen bei Geschäften und öffentlichen Gebäuden haben wir uns gewöhnt. Die Vorreiter bei den automatischen Türen waren die Kaufhäuser in der Innenstadt. Die Kunden mussten sich nicht erst bemühen eine Tür zu öffnen. Jenen, welche den Geldbeutel locker hatten, wurde keine Barriere in den Weg gelegt. Beim Forum Kaufhaus und beim Quelle Kaufhaus in der Innenstadt von Spittal an der Drau sah ich in den 60er Jahren die ersten automatischen Eingangstüren. Zumeist hatten die Geschäfte in der Stadt  eine selbstschließende Tür und dies war der technische Fortschritt. Bei manchen Läden glich die Geschäftseingangstür einer Hauseingangstür.
Von barrierefrei war damals bei den öffentlichen Ämtern und bei den Einzelhandelsgeschäften noch keine Rede.

In der Öffentlichkeit waren kaum Menschen mit Behinderung zu sehen. Eventuell war ein Rollstuhlfahrer mit einer Begleitperson im Park unterwegs. So selbst bewusst wie wir heute Menschen mit körperlichen Behinderungen erleben, waren sie damals keinesfalls. Kriegsversehrte, aus beiden Weltkriegen, hatten oft eine Lizenz für eine Tabak – Trafik und standen dort hinter der Budel. Diese Lizenzen wurden bevorzugt für Kriegsinvalide vergeben. Ihre Interessen wurden vom Kriegsopferverband vertreten. Am Rand vom Spittaler Bahnhofsvorplatz stand eine Baracke, wo sich ein Friseurladen und eine Würstelbude befanden. In der Würstelbude bediente der Inhaber, ein beinamputierter Kriegsinvalide. Er bewegte sich hinter der Schank sehr flink. Dabei hatte er seine eigene Technik, Frankfurter oder Krainer, mehr Auswahl gab es nicht, auf einem Pappteller mit Senf oder Kren zu servieren.

Automatik

schutz:engel

Ob gläubig oder ungläubig, fast alle hoffen, dass sie auf ihren Lebensweg von einem Engel begleitet werden. Ist man in einem Verkehrsunfall mit großem Blechschaden beteiligt und kommt mit Blessuren davon, so sagt man gerne, dass man einen Schutzengel bei sich hatte. Wie ich bei einer Fahrt durch das Kanaltal, Richtung Gemona. Plötzlich verdunkelt sich die Windschutzscheibe und die nächsten Sekunden sind für mich nicht nachvollziehbar. Der Moment wo ich wahrnehme, dass das Auto steht, ist in meiner Erinnerung gespeichert: Mein erster Gedanke galt meinen Füßen, kann ich diese noch bewegen. Auf der Fahrbahn lagen: Schüsseln, Teller, Besteck, Hosen, Pullover T-Shirt, Handtücher, Sandkübel, Schwimmreifen, Kloopapier und viele Sperrholzteile. Diese lassen einen Wohnwagen erahnen. In einer Entfernung von etwa zehn Meter stand ein Lkwzug quer über der Fahrbahn, über beide Fahrstreifen und blockierte die Bundesstraße. Die eingedrückte Fahrertür lässt sich nicht öffnen, ohne es zu planen verlasse ich den R 6 über die hintere Tür. Von der roten hinteren Sitzbank nehme ich meine grüne Reisetasche und setze mich am Straßenrand nieder. Längs meinem Auto steht, entgegen meiner Fahrtrichtung, ein Pkw Caravan. Angehängt das Untergestell eines Wohnwagens.

Nach Minuten völliger Stille ertönen die Sirenen der Rettung und der Polizei. Ein Abschleppwagen beförderte mein Auto zur Seite, der Lkw Zug und der Pkw fahren auf den linken Straßenrand. Jetzt beginnt der Verkehr Richtung Süden an die Obere Adria wieder zu rollen. Vielleicht war dies der Moment, wo mich mein Schutzengel verlassen hat, weil er seinen Job getan hatte. Er hat verhindert, dass ich mit dem Auto unter die Ladefläche des querstehenden Lkw geraten bin. Die Ladefläche des Lkw hätte mich im wahren Wortsinn geköpft. Mein Auto ist vom Vorderreifen abgeprallt und wurde zurückgeschleudert. Der italienische Lkw-Fahrer hat den Wohnwagen des holländischen Urlaubers überfahren und hat sich dann quergestellt. Der Holländer ist mit seinem Pkw meine Fahrerseite entlanggeschrammt. Nach dem Adressentausch durch die Polizei habe ich meine grüne Reisetasche genommen und bin im gegenüberliegenden Bahnhof in den nächsten Zug nach Kärnten eingestiegen.

Fahrplan