po:litzen

Niemand kannte bei der KFZ-Behörde den Ort Politzen.

Die Registrierung der Migranten gestaltet sich nach Erzählungen oftmals abenteuerlich, wenn es unvollständige oder keine offiziellen „Papiere“ gibt. Probleme bei der Feststellung des Geburtsjahres, wo und wann geboren, sowie fehlende Zeugnisse von der Schul- und Berufsausbildung.

Im österreichischen Beamtenstaat, teilweise noch mit den Strukturen und Umfang wie es in der Monarchie notwendig war, kam es am Meldeamt zur Diskussion mit dem Beamten. Bei der Abmeldung meines Zweitwohnsitzes wurde ich vom Administrator gefragt, wo ich jetzt geboren wurde, Politzen oder Ferndorf. Zuerst war ich etwas irritiert, weil ich nicht wusste, nicht wissen konnte, war ich eine Hausgeburt oder kam ich im Wöchnerinnenheim zur Welt. Bei Hausgeburt hätte Politzen gestimmt, ansonsten sind zu dieser Zeit die Erdlinge im Wöchnerinnenheim der Hebamme Sulzenbacher in Ferndorf auf die Welt gekommen. Schon einmal, als ich meinen desolaten „rosaroten Lappen“, den Führerschein, in ein Scheckkartenformat umtauschte, wurde angezweifelt, dass ich in Politzen geboren wurde. Niemand kannte bei der KFZ-Behörde den Ort Politzen. Zur Überprüfung auf der Geburtsurkunde nachgesehen, hier steht geboren in Politzen, Gemeinde Ferndorf. Die Schwester erzählt, dass ich in Ferndorf bei der Frau Sulzenbacher zur Welt gekommen bin. Um den Status des fraglichen Geburtsortes hervorzuheben, unterschreibe ich manchmal in Gästebüchern oder Anwesenheitslisten mit „Franz von Politzen“. Eine Suchanfrage bei Google ergibt zu Politzen etwa sechstausend Treffer. Darunter auch Texte aus dem Blog „schlagloch“.

8. Mai:2003

Heute Nacht verwandelten sich Charly & Undine in zwei Politzner Kampfkatzen. Charly hat sich im Körbchen von Undine voll ausgebreitet, Undine hat mächtig gefaucht. Nachts hat Undine den Charly angegriffen und ihn in die Küche verjagt. Das Wohnzimmer war morgens bedeckt mit Büscheln von Katzenhaaren. Während der Nacht war die Wohnungstüre offen, es herrscht in Kärnten Afrikaklima. Anfang Mai hat es über dreißig Grad. Kaum lege ich beim Radfahren in der Oberschütt eine Pause ein, erklingt in der Nähe das Geräusch eines Rasenmähers. Mähen, wo es nichts zu mähen gibt, diese Sucht nach dem kurzen Rasen. In der Schütt ist jetzt die Blütezeit der Gladiolen.  

Mit der Software meines neu installierten Weblogs „schlagloch“ komme ich gut zurecht. Einen weiteren Beitrag in das Blog gestellt, das Bloggen werde ich beibehalten. Meine Blogartikel unterscheiden sich wesentlich von denen anderer Blogger. Meinen Stil beibehalten, ihn zu verbessern ist immer gut. Es gibt einen regen Austausch bei den Kommentaren.

4. Mai:2003

Von Villach mit dem Fahrrad entlang der Drau nach Rosseg gefahren. Die Radausflüge gehören zu den schönen Erlebnissen. Gut für die Gesundheit und wirksam gegen den überhöhten Cholesterinspiegel. Während der Sommermonate ist genügend Zeit, diesen wieder in das Lot zu bringen. Je mehr R. vom gesunden Essen predigt, umso höher steigt mein Cholesterinspiegel.  Wegen der Pensionsreform streiken am Dienstag die Druckereiarbeiter, es erscheinen keine Tageszeitungen. An diesem Tag gibt es die Zeitung nur online, falls das Internet nicht vom Streik beeinträchtigt ist.

Freue mich über die Fertigstellung des Textes Selbsttodschläger. Die Verwendung des Computers erleichtert das Verbessern eines Textes außerordentlich, es ist nicht notwendig den Text komplett neu zu tippen. Nach dem Radfahren werde ich noch einen Eintrag für das Weblog „schlagloch“ verfassen.

25. April:2003

Heute waren wir in St. Veit, ein Wunsch von R. Nach dem Spaziergang meinte sie, dass St. Veit im Fernsehen schöner dargestellt wird, als es in Wirklichkeit ist. Es war sonnig, am Hauptplatz waren viele Frauen mit Kindern unterwegs. Weitergefahren in den Industriepark, dort entsteht das neue Druckereizentrum des Carinthia- und Styria Verlags. Die letzten Arbeiten, an der Fassade und bei den Außenanlagen, werden erledigt. Die Arbeiter kleben an der Außenfassade eine anthrazitfarbige Folie auf. Nach Aussage der Arbeiter eine Spielerei des Architekten Günther Domenig. Der Vorstandsdirektor des Styria Verlages hält einen Vortrag zur Zukunft der Tageszeitungen. Etwa zehn Jahre wird es ein Nebeneinander von print und online Zeitung geben.

Die Armbanduhr wird viele PC-Funktionen übernehmen und das intelligente Papier wird kommen. Auf einem digitalen Blatt Papier werden in Zukunft die neuesten Nachrichten angezeigt. Weiters wird die Möglichkeit bestehen, mit einem Chip im Ohr oder besser im Gehirn mit dem Zentralrechner des Zeitungsverlages verbunden zu sein. So wird man die „Kleine Zeitung“ direkt lesen können.

20. April:2003

Der Tag beginnt mit dem Besuch des Gottesdienstes in Feistritz/Gail. Der Herr Pfarrer hat uns nach der Messe zu einem Kaffee und einem Schnäpschen eingeladen. Wir besuchen die Kubin Ausstellung im Nötscher Museum. In drei Bilderzyklen, aus den Jahren 1903, 1918 und 1948 wird die Beschäftigung von Kubin mit dem Tod gezeigt. Der Tod tritt in allen möglichen Rollen auf, wie als Eisschuhläufer oder als Bräutigam. Kubin hat für sich den Tod in seinen Zeichnungen verinnerlicht. So ist es in unserem Leben, der Tod begleitet uns ständig.

Am Ostersonntag ist die Auferstehung die zentrale christliche Botschaft. Wer wird recht behalten, der Tod oder der auferstandene Jesus? Der Theologe Konrad Köll sprach in einem Vortrag in der Cusanus Akademie über die Auferstehung: „Es ist unbedeutend ob jemand an die Auferstehung glaubt oder nicht. Wie die Naturgesetze für alle gelten, egal ob sie jemand kennt oder nicht, so wird es auch mit der Auferstehung sein. Sollte jemand von der Auferstehung nichts wissen oder nicht daran glauben, so wird er im Jenseits nicht durch den Rost fallen“. Fünf Uhr Nachmittag, die Bauern sind in Saak gerade bei der Stallarbeit, je nach Windrichtung riecht man den Schweinestall oder den Kuhstall.

Jeder Tag, wo ich nicht schreibe, ist ein verlorener Tag.