VER:lust

Ist es notwendig, dass man ein paar Tage in der alten Heimat wohnen und schlafen muss, dann erlebt man in dieser Zeit die alte Geborgenheit. Dazu gehört im Elternhaus ein Zimmer zu haben, sodass man bei Festtagen oder Familienfeiern im Jugendzimmer übernachten kann. Kinder die studieren benützen dieses Zimmer lange. Es ist  ein heiles Universum, wo alles zusammengehört.  Wir leiden unter dem Universum Verlust. Dies beginnt damit, dass die Arbeitsstelle nicht im eigenen Haus, nicht im Wohnort ist, sodass man Zug-  oder Autofahrten von einer Stunde und mehr bewältigen muss. Das kleine Universum gibt es noch am Bauernhof, im  Dorfgasthaus, beim Bäcker  oder in den privat geführten Gästepensionen. Wir  leiden an der Heimatlosigkeit.  Die Nachrichten von Unfällen aus der engsten Umgebung lösen bei uns mehr Betroffenheit aus als Katastrophenmeldungen aus dem nahen Osten. 

Man spricht heute von der globalisierten Welt, die ganze Welt als globales Dorf, wo jeder alles über den Nächsten weis  und alle beten dies fleißig nach. Niemand will als Fortschrittverweigerer dastehen, aber vielen wird der Boden unter den Füssen weggezogen  Vielleicht ist es zuviel und zu schnell gekommen, dass wir mit so vielen Meldungen konfrontiert werden. Vor fünfzig Jahren haben viele Menschen das Tal, wo sie geboren wurden, kein einziges Mal verlassen. Es nicht verwunderlich, dass viele in der Pension aus der Fremde in die Heimat zurückkehren, wenn sie die Möglichkeit haben. Sie sehnen sich nach der einen, kleinen Welt, wo alles eine Einheit ist.  Andere sind in der neuen Heimat erfolgreich und sesshaft geworden. 

Der Neubau.   

(K)EIN:vorsatz

Seit Beginn der  Fastenzeit sind einige Wochen vergangen und wahrscheinlich sind nur wenige ihren Vorsätzen für die Fastenzeit treu geblieben. Die Themen rund um die Fastenzeit  sind aus den Schlagzeilen der Medien von der Sturmkatastrophe, dem Bürgerkriegseinsatz und dem Untersuchungsausschuss verdrängt worden. Wer erinnert sich noch an seine guten Vorsätze für das neue Jahr zu Silvester. Dies ist Schnee von gestern, soweit es dieses Jahr einen Schnee gibt. In der Fastenzeit verzichten die einen auf Süßigkeiten, andere auf das tägliche Glas Bier oder Glas Wein. Andere folgen dem Vorschlag der Kirche, „Autofasten“, und verzichten so oft als möglich auf das Auto. Dabei kommt es zu einer Diskussion über die Verfügbarkeit der öffentlichen Verkehrsmittel. Am Wochenende sind viele Orte in Kärnten mit einem öffentlichen Verkehrsmittel nicht erreichbar. Auch haben jene, die zum Pendeln das Auto benützen, es bequemer und eine  kürzere Fahrtzeit, als jene welche ein öffentliches Verkehrsmittel benützen. Sie  müssen Gehzeiten und Wartezeiten in Kauf nehmen. Außerhalb der großen Ballungszentren ist die Benützung des privaten Pkws der kürzere Weg zur Arbeit. Meistens hat der Begriff Fastenzeit einen bitteren Beigeschmack alles unter dem Aspekt des Verzicht und der Buße. Wo bleibt die Freude in der Fastenzeit.
 
Für eine andere Art von Fasten wirbt ein Gasthof mit dem Slogan  „Fastenprogramm von Aschermittwoch bis Ostersamstag“.  Es gibt ein Wienerschnitzel mit Pommes und dazu ein großes Bier um € 7.–. Vielleicht ist damit das Brieftaschenfasten gemeint.
 
Vom Autofasten zum Wienerschnitzel.
6.3.08 18:38
 
 

 5 Kommentar(e)    

Anna / Feuerstelle / Website

Hallo Schlagloch
Wenn ich jeden Tag Pommes mit Wienerschnitzel essen muß, kann die Fastenzeit recht lang werden. Zum Glück kann man es mit dem Bier runterspülen. Das haben schon Mönche gebraut. Wird darum keine Sünde sein.
*LG*Anna

 

Isabella / WebsiteHallo Schlagloch,
die Fastenzeit ist mir für mein Wohlbefinden sehr wichtig. Buße tun muss ich nicht, ich bin grundsätzlich brav *ggg*. Im Grunde könnte ich meine Fastenzeit auch in den Herbst verlegen, aber wenn „alle“ davon sprechen, tut man sich leichter.
Mir fällt der Verzicht von Nahrung leichter als die Autofasterei, obwohl ich in der Stadt wohne.
Mit dem Begriff „Fasten“ zu manipulieren, scheint sehr in Mode zu sein. Auch so kann man wohl Umsätze steigern. Naja – wenn die Kassen klingeln, warum nicht.
LG Isabella.

 

petros / Website

keinen Alkohol, kein Süßigkeiten, kein Fleisch…
fasten von Aschermittwoch bis Ostern. Ein Weg aus meiner Disziplinlosigkeit.

LG
Petros

 

schlagloch

 Hallo Petros,
Ich werde mich bemühen, die letzten vierzehn Tage auf Süßigkeiten zu verzichten. Ich habe Süßigkeiten „zum Greifen“ nahe.
Gruss schlagloch.

 

schlagloch

Hallo Anna!
Das Leben als Mönch hätte einen gewissen Reiz, wenigstens für eine kurze Zeit.
Gruss schlagloch.

(K)EIN:rahmen

Gibt  es in einer Familie mehrere Geschwister, so werden sie von anderen Menschen oft untereinander verglichen. Es kommt vor, dass Brüder verschieden im Aussehen und in der Art sind, und unterschiedliche Charakter haben. Diese Verschiedenheit setzt sich im Beruf und in der Partnerschaft fort. Der eine ist ein sportlicher Typ, der andere ein geselliger Mensch und der Dritte hat eine musikalische Begabung. In manchen Familien bleiben die Familienangehörigen unauffällig, andere Familien fallen aus dem Rahmen und gelten als schwierige Familie. Wer fällt aus welchem Rahmen.
 
In der Öffentlichkeit spricht man von wirtschaftlichen, sozialen oder gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Soll man sich an diese Rahmenbedingungen halten und wie können die selben Rahmenbedingungen für alle Menschen passen. Wer den Rahmen des normalen Denken und  Handeln verlässt, der ist  ein rahmenloser Mensch. Man versucht rahmenlose Menschen durch eine Therapie wieder in den Rahmen der menschlichen Gesellschaft einzugliedern. Diese würden sonst der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Es gibt Personen, die haben es durch ihr  Denken außerhalb des gesellschaftlichen Normen zu Berühmtheit gebracht und werden  anerkannt.
 
(K)ein Rahmen für alle.
 
 
28.2.08 11:34
 
 

 5 Kommentar(e)    

Gerhard
Die, die ausser den Normen leben, werden nur anerkannt, wenn sie etwas anderes dafür in die Waagschale werfen: Genie, Tatkraft, unerschöpfliche Energie, Schönheit oder ein anderes magisches Attribut. Sie müssen ihr Ding immer gut „verkaufen“ können, sonst geht nichts.
Einer, der jegliche Erwartung enttäuscht, hat keine Chance.
jary / Website


hm, guter kommentar, gerhard.
aber funktioniert gemeinschaft nicht so? kann sie überhaupt anders funktionieren? mein empirisches umfeld zeigt dass im kleinen: rahmen sind gar nich so übel.
ein kumpel von mir hat letztens den rahmen vergessen. der war einfach viel zu klein für ihn. oder besser: er hat ihn aufgebrochen und lebt teilweise im, teilweise außerhalb des gesellschaftsportraits. perso verbrannt, eigenversorgung und sowas…
und hier zeigt mein empirisches umfeld, dass selbst das außerhalb des rahmens leben gar nich so wild ist…
aber mein empirisches umfeld ist ja auch nur ein rahmen…

schlagloch
Hallo Gerhard!Für diejenigen, welche ausser der Norm leben ist der Weg schmal. Sind sie „gut“ werden sie geachtet, sind sie „nicht gut“ werden sie verachtet.
Gruss schlagloch.
Isabella / Website


Hallo schlagloch!Was ist normal? – ein subjektives Empfinden. So gesehen wählt jeder den Rahmen der für ihn passt. Switchen ist jederzeit erlaubt 😉
Und im Grunde ist niemand alleine. Es finden sich immer die zusammen, die die jeweiligen Rahmenbedingungen als gut erachten.

LG Isabella.

schlagloch /

 Hallo Isabella,
stimmt teilweise. Bei den Themen um Katzen, Autos, Mode, Reisen usw. kann dies zutreffen. Bei der Diskussion um gesellschaftliche, künstlerische oder politische Themen werden die Gegensätze schärfer. Bei Kunstobjekten wird oft die Frage laut, „ist der Künstler noch normal“.

Gruss schlagloch.

END . ZEIT

Oft  spricht man vom Ende der Zeiten, vom Endzeitalter. Viele glaubten zur Jahrtausendwende, dass dies das Ende der Menschheit sein werde oder ihr Ende einläuten werde. Ein Ende der Sehnsucht scheint sich abzuzeichnen. Wo sind die Zeiten, dass man nach jemandem Sehnsucht hatte, dass man eine Woche gewartet hat um jemandem zu sprechen. Vor lauter Sehnsucht gestorben ist oder sich gefreut hat jemandem am Abend wiederzusehen. Heute greift man bei der nächsten Gelegenheit zum Handy und telefoniert, und die Sehnsucht wird kleiner. Das Handy hat im wahrstem Sinne des Wortes das Ende der Sehnsucht eingeläutet. Wenn man täglich Schokolade isst, dann kann man sich auf keine Tafel Schokolade mehr freuen. Die Vorfreude kann sich nicht aufbauen. So zerstört das Handy die Sehnsucht am Wiedersehen.
 
Im Endzeitalter.      
 

 Kommentar(e)     

Gerhard (5.10.07 22:23)
Interessant, diese Beobachtung.
Aber: Schon bei den alten Griechen und natürlich auch danach gab es Beschwerden über die jeweils neue Generation: Zu genußsüchtig, zu oberflächlich etc. Folglich wiederholt sich diese Bewertung alle 20 Jahre und die Leute heutzutage müssten super-super-oberflächlich sein.Lieber Schlagloch: Ich frage mich dennoch, ob diese Beobachtung von Dir „stimmt“?!. Der heutigen Zeit sagt man nach, daß sie neben der Genußsucht Verfallenen auch aufmerksamere Menschen hervorbringe. Menschen, die zunehmend spirituell unterwegs snd und sich ums Allgemeinwohl kümmern. In irgendeiner Zeitschrift las ich sogar, daß die Zahl der ums Gemeinwohl bekümmerten und tätigen Menschen eigentlich schon die kritische Masse überschritten hätte. Folglich müsste es nur so regnen an Leuten, die sich im Kleinen und Großen um das Wohl der Menschheit kümmern.

Die Welt ist anders geworden: Früher schrieb man sich Briefe und unterlag vielleicht Täuschungen oder Illusionen. Heute kann man das durch direkten Kontakt schneller angehen und klären. Für alles gilt: Es gibt ein Für und Wieder.
Und Gefühle wie Sehnsucht oder etwa das Bedürfnis, Mutter zu werden, sterben nie aus. Ohne bestimmte Parameter gibt es kein Menschsein, denke ich.

Längerer Text, sorry.

weichensteller / Website (5.10.07 23:42)
Nach so vielen unfreiwillig mitgehörten Palawern am Handy: Sehnsucht nach Gesprächen von Antliz zu Antliz. Hoffnung, dass sich da manche Dummheit und Ignoranz aufklären würde.
***
Nach der mühsam erduldeten halben Stunde in Geräuschschrott und Massengehetze des modernsten Einkaufszentrums unserer Stadt: Sehnsucht nach Stille. Ich habe seither den ganzen Tag keine Musik mehr gehört.
schlagloch

Hallo Gerhard !

Es stimmt, dass sich die ältere Generation immer über die Lebensweise der jüngeren Generation beschwert . Mir ist heute der Widerstand der Jugend gegen die Älteren zu sanft, die Jungen sind konsumorientiert. Der Bestiz eines Handy ist ein Konsumschaden und die Meinungen sind von den Medien gesteuert.

Wenn auch mehr kommuniziert wird, so ist vieles nichtssagend. Im Internet ist tarnen und täuschen angesagt. Die meisten erwarten sich vom Partner Idoleigenschaften.

Gruss schlagloch.


Gerhard (8.10.07 13:41)
Hallo Schlagloch!
Es müsste wohl eine Untersuchung herhalten, wie es wirklich um die Jugend bestellt ist. Mir scheint, daß so manche den Konsumwahn nicht mitmachen, aber vielleicht sind sie kaum sichtbar?!
Merkwürdigerweise bin ich auch in den letzten Jahren auf den Konsumzug aufgestiegen, sicherlich auch Du. Und wir beide wurden zu einer Zeit groß, in der solche Sachen wie Konsum, Medien etc verpönt waren. Da galten „echte“ Werte etwas. Doch diese Werte wurden damals auch relativ unkritisch übernommen (Flower-Power-Zeit?!) und nicht sonderlich tief hinterfragt. Man verhielt sich halt auf bestimmte Weise und hielt die für „cool“. „Cool“ verwendete man da nicht, gabs noch nicht, aber die richtige Metapher fällt mir jetzt auch nicht mehr ein.

AUS . RADIERT

Einige Menschen wollen vom Feiern nichts wissen, es ist ihnen unangenehm wenn man ihren vierzigsten oder sechzigsten Geburtstag feiern will. Für sie ist es eine Erinnerung an ihr Alter, an die Endlichkeit des Lebens. Eine Geburtstagsfeier bietet die Möglichkeit für eine Momentaufnahme des Ist Zustand. Dies bedeutet, dass man von sich sagen kann in dieser Verfassung bin ich jetzt, die Erlebnisse der vergangenen Jahre bleiben, können nicht ausradiert werden. Es kann sein, dass die nächsten Jahre nicht mehr so gut sind, die Tatkraft nachlässt. Mit fortschreitendem Alter ist oft keine Steigerung mehr möglich. So kann man den Zeitpunkt voller Tatkraft bewusst erleben und hält nicht den Rückgang der Tatkraft für das Endprodukt. Ähnlich ist es bei Firmen- oder Arbeitsjubiläen. Man möchte die Arbeitskraft und die Umsätze steigern, aber es geht nicht.
 
Deshalb ist es wichtig, dass man bestimmte Anlässe, runde Festtage feiert. Eine Bilanz zieht und diese Bilanz schriftlich und mit Fotos festhält. So kann man in späteren Jahren sagen, zu diesem Zeitpunkt war es so und so. Diese Bilanz kann man nicht mehr auslöschen. Ab einem gewissen Alter ist dies vorteilhaft, weil der Erfolgsmann von fünfzig, wird sich bis siebzig nicht ständig steigern lassen.
 
Der rot-blaue Radiergummi.  
 

Kommentar(e)    

Gerhard (14.9.07 22:54)
Tagebuchaufzeichnungen können zeigen: Das war für mich da und dort wichtig, diese Gedanken und Wertvorstellungen bevölkerten meinen Kopf zu jenem Zeitpunkt.
Bewusst innehalten und Bilanz ziehen – eigentlich ideal für die Tage bis zum Jahreswechsel. Man kann da viel von sich erfahren.
Mo / Website (15.9.07 12:21)
Es ist lange her, dass ich meinen Geburtstag „so richtig“ gefeiert habe. Ansonsten halte ich es wie Gerhard und nutze die Adventszeit für meine persönliche Bilanz.

Schönes Wochenende
Mo

schlagloch
Hallo Gerhard!
Ist es nicht noch zu früh, um Jahresbilanz zu ziehen? In den Supermärkten stappeln sich schon die Lebkuchenherzen, also dann…
Gruss schlagloch.
schlagloch
Hallo Mo!
Wenn du nicht feiern willst, dann gönne dir etwas Gutes zum Geburtstag, jede Person und jedes Leben ist einmalig. Alles Gute…
Gruss schlagloch.
Gerhard (17.9.07 23:28)
Hallo Schlagloch, ich meinte die Tage nach Weihnachten. Obwohl, mit sattem Bauch lässt es sich schwer denken…
auch bei uns stapelt es sich – dabei war es die letzten Tage doch recht warm.

Gruß
Gerhard

Sternenstaub (18.9.07 20:05)
also ich finde das absolut JEDER Geburtstag gefeiert gehört und auch das Bilanz-Ziehen gehört irgendwie dazu, denn die Jahre vergehn so schnell, dass man/frau meist gar nicht richtig zum Nachdenken und Anhalten kommt, da hilfts schon kurz innezuhalten, zurück zu schauen, was war, wie’s war und was noch kommen soll – obwohl – so ganz diese Perspektive bei mir grad ein bissal fehlt –
Gruß Sternenstaub

schlagloch

Hallo Sternenstaub!
Es stimmt, die Jahre vergehen schnell, aber für die Zukunft sollte man etwas planen. Dies ist gut für jeden.
Gruss schlagloch.