Mit der Erinnerung an den Hofhund „Wächter“ wird auch ein anderer Ort aus der Kindheit lebendig, die hofeigene Mühle. Sie zu betreten war für uns Volksschulkinder streng verboten. Dort lauerten viele Gefahren, die Möglichkeit über eine Stiege herunterzufallen, sich an einem Werkzeug zu verletzen und bei Betrieb die Gefahr mit der Hand in einem laufenden Keilriemen eingeklemmt zu werden. Für einen Buben war die Mühle ein Wunderreich, hier befand sich der Großteil des bäuerlichen Werkzeugs. Die ganz große Versuchung war, den Elektromotor einzuschalten. Der alte Raftbock stand in der Mitte der Mühle, ihn hat schon der Großvater benützt. Auf ihm hat der Vater alles, was aus Holz hergestellt werden konnte, selbst gemacht und repariert. Mit dem Raftmesser und anderen Schnitzeisen wurden die Holzrechen, die Rückkörbe oder auch eine Holztaube für das Mostfass hergestellt. In den Werkzeugregalen befanden sich die Schraubschlüssel, Schraubenzieher, Hammer, Bohrer, Sägen und vieles mehr, die ganzen Handwerkzeuge. Die Ausnahme bildete ein elektrisch angetriebener Schleifstein.
Das Getreide wurde in einen großen hölzenen Trichter hineingeschüttet, von dort rieselte es auf die Mühlstein. Dem Verbau mit den großen Mühlsteinen folgte der Rüttelkasten, wo das Mahlgut gesiebt und das Mehl vom Gedreideschrott getrennt wurde. An den Mahltagen lag über allen Teilen ein feiner Mehlstaub. In den Spinnweben hielten die Spinnen ihren vermeintlichen Schlaf. In meinen Ohren höre ich die Geräusche der laufenden Mühle, das Tick- Tack des Keiles, der den Fluss des Getreides auf die Mühlsteine auslöste, das Knirschen der sich reibenden Mühlsteine. Das Geknatter des Stoffsiebes, wo das Mehl gefiltert wurde.
Krauthobel