ANT:wort

Kaum ein anderes Verkehrsmittel verbindet so viele Vorteile, ein großes Platzangebot und komfortable Sitze in den Waggons, wie die Eisenbahn. Die Bahnhöfe befinden sich zentral in der Stadt und es gibt Anschlüsse an die anderen öffentlichen Verkehrsmittel. In den Großstädten kann man vom Zug in die U-Bahn umsteigen und in Bahnhofsnähe befinden sich mehrere Hotels. Beim Kauf einer Fahrkarte ist es möglich eine Unterkunft mitzubuchen. Für die Zugreisenden gibt es keinen Megastau wie wir es vom Autoverkehr kennen. Als Lenker muss man beim Autofahren auf den Verkehr achten und nimmt die Landschaft, die Orte, durch die man fährt nur eingeschränkt wahr. Als Bahnfahrer kann man seine Aufmerksamkeit der Landschaft widmen. Ist die Sicht, wie  hier auf den Semmering, durch Nebel eingeschränkt, dann kann man sich der spätherbstlich gestimmten Innenwelt zuwenden.

Der Zug hat die Ebene des Wiener Beckens erreicht und fährt Richtung Wiener Neustadt. In den Ortschaften, rechts und links der Bahnstrecke, leben und arbeiten Menschen aus den unterschiedlichsten Motivationen. Durch die räumliche Trennung, ich im Zugabteil und die Anderen im Freien, stellt sich für mich die Frage: Warum und wozu nehmen wir uns die  Mühen im Alltag, der unterschiedlichsten Art, auf uns? Ich kenne für mich keine zufriedenstellende Antwort und werde sie wahrscheinlich auch nicht in einem der vielen  Bücher auf der Buchmesse in Wien  finden.

Antworten. 

TEIL:en

Bei der Drau-Brücke in Gummern gibt es am Radweg einen Steg der in den Fluss ragt und in der Nähe einen Rastplatz mit ein paar Bänken und einem Tisch. Aus  einem rohen Stein ragt ein Wasserhahn. Es ist ideales Radfahrwetter, nicht zu heiß und nicht zu kalt. Beim Nachbarn der neben mir auf der Bank sitzt läutet das Handy. Dem Gespräch zu Folge, dem ich zuhören muss, ist es seine Frau. Sie schildert  ihm was sie heute zu Mittag kochen will und fragt ihn ob er damit einverstanden ist. Sollte er  zum Mittagessen noch nicht zu hause sein, so werde sie ihm etwas auf die Seite stellen, aber wie groß soll die Portion sein? Er antwortet: „Er  weiß nicht,  wie groß sein Hunger sein wird.

Danach steht er auf, legt seine Sonnenbrille ab, richtet sich sein T-Shirt welches aus der Hose gerutscht ist und geht zu seinem Fahrrad. Er holt aus der Satteltasche einen kleinen Leinenbeutel und beginnt mit einem Finger die vorderen Stoßdämpfer einzuschmieren. Bei genauem Hinsehen entpuppt sich die weiße Schmiere als Butter, welche zwischen seinen Jausenbroten hervorquillt.

Österrreich.

 

CA:orle II

Heute bieten die Eisenbahnlinien und die Autobahnen gute Möglichkeiten schnell und bequem das Mittelmeer zu erreichen. Durch die Alpen gibt es Tunnels und die Alpentäler verschwinden hinter den Lärmschutzwänden. An der oberen Adria, in Caorle angekommen, ist es nicht selbstverständlich, dass man das Meer sehen kann. Die Sicht auf das Meer ist durch viele Hotelreihen verstellt, nur die Hotels in der ersten Reihe können einen Meerblick anbieten. Nicht umsonst finden sich überall in der Stadt Hinweisschilder „ Maare“,  zur selbstverständlichsten Sache. Auf dem Weg zum Strand muss man die vielen Sonnenschirme und Liegen, endlos in der Tiefe als auch in der Breite, durchqueren. Kilometerlange Strände mit reservierten Strandplätzen. Zwischen den vielen Sonnenanbetern riecht es nach Sonnenöl und Sonnencreme. Das Wasser plätschert aus der Mineralwasserflasche und aus dem Lautsprecher tönt die Strandanimation. Dazwischen bewegen sich mit viel Geschick die Strandhändler mit ihren Handtaschen, Badetücher und Sonnenbrillen. Länger verweilen die Strandmasseurinnen,  um € 15. —kann man sich auf der Liege vierzig Minuten lang massieren lassen, das Körperpeeling mit dem feinen Sand inbegriffen.

 Im Zentrum gibt es ein Stück Uferpromenade wo man direkt am Meer spazieren gehen kann.  Dort ist man dem Meer ganz nahe, seinem Geruch, dem Wellenschlag, der Sehnsucht.

Strandpolizei.

VER:laufen III

Hat man sich in einer Stadt verlaufen, dann kann die Neuorientierung sehr mühselig werden. Auch bei alltäglichen Dingen kann man sich verlaufen, wie beim Konsum von Nachrichtensendungen. Wo ist die Zeit, da im Radio nur dreimal pro Tag Nachrichten gesendet wurden, einmal um acht Uhr Früh, um zwölf Uhr Mittag und um zwanzig Uhr am Abend. Heute gibt es stündlich Nachrichten, bei den meisten halbstündlichen Kurznachrichten. Dazu kommen Radiojournale in Stundenlänge. Ähnlich hat es sich beim Fernsehen entwickelt. In Österreich war einst die „Zeit im Bild“ um 19.30 Uhr ein Pflichttermin. Zu dieser Uhrzeit hat ein Großteil der Erwachsenen vor dem Fernseher Platz genommen und die Einnahme des Nachtmahl wurde nach diesem Termin ausgerichtet. Aus heutiger Sicht muss man anmerken, dass wir  beim Verlesen der Nachrichten getäuscht wurden. Wir  haben angenommen, dass die Politiker, Wissenschaftler oder Fachleute, im Fernsehen die ganze Wahrheit sagen. In den fünfziger und sechziger Jahren haben die Reporter keine kritischen Fragen an die Politiker und Fachleute gestellt, wir waren zum Glauben verurteilt.

Heute gibt es sogenannte Nachrichtensender die rund um die Uhr Nachrichten, Bilder und Fotos, aus allen Teilen der Welt senden. Man kommt, verfügt man über sehr viel Zeit, sei es Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Pension, leicht in den Sog dieser Bilder. Stimulierend ist dabei, werden Nachrichten aus Katastrophengebieten und von Katastropheneinsätzen gesendet, wenn man feststellen kann, dass Andere schlechter dran sind,  als man selbst. So zieht man sich nicht aus dem Sumpf, so werden die eigenen Aktivitäten durch die Bilderflut abgewürgt. Eine Erweiterung der Bilderflut sind die Wetterkameras mit den Panoramabildern aus den Tourismusgebieten.

Eine Pensionistin ist täglich um zehn Uhr Vormittag in das Geschäft gekommen, hat die Bildzeitung gekauft und dabei erzählt was sie im Wetterpanorama gesehen hat. Sie hat von mindestens zehn Regionen gewusst, welches Wetter dort herrscht.

Wetterwarte.