03.07.2004 SOMMER . SCHNEE
Vor einem Jahr hat Österreich und ganz Mitteleuropa unter der Hitze gestöhnt. Dieses Jahr sind es die kalten Temperaturen und der viele Regen warum die Menschen mit dem Wetter unzufrieden sind. Egal ob Sonnenschein oder Regen, das Wetter ist auf jeden Fall ein Gesprächsthema. Es gibt kein Wetter, dass alle Wünsche zufrieden stellen könnte. Bei Regen, Blitz und Donner träumte ich in der vergangenen Nacht folgendes: Ich gehe noch zur Schule und liege an einem Nachmittag in den Sommerferien am Strand vom Millstäter See. Es fängt zu regnen an und dann beginnt es zu schneien. Ich hole meinen Fotoapparat um den Schneefall zu fotografieren, weil dies glaubt mir sonst niemand. Die ganze Landschaft um den See wird weiß. Als am Abend die Lichter angehen ist am Millstäter See eine Stimmung wie im Winter, am Weihnachtsabend.
Schneefall im Sommer.

 
07.07.2004 SOMMER . FEST
Vor dem Frühstück ziehe ich die Jalousien des Wohnzimmerfenster hoch. Mein Blick fällt auf die „Rote Wand“ am Dobratsch. Aus dem Bergmassiv sind beim Erdbeben 1348 große Teile abgerutscht. Manche Stellen sind bis heute nicht von der Vegetation überwachsen. Die Rote Wand klafft wie eine große Wunde im Berg. Im Frühjahr brechen immer wieder neue Stücke aus dem Berg und die Wunde heilt nicht. Der Felsen hat zu jeder Jahreszeit und Tageszeit eine andere Farbe. Im Sommer ist der Felsen leuchtend orange, blutrot oder ockergelb. Nach einem Regenfall ist er braun oder dunkelgelb. Im Winter sind die Felsen grau, nur schmale orange Streifen leuchten in das Tal. Nach einem Regen steigt im Sommer der Nebel vom Gailufer den Berg hoch und hüllt die „Rote Wand“ ein. An solchen Nebeltagen sieht man schemenhaft Gestalten an den Felswänden herum-klettern. Im Schutz des Nebels verlassen die Erdbeben-Toten ihre nassen und steinigen Gräber und feiern ein Sommerfest. Der Nebel schützt sie vor den Blicken der Gailtaler.
Sommerfest der Toten.

Kommentare:
D. am 8. Juli 2004 um 10:09
Auch ich sehe vom Wohnzimmer meines Elternhauses die Rote Wand, aber trotzdem muss ich anmerken, dass die Farben doch nicht so intensiv sind, wie sie immer geschildert werden. Ich habe schon verdammt oft hingesehen.
09.07.2004 SOMMER . DEPRESSION
Nichts ist schlechter zu ertragen als eine Reihe von verregneten Sommertagen. Wenn man sich seit einem halbem Jahr auf den Sommer gefreut hat, dann ist die Enttäuschung über das derzeitige instabile Wetter besonders groß. Schon im Februar hat man die Schnee-Fälle und die kalten Tage nur mit den Gedanken auf einen warmen Sommer ertragen. Im April hat man den Frühling kaum erwarten können und von Frühlings-Gefühlen geträumt. Diese Gefühle sind dann während der Eisheiligen erfroren. Daraufhin hat man keine neuen Frühlingskleider gekauft. Alle Hoffnungen waren auf einen schönen, warmen Sommer gerichtet. Jetzt fallen viele davon in das Wasser und werden vom Regen ertränkt. Aus dem Regen taucht die Sommerdepression auf, wie der Lindwurm aus dem Wörthersee.
Schlaglochwetter.

Kommentare:
P. am 9. Juli 2004 um 10:18
Ich habe noch Hoffnung. Hoffnung, dass der Sommer später kommt und dafür länger bleibt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

W. am 9. Juli 2004 um 10:27
Hoffnung – na immer, aber es schaut ja wirklich nicht besonders gut aus! Aber so Ende Juli fängt es doch oft noch an schön warm zu werden , sogar in Österreich.

M. am 9. Juli 2004 um 20:58
Ich will auch hoffen.

schlagloch am 12. Juli 2004 um 17:05
Zusätzlich zu den starken Regenfällen hat es heute in Kärnten noch ein Erdbeben gegeben. Im Würgegriff der Natur.

 
11.07.2004 VORBEI . SCHAUEN
Es ist heute einerlei ob man zu einer Geburtstagsfeier, zu einem Grillabend oder einem Schulabschlussfest einlädt, man erhält keine konkrete Zusage mehr. Niemand verspricht verbindlich seinen Besuch. Im allgemeinen heißt es, man wird vorbeischauen. Schon das Wort „vorbeischauen“ verspricht nichts gutes, es enthält sehr viel Beiläufigkeit. Es bedeutet, dass der Besucher in Gedanken gar nicht anwesend sein wird, er wird an dem Fest vorbeischauen. Niemand will sich auf etwas verbindliches einlassen, alle Zusagen bleiben unver-bindlich. Dies trifft auch auf viele Beziehungen zu. Es muss heute möglich sein sich jederzeit zu trennen. Oft findet man keinen festen Halt im Leben oder in der Beziehung. Deshalb gleiten viele Menschen in Ängste und Depressionen ab. Man gibt sich unverbindlich, will überall dabei sein, ohne sich auf etwas konkretes einzulassen.
Vorbeischauen am Nächsten.

Kommentare:
[unbekannt] am 12. Juli 2004 um 15:55
Wie wahr wie wahr, da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen!

R. am 12. Juli 2004 um 22:41
Oha, noch jemand dem das unangenehm auffällt. Mir ist das in meinem Umfeld auch schon aufgefallen und ich ecke ziemlich an, wenn’s darum geht klare Verbindlichkeiten zu schaffen. Aber wieso?

 

12.07.2004 ERDBEBEN . TORRE
Jetzt, um 15.15 Uhr, starke Erdstösse in Kärnten. Der Boden schwankte unter den Füssen und die Gläser bewegten sich in den Vitrinen. Wir haben Mühe wieder zur Arbeit zurückzukehren. Die Kunden haben nur ein Thema, Erdbeben. Viele haben noch die Erinnerung an die schlimmen Folgen des Erdbeben von 1976 in Friaul. Diesmal liegt das Epizentrum in Slowenien, bei Kobarid. Dies wird für viele Menschen eine schlaflose Nacht.
Mutter Erde.
13.07.2004 ERDBEBEN . NACHLESE
Nichts überrascht einen so wie ein Erdbeben. Viele Ereignisse, auch Katastrophen und Unglücke bauen sich stufenweise auf. Manchmal erwartet man sogar ein Unglück. Ein Erdstoss kommt ganz plötzlich. Ich war gerade beim Beladen eines Kombiwagen als das Auto so stark zu schaukeln begann, als stünde das Auto auf einem Trampolin. Dann spürte ich die Wellenbewegungen des Boden in meinen Füssen. Als das Erdbeben vorüber war, schaukelte ich beim Gehen wie ein Schiff auf dem Wasser. Erst nach einiger Zeit beruhigte sich der Körper. Die nervlichen Anspannungen lösten sich beim Gespräch mit anderen Betroffenen. Das Zentrum des Erdbeben lag im Isonzotal in Nordostslowenien.
Die Erde trägt uns.

 
19.07.2004 GOTT . WO
Im Buch „Was der Seele gut tut“ schreibt Pater Pausch: Viele fragen, hat Gott den Menschen erschaffen oder ist es umgekehrt? Hat der Mensch aus Angst vor dem Tod Gott erschaffen, weil er ohne Jenseitsvorstellungen nicht leben kann? Es ist einerlei ob es so oder so ist. Gott kann man nicht besuchen wie die Stadt München oder sagen dort wo der Stephansdom steht wohnt Gott. Gott kann nur in sich selbst erfahren werden oder nirgendwo.
Gott wo bist du?
21.07.2004 KREMS . MÜNSTER
Das Stift Kremsmünster mit der siebenstöckigen Sternwarte thront auf einem Felsen über dem Ort Krems-münster. Im Ort, der sich an den Felsen anschmiegt und durch den die Krems fliest, kann niemand einen Schritt machen ohne nicht vom Kloster aus beobachtet zu werden. Das Dorfleben ist vom Blick auf das Kloster geprägt. Viele entziehen sich dem Blick auf das Kloster dadurch, dass sie mit gesenktem Haupt durch die Strassen gehen. So gehen viele Leute, mehr als in anderen Orten, mit gesenktem Kopf durch die Strassen. Andere fahren mit großer Geschwindigkeit durch den Ort, der fast in seiner Gesamtheit ein Strassen Knotenpunkt ist. Die meisten Häuser im Ort stehen zwischen zwei Einbahn-Straßen. Wenn am Abend im Ort die Lichter angehen, bleiben die meisten Fenster im Kloster finster. Der Hang des Klosterfelsen ist besiedelt und zwischen den Häusern verlaufen schmale Strassen, eine mit dem Namen „Tötenshengst“. Alle, die Sonntags zur Kirche gehen, müssen einen steilen Weg oder über die „Lange Stiege“ die vielen Stufen vom Ort zum Kloster zurücklegen.
Ein steiniger Weg zu Gott.

 
23.07.2004 FISCH . KALTER
Eine Attraktion im Kloster Kremsmünster sind die Fischbehälter auch Fischkalter genannt. Die Anlage wurde von Carlo Antonio Carlone in den Jahren 1690 bis 1692 erbaut und besteht aus mehreren Fischbehälter im Ausmaß von ca. je 50 m2. Die Fischbehälter umgibt ein Säulengang mit Jagdtrophäen aus mehreren Jahrhund-erten. In den Fischbecken stehen Steinfiguren aus denen frisches Wasser rinnt. Nähert sich ein Besucher dem Rand eines Fischbehälter, so drängen sich alle Fische zu dieser Stelle. Die Fische erwarten von den Besuchern Futter. Dies ist oft der Fall, da an dieser Stelle ein Automat für Fischfutter steht. Als Besucher wundert man sich über das Gedächtnis der Fische. Der Fischwart be-stätigt diese Beobachtung, wenn er erzählt, dass er in der Früh mit dem Fischfutter kommt und die Fische schon immer in der selben Ecke auf die Fütterung warten.
Schlau wie ein Fisch.

01.06.2004   SUCHT . GEFAHR 

Der Mensch ist ein suchtgefährdetes Wesen, er will sich seine Sehnsüchte erfüllen. Besitzt man eine schöne Wohnung, möchte man eine noch schönere Wohnung. Kann man sich diesen Wunsch erfüllen, dann bleibt von der Sehnsucht nichts übrig, man spürt eine Leere in sich. Dann entsteht die Sehnsucht nach einem Haus und die Suchtspirale dreht sich von neuem. Als Bewohner eines Alpenlandes habe ich eine große Sehnsucht nach dem Meer. Die Sehnsucht der Alpenbewohner nach dem Meer ist einige Jahrhunderte alt. Schon Bürger und Künstler der vergangenen Jahrhunderte konnten sich diesen Wunsch erfüllen. Zur Bildung gehörte damals eine Reise nach Italien und die Besichtigung der Bauwerke und Kunstschätze. Von mir wurde ein Zimmer mit Meeresblick gebucht. Beim Bezug des Zimmers stellte ich fest, dass der Blick auf das Meer durch Bäume beeinträchtigt ist. Das Meer schimmerte durch die Äste der Bäume durch, ich konnte das Meer nur erahnen als sehen. Die Sehnsucht nach dem Meeresblick blieb erhalten, sozusagen am Kochen. Wäre der Blick auf das Meer ungehindert möglich gewesen, dann hätte ich mir einen schöneren Blick auf das Meer gewünscht oder mehr Sonne. Die Suchtspirale hätte sich weiter gedreht. 

Die schönste Sehnsucht ist die unerfüllte Sehnsucht.

 

 

07.06.2004   ÖSTERREICH . HEURIGE 

Zu dieser Jahreszeit hält man beim Einkaufen vermehrt Ausschau nach frischem Gemüse. Da freut man sich, wenn man bei einer großen österreichischen Super-Marktkette in der Obst- und Gemüseabteilung frische Kartoffeln entdeckt. Auf der Verpackung steht in großer Schrift: „Heurige aus Österreich“. Wenn man den Sack aus dem Regal nimmt und auch die Rückseite liest, dann steht dort: Herkunftsland Ägypten, abgepackt in Österreich. Wo Österreich draufsteht, muss nicht Österreich drin sein. 

Traue keinem über dreißig.

 

 

08.06.2004   MENSCHEN . FEIND 

Ein Zitat sagt : „Der schlimmste Feind des Menschen ist der Mensch„. Vor Naturkatastrophen müssen wir uns kaum noch fürchten. Wir haben  viele Schutzvorricht-ungen aufgebaut. Es ereignen sich trotzdem alle Jahre Katastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen oder Wirbelstürme die oft viele Menschenopfer fordern. Unsere tägliche Furcht ist die vor unseren Mitmenschen. Diese Furcht durchzieht unser ganzes Leben. Die Angst vor den Eltern, Lehrern und Arbeitgeber. Die Furcht den Arbeitsplatz zu verlieren oder einen Auftrag nicht zu bekommen. Die Macht einzelner fußt auf der Furcht der Abhängigen. Wir werden nicht von Tieren oder bösen Mächten gequält, wir werden oft von unseren nächsten Mitmenschen gequält. Dazu genügen falsche Beschuldig-ungen, der Zorn eines Mitmenschen, der Entzug von Zu-wendung oder auch Forderungen die man nicht erfüllen kann.   

Der Mensch ist der Feind.

 

Kommentare: 
S. am 8. Juni 2004 um 21:01
Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.

schlagloch am 12. Juni 2004 um 17:01
Wie wäre es, wenn aus Menschen Schafe werden.
S. am 12. Juni 2004 um 17:27
Der Wolf im Schafspelz.

 

 


15.06.2004   KUNST . KUH

Im Grazer Kunsthaus, ein UFO dem eine saubere Landung zwischen den Altstadthäusern neben der Mur gelungen ist, öffnet sich die Kunst auch den Babys. Am Vatertag konnte man sehen, wie die Väter mit ihren Babys im Brustbeutel durch die Ausstellung „Living in Motion„ spaziert sind. Die Stadtkinder kommen früher in das Kunsthaus als in den Kuhstall. Sie kennen die Haustiere als Kunstobjekte, mutiert zu Kunstgegen-ständen. In Politzen sehen die Babys früher den Kuhstall und vielleicht nie ein Kunsthaus. Es ist alles eine Frage des Geburtsortes. 

Ein Leben für die Kunst.

 

 

17.06.2004   PC . KUH 

Durch die jahrelange Fernsehwerbung glauben viele Österreicher, dass die Farbe der Kühe lila ist und das die Milch in der Molkerei erzeugt wird. Da ist es gut, dass durch das neue Tierschutzgesetz in Österreich die Rinder in die Schlagzeilen der Medien gekommen sind. Ab sofort ist es verboten, dass die Rinder ständig angekettet werden, die zeitweise  Freihaltung  wird vorgeschrieben. Heute wird die Fütterung der Kuh durch den Computer gesteuert. Zuerst wird die Milch der Kuh in einem Labor am Bauernhof untersucht. Nach diesem Ergebnis wird die Zusammensetzung des Futter durch ein Computer-Programm festgelegt. Vor dreißig Jahren überprüfte bei der Milchsammelstelle in Politzen die Milchfrau Kathl die Qualität der Milch dadurch, dass sie den Zeigefinger in die frisch angelieferte Milch steckte und dann den Finger abschleckte. 

Labor oder Zeigefinger.

 

 

 

 

21.06.2004   GAIL . UFER

Am Sonntag ist das Radfahren am Gailufer für mich ein Ausgleich zum Berufsalltag. Das Radfahren befreit mich von unwichtigen Sorgen. So wird im Kopf Platz für kreative Gedanken. Wir verstricken uns im Laufe der Arbeitswoche leicht in Alltäglichem und binden einen Grossteil unserer Fähigkeiten im Erledigen vom Alltags-Kram. Wir verstellen uns sozusagen den Blick für das andere Ufer. Das Rauschen der Gail klingt wie ein freudiges Lied, es ist eine beruhigende Melodie. Die Wellen rufen mir etwas zu und eilen sofort weiter.

Das andere Ufer.

 

Kommentare:  
D. am 29. Juni 2004 um 15:00
Zwei Stunden am Tag reichen um sich in den Sand der Gail, der in gewisser Weise ähnlich dem des Meeres riecht, zu legen, um dem Alltag zu entfliehen und sich von der Sonne wärmen zu lassen. Du hörst nichts als nur das Zwitschern der Vögel und das ständige, beruhigende Rauschen des Wassers. That´s living.

 

 

23.06.2004   BLOG . BIBLIO 

Meine Notizen für das Weblog schreibe ich am liebsten auf Zettel, welche auf einer Seite schon bedruckt sind. Dies können Mitteilungen von Vereinen, Aussendungen zu einer Veranstaltung oder auch die Rückseite von einer Buchbesprechung sein. In meiner Vorstellung sind in  einem solchen Blatt Papier schon Gedanken und Ideen investiert worden. Mit der Schrift haben wir Menschen eine Möglichkeit Erlebnisse, Beobachtungen und Erforschtes aufzuschreiben. Ein großer Fortschritt war, von der mündlichen Überlieferung zu schriftlichen Auf-zeichnungen zu gelangen. Die Bibliotheken sind unser Gedächtnis der Vergangenheit. 

Weblog, Bibliothek der Zukunft .

25.06.2004   KAMEL . PARTY 

Im Sommer gibt es mehr Veranstaltungen als zu anderen Jahreszeiten. In unserer Gesellschaft ist es ein Makel wenn man von sich sagt, dass man arbeitet und nicht bei jeder Party und jedem Event dabei sein kann. Die Politiker versuchen die Leute von sich dadurch zu überzeugen, dass sie diese Festspiele, jene Ausstellung und das dritte Sommerfest eröffnen. Nach ihrer politischen Arbeit fragt niemand.  Es gehört zum Alltag, dass Brauchtumsveranstaltungen um der Touristen willen veranstaltet werden, obwohl es dafür keine Basis in der Bevölkerung gibt. Komisch ist es, wenn in der Süd-steiermark eine Wüstenparty stattfindet. Gezeigt werden Vorführungen von Kamelen, Bauchtänzerinnen und Feuerschlucker. 

Wer ist ein Kamel ?

 

 

28.06.2004   ZERRISSENE . MENSCH 

Von den Berufstätigen gibt es die Klagen über den Stress und den Arbeitsdruck. Eine Ursache liegt darin, dass wir an zu vielen Dingen gleichzeitig arbeiten. Niemand hat mehr die Ruhe eine Arbeit fertig zustellen. Wenn heute ein Handwerker kommt, zum Beispiel ein Installateur, dann wird neben dem Werkzeug, wie Zangen, Feile oder Gewindeschneider auch das Handy ausgepackt. Es liegt auf der Baustelle gleichberechtigt neben dem Werkzeug. Es vergeht keine halbe Stunde und das Handy läutet. Der Installateur gibt  Arbeitsanweisungen per Handy, beim nächstem Läuten muss er geschwind zu einem Notfall, ein anderes mal braucht jemand seine Fachkenntnis. So vergeht der Vormittag und der Installateur war bei vier Auswärtseinsätzen. Der Auftrag, das Auswechseln eines Ausdehnungsgefäßes bei der Heizungsanlage und die Installation eines Wasserhahnes ist nicht fertig. Geplant waren  zwei Arbeitsstunden. Der Stress in der heutigen Arbeitswelt ist selbstgemacht. Wir sind an zu vielen Orten und bei zu vielen Aufgaben gleichzeitig.

 

Kommentare:    
D. am 28. Juni 2004 um 14:55
Der zerrissene Mensch kann sich durch das Besinnen auf das Elementare wieder einigermaßen zusammenfügen, aber nur insofern er diese Gabe noch besitzt. Ich denke, also kann ich, muss aber jetzt noch diverse Arbeiten erledigen.

 

 

29.06.2004   NACHBAR . AFFE

In wissenschaftlichen Aufsätzen habe ich gelesen, dass der Mensch und der Menschenaffe zu 98 Prozent die selben Gene haben. Könnte es daher sein, dass die Menschenaffen uns verstehen können und sie gerne mit uns kommunizieren möchten? Vielleicht hat es bis jetzt nur an unserem guten Willen gefehlt. Diesbezügliche Versuche und Bemühungen gibt es  in den letzten fünfzig Jahren. Wie würde das Zusammenleben zwischen Mensch und Menschenaffe aussehen, würde es diese Bemühungen schon seit fünftausend Jahren geben? Vielleicht würden wir heute mit den Menschenaffen im Alltag genauso zusammenleben wie mit den Nachbarn. 

Nachbar Affe.

 

 

30.06.2004   LEIB . GEFÄNGNIS  

Warum steigt ihr auf die Berge: Um dem Gefängnis zu entfliehen. Dies ist der Schlüsselsatz im Buch „Bergfahrt“ von Ludwig Hohl. Zwei Alpinisten mit unterschiedlichem Charakter wollen gemeinsam einen Berg besteigen. John kehrt nach den ersten Schwierigkeiten um, Ull klettert alleine weiter. Er wird, bevor er den Gipfel erreicht von einem Schneesturm zum Umkehren gezwungen, rutscht beim Abstieg aus und stürzt in den Tod. John kommt beim Rückweg in das Tal auf einer Bergwiese in das Rutschen und ertrinkt im Bergbach. Ist unser Leben ein Gefängnis, vor dem wir zu Lebzeiten versuchen zu entrinnen? Immer wieder brechen wir zu neuen Abenteuer auf. Für unsere Seele ist unser Leib ein Gefängnis, dem sie versucht zu entfliehen. Alles strebt im Leben auf die Befreiung der Seele zu, auf den Tod zu. Manche scheiden freiwillig aus dem Leben, weil ihre Seele die natürliche Befreiung nicht erwarten konnte. In unseren Träumen entweicht die Seele dem Leib.  

Das Leben und das Sterben.

03.05.2004   SPIEL . HOFFNUNG

Wer selbst ein Spielcasino nicht um des Spielens willen besucht, sondern um mit Freunden ein wenig zu Feiern und dabei Zeit hat die Leute zu beobachten, wird  erleben können, mit welcher Leidenschaft manche Spieler den Verlauf der Roulettkugel verfolgen und mit wie viel Hof-fnung sie auf ein neues Spiel setzen. Diese Hoffnung ist meistens in wenigen Minuten verspielt, eine kürzere Hof-fnung gibt es nicht. Um an das Geld der breiten Masse zu kommen, des sogenannten kleinen Mannes, gibt es die Lottospiele und Sportwetten. In Niederösterreich ist eine Trabrennbahn mit Wettterminals für Fußball, Formel I und anderen Spielmöglichkeiten eröffnet worden unter dem Slogan: „ Hier gewinne ich, wetten das …“ 

Wetten das, dies nicht stimmt.

 

Kommentare:    
W. am 3. Mai 2004 um 18:26
 – genau!

 

 

07.05.2004   BLOG . LESER 

Wer einige Zeit ein Weblog führt stellt sich die Frage, werden meine Einträge gelesen? Über die ersten Kom-mentare freute ich mich, als Zeichen, dass ich wahrge-nommen wurde. Ich probierte in meinem Weblog verschiedenes aus und versuchte für mich eine Linie zu finden. Nach der Installation von einem Zugriffszähler auf meine Site war ich erstaunt wie viele Besucher meine Website aufweist. Interessant ist auch, mit welchen Stichwörtern Besucher aus dem Internet auf meiner Seite landen. Wenn man bei Google den Suchbegriff „Schlagloch“ eingibt, findet die Suchmaschine achtzehn-tausend Stichwörter in 0.21 Sekunden und „Schlagloch – Neueste Einträge„  auf der ersten Seite. Bestimmt waren die meisten Benützer auf der Suche nach Straßen-Schlaglöcher. Vorsicht Schlagloch.

12.05.2004   ROTE . KLÖTZE  

Zur Kindheit in Europa  gehören die Legobausteine  dazu. Schon die Kleinkinder spielen damit. Jedes Kind hat für die Legobausteine, je nach Alter, einen eigenen Namen. Heute, mit zwei Jahren, heißen die Lego-bausteine „Klötze“. Bald werden es die grünen, blauen, roten und gelben Klötze sein. Mit zwei Jahren gibt es nur ein vorwärts, da gibt es noch keine Vergangenheit . Alles ist lecker und Autofahren super.

Morgen rote Klötze.

 

 

14.05.2004   LANGE . WEILE 

Unser Alltag ist nicht  frei von Konflikten, Beschwerden und Unannehmlichkeiten. Oftmals gibt es im Beruf Schwierigkeiten und Rückschläge. Wir sind manchmal völlig deprimiert. Auch in einer Beziehung kann es Streit und Meinungsverschiedenheiten geben. Es können vom Partner falsche Vorwürfe kommen oder man wird missverstanden. Man fühlt sich gekränkt und wünscht sich an einen Ort auf Erden, wo es keine Auseinander -setzungen gibt. Es gibt im Menschen eine große Sehnsucht nach Harmonie. Wenn unsere Sehnsucht nach Harmonie erfüllt wird, dann ist uns langweilig.  

Ist es im Himmel langweilig?

 

 

17.05.2004   WIEVIEL . ZEIT 

Nach einem Jahr als Blogger merke ich, wie die Zeit vergeht, in diesem Fall ein Jahr. Mein Zeitgefühl ist ganz verschieden. Manches mal kommt mir die Zeit endlos vor. Dazu genügt es, wenn ich beim Einkaufen an der Kassa länger warten muss, besonders dann, wenn ich es eilig habe. Ein arbeitsfreier Sonntag kann viel zu kurz sein. Ich glaube, dass mit dem Alter die Zeit immer schneller abläuft weil die Vorhaben, welche man noch ausführen will, mit der zu erwartenden Lebenszeit in keinem Verhältnis stehen, von einem plötzlichen Tod ganz abgesehen. Alle Jahre erleben wir bei der Um-stellung auf die Sommerzeit wie beliebig mit der Zeit umgegangen wird. Auf Knopfdruck kann man den Tag um eine Stunde verlängern. Sind wir die Herren über die Zeit oder werden wir von der Zeit beherrscht? Wie viel Zeit braucht ein Weblog und dies eine nützliche Zeit? 

Wer hat Zeit.

 

Kommentare:
E. am 17. Mai 2004 um 23:41
Hallo Schlagloch! Gratulation zum Einjährigen. Hoffe  sehr, dass auch weiterhin mit gewohnten Elan hier gebloggt wird. Wie viel Zeit ein Weblog braucht, das ist von vielen Faktoren abhängig.  Von der Priorität die ein Weblog beim Besitzer hat. Auch Jahreszeit, Stimmung, Emotionen, evtl. Gesundheit sind ausschlaggebend  wie viel Zeit man für das Weblog aufwendet. Oft genug bleibt es nicht bei einem Weblog. Es folgen weitere, es werden welche gelöscht, an andern Orten neu begonnen. Mancher benötigt zwischenzeitlich Urlaub, Ferien oder Erholung vom Weblog. Viele Weblogger möchten ihr Weblog  nicht mehr missen. Es eröffnet viele neue Möglichkeiten sich einerseits öffentlich zu äußern, andererseits jedoch noch im Verborgenen zu bleiben. Für manche mag es eine Verbesser-ung der Ausdruckskraft, eine Erweiterung des Wortschatzes bedeuten. Wieder anderen ist der Kontakt mit anderen Menschen wichtiger und interessanter. Auch wird der Mensch vielleicht mutiger, couragierter der ein Weblog führt. Es ließen sich bestimmt noch weitere Gründe, Indikationen, Wirkungen zum Thema Weblog hier anführen. Doch soll das keine Doktorarbeit zum Thema Weblog werden. Entweder gibt es die eines Tages noch oder es gibt sie bereits? Also weiterhin viel Spaß, Freude, die nötige Zeit und Muse und viele gute Einfälle für dein Weblog.
B. am 18. Mai 2004 um 23:16
Ich selbst merke immer mehr, dass mich das Bloggen verändert. Ganz kleine Veränderungen nur, aber fühlbare. Und somit ist  für mich  die Frage nach der Nützlichkeit bean-twortet. Man könnte die Zeit für etwas sinnvolleres nützen, wobei man sich dann wieder fragt, ob man die Zeit nicht für etwas noch sinnvolleres nützen könnte. Die Frage bleibt, wann man beim Sinnvollen angekommen ist. Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass das Bloggen gut und wichtig ist. Für jeden einzelnen aus einem anderen Grund.

 

 

19.05.2004   TIER . MENSCH 

Der Umgang der Menschen mit den Tieren ist oft erschreckend. Wir kennen die Bilder von den Massen-tierhaltungen der Schweine oder Hühner. Ähnliches gibt es bei den Tiertransporten. Vom Grenzbahnhof hört man das Brüllen der hungrigen und durstigen Rinder im ganzen Ort. Die Rinder, welche von Europa unterwegs in den vorderen Orient sind, werden hier mit Wasser versorgt, bevor der Zug zu einem Adriahafen weiterfährt. Es ist, als will der Mensch seine Verwandtschaft mit den Tieren verdrängen. Er zeigt den Tieren auf grausame Weise wer hier der Herr auf der Erde ist. Vor kurzem habe ich in einem Fischmarkt gesehen, wie über das Wochenende den Krebsen die Zangen zusammen-gebunden wurden und die Fische in einem engen Netz gefangengehalten wurden. Von den Künstlern, wie dem Maler Klaus Stephan werden wir daran erinnert, wie schmal der Grad zwischen Menschen und Tieren verläuft. Klaus Stephan siedelt seine Bilder im tierisch, mensch-lichen Bereich an, zwischen Stall und Küche. 

Das Tier in uns.

 

 

21.05.2004   MENSCHEN . FOLTER 

Wenn heute vom Krieg gesprochen wird, dann ist meistens der Krieg im Irak gemeint. Aus dem Irak kommen jetzt  Meldungen von Folterungen durch Soldaten der US Armee.  Als Unbeteiligte fragen wir uns, wie können Menschen zu anderen Menschen so grausam sein ?  Ein Kriegsreporter, welcher vom Zypernkonflikt und vom Vietnamkrieg berichtet hat, hat mir folgendes erzählt : „Er selbst hatte vor seinem Einsatz im Kriegs-Gebiet große Furcht vor dem Anblick der Kriegstoten und Verwundeten. Aber nach den ersten Toten habe er sich an diesen Anblick schnell gewöhnt. Ähnlich verhalte es sich bei den Soldaten im Kriegseinsatz. Wenn sie die ersten Feinde erschossen haben, sind die Nächsten „kein Problem“. Die menschliche Hemmschwelle zum Töten liegt sehr hoch, aber wer diese einmal übersprungen hat, hat oft keine Hemmungen mehr.“ Ähnliches wissen wir von der Folter. Schon ein Beispiel aus dem Alltag zeigt, dass ein Mann, der seine Frau geschlagen hat, sie immer wieder schlägt. Dies gilt bei den Kindesmisshandlungen. Im Krieg wird die eigene Verantwortung auf den Befehlsgeber abgeschoben und der Befehlsgeber meidet die direkte Konfrontation mit den Kriegsfolgen. Wenn der Krieg erst ausgebrochen ist, dann zieht er eine Fülle von schrecklichen Auswirkungen nach sich. 

Krieg vermeiden.

 

 

30.05.2004   POST . PHYSIK 

Ein Brief, den ich an das hiesige Gemeindeamt gesandt habe, wurde vom Briefträger nicht zugestellt, weil ich die alte Straßenbezeichnung verwendet habe. Der Briefträger begründete die Unzustellbarkeit damit, dass, wenn es die Straßenbezeichnung nicht mehr gibt, so existiert auch  das Gemeindeamt nicht. Das Gemeindeamt und das Postamt befinden sich im selben Gebäude. Dies ist die neue Postlogik in Anlehnung an die moderne Physik. Wo niemand hinsieht, dort existiert  auch nichts, kein Baum, kein Haus und kein Berg.  

Der Briefträger als Quantenphysiker.

 

01.04.2004   GUTEN . MORGEN . ÖSTERREICH 

Als ich am Mittwoch um neun Uhr Vormittag in Spittal an der Drau in das Stadtcafe  komme sitzen an der Theke zwei unrasierte und ungepflegte Männer  mit Zahnlücken. Sie bestellen sich gerade jeder ein weiteres großes Bier und rauchen eine Zigarette nach der anderen. Die Gesichter sind verzerrt und die Wangen eingefallen. Beide tragen abgewetzte  blaue Jeanshosen,  einer dazu einen grünen Pullover, der Zweite einen blauen Pullover. Sie sitzen sprachlos nebeneinander, verfolgen jede Handbewegung der Bedienung und jeden Gast der das Cafe betritt. Man sieht ihnen das unterstandslose Leben an. Ein Kumpel von ihnen kommt, mit einem weiß-schwarzem Hund an der Leine zur Tür herein und setzt sich zu ihnen. Der Hund legt sich auf den Boden und schaut die Gäste mit seinem treuem Blick an. Vor der Tortenvitrine bleiben die feinen Spittaler Damen stehen und suchen sich zum Capuccino ein Stück Torte aus. Der Kumpel bestellt sich ein großes Bier und einen Schnaps. Er hebt sein Glas und sagt : 

„Guten Morgen Österreich, Prost.“

 

Kommentare:    
S. am 1. April 2004 um 07:55
Ja, guten Morgen Österreich, guten Morgen Kärnten, guten Morgen Welt! Solche oder ähnliche Szenen kann man wohl an vielen Orten der Welt beobachten, besonders häufig allerdings in Österreich und dann gibt es nicht mal ein „Knoppers“ dazu. Schön beobachtet, schön aufgeschrieben. Guten Morgen.

 

W. am 1. April 2004 um 10:42
Guten Morgen Österreich. Schöne Geschichte.

 

schlagloch am 3. April 2004 um 07:51
Bitte was sind Knoppers? Ich habe zuerst in meinen Wörterbüchern und dann im Lexikon nachgeschaut, um dann bei Yahoo Suchmaschine zu erfahren, dies sei das bekannteste „Frühstückchen“ Deutschlands.

 

 

05.04.2004   BLAU . ROTE . OSTERN 

Die  Osterwoche gehörte in meiner Kindheit zu den schönsten Wochen des Jahres. Es war schulfrei und es wurde endlich Frühling. Es war warm und wir Kinder konnten wieder im Freien spielen. Die Wiesen wurden grün, der ganze Obstgarten war voll von Schnee-Glöckchen. Rund um das Haus und den Stall wurde aufgeräumt, die Bäume beschnitten, das Laub zusammen-gerochen und alles bei einem kleinen Feuer verbrannt. Die Schafe waren die ersten Tiere welchen den Stall nach dem  langem Winter verlassen konnten. Das Palmbesen-Tragen  am Palmsonntag war der erste Höhepunkt der Osterwoche. Der Palmbesen war ein Buschen aus Palmkätzchen und Kranewitzweigen, darin vier Holz-Spieße an denen Äpfel und Orangen aufgespießt wurden. Zusammengehalten wurde der Buschen von roten, weißen, grünen und blauen Stoffbänder. Auf die Bänder aufgefädelt waren Schokolade- und Salzbrezeln. Wir nahmen den Palmbuschen, der an einem Stil befestigt war über die Schulter und marschierten etwa vier Kilometer von Politzen nach St. Paul in die Kirche zur Palmweihe. Wir waren immer darauf bedacht, dass keine Köstlich-keiten verloren gingen.

Auf dem Heimweg von der Kirche war es mit unserer Geduld zu Ende. Der Eine und der Andere brach vom Palmbesen einen Brezel ab und aß ihn auf. Zu Hause angekommen mussten wir zuerst das Haus und den Stall mit dem geweihtem Palmbesen dreimal umrunden. Dadurch sollte der Hof vor Unwetter und Unglück verschont werden. Erst danach durften wir die Süßigkeiten des Palmbesen essen. Dieses Jahr konnte ich am Palmsonntag beobachten, dass man bei vielen Palmbesen  blaue und rote Bänder zum Zusammen-binden verwendet hat.  

Es wird umgefärbt. Blau. Rot.

 

 

13.04.2004   EMAUS . GANG 

Von der Ortschaft Sonnwiesen blickt man auf das breit geöffnete Drautal wo jetzt, im April, die Felder grün werden. In der Mitte des Tales fließt die blaugrüne Drau. Die Berggipfel entlang des Drautales sind frisch verschneit. Aus allen Sträuchern und Bäumen treiben hier, auf der Sonnseite, die Knospen. Man geht vorbei an frisch erbauten Einfamilienhäusern ohne Außenputz, in den Fenstern hängen schon die Vorhänge. Im Garten vor den Häusern stecken die Palmbesen und es blüht bereits kräftig. Auf den Feldern weiden weiße und schwarze Schafe. Rund um die Bauernhäuser wird Holz gemacht. Das fertige Holz wird mit schwarzen und grünen Plastikbahnen oder mit verrostetem Blechstreifen abgedeckt. Auf einer schmalen Zufahrt zu einem Gehöft kriecht der blau-weiße Milchwagen hoch. Von den Bäumen blicken die Nistkästen  auf die Emauswanderer herab, keine Überwachungskameras, wie auf dem Hauptplatz in der Bezirksstadt. In den Stauden neben der Strasse liegen, jetzt wo der Schnee geschmolzen ist, die leeren Cola Pappbecher, die Verpackungen von den Bic Mäc und die leeren Tragtaschen von den Juniortüten. Auch die Landjugend isst bei Mc Donald. Den Emaus-gang beschließt eine hl. Messe in St. Jakob.

Die Sonne verdecken Wolken.

 

Kommentare:  
B. am 15. April 2004 um 02:34
Erst kam ich ins Träumen, dann wurde ich jäh herausgerissen, McDonalds allgegenwärtig. Dennoch ein gewohnt schöner Eintrag.

 

 

17.04.2004   BODEN . PROBEN 

Im Leben werden wir immer wieder auf die Probe gestellt. Die erste Probe gibt es in der Schule. Der Lehrer stellt uns auf die Probe, ob wir zu hause etwas gelernt haben. Beim Eintritt in das Berufsleben gibt es die Probezeit. Nach der Führerscheinprüfung bekommt man den Probeführerschein. Vor der Hochzeit gibt es die Ehe auf Probe. Viele Fabrikanlagen erhalten erst nach dem Probebetrieb die Betriebsgenehmigung. Bei neuen Theater- und Konzertaufführungen gibt es lange Probe-Zeiten und zum Schluss eine Generalprobe. Heute  gibt es keine Sicherheiten mehr, alles ist  eine Probe für das nächste Leben. Was findet man in einer Gailtaler Bodenprobe? Beim Autobahnbau die Festigkeit des Untergrundes, bei der Flussregulierung den Grund-Wasserspiegel und bei einer  Fabrik die Umweltbelastung. Geistige Proben aus den Gailtaler Köpfen hat Engelbert Obernosterer in seinem Buch „Bodenproben“ gezogen. Eine Probe :

„Frau N. lässt es keine Ruhe, dass das fremde Auto schon den ganzen Tag so komisch dastehe, so schlampig, wie bei uns keiner sein Auto hinstelle, nach Balkan sehe das aus oder nach Türkei. Aber auch so katholisch stehe es da, so freiheitlich, ergänzt ihr Mann, der Zyniker“.

 

 

19.04.2004   BLOG . GEDANKEN 

Seit  einem Jahr veröffentliche ich in meinem Weblog  unter der Rubrik „TAG . GEDANKEN„  Erlebnisse und Beobachtungen aus dem Alltag. In dieser Zeit habe ich mir Gedanken über das Bloggen gemacht. Ich habe bei den Einträgen nicht die Menge zum Ziel.  Wie viele Zeichen verträgt der Mensch, Leser? Als Richtlinie für einen Eintrag nehme ich cirka tausend Zeichen. Für eine Nachricht im Fernsehen stehen cirka fünfzehn Sekunden zur Verfügung. Ich möchte nicht nur Nachrichten in meinem Weblog weiterverbreiten. Mit Nachrichten werden wir heute im Minutentakt überfahren. Die aktuellste Schlagzeile ist auch immer die, welche am schnellstem im Schlagloch der Zeit verschwindet. Ich versuche kurze Geschichten zu erzählen. Das moderne Leben hat einen Mangel an Geschichtenerzähler.  

Geschichten braucht das www.

 

 

22.04.2004   UR . NATUR 

Die große Kälte ist vorbei und der meiste Schnee geschmolzen. Wir sind dabei den Baumschnitt durch-zuführen. Im Garten und rund um das Haus dulden wir keinen Wildwuchs. Alles wird zugeschnitten, die Bäume, die Hecken und im Sommer der Rasen. Alles was nach Natürlichkeit aussieht  ist gegen die Art der meisten Gartenliebhaber. Es soll alles seine Ordnung haben, am besten in Reih und Glied. Den meisten Menschen fällt es schwer sich in der urwüchsigen Natur wohl zufühlen. Kaum haben sie im Garten sauber gemacht, bricht das Unkraut über den Zaun herein. Um die Natur vor dem totalem Zubetonieren und Verbauen zu bewahren verordnet der Mensch Naturschutzgebiete und feiert sich als Schöpfer dieser Naturparks. Zuerst wird Landschaft vernichtet und dann werden die Retter der Natur gefeiert. 

Schütt ist urwüchsig.

 

 

 

24.04.2004   FAMILIE . ÖSTERREICH 

Wenn man eine Familie mit dem österreichischen Staat vergleicht, dann ist der Vater der Bundeskanzler und die Mutter der Bundespräsident. Wir Staatsbürger sind die Kinder. Der Vater, sprich Bundeskanzler kümmert sich um das Geschäft und das Geld. Die Mutter, sprich der Bundespräsident kümmert  sich um das Zusammenleben und die Sorgen in der Familie, sprich Staatsbürger. Heute ist die Rollenverteilung in der Familie nicht mehr so eindeutig, für meinen Vergleich bleibe ich dabei.  

Wenn am Sonntag bei der Bundespräsidentenwahl in Österreich zwei Kandidaten, sprich Mütter zu Wahl stehen, dann ist mir die Mutter, sprich der Kandidat lieber, welcher von sich sagt, er wird 90% seiner Amtszeit in Österreich verbringen, das heißt zu Hause bei der Familie sein. Eine Mutter, sprich Präsidentschafts-Kandidatin die 70% ihrer Amtszeit im Ausland verbringen will ist für ein Kind, sprich Staatsbürger keine schöne Vorstellung. 

Kevin allein zu Hause.

 

Kommentare:  
E. am 24. April 2004 um 08:58
Toller Vergleich! Stimmt wirklich was du da sagst!

 

K. am 27. April 2004 um 12:37
Sehr originell, aber einleuchtend. So habe ich es noch nie gesehen. Obwohl,  wäre ich  Österreicher, wohl doch die reisefreudigere Mutter gewählt hätte. Unsere nächste deutsche Mutter macht ja auch auf weltläufig und redet außerdem zuviel.

 

schlagloch am 27. April 2004 um 20:08
Die Österreicher haben für die Mutter am Herd entschieden. Man kann gespannt sein, was von den Wahlversprechen übrig bleibt.

 

 

28.04.2004   GRIASS DI . ZIVJO . MANDI

Anlässlich des Beitrittes von Slowenien zur EU finden in Kärnten mit den Nachbarn viele gemeinsame Veranstaltungen statt. Eine Veranstaltung wird versuchen vom Faaker See  eine Menschenkette über die Karawanken nach Kranjska Gora  zu bilden. Diese Veranstaltung hat großen Symbolwert. Die Karawanken sollen nur als geografischer Begriff weiter existieren. Die nächste Aufgabe ist die geistigen Grenzen in den Köpfen der Bevölkerung zu überwinden. Auch im Länderdreieck von Slowenien, Friaul und Kärnten, wo die Völkerver-ständigung wie eine Litanei in allen öffentlichen Ansprachen heruntergebetet wird, kann es vorkommen, dass die Errichtung eines Kebab Imbissstandes im Ort von den Anrainern abgelehnt wird. So nahe will man die neuen EU Nachbarn nicht haben. 

Die Karawanken wanken.