PALM:besen

Die Erinnerung an die Verstorbenen kann verschieden intensiv sein. Meistens hängt es davon ab, in welchem Nahverhältnis man zu dem Verstorbenen gestanden ist. Zu den Festtagen spricht man gerne darüber, welche Erlebnisse einen an den Verstorbenen erinnern. Zur Osterzeit kommt die Erinnerung an den Vater, der für uns Kinder und später für die Enkelkinder den „Palmbesen“ gebunden hat. Er hat ihn wie einen echten Kehrbesen gebunden, da er über den Winter für den Eigenbedarf  Besen und Ruckkörbe geflochten hat. Der Palmbesen bestand aus Palmkätzchen und Kranewitzweigen, darin vier Holzspieße aus Haselnussstauden, an denen die Orangen und die Äpfel aufgespießt wurden. Dazu kamen Schokolade- und Salzbrezen, sowie Feigen. Zur Behübschung wurden bunte Schleifen um den Palmbesen gebunden und der Stil mit Krepppapier umwickelt. Seine Palmbesen waren stabil und dies war ein Vorteil, weil wir Kinder sind damit nicht behutsam umgegangen. Der Weg in die Kirche, hin und zurück, betrug circa acht Kilometer. Dabei ist es vorkommen, dass wir mit anderen Kindern in Streit geraten sind, wer den schöneren Palmbuschen hat. Diesen Streit haben wir mit unseren „Waffen“, dem Palmbesen, ausgetragen.

Ebenso erinnere ich mich an meine Taufpatin, die Tante Nanne. Von der „Gote“ erhält man als Patenkind zu Ostern Geschenke. Von ihr erhielt ich zumeist Kleidungsstücke, die ich an den Sonntagen anziehen konnte. Die Bekleidung kaufte sie im Kaufhaus Kastner & Öhler in Graz. Sie war die Frau eines Eisenbahners, hatte Freifahrscheine für die Bahn und konnte es sich finanziell leisten, von Spittal an der Drau nach Graz zum Einkaufen zu fahren. Eine Besonderheit war ihr Reindling. Der Kärntner Reindling ist ein mit Rosinen, Zimt und Nüssen gefüllter Germteig in Gugelhupfform. Ihr Reindling war flach wie ein Fladenbrot und gefüllt  mit dreimal soviel Rosinen. Diese Art von Reindling hat sonst niemand gebacken. Zusätzlich bekam ich noch eine Zwanzigschilling-Banknote, für ein Bauernkind war dies viel Geld.

Palmbesen tragen.       

EIN:heit

Bei vielen Umgangsformen die wir heute als normal empfinden, denken wir, dass diese schon seit einem Jahrhundert so sind. Dabei liegen deren Durchsetzung oft nur einige Jahrzehnte zurück. Heute bemühen sich die evangelische und die katholische Religionsgemeinschaft um einen Konsens.  Vor ein paar Jahrzehnten war es undenkbar, dass Protestanten und Katholiken gemeinsam eine Messe gefeiert hätten. Den Islamisten ist es noch heute verboten, dass sie eine katholische Kirche besuchen oder einem katholischen Pfarrer die Hand geben.

Es war früher unmöglich, dass ein Katholik und eine Evangelische kirchlich geheiratet hätten, außer, eines von den Eheleuten ist zum anderem Glauben übergetreten und hat sich verpflichtet, die Kinder in diesem Glauben zu erziehen. Das Übertreten vom evangelischen Glauben zum  katholischen Glauben wegen Eheschließung, wie es vor einigen Jahrzehnten noch verpflichtend war, lässt die Frage zu, ernsthaft gestellt bei einem Besuch in Politzen, wie es nach dem Tod weiter geht?  Die Oma war zwanzig Jahre evangelisch und ist dann bei der Heirat zum katholischen Glauben übergetreten, somit war sie bis zu ihrem Tod sechzig Jahre katholisch. Kommt sie in den evangelischen oder in den katholischen  Himmel? Wenn die beiden Kirchen hier auf Erden getrennte Wege gehen, dann wird es auch im Himmel eine Trennung geben. Entscheidet die Dauer der Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft darüber, in welchen Himmelbereich man kommt? In Österreich erhält man von jener Versicherung die Pension, bei der man am längsten versichert war.

Enkelkinder.

BEFREI:ung

Eugen Drewermann, der von der katholischen Kirche seiner Ämter und Weihen enthoben wurde, hat in einem ORF Gespräch mit seinen Aussagen für orientierungslose oder verunsicherte Gläubige Hoffnung verbreitet. Als profunder Kenner der Heiligen Schrift und der menschlichen Seele sind seine mahnenden Aussagen überdenkenswert. Seine Schlüsselsätze lauten: Das Jesus keine Kirche als Institution wollte, er wollte die Angst der Menschen lindern. Die Angst vor dem Leben hier auf Erden und die Angst davor, was nach dem Tod sein wird. Er sieht in der Priesterelite eine Barriere zwischen Mensch und Gott. Gott will sich nicht in Rundbriefen verwirklicht sehen, sondern im Leben jedes Einzelnen. Die Priesterkaste war schon bei den Azteken und Ägypter eine Herrschaftsklasse. Sie benützt als Druckmittel das Jüngste Gericht.

 Die Bevölkerung ist früher durch die Feiern im Jahreskreislauf eine Zweckgemeinschaft mit der Kirche eingegangen. Man hat den Himmel durch den sonntäglichen Kirchgang geschenkt bekommen. Die veränderte Gesellschaft bedarf dieser Zweckgemeinschaft nicht mehr, sie kann sich in allen Bereichen Teile holen, sozusagen Lebensabschnittsglaube. Für die Jugend, für die keine Planung mehr möglich ist, nicht für zehn, nicht für zwanzig Jahre. Dies trifft auf den Beruf, die Partnerschaft und auf den Glauben zu. Sind die Pflichttermine, wie Erstkommunion oder Firmung vorbei, ist es auch oft mit dem Kirchenbesuch vorbei. Bei Lebenskrisen wird dem einzelnen Menschen nicht die Möglichkeit angeboten die Umstände zu ändern, sondern als Alternative „zu Glauben“. Zum Sonntag müsste es eine Alternative geben. Gottfindung kann auf vielen Wegen stattfinden, nicht nur in der Institution Kirche. Vor der Bestrafung der Sünde gehen die meisten Ängste aus.

Erbsünde

RISIKO:vernunft

Im Sommer kann es in den Bergen vorkommen, dass sich nach einem starken Gewitter ein Sturzbach gebildet hat und ein Stück von einem Wanderweg in die Tiefe gerutscht ist. Nicht immer ist es möglich den Urzustand sofort herzustellen, oft wird nur das Notwendigste ausgebessert. Dann gibt es vor der Baustelle den Hinweis: „Begehen auf eigene Gefahr“. Wir können mit unserer Vernunft abwiegen, ob uns der schöne Ausblick das Risiko wert ist. Verstand bedeutet Leben auf eigenes Risiko. Wir haben den Höhepunkt unserer persönlichen Freiheit hinter uns. Wir sind immer weniger bereit Risiko einzugehen, unsere Freiheiten auszunützen, wir sehnen uns nach Vorschriften. Dafür braucht man sich nur die Fülle von Verordnungen, die unser Freizeitverhalten reglementieren, anzusehen. Gerade dort, wo wir glauben am meisten frei zu sein. Dies beginnt beim Moped- Rad- und Skifahren mit der Helmpflicht, beim Autofahren mit der Gurtepflicht. Dazu zählt auch das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden, sowie in Gasthäusern. Erlaubt es die Geldbörse versuchen wir mit allen Arten von Versicherungen, wie Gebäude- und Wohnungsversicherung, Kranken- und Lebensversicherung oder Freizeitunfallversicherung möglichen Risiken vorzubeugen. Frühgeburt.