PARA:dies

Bei der Rast am Unterbergerbrunnen, in der Nähe vom Draukraftwerk Villach, scheint von der Früh weg die Sonne. Nach acht Stunden Schlaf ist am Morgen vieles vergessen. Es ist gut, dass im Schlaf die Erinnerungen an eine Enttäuschung aufgelöst werden. Manches mal lassen der Ärger, die Schmerzen im Brustbereich, die Stiche der Nierenschmerzen, das Brennen im Magen, keinen Schlaf zu. Wird das Sterben eine schlaflose Nacht sein, die im Paradies endet, sobald man das Tor des Vergessens durchschreitet. Alles Irdische wird vergessen sein. Das meiste Leid wird dadurch verursacht, dass unser  Körper, unser Gehirn und unsere Seele von den belastenden Ereignissen nichts vergisst. 

Undine zieht instinktiv die linke Vorderpfote ein, wenn sie zu einem Sprung ansetzt. Vor Jahren hat sie sich diese Vorderpfote verletzt. Wir zucken  zusammen, wenn sich hinter uns etwas bewegt oder zu Boden fällt.

Im Aufwachzimmer.

GLAUBE:forschung

Man hat nicht oft die Möglichkeit sich zwanglos über die Sünde, das Jenseits, die Auferstehung und den Plan Gottes zu unterhalten. Ein neuer Aspekt eröffnet sich, wenn man sagt, ein Dogma ist nicht endgültiges, auch im Glauben gilt der Grundsatz des Forschen. Man kann wie in der Biologie, der Astronomie oder in der Medizin nach neuen Erkenntnissen suchen. Das Leben macht Sinn wenn man forscht, zu neuen Einsichten kommt. Studieren heißt nicht nur althergebrachtes aufzunehmen, sondern selbst als Gelehrter tätig zu werden. In Glaubensfragen besteht die Möglichkeit durch suchen zu neuen Erkenntnissen zu kommen. Die Welt wie wir sie wahrnehmen gibt es in der Wirklichkeit nicht, sie ist eine Folge unserer Erkenntnisse. Die Dogmen sind nichts anderes, als dass sie einmal die Endpunkte eines Forschungsprozesses waren, die Kilometersteine im Glauben. Sie waren nie als Endpunkte gedacht, der Prozess wird fortgesetzt und es kommen neue Kilometersteine dazu. Jeder ist berechtigt einen neuen Randstein dazuzufügen. Wir alle sind Straßenbaumeister des Glauben. Thomas von Aquin sagt: „ Gott kann mit der Vernunft erkannt werden“.

Vernünftig werden.

VOLL:kommen

Was meinte Jesus mit dem Satz: „Trachtet danach, dass ihr so vollkommen werdet, wie der Vater im Himmel vollkommen ist“. Denken wir an menschliche  Vollkommenheit, dann meinen wir, dass alles perfekt sein muss. Fehlerlos wie es die Kunden wünschen, vorbildlich wie es sich die Ehefrau erwartet und von den Kindern wünschen sich die Eltern und die Lehrer, dass sie sich mustergültig benehmen. Das angepasste Kind, dass höflich zu anderen Menschen ist, sein Kinderzimmer aufräumt und die Hausaufgabe sofort erledigt. Was erwartet man sich von einer perfekten Ehefrau? Sie soll eine attraktive, ordentliche, leidenschaftliche, gescheite Frau sein und in der Kindererziehung erfahren. Ähnliches gilt vom Ehemann, er soll sportlich, freundlich, erfolgreich, redegewandt und ein guter Zuhörer und Liebhaber sein. Attribute, die den perfekten Menschen ausmachen gibt es viele. Oder verstehen wir unter dem idealen Menschen den jungen, schönen, tüchtigen und reichen Menschen? In späteren Jahren kann Vermögen vorhanden sein, aber es tritt ein Mangel an Schönheit und Jugend ein. Das Wort „perfekt“ vernachlässigt die vielen Ausdrucksmöglichkeiten, welche im Menschen stecken.

Ist derjenige, der vollkommen ist, auch perfekt? Oder ist dies jemand, der mit sich zufrieden ist, der so lebt wie dies seinem Innersten entspricht. Einer Beschäftigung nachgeht, die ihm die Möglichkeit gibt tief durchzuatmen, sich frei zuatmen. Die Vollkommenheit des Vaters im Himmel bietet Freiheit und Schutz, auch wenn man nicht allem zustimmt. Es bleibt jedem überlassen, ob er Vollkommenheit anstrebt oder perfekt sein will.

Perfektionismus.

PALM:besen

Die Erinnerung an die Verstorbenen kann verschieden intensiv sein. Meistens hängt es davon ab, in welchem Nahverhältnis man zu dem Verstorbenen gestanden ist. Zu den Festtagen spricht man gerne darüber, welche Erlebnisse einen an den Verstorbenen erinnern. Zur Osterzeit kommt die Erinnerung an den Vater, der für uns Kinder und später für die Enkelkinder den „Palmbesen“ gebunden hat. Er hat ihn wie einen echten Kehrbesen gebunden, da er über den Winter für den Eigenbedarf  Besen und Ruckkörbe geflochten hat. Der Palmbesen bestand aus Palmkätzchen und Kranewitzweigen, darin vier Holzspieße aus Haselnussstauden, an denen die Orangen und die Äpfel aufgespießt wurden. Dazu kamen Schokolade- und Salzbrezen, sowie Feigen. Zur Behübschung wurden bunte Schleifen um den Palmbesen gebunden und der Stil mit Krepppapier umwickelt. Seine Palmbesen waren stabil und dies war ein Vorteil, weil wir Kinder sind damit nicht behutsam umgegangen. Der Weg in die Kirche, hin und zurück, betrug circa acht Kilometer. Dabei ist es vorkommen, dass wir mit anderen Kindern in Streit geraten sind, wer den schöneren Palmbuschen hat. Diesen Streit haben wir mit unseren „Waffen“, dem Palmbesen, ausgetragen.

Ebenso erinnere ich mich an meine Taufpatin, die Tante Nanne. Von der „Gote“ erhält man als Patenkind zu Ostern Geschenke. Von ihr erhielt ich zumeist Kleidungsstücke, die ich an den Sonntagen anziehen konnte. Die Bekleidung kaufte sie im Kaufhaus Kastner & Öhler in Graz. Sie war die Frau eines Eisenbahners, hatte Freifahrscheine für die Bahn und konnte es sich finanziell leisten, von Spittal an der Drau nach Graz zum Einkaufen zu fahren. Eine Besonderheit war ihr Reindling. Der Kärntner Reindling ist ein mit Rosinen, Zimt und Nüssen gefüllter Germteig in Gugelhupfform. Ihr Reindling war flach wie ein Fladenbrot und gefüllt  mit dreimal soviel Rosinen. Diese Art von Reindling hat sonst niemand gebacken. Zusätzlich bekam ich noch eine Zwanzigschilling-Banknote, für ein Bauernkind war dies viel Geld.

Palmbesen tragen.