duft:spur III

Wie sehr wir uns bemühen, uns von misslichen Gerüchen fernzuhalten zeigt sich darin, wieviel Aufmerksamkeit wir der Körperpflege widmen. Wer durch einen Drogeriemarkt flaniert erkennt, dass wir mit den Ausdünstungen die unser Körper absondert nicht einverstanden sind. Auf jeden Fall versuchen wir diesen Geruch bestmöglich zu beschönigen. Dazu haben wir die Möglichkeit aus einer Unzahl von Deodorants und Parfüms zu wählen. Jedes Jahr kommen neue Düfte für beiderlei Geschlecht dazu. Ich bin kein Kenner der Essenzen, aber ich nehme an, dass sich die Düfte alle Jahrzehnte verändern. Was man vor einem Jahrzehnt als angenehm empfunden hat, ekelt einen heute an, man kann es nicht mehr riechen. Wechselt der Partner seinen Duft, reagiert man besonders sensibel. Plötzlich steht vor einem eine andere Person, zumindest wenn es nach der Nase geht. Es hat einen gewissen Wahrheitsgehalt, wenn es in einem Sprichwort heißt: Immer der Nase nach. Damit dürfte keine geografische Orientierung gemeint sein, sondern die Orientierung nach den Gerüchen. Ein anderer Spruch lautet: Ich kann dich nicht mehr riechen.  Dies bedeutet zumeist ein schweres Zerwürfnis innerhalb der Partnerschaft.

Die Katze, der Hund oder das Meerschweinchen nehmen ihre Umgebung an vorderster Stelle durch die Gerüche wahr. Alles wird beschnuppert, seien es die Möbel, die Kleider und die Schuhe, selbst die Hände. Für die Katze gibt es in der Wohnung kein Möbelstück, keine Tür oder Teppich, die von ihr nicht markiert werden. Manche Spazierwege am Stadtrand sind für die Hunde das reine Duftparadies. Unser Vorteil ist, dass wir nicht so einen feinen Geruchssinn haben wie die Tiere. In einem Park hätten wir dann wahrscheinlich ein menschliches Problem. Unser Eingreifen in die natürlichen Abläufe führt bereits so weit, dass versucht wird, bei den Rassehunden und –Katzen nicht nur darauf zu achten, dass das Fell pflegeleicht leicht ist, sondern auch, dass Hund und Katz gut duften.

Maiglöckchen.

duft:spur II

Geht man vor der Mittagszeit durch das Stiegenhaus eines Mehrparteienhauses, dann weht einem eine Mischung aus verschiedenen Gerüchen entgegen. Aus den Wohnungen dringen die unterschiedlichsten Essensdüfte. Besonders intensiv empfindet man den Geruch von Kohl, Kartoffeln, Fisch, Bratwürsten oder Sauerkraut. Mit unserem Riechorgan, der Nase,  haben wir es nicht einfach. Schon seine markante Form und der Sitz inmitten des Gesichtes stellt für manche ein Ärgernis dar. Besonders dann, entspricht das Aussehen nicht den gängigen Schönheitsidealen.

Unter vielen ist der Urlaub auf dem Land oder direkt auf einem Bauernhof beliebt. Die meisten sind dann doch etwas irritiert, wenn sie mit den Gerüchen des Landlebens konfrontiert sind. Am intensivsten erlebt man es direkt am Bauernhof. Betritt man den Viehstall, egal ob Kühe, Schweine oder Schafe, die Düfte können einem den Atem wegnehmen. Kommt der Gast in den Bereich wo der Mist und die Gülle entsorgt werden, dann endet dort zumeist die Begeisterung für das Landleben. Die meisten Gäste sind verärgert, wenn durch das gekippte Zimmerfenster der Gülleduft weht.

Ähnlich ertragen wir es kaum, als Liebhaber des Wiener Schnitzel und des Zwiebelrostbraten, wenn wir bei einem Bauer, Zuschauer einer Schlachtung werden. Zumeist passiert dies nicht ohne Gegenwehr des Schlachtviehs. Wer beim Sauschlachten schon dabei war, erwehrt sich nicht des Gefühls, das Schwein wüsste, was ihn als nächstes erwartet. Für alle Fleischliebhaber ist es gut, dass beim Fleischhauer oder beim Bauer beim Schlachten so etwas wie Routine herrscht. Bei den Kleinbetrieben wird für die Tiere bis zur Schlachtreife für eine artgerechte  Haltung gesorgt. Auch beim Metzgern wird mit der notwendigen Behutsamkeit vorgegangen. Letztendlich endet alle Fürsorge bei den Nutztieren mit dem Vermarkten, dem Tod.

Schlachtschmaus

duft:spur I

Im Laufe seiner Lebensjahrzehnte entwickelt jeder Mensch seine besonderen Eigenheiten. Manche lieben eine aufgeräumte Wohnung, andere legen Wert auf geputzte Schuhe. Von verschiedenen Frauen wird das Zeitungslesen beim Essen  nicht geduldet, manche Männer wollen darauf nicht verzichten. Neuerdings wird die Zeitung durch das Smartphone abgelöst, es liegt am Esstisch neben dem Besteck. Verschiedene steuern in einem Cafe sofort einen Platz in Fenster- oder Türnähe an, besonders wenn das Cafe überfüllt ist. Diesen ist ein Fluchtweg wichtig. Einigen ist es wichtig zwischendurch schnell einmal die Hände zu waschen, manche wollen ohne Kopfbedeckung keinen Schritt vor das Haus machen. Wenige lieben es, zehn Minuten zu früh, vor der Abfahrt des Stadtbusses, auf der Haltestelle zu sein. Von manchen hat die Uhr mindestens drei Minuten Vorlauf, damit sie nicht zu spät  kommen. Einzelne sehen sich bestätigt, wenn sie auf die Minute genau bei der Veranstaltung eintreffen.

Am stärksten in Mitleidenschaft gezogen werden unsere Gewohnheiten beim Geruchssinn. Was für den einen himmlisch riecht, wie Gailtaler Hauswürstel, ist für jemanden anderen kaum zu ertragen. Bei Käsesorten gibt es oft unterschiedliche Geruchswahrnehmung. Manche vertreten die Meinung, je intensiver der Käse riecht, umso besser seine Qualität. Etliche beginnt es zu würgen, wenn bei der Kärntner Brettljause der Glundnerkäse sein Aroma versprüht. Gerne esse ich zwischendurch einen Fisch, da immer davon gesprochen wird, er ist so gesund. Als Vorbild  werden die Mittelmeerbewohner angeführt, welche keine erhöhten Cholesterinwerte haben und kaum an Herz- und Venenkrankheiten leiden. Beim Braten des Fisches ist es zumeist unvermeidbar, dass intensiver Geruch entsteht. Am liebsten würde ich diesem aus dem Weg gehen. Beim Fischgeruch könnte man daran feilen, dass er für Veganer nach Radieschen und für Fleischliebhaber nach Krainerwürstel riecht. Wer  verschnupft ist bedauert es, dass er den Duft des Kaffees, vom Kleingebäck oder dem Apfel nicht riechen kann.

Minutentakt

text:autobahn

Unter Schriftstellern, Lesern und Kritikern gibt es darüber Diskussionen, wie ein guter Text, eine Geschichte beschaffen sein muss. Handelt es sich um kurze Texte, von denen jeder für sich stehen kann, müssen diese dann eine fortlaufende Geschichte ergeben? Genügt es, mehrere kurze Texte hintereinander zustellen, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, was ihm sinnvoll erscheint, zusammenzufügen? Im Blog geht es mir darum, Texte hintereinander hochzuladen, Beobachtungen, kurz skizziert. Das Web ist ein schnelles Medium, die User wechseln schnell die Site, das  nächste Blog ruft schon. Ich versuche es in zwanzig bis dreißig Zeilen auf den Punkt zu bringen. Beim Schreiben passiert es mir immer wieder, dass ich von einer Lebensmomentaufnahme ausgehe und dazu fällt mir noch allerlei ein. Ich schreibe weiter und weiter, dazu kommen zumeist noch Erinnerungen aus früheren Tagen, die die derzeitige Situation ergänzen. Ich glaube, dass eine abwechslungsreiche Folge von Texten für eine Lebendigkeit dessen spricht, der die Texte verfasst hat. Wichtig ist mir, dass der Leser offene Stellen vorfindet, für seinen gedanklichen Spaziergang. Nicht alle Gedanken plattgewalzt, wie auf einer Erzählautobahn, eben und asphaltiert. Eine Rennstrecke für Texte, wo der  Leser dahin rast und versucht einen neuen Leserekord aufzustellen. Der Leser soll gedankliche und literarische Betonschwellen vorfinden.

Frostaufbrüche.