reise:gruppe I

Folgendes habe ich beobachtet, als ich in diesen Tagen mit dem Zug von Villach nach Salzburg gefahren bin. Beim Betreten des Bahnhofsgebäude ist manches anders, an der Architektur hat sich nichts verändert, es sind nur viel mehr Leute als üblich in der Bahnhofshalle. Menschen, welche ich bis jetzt nur von den Fernseh Nachrichten und aus den Berichten der Zeitungen kenne. Personen mit einer dunkleren Hautfarbe, einige haben einen Rucksack umgehängt, andere halten eine zerschlissene Reisetasche in der Hand. Die Bekleidung entspricht der Jahreszeit, Jacken mit einer Kapuze kombiniert, wie wir es bei uns von den Jugendlichen kennen. Fast möchte man sagen, es handelt sich um eine Gruppe von jungen Männern, welche einen Ausflug unternehmen. Dazwischen vereinzelte junge Frauen, welche die Dolmetsch Arbeit übernehmen. Den Mann am Fahrkartenschalter auf Deutsch oder Englisch etwas fragen und sich an Einheimische um eine Auskunft wenden. Sie kaufen sich Gruppentickets nach Salzburg. Die Durchsage, dass eine Direktverbindung nach München nicht möglich ist, wird in Deutsch und Englisch immer wiederholt. Reisende, die nach Deutschland weiterfahren, sollen sich an die Info Points im Salzburger Hauptbahnhof wenden.

Nach meinen Beobachtungen stellen sich die Inländer in der Bahnhofshalle auch zu kleinen Gruppen zusammen und schauen ungläubig dem Treiben zu. Am Morgen habe ich in einem Artikel der „Kleinen Zeitung“ von der moralischen und der ethischen Verantwortung in Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise gelesen. Es ist unsere Aufgabe den Menschen auf der Flucht zu versorgen. Die Politiker  müssen aber auch die damit zusammenhängenden zukünftigen Aufgaben im Auge behalten. Wie können die Asylanten später in unsere Gemeinschaft eingebunden werden und wie viele. Unabhängig davon hat die Bevölkerung das Recht die Politiker aufzufordern, für Rechtssicherheit und für die Erhaltung der Souveränität unseres Staates zu sorgen. Wer kann zum jetzigen Zeitpunkt sagen, dass es genügen wird, die Migranten mit einer Broschüre über unsere Lebensgewohnheiten und staatlichen Werte aufzuklären. Schon jetzt werden Anweisungen von Polizei und Grenzschutz missachtet.

Bahn fahren, Nerven sparen.

duft:spur III

Wie sehr wir uns bemühen, uns von misslichen Gerüchen fernzuhalten zeigt sich darin, wieviel Aufmerksamkeit wir der Körperpflege widmen. Wer durch einen Drogeriemarkt flaniert erkennt, dass wir mit den Ausdünstungen die unser Körper absondert nicht einverstanden sind. Auf jeden Fall versuchen wir diesen Geruch bestmöglich zu beschönigen. Dazu haben wir die Möglichkeit aus einer Unzahl von Deodorants und Parfüms zu wählen. Jedes Jahr kommen neue Düfte für beiderlei Geschlecht dazu. Ich bin kein Kenner der Essenzen, aber ich nehme an, dass sich die Düfte alle Jahrzehnte verändern. Was man vor einem Jahrzehnt als angenehm empfunden hat, ekelt einen heute an, man kann es nicht mehr riechen. Wechselt der Partner seinen Duft, reagiert man besonders sensibel. Plötzlich steht vor einem eine andere Person, zumindest wenn es nach der Nase geht. Es hat einen gewissen Wahrheitsgehalt, wenn es in einem Sprichwort heißt: Immer der Nase nach. Damit dürfte keine geografische Orientierung gemeint sein, sondern die Orientierung nach den Gerüchen. Ein anderer Spruch lautet: Ich kann dich nicht mehr riechen.  Dies bedeutet zumeist ein schweres Zerwürfnis innerhalb der Partnerschaft.

Die Katze, der Hund oder das Meerschweinchen nehmen ihre Umgebung an vorderster Stelle durch die Gerüche wahr. Alles wird beschnuppert, seien es die Möbel, die Kleider und die Schuhe, selbst die Hände. Für die Katze gibt es in der Wohnung kein Möbelstück, keine Tür oder Teppich, die von ihr nicht markiert werden. Manche Spazierwege am Stadtrand sind für die Hunde das reine Duftparadies. Unser Vorteil ist, dass wir nicht so einen feinen Geruchssinn haben wie die Tiere. In einem Park hätten wir dann wahrscheinlich ein menschliches Problem. Unser Eingreifen in die natürlichen Abläufe führt bereits so weit, dass versucht wird, bei den Rassehunden und –Katzen nicht nur darauf zu achten, dass das Fell pflegeleicht leicht ist, sondern auch, dass Hund und Katz gut duften.

Maiglöckchen.

duft:spur II

Geht man vor der Mittagszeit durch das Stiegenhaus eines Mehrparteienhauses, dann weht einem eine Mischung aus verschiedenen Gerüchen entgegen. Aus den Wohnungen dringen die unterschiedlichsten Essensdüfte. Besonders intensiv empfindet man den Geruch von Kohl, Kartoffeln, Fisch, Bratwürsten oder Sauerkraut. Mit unserem Riechorgan, der Nase,  haben wir es nicht einfach. Schon seine markante Form und der Sitz inmitten des Gesichtes stellt für manche ein Ärgernis dar. Besonders dann, entspricht das Aussehen nicht den gängigen Schönheitsidealen.

Unter vielen ist der Urlaub auf dem Land oder direkt auf einem Bauernhof beliebt. Die meisten sind dann doch etwas irritiert, wenn sie mit den Gerüchen des Landlebens konfrontiert sind. Am intensivsten erlebt man es direkt am Bauernhof. Betritt man den Viehstall, egal ob Kühe, Schweine oder Schafe, die Düfte können einem den Atem wegnehmen. Kommt der Gast in den Bereich wo der Mist und die Gülle entsorgt werden, dann endet dort zumeist die Begeisterung für das Landleben. Die meisten Gäste sind verärgert, wenn durch das gekippte Zimmerfenster der Gülleduft weht.

Ähnlich ertragen wir es kaum, als Liebhaber des Wiener Schnitzel und des Zwiebelrostbraten, wenn wir bei einem Bauer, Zuschauer einer Schlachtung werden. Zumeist passiert dies nicht ohne Gegenwehr des Schlachtviehs. Wer beim Sauschlachten schon dabei war, erwehrt sich nicht des Gefühls, das Schwein wüsste, was ihn als nächstes erwartet. Für alle Fleischliebhaber ist es gut, dass beim Fleischhauer oder beim Bauer beim Schlachten so etwas wie Routine herrscht. Bei den Kleinbetrieben wird für die Tiere bis zur Schlachtreife für eine artgerechte  Haltung gesorgt. Auch beim Metzgern wird mit der notwendigen Behutsamkeit vorgegangen. Letztendlich endet alle Fürsorge bei den Nutztieren mit dem Vermarkten, dem Tod.

Schlachtschmaus

duft:spur I

Im Laufe seiner Lebensjahrzehnte entwickelt jeder Mensch seine besonderen Eigenheiten. Manche lieben eine aufgeräumte Wohnung, andere legen Wert auf geputzte Schuhe. Von verschiedenen Frauen wird das Zeitungslesen beim Essen  nicht geduldet, manche Männer wollen darauf nicht verzichten. Neuerdings wird die Zeitung durch das Smartphone abgelöst, es liegt am Esstisch neben dem Besteck. Verschiedene steuern in einem Cafe sofort einen Platz in Fenster- oder Türnähe an, besonders wenn das Cafe überfüllt ist. Diesen ist ein Fluchtweg wichtig. Einigen ist es wichtig zwischendurch schnell einmal die Hände zu waschen, manche wollen ohne Kopfbedeckung keinen Schritt vor das Haus machen. Wenige lieben es, zehn Minuten zu früh, vor der Abfahrt des Stadtbusses, auf der Haltestelle zu sein. Von manchen hat die Uhr mindestens drei Minuten Vorlauf, damit sie nicht zu spät  kommen. Einzelne sehen sich bestätigt, wenn sie auf die Minute genau bei der Veranstaltung eintreffen.

Am stärksten in Mitleidenschaft gezogen werden unsere Gewohnheiten beim Geruchssinn. Was für den einen himmlisch riecht, wie Gailtaler Hauswürstel, ist für jemanden anderen kaum zu ertragen. Bei Käsesorten gibt es oft unterschiedliche Geruchswahrnehmung. Manche vertreten die Meinung, je intensiver der Käse riecht, umso besser seine Qualität. Etliche beginnt es zu würgen, wenn bei der Kärntner Brettljause der Glundnerkäse sein Aroma versprüht. Gerne esse ich zwischendurch einen Fisch, da immer davon gesprochen wird, er ist so gesund. Als Vorbild  werden die Mittelmeerbewohner angeführt, welche keine erhöhten Cholesterinwerte haben und kaum an Herz- und Venenkrankheiten leiden. Beim Braten des Fisches ist es zumeist unvermeidbar, dass intensiver Geruch entsteht. Am liebsten würde ich diesem aus dem Weg gehen. Beim Fischgeruch könnte man daran feilen, dass er für Veganer nach Radieschen und für Fleischliebhaber nach Krainerwürstel riecht. Wer  verschnupft ist bedauert es, dass er den Duft des Kaffees, vom Kleingebäck oder dem Apfel nicht riechen kann.

Minutentakt