text:autobahn

Unter Schriftstellern, Lesern und Kritikern gibt es darüber Diskussionen, wie ein guter Text, eine Geschichte beschaffen sein muss. Handelt es sich um kurze Texte, von denen jeder für sich stehen kann, müssen diese dann eine fortlaufende Geschichte ergeben? Genügt es, mehrere kurze Texte hintereinander zustellen, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, was ihm sinnvoll erscheint, zusammenzufügen? Im Blog geht es mir darum, Texte hintereinander hochzuladen, Beobachtungen, kurz skizziert. Das Web ist ein schnelles Medium, die User wechseln schnell die Site, das  nächste Blog ruft schon. Ich versuche es in zwanzig bis dreißig Zeilen auf den Punkt zu bringen. Beim Schreiben passiert es mir immer wieder, dass ich von einer Lebensmomentaufnahme ausgehe und dazu fällt mir noch allerlei ein. Ich schreibe weiter und weiter, dazu kommen zumeist noch Erinnerungen aus früheren Tagen, die die derzeitige Situation ergänzen. Ich glaube, dass eine abwechslungsreiche Folge von Texten für eine Lebendigkeit dessen spricht, der die Texte verfasst hat. Wichtig ist mir, dass der Leser offene Stellen vorfindet, für seinen gedanklichen Spaziergang. Nicht alle Gedanken plattgewalzt, wie auf einer Erzählautobahn, eben und asphaltiert. Eine Rennstrecke für Texte, wo der  Leser dahin rast und versucht einen neuen Leserekord aufzustellen. Der Leser soll gedankliche und literarische Betonschwellen vorfinden.

Frostaufbrüche.

genuss:student ll

Heute, im Ruhestand, wo die Tage für die Muse vorhanden sind, passiert mir beim Umsetzen der Gedanken ähnliches, es wird auf den nächsten Tag verschoben. Die Anmerkungen in den Tagheften erlauben den Neustart des Gedankenflusses. Auch wenn handschriftliche Notizen vorhanden sind, entspricht die Niederschrift am nächsten Tag nicht mehr ganz dem Ursprünglichen. Heute sind es nicht mehr die Arbeit oder der fehlende Schreibplatz der mich an der Niederschrift hindert, sondern der Müßiggang. Die Blockade im Kopf, in meinem Leben genug geschafft zu habe und ich keinerlei Aufgaben und Prüfungen mehr brauche oder bestehen muss. Zu meiner Zufriedenheit stelle ich diesen Müßiggang immer wieder in Frage. So lässt mein Wille, dieses Weblog am Leben zu erhalten, auch im Zustand der Muse nicht nach. Es ist verlockend dem Nichtstun zu frönen. Gute Freunde wundern sich über meinen  Arbeitswillen und vertreten die Auffassung einmal ist genug gearbeitet. Lege die Hände in den Schoß, genieße den Vormittag beim Zeitungslesen im Café, bei einem Spaziergang zur Napoleon Wiese oder bei einer Radtour am Drau Radweg. In den Sommermonaten gibt es am Hauptplatz in der Draustadt Events mit Musik und Akrobatik, der Wochenmarkt lädt zum Bummeln ein, dann kann ich sagen, ich bin dabei gewesen.

Bei vielen herrscht Unverständnis, dass ich mir die Mühe mache nach dem Besuch von Vorlesungen an der Uni Klagenfurt den Stoff der Lehrveranstaltung zu Hause aufzubereiten. Den Inhalt der Vorlesung mit dem Nachschlagen in Sach- und Lehrbüchern zu ergänzen,  mir einzuprägen, um am Ende der Lehrveranstaltung eine Seminararbeit abzugeben oder zu einer mündlichen Prüfung anzutreten. Wiederholt höre ich die Meinung es würde genügen den Vorlesungen aufmerksam zuzuhören und ein paar Notizen zu machen. Keine Präsentation vorzubereiten oder mich einer Prüfungssituation auszusetzen. Als Vorbilder werden mir Seniorenstudenten genannt, welche die Vorlesungen regelmäßig besuchen, aber zu keinen Prüfungen antreten. Sie bezeichnen sich als Genussstudenten, in ihrem Leben hätten sie schon genug Prüfungen abgelegt.

Sachertorte mit Schlag.

genuss:student l

Menschen die in Pension sind, ich nenne es im Ruhestand oder noch lieber im Zustand der Muse, werden darauf aufmerksam gemacht, dass sie Zeit hätten über die wirklichen Dinge des Lebens nachzudenken. Angelehnt an die Zeit des antiken Griechenland wo Diejenigen, welche nichts gearbeitet haben, nach Meinung der griechischen Philosophen ein wirkliches Leben geführt haben. Diese Personen konnten sich der Muse hingeben. Die Arbeit verrichteten die Sklaven, für sie fehlte die Zeit zum Nachdenken. Eine Ähnlichkeit mit der heutigen Akkordarbeit am Fließband, wo die Zeit zum Spekulieren fehlt. Fließbandarbeit habe ich am Beginn meines Berufslebens geleistet und dabei das eine und andere Mal davon geträumt, was ich am Abend niederschreiben könnte. Bin ich von der Arbeit nach Hause gekommen so war ich zumeist müde. Anderseits war es üblich, dass ich der Mutter  geholfen habe die Kühe zu versorgen, füttern und melken. Der Vater war noch bei der Feldarbeit oder im Holschlag. War die Stallarbeit erledigt war es meist acht Uhr abends. Jetzt war an das Niederschreiben von Gedanken  nicht mehr zu denken. Es fehlte der geeignete Raum, in der großen Bauernküche, wo sich das Familienleben abspielte, herrschte nicht die notwendige Ruhe. Das Schlafzimmer war ungeheizt, hatte ein  schlechtes Licht und es gab keine passende Einrichtung. So verendete mit dem Schlafengehen die Hoffnung etwas zu Papier zu bringen und wurde auf den nächsten Tag verschoben.

Stadtbibliothek

ABSCHIED:nehmen II

Vom „ Abschiednehmen“ gibt es viele Lieder, bei verschiedenen Anlässen  wird davon gesungen und gesprochen. An oberster Stelle meint man den  Abschied von einem anderen Menschen durch den Tod. Dieser Abschied ist ein Schnitt in das Herz, der wieder heilt, aber eine Narbe hinterlässt. Das Blut kann nicht mehr frei fließen, dies verursacht die Schmerzen im Brustbein. Es ist eine Frage wie nahe man dem Menschen gestanden ist. Qualvoll empfinden manche das Abschiednehmen, wenn sie aus beruflichen Gründen in ein anderes Land ziehen und die Ehefrau mit den Kindern oder die Eltern zurücklassen müssen. Mit den technischen Möglichkeiten von heute, wie Telefon und Email bleibt man in Verbindung. Etwas fehlt, der körperliche Kontakt, von Haut zu Haut.

Ein anderes Abschiednehmen steht in Verbindung mit dem Wort „Heimat“, aus einer Wohnung, von einem Ort wegziehen. Ein Tal wo man jahrelang gelebt hat, eine Felswand, einen Berggipfel auf den man täglich geschaut hat, verlassen. Der Dobratsch zeigt sich zu den verschiedenen Tages- und Jahreszeiten immer in einer anderen Farbe. In der „Roten Wand“ habe ich täglich etwas Neues entdeckt. Der Felsen hat mich getröstet, wenn ich traurig war, hat mir Ratschläge gegeben, wenn ich seine Hilfe gesucht habe und hat mir Ruhe und Sicherheit vermittelt. Er hat mich an seine Brust gedrückt und gesagt: „Auf diesen Felsen kannst du dein Leben bauen“. Er wird mir in meiner neuen Heimat fehlen.

Absturzsicher.