DIE:zeit

Soll man eine Arbeit besonders rasch erledigen, dann gibt es den Spruch: „Die Zeit drängt“. Im Winter hatte man es früher am Bauernhof nicht eilig.  Drängender war es im Sommer, wenn es darum ging, eine Schönwetterperiode für die Heu- oder Getreideernte zu nützen. Gleiches  galt für das  Ausbringen der Saat. Dies brachte es manchmal mit sich, dass man das Mittagessen verkürzte oder auf die Jause verzichtete. So konnte man vor einem heranziehenden Gewitter das Heu in das Trockene bringen. Diese Eile war  nicht  alltäglich und beschränkte sich auf den Sommer. Heute sagt niemand mehr, die Zeit drängt, wir leben in einer beschleunigten Welt und sind selbst oft in Zeitnot. In der selben Zeit soll mehr erledigt und gearbeitet werden, weil wir wollen um vieles mehr besitzen und erleben als frühere Generationen. Da kann es verwundern, wenn man sich weigert ein Buch zu lesen, nur weil man es im Reisegebäck hat. Mir für etwas Zeit nehmen, Musik hören oder Lesen, bedeutet für mich, dafür mindestens  eine Stunde Zeit zu haben. Eine Tageszeitung oder Illustrierte durchzublättern, das Wort durchblättern klingt wie das Durchschleusen von Massen auf einem Fest, ist etwas anderes.

Denke ich an  meine Notizhefte  mit den  Aufzeichnungen aus den letzten dreißig Jahren, dann könnte ich sagen: „Die Zeit drängt“. Bei der Fülle von Notizen wird es mir nicht möglich sein, alles aufzuarbeiten. Ich sehe mein Glück darin, einen Teil  zu  verwenden.

Jahresanfang.

IM:gebirge IV

Im Tal war es in den letzten Tagen sonnig und kalt, der Schnee abweisend und unberührt, nur etwas für das Auge. Diese Landschaft konnte als Vorlage für ein Bühnenbild dienen. Auf dem Brautkleid der Wiesen glitzerten die Schneekristalle. Das Leben hatte sich aus der Flusslandschaft zurückgezogen. Heute hat sich das Wetter geändert, graue Wolken am Himmel, trübes Licht, die Luft ist mild. Ich fahre mit den Langlaufskiern die Ill entlang. Der Schnee ist stumpf und verschluckt die Geräusche. Zwischen den Sträuchern tauchen Hasen und Fasane auf. Von den Bergen weht der Föhn, der Schnee rieselt von den Bäumen. Es ist eine gedämpfte Stimmung, wie an manchen Silvestertagen in der Kindheit. Am frühen Abend ging man über den verschneiten Hof, öffnete die Scheunentür und trat in den dunstigen Viehstall ein, um die Tiere zu versorgen. Der Geruch von Heu und frischer Milch breitete sich im Stall aus. Die Kühe begannen behaglich am Heu zu kauen. Die Zufriedenheit der Kühe übertrug sich auf uns aus. Wir waren mit dem zufrieden was war und was ist. Die Umstände waren eindeutig. Das alte Jahr wird zum neuen Jahr wechseln, kein Ereignis wird das Leben auf diesem Fleck der Erde verändern.

 ALLEN MEINEN LESERINNEN, LESERN, KOMMENTATOREN UND ABONNENTEN EINEN STIMMUNGSVOLLEN JAHRESWECHSEL UND EIN GLÜCKLICHES NEUES JAHR !

 

ANSICHT:en

Vieles wird durch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten, Handy und Internet, verdrängt.  Es ist  einige Jahre her, da feierte die Ansichtskarte ihr  100. Jubiläum und jetzt hat es den Anschein, dass  ihr Ende naht. Ist man in einem wenig frequentierten Urlaubsort, dann muss man lange suchen bis man ein Geschäft mit Ansichtskarten findet und die Auswahl ist klein. Vor Jahren hatte jede kleine Ortschaft ihre Ansichtskarte und jede Fremdenpension ihre Hauspostkarte. Die Reisenden, die ihre Freunde mit einer Postkarte grüßen, werden immer weniger. Vielen ist das Schreiben einer Postkarte zu mühsam und es mangelt  an Fantasie, was den Inhalt der Grüße betrifft. Oftmals hat man Mühe die Postkarten rechtzeitig abzuschicken, dies gelingt nur dann, wenn man die Postkarten in den ersten Tagen schreibt. Im Urlaubsort, als Erstes an das Postkartenschreiben denkt. Nicht selten ist, hat man allen Bekannten und Freunden eine Postkarte geschickt, auch die Urlaubswoche vorbei. Da stellt sich die Frage, ging es um Erholung  oder wollte man kundtun, dass man verreist ist.

Heute haben sich ein kurzer Anruf und das Verschicken von einem Urlaubsfoto am Handy durchgesetzt. Durch das mobile Internet gibt es eine neue Art, von seinen Urlaubseindrücken zu berichten. Handelt es sich um eine längere oder ungewöhnliche Reise, eine Studienreise, eröffnen manche ein Reiseblog im Internet. So können viele an der Reise teilnehmen, mitdiskutieren, Vorschläge und Wissen in die Reise einbringen.

Gibt es in der Ortsmitte eine markante Erhebung, so steht dort zumeist das Kloster oder die Kirche.  Gott als Penthousbewohner.  Die Lage und die Ausstattung ist für weite Bevölkerungskreise unerschwinglich.

Gottespenthouse.

UNTER:dreißig

Die Unterdreißigjährigen benützen das Internet so selbstverständlich wie einen Lift. Bei ihnen gibt es keine Diskussion darüber, ob das Internet sinnvoll ist oder vor Gefahren strotzt. Sie können sich nicht vorstellen, worin die Gefahren des Internet liegen können. Wie beim Lift schätzen sie die Bequemlichkeit und sehen nicht die Gefahr, dass der Lift eventuell stecken bleiben könnte oder sich die Türen nicht öffnen könnten. Mit technischen Errungenschaften hat der Mensch seine Probleme,  wie mit dem Auto. Manche Menschen sahen im Auto ein Machwerk des Teufels, so heute beim freien Internetzugang. Sie sehen bei der Internetbenützung die Suchtgefahr, die Gefahr straffällig zu werden, die Möglichkeit für einen Seitensprung ohne Folgen. Einen mentalen Seitensprung, für mentalen Sex. Gibt es im Haushalt ein Internetanschluss, dann gibt es auch Wünsche. Eine Recherche über eine Persönlichkeit, Veranstaltungstermine, Zugverbindungen oder Ansichten von einem Urlaubsziel.

Über die Gefahren des Internets sprechen oft Menschen, die selbst keinen Internetzugang haben. Kein Internet im Haus zulassen, weil sie damit hoffen, das Böse aus ihrem Haus zu verbannen. Man starrt auf das Zentrum des Feuers und übersieht dabei, dass sich kleine Feuerzungen selbstständig gemacht haben.

Zugauskunft.