LETZT:malig

Nähert sich der Tag der Betriebsübergabe so werden viele Arbeiten letztmalig durchgeführt, wie die Bestellung von Malbücher. Ist es ein Saisonartikel, wie der Verkauf von Erinnerungsalben zur Firmung, dann weis man genau, dies sind die letzten Erinnerungsalben die man verkauft. Manche Kunden haben sich schon vor Monaten  verabschiedet, weil sie nicht wussten, ob dies ihr letzter Einkauf im Geschäft sein wird. Letztmalig besucht man Kunden und nimmt an einer Sitzung der Fachvertretung teil. Das Prinzenpaar bedauert es, dass es letztmalig zu einem Glas Sekt eingeladen wird. Die Burschenschaft von Möselstein gebraucht das Wort letztmalig, um eine Spende für eine Veranstaltung zu erhalten. Sie will auf zwanzig Euro nicht verzichten.

Es ist ungewiß ob sich die Bräuche in Zukunft erhalten werden oder kommt es zu einem Tabubruch, einem Umbruch, der schon fällig ist?

Die letzte Stunde.

UN.gewiss

Nähert sich der letzte Arbeitstag, dabei ist es egal ob man freiwillig oder zwangsläufig aus dem Berufsleben ausscheidet, so wissen viele nicht, was sie in der arbeitsfreien Zeit erwartet. Von einem Tag auf den Anderen befindet man sich in der Pension, nicht in einer Fremdenpension, sondern in der Alterspension. Früher gab es den Begriff „man geht in die Rente“, man war Rentner.  Man kann sich vorher einen Tag ohne regelmäßige Arbeitszeit schwer vorstellen. Man wird sich im Dunkeln vorwärts tasten, bis Licht in den Alltag kommen wird. Manche haben vage Vorstellungen, wie Zeitungsausschnitte und Schriftstücke zu ordnen oder die  Foto- und Büchersammlung zu katalogisieren. Entsprechend der Jahreszeit  im Garten oder am Balkon Sträucher und Blumen zu pflanzen. Männer denken daran, Reparaturen in der Wohnung durchzuführen und im Kellerabteil aufzuräumen.

Über die Vorhaben liegt ein Nebel  wie im November, es ist eine Ungewissheit, die auf das Gemüt und auf das Herz drückt. Langjährige Rentner geben Einblick in das künftige Rentnerparadies, wobei Fernreisen oder das Überwintern auf einer Insel im Süden eine gut dotierte Rente voraussetzen. Viele suchen statt der Fernreisen um einen Zuschuss zu einem Kur- oder Erholungsaufenthalt an. Sie müssen jeden Termin akzeptieren, weil man hat jetzt Zeit. So wird man bei verschiedenen Institutionen und bei Behandlungsterminen zurückgestuft, weil man muss nicht an den Arbeitsplatz zurückkehren. Der Pensionsalltag besteht für manche darin, dass sie viel Zeit in den Wartezimmern der Fachärzte verbringen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man nur mehr eine kurze Lebenszeit vor sich hat, wird von den anderen nicht wahrgenommen.

Gewissenslos.

AL.mosen

Man kann schnell an Bedeutung verlieren und als Mensch uninteressant werden, auch dann, wenn man über Jahrzehnte Kundschaft bei einem Großhändler war. Man muß erleben, dass man nur noch als Kontaktperson von Bedeutung ist, um den Kontakt mit dem Nachfolger herzustellen. Man wird als eine Auskunftsperson und als eine Hemmschwelle angesehen, die im Weg steht und über die man hinweg muss, um an den Nachfolger heran zu kommen. Von Interesse ist man solange, bis man den Namen und die Telefonnummer des Nachfolgers bekannt gegeben hat. Dieses Ansinnen wird mit dem Hinweis versehen, man möchte sich beim Zukünftigen  vorstellen, man will ihm nichts verkaufen. Als Kaufmann habe ich nicht erlebt, dass ein Großhändler Almosen verteilen will, er will verkaufen. Wo liegt die Grenze, zwischen einer Hilfestellung  oder man wird zu etwas gedrängt? In Zukunft will man sich nicht mehr drängen lassen,  das, was man sagen und vorbereiten will, selbst entscheiden. Die neue Freiheit geht dahin, dass ich mir  für die Zeit in der Pension nichts vornehme und nichts wünsche. Ich bin für alles offen, was noch kommen wird.

Dankbarkeit.    

RÜCK:zug

In Seminaren wird darüber gesprochen, in Broschüren darüber geschrieben, zu welchem Zeitpunkt man dem Nachwuchs die Führung der Firma überlassen soll. Oft wird damit zu lange gewartet, sodass der Nachwuchs die Freude an der Mitarbeit verliert, vom Übergeber wird verlangt, dass alles so bleiben soll wie es war. Ein Festhalten an Formen die sich  jahrzehntelang bewährt haben, bedeutet die Chance auf Veränderung für die Zukunft  zu vergeben. Für mich eine falsche Ansage war, als eine Interessentin für die Übernahme des Geschäftes sagte: „Alles soll so bleiben wie es ist“. Damit hätte sie sich einzementiert und wäre für die Zukunft unbeweglich gewesen.

In Pension zu gehen kommt mir komisch vor, ich scheide sozusagen aus dem Leben aus. Ich erhalte ein Ablaufdatum, dass manches mal überschritten werden kann, ohne dass der Inhalt verdorben ist. Man freut sich über die Wertschätzung, die Ehrungen, welche einem entgegengebracht werden, obwohl man kein Freund von Zeremonien ist. In der instabilen Wirtschaftssituation beneiden einen viele um das sichere Einkommen. Auf der anderen Seite steht das Wissen, dass es  Jüngere gibt, welche das längere Leben in ihrer Waagschale haben. Nicht immer ist alles eins zu eins umsetzbar.

Duckdonnerstag.