NACH:feiern

Von den Kärntnern wird behauptet, dass sie gerne singen und feiern. Auch bei Verallgemeinerungen ist meistens ein Körnchen Wahrheit dabei, aber auch Vorurteile. Es ist spannend, wenn sich Menschen aus den verschiedenen österreichischen Bundesländern über die landesspezifischen Eigenheiten unterhalten. Eine ältere Frau erzählte, dass in Vorarlberg Anfang der fünfziger Jahre die Steiermark und Kärnten für das Ausland gehalten wurden. Dies ist nicht verwunderlich, da zu dieser Zeit viele Bewohner ihr Heimatal ein ganzes Leben nicht verlassen haben. Die weiteste Reise führte in die  Bezirksstadt. Man kann sagen, die Kärntner sind eine Mischung aus Österreicher und Italiener und die Vorarlberger sind eine Mischung aus Österreicher und Schweizer.

Verschickt man die Einladungen zum letzten Fest, dann klingt dabei Wehmut mit und was ist das letzte Fest? Es entsteht bei anderen Missgunst, wie beim Gleichnis vom verlorenem Sohn in der Bibel. Der Daheimgebliebene ist dem ausgewanderten Sohn das Fest zur seiner Wiederkehr neidig, da dieser sein ganzes Erbteil durchgebracht hat. Zum Geschäftsende wird  betont, was man für den Ort geleistet hat, die Mitarbeit in der Öffentlichkeit, die geistigen Impulse. Von der Verwandtschaft wird spekuliert, wie viel man für die Erben zur Verfügung stellen wird. Wer sucht der findet.

Ein Afrikaner, ein Paketzusteller aus Zimbabwe hat mich gefragt, was ich mir anläßlich der Pensionierung denke? In seinem Land gibt es für die Menschen keine Pension. Arbeiten, bis die Lebenszeit abgelaufen ist.       

Das Ticken der Sanduhr.

AN:abmelden

Alles im Leben hat eine Ablaufzeit. Eine der häufigsten Tätigkeiten ist, sich irgendwo an- und abzumelden, ein ständiges Ausfüllen von Formularen. Kinder muss man häufig an- und abmelden, zum Kindergarten, zum Schulbesuch, zum Gitarre- oder Gymnastikkurs, zum Sportverein und bei der Jungschar. Mit dem Lebensfortschritt wird es nicht besser. Es müssen das Auto, der Fernseher, die Führerscheinprüfung, das Studium, ein Ausflug, an- und abgemeldet werden. Eine große Herausforderung bedeutet der Wohnungswechsel, das Anmelden im neuen Wohnort und das Abmelden vom Geburtsort. Der Besuch beim Arzt erfordert eine Terminvereinbarung, für den neuen Arbeitsplatz braucht es eine Anmeldung zu einem Vorstellungsgespräch. Beim Bundesheer gehört das An- und Abmelden, wie das Grüßen, zum Alltag.

Der Schritt in die Selbstständigkeit beginnt mit dem Anmelden des Gewerbes. Nach der Reform des Gewerberechtes ist heute das Erlangen verschiedener Gewerbe, zum Beispiel des Handelsgewerbes, von fast allen Bedingungen befreit. Vor Jahrzehnten gab es noch strenge Antrittsbedingungen, wie den Befähigungsnachweis. Heute sind fast alle Hüllen, Pardon, Hürden gefallen. Jeder kann jedes Gewerbe ausüben, früher wurden die persönlichen und beruflichen Voraussetzungen genau geprüft.

Kommt man in die Situation, wegen Pensionierung sein Gewerbe zurückzulegen, so nimmt man die, mit Schnörkel reich verzierten Gewerbescheine wieder in die Hand. Die erste Frage von der Beamtin ist, wollen sie das Gewerbe ruhend stellen oder wollen sie es abmelden. Eine Entscheidung, die man nicht rückgängig machen kann. Nach der Geschäftsverpachtung ist der logische Schritt die Gewerbelöschung. Ein Vorgang der körperlich spürbar ist. Der Beruf, indem sich der Mensch ausrückt, wird  abgemeldet. Man erwartet sich von der Beamtin ein mitfühlendes Wort, nichts geschieht. Im kleinen Büro stappeln sich auf jedem Sessel die Akte, zum Niedersitzen ist kein Sessel frei. Es gelingt ein Abmeldeformular hervorzuzaubern. Mit einer Unterschrift ist die Löschung der Gewerbescheine vollzogen, das Formular verschwindet im Aktenberg. Das Herzklopfen, die Abschiedsträne wird auf später verschoben. Der Bescheid über die Abmeldung wird per Email zugesandt, kein Schriftstück.

Schmucketiketten.

LETZT:malig

Nähert sich der Tag der Betriebsübergabe so werden viele Arbeiten letztmalig durchgeführt, wie die Bestellung von Malbücher. Ist es ein Saisonartikel, wie der Verkauf von Erinnerungsalben zur Firmung, dann weis man genau, dies sind die letzten Erinnerungsalben die man verkauft. Manche Kunden haben sich schon vor Monaten  verabschiedet, weil sie nicht wussten, ob dies ihr letzter Einkauf im Geschäft sein wird. Letztmalig besucht man Kunden und nimmt an einer Sitzung der Fachvertretung teil. Das Prinzenpaar bedauert es, dass es letztmalig zu einem Glas Sekt eingeladen wird. Die Burschenschaft von Möselstein gebraucht das Wort letztmalig, um eine Spende für eine Veranstaltung zu erhalten. Sie will auf zwanzig Euro nicht verzichten.

Es ist ungewiß ob sich die Bräuche in Zukunft erhalten werden oder kommt es zu einem Tabubruch, einem Umbruch, der schon fällig ist?

Die letzte Stunde.

UN.gewiss

Nähert sich der letzte Arbeitstag, dabei ist es egal ob man freiwillig oder zwangsläufig aus dem Berufsleben ausscheidet, so wissen viele nicht, was sie in der arbeitsfreien Zeit erwartet. Von einem Tag auf den Anderen befindet man sich in der Pension, nicht in einer Fremdenpension, sondern in der Alterspension. Früher gab es den Begriff „man geht in die Rente“, man war Rentner.  Man kann sich vorher einen Tag ohne regelmäßige Arbeitszeit schwer vorstellen. Man wird sich im Dunkeln vorwärts tasten, bis Licht in den Alltag kommen wird. Manche haben vage Vorstellungen, wie Zeitungsausschnitte und Schriftstücke zu ordnen oder die  Foto- und Büchersammlung zu katalogisieren. Entsprechend der Jahreszeit  im Garten oder am Balkon Sträucher und Blumen zu pflanzen. Männer denken daran, Reparaturen in der Wohnung durchzuführen und im Kellerabteil aufzuräumen.

Über die Vorhaben liegt ein Nebel  wie im November, es ist eine Ungewissheit, die auf das Gemüt und auf das Herz drückt. Langjährige Rentner geben Einblick in das künftige Rentnerparadies, wobei Fernreisen oder das Überwintern auf einer Insel im Süden eine gut dotierte Rente voraussetzen. Viele suchen statt der Fernreisen um einen Zuschuss zu einem Kur- oder Erholungsaufenthalt an. Sie müssen jeden Termin akzeptieren, weil man hat jetzt Zeit. So wird man bei verschiedenen Institutionen und bei Behandlungsterminen zurückgestuft, weil man muss nicht an den Arbeitsplatz zurückkehren. Der Pensionsalltag besteht für manche darin, dass sie viel Zeit in den Wartezimmern der Fachärzte verbringen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man nur mehr eine kurze Lebenszeit vor sich hat, wird von den anderen nicht wahrgenommen.

Gewissenslos.