IM:rausch

Sich einen “Rausch antrinken”, wie der Alkoholmissbrauch im Volksmund genannt wird, war früher auf dem Land etwas Normales und hat auch vieles entschuldigt. Oft ist es passiert, dass es im Rausch unter den Gasthausbesuchern zu einem Streit oder einer Rauferei gekommen ist. Es gab kaum eine Brauchtumsveranstaltung, sei es Kirchtag, Feuerwehrfest oder Faschingsball, wo es nicht eine Rauferei gegeben hat. Am nächsten Tag waren sich die Streitparteien  einig, es war eine besoffene Geschichte, der man nicht viel Bedeutung beigemessen hat. Von dem Einen und dem Anderen hat es geheißen, dass er, wenn er im Rausch heimkommt, seine Frau und seine Kinder schlägt. Auch dies hat man zu den entschuldbaren Vorkommnissen gezählt. Es hat genügt, wenn man es in der Kirche gebeichtet hat und der Pfarrer  einem in das Gewissen redete. 

Heute ist man vorsichtiger und überlegt sich, was man im Rausch macht. Bei einer sogenannten Wirtshausrauferei ist man schnell mit dem Paragrafen Körperverletzung und einer Schmerzens-geldforderung konfrontiert. Bei der Misshandlung von Frau oder Kind kommt es zu einem Verweis aus der Wohnung. Den Pfarrer, der einem in das Gewissen redet, muss man suchen.  In der Kirche diskutiert man über komplexe Glaubens- und Sozialfragen. Im Rausch wird der Blickwinkel enger und beim Überschreiten der Geleise bleibt man dort liegen. 

Böses Erwachen.

STÜTZ:punkt

Es macht beim Sport, beim Radfahren, Spass, wenn man sich ein Ziel setzt. Man soll sich nicht überfordern, aber  ein Ziel, welches über der Bequemlichkeit liegt, über der menschlichen Trägheit. Es soll sich eine Zufriedenheit einstellen, wenn man das Ziel erreicht hat und keine Überforderung. Dieses Ziel kann zu einem Stützpunkt, zu einer Orientierung für das Leben werden. Ein solches Ziel ist für mich beim Radfahren die St.Georgs Kirche in Faak am Faakersee. Bei der Hinfahrt muss ich einige Steigungen überwinden, freue mich aber während der Mühen auf die Rückfahrt, wo ich das leicht abfallende Gelände genießen werde. Der Platz vor der Kirche wird von einer Linde geprägt, mit einer Bank um den mächtigen Stamm. Von hier gibt es eine Rundsicht auf die Karawanken, den Dobratsch und das Finkensteiner Moor. An der Außenwand der Kirche ist ein Fresko mit dem „ Hl. Christophorus “  zum Verständnis des Lebens, vom Tragen und vom Getragen werden.

 

Ein weiterer Rastpunkt ist der Brunnen in der Oberschütt. Hier besteht die Möglichkeit die Gedanken, den Unrat der Seele, andere würden sagen, das Böse, auszumisten. Es ist wie das Entrümpeln der Wohnung von dem Müll des Überflusses, der sich in den Nischen eingenistet hat. Man fühlt sich befreit, wenn überschaubare Verhältnisse herrschen. Ist es um einen lichter, wird es auch im Inneren leichter. So geschehen im Innenhof, wo ich die Bäume und die Sträucher ausgelichtet habe. Es war vieles zu üppig, zu viel grün, die Seele konnte nicht mehr frei fliegen. Jetzt sieht man wieder die Kieselsteine, die Schmetterlinge und die Weite, für einen Rundumflug der Seele.

 

Durchforsten.

 

 

Kommentar von Gerhard :
Schöner Artikel !

11.45:12.15

Es ist sonnig, die Bora weht. Drei Straßen bilden zwischen den Häusern ein Dreieck, in der Mitte ein Parkplatz für fünf Autos. An jedem Straßenrand des Dreieckes steht eine Bank. Die Kirche steht unter der Straße. Vor der Kirche hält ein weißer Mercedes Vito mit einem schwarzen Kreuz auf den Seitenwänden. Ein Mann in Schwarz steigt aus und verschwindet in einem Hauseingang. Zwei Kinder kommen von der Schule, ein Elektrounternehmer holt mit dem Auto einen Arbeiter ab. Vis a vis von der Kirche ist ein Haus mit Balkon, eingezäunt von einer Steinmauer, auf der sich eine hellbraune Katze sonnt. Eine Frau mit weißer Hose und rosa Bluse lichtet die Sträucher. Auf einem Betonsockel steht ein Fahnenmast in den Farben weiß, rot, blau. Daneben der Tiefbrunnen, am Brunnenrand steht die Jahreszahl 1830. Das Gejaule einer Flex und das Surren einer Bohrmaschine wechseln sich ab. Von Sträuchern eingegrenzt steht auf der linken Seite eine geschwungene Säule davor ein verwitterter Kranz aus Plastikblumen und eine abgebrannte Kerze. Als ich auf die Säule zugehe, schaut zwischen den Sträuchern eine Katze hervor, verwundert und ungläubig. In der Betonplatte die Inschrift: Spomen – Park, 1941- 1945. Bei den Häusern verlaufen die Strom- und Telefonleitungen auf Putz. In den Vorgärten stehen gelb blühende Palmen, in den Blumenkästen blühen die Geranien. Die Turmuhr schlägt zwölfmal, die Kirchenglocken beginnen zu läuten.

Ein Mann geht aus dem Haus und steckt eine leere Milchpackung in den öffentlichen Müllkorb. Ein junger Vater kommt mit seinen zwei Kindern vom Einkauf im Konzum zurück. Neben der Kirche führt eine Stiege zum Meer, von dort kommt Hundegebell.

Jadranovo.  

SCHWING:ungen

Beim Ausspannen im Urlaub mache ich mir  Gedanken über das Leben, auch über mein eigens. Dieser Vorgang wird ausgelöst, da ich Anhaltspunkte, Vergleichspunkte, in der Natur oder in den Landschaftsformen finde. Ein Aufenthalt am Meer macht es mir leicht mein Leben mit einem Schiff zu vergleichen. Ein Schiff, welches am Horizont als kleiner Punkt auftaucht, als Mensch der immer größer wird.

Befindet man sich auf dem offenen Meer, ist man den Meeresstürmen ausgesetzt,  beladen mit Waren, den Aufgaben des Lebens. Es ist nicht immer möglich, den geplanten Kurs  beizubehalten. Glück ist, wenn man nach Kursabweichungen wieder auf den Kurs zurückfindet und es nicht zu einer Kollision mit anderen Schiffen kommt. Im Hafen wird man von den Waren, den Aufgaben entladen. Die älteren Schiffe werden im Küstenverkehr eingesetzt, in ruhigeren Gewässern, nicht mehr auf das offene Meer geschickt.

Fährt ein Schiff über das Wasser, breiten sich die Wellen immer weiter aus, bis sie nicht mehr zu erkennen sind, aber im Wasser noch spürbar. Ein aktives Leben hinterlässt Spuren, die lange Zeit sichtbar sind, aber immer schwächer werden. Die Schwingungen bleiben spürbar, sie vereinen sich mit den Schwingungen der Welt. Die Astrophysiker sagen, dass die Strahlung des Urknalls noch messbar ist.

In ruhigen Gewässer.  

FOTO:termin

Nähert sich in der Familie ein runder Geburtstag, dann gibt es verschiedene Stimmungen. Die Zwanziger und Dreißiger werden fröhlich und laut gefeiert. Ernster werden die Gesichter, wenn es der fünfzigste, sechzigste oder siebzigste Geburtstag ist. Es können auch geglückte Geburtstage sein, wenn man auf ein erfülltes Leben zurückblickt, denn Geburtstag mit seiner Frau, seinen Kindern, der Verwandtschaft und mit Freunden feiern kann. Ist man bei einem Verein oder im kommunalen Bereich engagiert, dann kommen die Glückwünsche vom Vereinsvorstand und des Bürgermeisters dazu, verbunden mit einer Ehrung und einem Foto für die Gemeindezeitung. Für die nächsten Jahre hofft man, dass es weiter so bleibt, bis zum nächsten runden Geburtstag.

 

Auf dem Sofa sitzt die Hauskatze, die zum Schnurren anfängt, wenn man sie streichelt. Man beneidet die Katze darum, dass sie nicht die Tage, die Monate und die Jahre zählt. Sie kennt nur die Futterzeiten.

 

Seitenblicke.

GE:schlossen

Zu einfachen Dingen kann man innerhalb einer Partnerschaft verschiedene Einstellungen haben, die auf den ersten Blick unwesentlich sind. Der eine liebt in einem Gastgarten den Platz in der Mitte mit einem rundum Blick, der andere sitzt lieber am Rand, ein Platz um gut zu beobachten. Der eine liebt die Kaffeetasse randvoll, weil er seinen Durst löschen will, der andere genießt den Kaffee in einer dreiviertelvollen Tasse mit Schaum. Zum Frühstück will jeder als Erster die Tageszeitung lesen. Beim Spazierengehen will der eine einen schnelleren Schritt, der andere schlendert gemütlich dahin. Für den einen gehören zu einer Jause dicke Brotscheiben, der andere begnügt sich mit dünnen Broten. Nach dem Mittagessen geht der eine hinaus, er braucht Bewegung, der andere findet die Ruhe auf dem Sofa. Es gibt eine Vielzahl von täglichen Vorkommnissen, die verschieden gehandhabt werden, die für die Existenz völlig unbedeutet sind, aber einmal aus ihrer Bedeutungslosigkeit hervorgehoben werden.

 

Für das Zusammenleben mehr Bedeutung hat die Einstellung, sollen die Vorhänge am Abend geschlossen sein, obwohl es keine direkten Nachbarn gibt oder nicht. Ist es besser, man blickt in die Dunkelheit und findet verschiedene Lichtquellen in der Umgebung oder man schiebt einen Vorhang vor, zwischen draußen und herinnen.

 

Wozu.   

 

 

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