GLAUBE:forschung

Man hat nicht oft die Möglichkeit sich zwanglos über die Sünde, das Jenseits, die Auferstehung und den Plan Gottes zu unterhalten. Ein neuer Aspekt eröffnet sich, wenn man sagt, ein Dogma ist nicht endgültiges, auch im Glauben gilt der Grundsatz des Forschen. Man kann wie in der Biologie, der Astronomie oder in der Medizin nach neuen Erkenntnissen suchen. Das Leben macht Sinn wenn man forscht, zu neuen Einsichten kommt. Studieren heißt nicht nur althergebrachtes aufzunehmen, sondern selbst als Gelehrter tätig zu werden. In Glaubensfragen besteht die Möglichkeit durch suchen zu neuen Erkenntnissen zu kommen. Die Welt wie wir sie wahrnehmen gibt es in der Wirklichkeit nicht, sie ist eine Folge unserer Erkenntnisse. Die Dogmen sind nichts anderes, als dass sie einmal die Endpunkte eines Forschungsprozesses waren, die Kilometersteine im Glauben. Sie waren nie als Endpunkte gedacht, der Prozess wird fortgesetzt und es kommen neue Kilometersteine dazu. Jeder ist berechtigt einen neuen Randstein dazuzufügen. Wir alle sind Straßenbaumeister des Glauben. Thomas von Aquin sagt: „ Gott kann mit der Vernunft erkannt werden“.

Vernünftig werden.

VOLL:kommen

Was meinte Jesus mit dem Satz: „Trachtet danach, dass ihr so vollkommen werdet, wie der Vater im Himmel vollkommen ist“. Denken wir an menschliche  Vollkommenheit, dann meinen wir, dass alles perfekt sein muss. Fehlerlos wie es die Kunden wünschen, vorbildlich wie es sich die Ehefrau erwartet und von den Kindern wünschen sich die Eltern und die Lehrer, dass sie sich mustergültig benehmen. Das angepasste Kind, dass höflich zu anderen Menschen ist, sein Kinderzimmer aufräumt und die Hausaufgabe sofort erledigt. Was erwartet man sich von einer perfekten Ehefrau? Sie soll eine attraktive, ordentliche, leidenschaftliche, gescheite Frau sein und in der Kindererziehung erfahren. Ähnliches gilt vom Ehemann, er soll sportlich, freundlich, erfolgreich, redegewandt und ein guter Zuhörer und Liebhaber sein. Attribute, die den perfekten Menschen ausmachen gibt es viele. Oder verstehen wir unter dem idealen Menschen den jungen, schönen, tüchtigen und reichen Menschen? In späteren Jahren kann Vermögen vorhanden sein, aber es tritt ein Mangel an Schönheit und Jugend ein. Das Wort „perfekt“ vernachlässigt die vielen Ausdrucksmöglichkeiten, welche im Menschen stecken.

Ist derjenige, der vollkommen ist, auch perfekt? Oder ist dies jemand, der mit sich zufrieden ist, der so lebt wie dies seinem Innersten entspricht. Einer Beschäftigung nachgeht, die ihm die Möglichkeit gibt tief durchzuatmen, sich frei zuatmen. Die Vollkommenheit des Vaters im Himmel bietet Freiheit und Schutz, auch wenn man nicht allem zustimmt. Es bleibt jedem überlassen, ob er Vollkommenheit anstrebt oder perfekt sein will.

Perfektionismus.

AB:werfen II

Wer in Pension geht sollte einen großen Schritt machen und Ballast abwerfen. Erleichterung spürte ich, als ich darangehen konnte, Prospekte und Preislisten auszusortieren. Vieles habe ich gesammelt, weil es könnte einmal eine Anfrage oder Bestellung von einer Kundschaft kommen, wo diese Unterlagen gebraucht werden. Eine Freiheit, die nicht nur im Kopf, sondern auch körperlich zu spüren war. Nicht jeder Tag war für das Aussortieren, für das Loslassen, gleicher maßen geeignet. Es hat sogenannte Wegwerftage gegeben, wo es mich gedrängt hat, unnötiges wegzuwerfen. Das Loslassen macht frei, wobei die künftige Unternehmergeneration nicht so viele Broschüren und Prospekte sammeln wird, weil sie besucht lieber die Firmenhomepage im Internet. Ob es dadurch zu einem Abbau bei den Prospekten und Broschüren kommt ist fraglich. Offen sind noch die Auswirkungen auf die Gesundheit, in diesem Fall auf die Wirbelsäule und die Augen. Meines Erachten ist die Bildschirmarbeit eine größere Belastung für das Auge als ein Prospektseite.

Mit  dieser Freude sollte man auch im privaten Bereich fortfahren. Bis man einen neuen Tagesrhythmus gefunden hat, bleibt Zeit, im Privatarchiv Ordnung zu schaffen.

ALLEN LESERN RUHIGE  OSTERN !

AB:werfen

Eine Überlastung im Berufsalltag führt oft zu Rückenschmerzen oder zu einem hohen Blutdruck, dann sollte man Ballast abwerfen. Gemeint ist, dass man Aufgaben abgibt oder sich die Arbeit mit anderen teilt. Wobei das Abgeben in Kleinbetrieben oft nicht möglich ist, da es keinen geeigneten Mitarbeiter gibt oder die Arbeit zu teilen zu hohe Lohnkosten verursachen würde. Manches mal scheitert das Abgeben daran, dass man dadurch seine Kompetenz und seinen Einfluss gefährdet sieht. Deshalb wird auch von vielen der Pensionsantritt verzögert, weil sie etwas aus der Hand geben müssen, an Wertigkeit verlieren. Vieles, was heute über die Verlängerung der Arbeitszeit und einen späteren Pensionsantritt gesagt wird, trifft für die Jahrgänge der Fünfziger Jahre nicht zu. Wird man in Zukunft, auch einige Jahre später in Pension gehen, so wird man trotzdem nicht die Beitragsjahre erreichen, wie diese Jahrgänge. Seit den Neunziger Jahren ist es unmöglich, in einem durchgehenden Arbeitsverhältnis bei einem Arbeitgeber zu stehen. Bei den heutigen Jugendlichen dauert die Ausbildung in der Regel länger als vor Jahrzehnten.

Fünfundvierzig.

PALM:besen

Die Erinnerung an die Verstorbenen kann verschieden intensiv sein. Meistens hängt es davon ab, in welchem Nahverhältnis man zu dem Verstorbenen gestanden ist. Zu den Festtagen spricht man gerne darüber, welche Erlebnisse einen an den Verstorbenen erinnern. Zur Osterzeit kommt die Erinnerung an den Vater, der für uns Kinder und später für die Enkelkinder den „Palmbesen“ gebunden hat. Er hat ihn wie einen echten Kehrbesen gebunden, da er über den Winter für den Eigenbedarf  Besen und Ruckkörbe geflochten hat. Der Palmbesen bestand aus Palmkätzchen und Kranewitzweigen, darin vier Holzspieße aus Haselnussstauden, an denen die Orangen und die Äpfel aufgespießt wurden. Dazu kamen Schokolade- und Salzbrezen, sowie Feigen. Zur Behübschung wurden bunte Schleifen um den Palmbesen gebunden und der Stil mit Krepppapier umwickelt. Seine Palmbesen waren stabil und dies war ein Vorteil, weil wir Kinder sind damit nicht behutsam umgegangen. Der Weg in die Kirche, hin und zurück, betrug circa acht Kilometer. Dabei ist es vorkommen, dass wir mit anderen Kindern in Streit geraten sind, wer den schöneren Palmbuschen hat. Diesen Streit haben wir mit unseren „Waffen“, dem Palmbesen, ausgetragen.

Ebenso erinnere ich mich an meine Taufpatin, die Tante Nanne. Von der “Gote” erhält man als Patenkind zu Ostern Geschenke. Von ihr erhielt ich zumeist Kleidungsstücke, die ich an den Sonntagen anziehen konnte. Die Bekleidung kaufte sie im Kaufhaus Kastner & Öhler in Graz. Sie war die Frau eines Eisenbahners, hatte Freifahrscheine für die Bahn und konnte es sich finanziell leisten, von Spittal an der Drau nach Graz zum Einkaufen zu fahren. Eine Besonderheit war ihr Reindling. Der Kärntner Reindling ist ein mit Rosinen, Zimt und Nüssen gefüllter Germteig in Gugelhupfform. Ihr Reindling war flach wie ein Fladenbrot und gefüllt  mit dreimal soviel Rosinen. Diese Art von Reindling hat sonst niemand gebacken. Zusätzlich bekam ich noch eine Zwanzigschilling-Banknote, für ein Bauernkind war dies viel Geld.

Palmbesen tragen.       

GELOBTES:land

Im Alten Testament wird erzählt, wie Gott das Volk Israel, geleitet durch die Propheten in das gelobte Land führt. Immer, wenn das auserwählte Volk in Schwierigkeiten gerät, hilft ihnen Gott weiter. Viele unbekannte Gebiete, Wüste und Meer, müssen durchquert werden, danach soll das Land kommen, wo Milch und Honig fließen. Ähnliches können wir sagen, wenn es sich um das Berufsleben, eine Beziehung oder um die Ausübung bestimmter Fähigkeiten handelt. In den ersten Jahrzehnten des Berufsleben ist man energisch und versucht vorwärtszukommen, dies ändert sich gegen Ende des Berufsleben. Jetzt ist man bemüht, in den letzten Berufsjahren gesund und kräftig zu bleiben. Vieles, was man früher ohne Anstrengung erledigt hat, bereitet mit zunehmenden Alter Schwierigkeiten. So hofft man darauf, dass alles gut gehen wird, hat aber auch seine Zweifel. Gespräche mit Pensionisten können manchmal ernüchternd sein. In einer Gesprächsrunde haben mehrere die Meinung vertreten, dass man als Pensionist immer die Wahrheit sagen kann, was im Berufsleben nicht immer möglich ist. Nur die Wahrscheinlichkeit, dass man von den Anderen wahrgenommen wird, ist viel geringer. Viele sehen sich nur mehr als halben Menschen.

In den langen Arbeitsjahren hat man viele Menschen kennengelernt und bedient. Von vielen wird man aufgefordert, sie nicht im Stich zu lassen. Man fühlt sich verpflichtet, über das Pensionsalter hinaus, für die Menschen da zu sein.

Nicht aufgeben.

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