ALLES:internet

Es freut einem, wenn ein junger Mensch für eine Woche zu Besuch kommt.  Liegt der Altersunterschied zwischen dem Gast und den Gastgebern zwischen dreißig oder vierzig Jahren, dann ist die Unterhaltung beim Mittagessen oder abends eine Bereicherung. Eine der ersten Fragen der Jungen ist, ob man einen Internetanschluss hat. Für sie ist das Internet der Ort, wo man sich schnelle Informationen holen kann. Dies betrifft auch den Ablauf des Aufenthaltes. Die Verlautbarungen in der Tageszeitung, ob für Kino, Veranstaltungen oder für den Schneebericht, haben kein Gewicht, es zählt das Internet. Ist auch ein Zugfahrplan im Haus, schaut man lieber im Internet nach. Meistens kennt man von einer Internetcommunity jemanden aus der nächsten Umgebung. Für das Studium hat das Nachschlagen in einem herkömmlichen Lexikon ausgedient, Vorrang hat das Onlinelexikon Wikipedia. Es gibt gegenüber der Verwendung des Internets keine Vorbehalte, es sollten verschiedene Regeln eingehalten werden. Das Krisengerede kann er nicht teilen, er freut sich auf die Dinge, die noch auf ihn zukommen werden. Allein, dass er in Europa geboren, studieren und arbeiten kann, ist für ihn ein Lottosechser.

Als Urlaubslektüre hat er neben den Studienunterlagen, die an Gewicht und Größe sperrige Jerusalembibel, mitgebracht. Eine Schwäche der Kirche sieht er  in einem  faden Internetauftritt.

Alles online.

HEIM:vorteil

Für die Jugend ist es sehr nützlich, wenn sie nach der Berufsausbildung, dem Studium, einen Ortswechsel vollzieht. Andere Menschen, Kulturen, Firmen und Arbeitsplätze kennenlernt. Dies kann ein Wechsel innerhalb des eigenen Landes sein, in Nachbarstaaten führen oder einen Kontinentwechsel bedeuten. Nicht für jeden ergibt sich diese Chance, manche führen den Familienbetrieb fort, treten in denselben Betrieb ein wie der Vater oder die Mutter. Kehrt man mit neuen Erfahrungen aus dem Ausland zurück, dann kann man vieles ändern, man hat einen anderen Blickwinkel. Man hat nicht den toten Blick, wo die eigenen Schwächen nicht erkannt oder gerne übersehen werden. Die, welche zu Hause geblieben sind haben einen anderen Vorteil, den Heimvorteil. Sie können auf ein heimisches Netzwerk zurückgreifen, sie kennen die Gewohnheiten der heimischen Bevölkerung. Wer hat den besseren Ausgangspunkt: Auslandserfahrung gegen Heimvorteil.

Betreibt man ein Geschäft, einen Betrieb, über dreißig Jahre, dann fragen die Kunden oft, ob man schon ewig an diesem Platz ist. Sie haben keine Vorstellung von der Zeit. Bei drei Jahren kann man sich etwas vorstellen, bei dreißig Jahren verblassen die Vorstellungen. Ein Nachteil ist, dass man kein Jahr, kein Jahrzehnt zurückdrehen kann, die Zeit bewegt sich vorwärts. Von keinem dreißigjährigen Auto wird man verlangen, dass alles noch in Schuss ist, wie in den ersten drei Jahren. Von einem Menschen der über dreißig Jahre im Arbeitsleben steht verlangt man, dass noch alles gut funktioniert. Der Körper verursacht manchmal Blockaden, er blockiert Forderungen die an ihn gestellt werden.

Die Alterserfahrung.

SCHWEINE:grippe

Es findet sich in Österreich wahrscheinlich kein Platz, wo man hinfahren könnte, um nichts von den neuesten Entwicklungen in Sachen Schweinegrippe zu erfahren: Über die Auswirkungen, die Gegenmaßnahmen und die letzten Krankheitsfälle. Die Gesundheitsbehörden und die Ärzte nehmen ihre Verantwortung für die Bevölkerung wahr und starten eine Impfaktion um den Krankheitsverlauf bei der Schweinegrippe abzufedern. Für die Durchführung der Schutzimpfung gibt es genauso viele Befürworter, wie Gegner. Die einen sehen darin eine Kampagne der Pharmaindustrie, die anderen eine medizinische Herausforderung, um eine Epidemie zu verhindern. Zwischen allen diesen verschiedenen Ansichten steht der verunsicherte Patient.

Der Ausdruck „Schweinegrippe“ lässt den Kurzschluß  zu, dass die  Grippewelle etwas mit der Schweinezucht zu tun hat.  Da kommt der Humor nicht zu kurz, wenn man einem Fleischhauer vorschlägt, dass er sich in nächster Zeit vor den Schweinen in Acht nehmen soll. Es wäre allemal gesundheitsfördernd, wenn wir ein paar Wochen auf Schweinefleisch verzichten würden. Ein Kuriosum ist, dass Menschen ab Fünfzig für eine Infektion weniger anfällig sind, als die Dreißigjährigen. Da kann mancher Pensionist mit einem lachendem Auge sagen: „Ich bin schon zu alt für die Schweinegrippe“.

HOFFENT:lich

In der Verwandtschaft gibt es Leute, die mit älteren Menschen zu tun haben und dabei mit verschiedenen Eigenheiten konfrontiert werden. Von denen hört man oft den Satz: „Hoffentlich werde ich nicht so.“ Eine dieser Eigenheiten ist, dass ältere Menschen sehr ungeduldig sind. Im Alltag bedeutet dies, dass alte Leute verschiedene Wünsche oder Besorgungen sofort erledigt haben wollen. Das kann das Holz für den Ofen sein, obwohl der Vorrat im Wohnzimmer für drei Tage reicht. Fehlt im Haushalt ein Lebensmittel, auch wenn es in den nächsten Tagen nicht gebraucht wird und daher beim nächsten Einkauf besorgt werden kann, muss es sofort besorgt werden. Wird diesem Wunsch nicht entsprochen, so wird dies in immer kürzeren Abständen wiederholt. Mit der Zeit wird es den Angehörigen zu stressig und man kommt dem Verlangen nach.

Da kann es vorkommen, dass man etwas machen soll, wo man weiß, dass man außerhalb der Zeit kommt. Von den Lebensmittelläden weiß man, dass sie rund um die Uhr geöffnet haben. Anders ist die Situation, wenn man die Milch vom Bauernhof bezieht. Hier gehört es zur Gewohnheit, dass man die Milch zu den Melkzeiten holt und nicht zu jeder beliebigen Tageszeit. Durch Hartnäckigkeit wird man dazu bewegt, am Nachmittag frische Milch zu holen. Die Bäuerin ist im Hausgarten bei der Arbeit. Man entschuldigt sich für den ungünstigen Zeitpunkt und bittet sie darum, die Milchflasche abzufüllen. Ob dafür der gerechte Preis gezahlt wird, ist fraglich. Dabei denkt man sich, hoffentlich wird man selbst nicht so.

In der Altersfalle.              

BEKANNT:machen

Von Historikern wird diskutiert, ob sich die Geschichte wiederholen kann oder ob wir aus der Geschichte lernen können. Verfolge ich als Laie die Weltgeschichte, so habe ich den Eindruck, dass aus der Geschichte nichts gelernt wird. Man spricht zwar darüber, dass  die Völker friedvoller miteinander umgehen sollen, dass man Fehler beim Umgang mit anderen Nationen vermeiden wird. In den Nachrichten höre ich täglich von neuen Grenzverletzungen, Kriegshandlungen. Die Staatengemeinschaft bemüht sich die Lebensmittel besser zu verteilen, der Wasserknappheit vorzubeugen und trotzdem hungern Millionen Menschen. Auch in unseren Breiten gibt es keine soziale Gerechtigkeit. 

In der Lebensgeschichte kann sich  manches wiederholen. Ein Beispiel ist die Partnerschaft. Oft hat der neue Partner dieselben Charaktereigenschaften, der beim Vorhergehenden  zur Trennung geführt hat. In der Familie  gibt es Situationen, wo ich mir denke, dies habe ich schon einmal erlebt. In der Kulturhauptstadt sitzt in einer Trattoria eine Schwester mit ihrer Tochter. Zwischen den beiden der neue Freund der Tochter, er wird der Verwandtschaft vorgestellt. Der Freund ist ein lustiger Steirabua, das tatsächliche Alter liegt etwas darüber. Die Schwester hört dem Freund zu und ist ratlos. Fragend schaut sie in die Tischrunde. Vor einigen Jahrzehnten habe ich ähnliches erlebt. Damals hat die Schwester ihren Freund dem Vater vorgestellt. Er war ein geselliger Holzknechtbua, seine Geschichten wurden schmunzelnd  aufgenommen.  

Die Wiederholung.

HANDY:läuten

Das Handyläuten kann in einer Menschenansammlung wie die Explosion eines Böllers wirken, einen Schock auslösen. Klingelt das Handy, blicken die Menschen einander betroffen in die Gesichter, fragen sich bei wem, und tasten ihre Kleider ab. Menschen, die im Ruheraum eines Bades vor sich hindösen, fahren wie eine Rakete hoch und beginnen das Handy in der Badetasche zu suchen. Während einer Busreise klingelt immer irgendwo ein Handy. Kritisch werden die Personen beäugt, bei denen kein Handy klingelt. Man hält diese für soziale Außenseiter, für Einzelgänger. 

Bei einer Wanderung mit mehreren Personen auf die Klagenfurter Hütte stellte eine Teilnehmerin nach einiger Zeit fest, dass sie ihr Handy im Auto vergessen hatte. Es stellte sich heraus, dass niemand in der Gruppe ein Handy bei sich hatte. Mit Mühe konnte sie davon abgehalten werden umzukehren, um ihr Handy aus dem Auto zu holen. Sie wollte nicht einsehen, dass ein schneller Abstieg und Aufstieg das größere Risiko darstellte, als wenn wir gemeinsam, ohne Handy, unterwegs sind. 

Risikobereitschaft.

Seite: zurück 1 2 3 ...88 89 90 91 92 93 94 ...140 141 142 weiter