jahres:frage III

Ich nehme an, würde man mehrere Gruppen von Menschen isolieren,  diese würden in Not geraten und den Gruppen wird ein Angebote gemacht:  Sie könnten sich aussuchen, was sie zuerst in Anspruch nehmen, Lebensmittel, Bekleidung  oder Waffen. Der Großteil  würde zu den Waffen greifen, mit dem Hintergedanken, damit die anderen zu beherrschen. Eine solche Entscheidung  gegen das Menschliche haben wir  im großen Stil in den neugeschaffenen Staaten in Afrika und in den Ostblockstatten erlebt. Die Bevölkerung  hat unter erbärmlichen Zuständen leben müssen, kaum zu essen und bei der Gesundheitsversorgung die ärgsten Mängel, aber für das Militär und für Waffenkäufe gab es genug Geld. Scheinbar ist der größte menschliche Trieb nicht der nach Nahrung, sondern die Aussicht andere zu beherrschen.

Vielleicht wäre es möglich in kleinen Schritten die Bürger und ihre Staaten innerhalb eines Kontinents zusammenzuführen und dann in größeren Rahmen von Kontinent zu Kontinent, von Westen nach Osten, von Norden nach Süden. Die jetzige globale Krisenstrategie der Diplomaten verläuft meistens ohne Erfolg. Heute besteht die Möglichkeit mit dem Flugzeug innerhalb von zwölf Stunden jeden Punkt der Erde zu erreichen und den Außenministern  ist es wahrscheinlich nicht bewusst dass sie zigtausende Kilometer von ihrem Heimatstaat entfernt sind. Sie erleben es wahrscheinlich so, als sind sie zu Besuch bei ihrem Nachbarn der fünf Häuser weiter wohnt. So kann man sich heute durch die Unterstützung der Technik irren. Die Unterschiede und Spannungen zwischen den Kontinenten sind einfach zu vielfältig, als dass man sie ad hoc durch eine Kurzvisite eines Regierungsmitgliedes lösen kann.

Persönlich bin ich dankbar dafür hier im Westen geboren zu sein, ein abgesichertes Leben zu führen und von Krieg oder größeren Unfällen verschont geblieben zu sein. Daneben tut sich bei mir die Frage auf, wem habe ich es zu verdanken,  dass ich hier in den Wohlstand hineingeboren wurde? Warum wird jemand anderer in einer Dürreregion, in einem Slum geboren und  unschuldig in Kriegswirren hineingezogen? Wer trägt dafür die Verantwortung? Mit diesem Gedanken stelle ich dem neuen Jahr gleich eine Frage.

Keine Frage.

jahres:spenden II

In den letzten Wochen des Jahres kommen von vielen Organisationen die Bettelbriefe. Die besondere Stimmungslage der Vorweihnachtszeit wird von den Hilfsorganisationen genützt, um die Menschen für eine Spende anzusprechen.  Wobei es mir schwer fällt zu entscheiden, wem gebe ich bei meiner Spende den Vortritt?  Soll ich heimische Familien welche in Not geraten sind durch die Volkshilfe oder soll ich unterernährte Kinder im Südsudan durch Ärzte ohne Grenzen mit einer Spende unterstützen. Dazu erreichen uns noch Unterstützungsaufrufe von den Bodenständigen Einsatzkräften wie Freiwillige Feuerwehr, Polizei oder Österreichisches Rotes Kreuz. Ist es nicht Staatssache das Feuerwehr- und Rettungswesen zu erhalten! Wie steht es um die Sportvereine, auch diese klagen über zu wenige finanzielle Mittel.  Kaum Verständnis gibt es von meiner Seite, wenn ein Mitglied vom Kegel- oder Sparverein für eine Unterstützung vorbeikommt. In meiner Kaufmannszeit musste ich die Erfahrung machen, dass ich die Spendensammler vorher noch nie im Geschäft gesehen habe.

Gibt es moralische Autoritäten, welche die Staaten zu einer friedlichen Existenz einmahnen können? Oder ist der Menschen genetisch so angelegt und so ichbezogen, dass wir nur unseren Vorteil im Auge haben? Können wir nicht anders, können wir unsere Programmierung nicht überlisten? In unserer Ausbildung, hier im Westen, wo die Grundbedürfnisse abgedeckt sind, scheint mir, dass in der Schule nicht nur Mathematik, Naturwissenschaft und Sprachen unterrichtet werden soll, man sollte den musischen, philosophischen Fächern wieder mehr Raum geben.  Nicht alles daran setzen, dass möglichst viel in berufsorientierter Bildung investiert wird. Mir ist es unklar, wieweit die sogenannten sozialen Netzwerke wie Facebook  zum Menschsein  beitragen können. Es ist noch nicht lange her, dass ich in einer Seminararbeit über Blogger in Syrien  bescheidene Nachforschungen im Web gemacht habe. Dabei habe ich auch nachgesehen, wie die Bürgerrechtsgruppen, die im Internet um Spenden gebeten haben,  diese Gelder verwenden wollen? Die Rescheren waren ernüchternd, die meisten gaben an, die Mittel  zu 80 % für Laptops, Handy, Drucker oder Telefonkosten zu verwenden. Es ist nachvollziehbar, dass die Bürgerbewegungen die Weltöffentlichkeit vom Unrecht informieren wollten, aber das alle auf dasselbe Pferd setzten, überraschte mich schon.  Ich habe erwartet,  dass der größere Teil der Spenden für die notleidende Bevölkerung,  für Lebensmittel, Medikamente und Bekleidung eingesetzt wird…

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