sünden:fall II

Lässt sich zwischen einem Papst und einem Landeshauptmann eine Verbindung herstellen? Beide sind Fürsten, der Kirchenfürst und der Landesfürst. Beide gewählt, der eine von einer kirchlichen Elite, der andere vom Volk. Der Papst auf Lebenszeit und unfehlbar, der LH abwählbar und fehlbar. Der Sündenfall ist im Kärntnerparadies oftmals geschehen, beschleunigt durch den Satan in der Person einer Schlange. Politiker, Wähler und Wählerinnen haben sich von der Schlange verführen lassen. Durch die Gier, die Verblendung und weil sie werden wollten wie Gott. Sie waren fasziniert von der Aussicht auf hohe Spekulationsgewinne in den südosteuropäischen Ländern. Von der Verlockung auf Ruhm, für zwei Spiele bei der Fußball Europameisterschaft, ein Stadion für zirka dreißigtausend Zuschauer zu bauen. Ein Stadion, welches ansonsten nie, auch nicht annähernd, gefüllt werden kann. Eine sechsseitige Expertise eines Steuerberaters war zwölf Millionen Euro wert, um unterm Tisch damit Parteienfinanzierung zu betreiben.  Nach einem medialen Aufschrei gab es dafür einen Patriotenrabatt von sechs Millionen Euro. Bei einem Gerichtsverfahren wurde festgestellt, dass diese Expertise durch den Steuerberater maximal dreihunderttausend Euro wert war. Von den kleinen Vergehen, den nachlässigen Sünden weiß man nichts.

Wenn ich ehrlich bin, hatte sich ein Großteil der Kärntner  Wähler an diese Verhältnisse gewöhnt. Zum Teil hatten die Aussagen und die Versprechungen der regierenden Politiker einen gewissen Unterhaltungswert.

Aus dem Tagebuch, Feber 2013…

sünden:fall I

Die Frau vom mobilen Kiosk auf dem Villacher Hauptplatz greift mit einer Serviette nach dem letzten Kaiserbrezen, dem letzten großen Bierbrezen und reicht ihn mir. Ich bin gerade auf dem Weg zur Post, dazu schenkt sie mir einen warmen Tee ein. In den letzten Febertagen ist es abends kühler, obwohl der Föhn aus Oberitalien den Winterfrost gebrochen und die kalte Luft aus dem Villacher Becken weggeblasen hat. Die Neugier der Passanten soll geweckt werden, weil  wenige Meter weiter auf einem LKW mit transportabler Bühne, der noch amtierende Landeshauptmann zu einer Abschlusskundgebung geladen hat. Noch weiß niemand, wer nach der Landtagswahl am Sonntag  der neue Landeshauptmann sein wird. Die große Ansprache ist schon vorbei, geblieben ist ein Rest von Leuten, mit ein paar Losen in der Hand. Von den Wahlhelfern wurden sie unter der Menge  verteilt, zum Abschluss werden Kärntner Schmankerln verlost. Der Landeshauptmann  erzählt gerade einige Witze und  nebenbei werden Kärntner Brettljausn und Villacher Bier verlost. Dafür lohnt es sich auszuharren, weniger zwecks der politischen Schlagwörter und den politischen Phrasen.

Um 20 Uhr beginnen von allen Stadtpfarrkirchen die Kirchglocken, aus Anlass des Papstrücktrittes, zu  läuten. Die Veranstaltung wird  abgebrochen, der LH verschwindet von der Bühne und die Musik wird abgedreht. Die Kirchenglocken haben die Funktionäre der  Landeshauptmannpartei erschreckt, sind diese Töne des Abschieds? In einer schlechten Verfassung würde man sagen, die Sterbeglocken läuten. Wird der Abschied des LH eingeläutet, muss er in Kärnten abdanken wie der Papst? Vom Papst sagt man, er sei freiwillig zurückgetreten. Politiker verzichten nicht freiwillig auf ihren Politikersessel, sie müssen von ihren Sesseln gestoßen werden. Es liegt im Ermessen der Wähler und – innen, am Sonntag haben sie dazu Gelegenheit.  Am Sonnabend wird man die Bedeutung der Glockenschläge kennen, waren es Sieges- oder Verliererglocken.

Aus dem Tagebuch, Feber 2013…

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