zeit:bewusst l

Eines der  wesentlichen Merkmale, worin sich der Mensch von der Tier- und Pflanzenwelt unterscheidet ist unsere Fähigkeit des Zeitbewusstseins. Unser Verstand, eine Intuition oder ein Gefühl, ermöglicht es uns, über den momentanen Augenblick hinaus, an persönliche Ereignisse der Vergangenheit zu erinnern. Anderseits persönliche Vorhaben für die Zukunft zu planen. Keine Antwort habe ich auf die Frage, war das Verfassen dieser Zeilen schon in der Vergangenheit geplant oder passiert es aus meinem momentanen Empfinden? In der Kunst, sowohl in der Musik, in der Malerei, auch beim Verfassen von Texten spricht man von der Inspiration. Jemand setzt sich an das Klavier und beginnt darauf zu spielen, einfach aus einer Eingebung heraus. Die Noten behält er sich im Kopf, das Gehirn als Speichermedium, und feilt später noch etwas daran. Diese Speicherfähigkeit gibt es auch bei den Tieren. Wobei die Kunststücke meistens mit einer extra Portion Futter belohnt werden. Bei der Führung durch den Affenberg am Ossiachersee klettern zwei Affen auf einen Baum, einer setzt sich auf einen Ast und klatscht in die Hände, der Zweite schwingt sich auf einen Ast und dreht sich um die eigene Achse, beide werden dafür mit Apfelspalten belohnt. Spannend wird es am Intelligenzplatz, wo in eine Röhre ein Apfel gesteckt wird und es den Affen durch das Öffnen und Drehen von Schubern möglich ist, den Apfel bis zur geschlossenen Klappe zu schleusen und diese dann zu öffnen. Nicht jeder der über hundert Affen beherrscht nach Aussage des Hegers das Apfelholen. Zumeist werden die Kunstfertigkeiten von der Mutter auf die Kinder weiter vererbt .

Zuckerbrot

fata:morgana

An einem warmen Nachmittag, Anfangs September, sitze ich in der Loggia und vertiefe mich in die Wochenendausgabe der  Presse. Die ersten Seiten mit den Berichten über die Kriegsschauplätze im Nahen Osten und in der Ukraine, die neuerliche Diskussion über die Steuerreform und wie viel Milliarden braucht das Bundesheer, habe ich nur überflogen. Ich vertiefe mich in die Beiträge der Beilage Spectrum, da unterbricht die Feuerwehrsirene meine Gedanken, sie macht einen Schnitt in das Gehirn, wie ich es vom Sezieren kenne. Aus den Reagenzgläsern wird die gefaltete schwabbelige Masse herausgenommen und in Scheiben geschnitten. Die heutigen und gestrigen Akademiker schneiden mit derselben Absicht die Gehirnmasse in Stücke und sind verblüfft, wenn sie die Schnittfläche betrachten. Werden aus dieser Schnittfläche die Gedanken auf den Tisch tropfen, oder sieht man in einen menschlichen Abgrund? Die Teile werden gewendet unter das Mikroskop gelegt und ähneln dem Verhalten der Katze Undine. Bei der Fernsehsendung Universum,  über das Tierleben in den Wäldern Polens, hat sie gebannt auf den Bildschirm geblickt. Jedes Mal, wenn eine Wildkatze oder ein Fuchs aus dem  Bild verschwindet, blickt sie rechts oder links hinter den Fernseher. Irgendwo hinter dem Fernsehgerät, müsste die Wildkatze oder der Fuchs wieder auftauchen. So ähnlich blicken die Wissenschaftler auf die Hirnhälften, irgendwo müssten die Gedanken, das Bewusstsein zu sehen sein.

Ein paar Minuten vergehen und von der Bundesstraße ertönen die Signalhörner des Feuerwehrautos, gefolgt vom Notarzt- und dem Rettungswagen. Die Sirenen rasen in Richtung Autobahn. Auf der Alpen Adria Autobahn gehören die ersten Septembertage zu den starken Reisezeiten. Scharenweise fahren Familien mit schulpflichtigen Kindern aus dem Mittelmeerraum zurück in den Norden, für die Kinder steht der Schulbeginn unmittelbar bevor. In die andere Richtung fahren Späturlauber, welche die jetzt etwas ruhigeren Strände an der oberen Adria genießen. Noch einmal rast ein Rettungswagen durch das Kurgebiet. Ich befürchte einen Megaunfall auf der Autobahn, möglicherweise in einem Tunnel, wo es immer wieder zu Auffahrunfällen kommt. Viele sind zu schnell unterwegs oder auch von der langen, eintönigen Fahrt auf der Autobahn übermüdet. Inzwischen habe ich die Arme gesenkt und die Wochenendausgabe der Presse liegt auf den Oberschenkeln. Die üblichen Straßengeräusche setzen ein, ein leises Rauschen vom fließenden Verkehr. Nur die Geräusche der Motorrader sind als solche einzeln zu erkennen. Ich hebe meine Arme und nehme die Lektüre wieder auf, vertiefe mich in die Buchbesprechung von Alexandra Millner, Aus dem Kopf klopfen.  Der neue Roman von Josef Winkler.

Am nächsten und am übernächsten Tag studiere ich die lokalen Meldungen in der Zeitung genau, es gibt keinen Bericht, der einen Zusammenhang zu den Rettungsfahrten herstellt. Möglicherweise bin ich einer spätsommerlichen Fata Morgana aufgesessen.

Aus dem Kopf klopfen.

ebola:virus ll

Wie weit die Gesundheitsvorsorge geht und wohl mit der täglichen Praxis im Krankenhaus zu tun hat, beweist eine Chefärztin. Aus ihrer kleinen Handtasche entnimmt sie nicht einen Lippenstift oder ein Parfum sondern desinfiziert vor dem Essen ihre Hände mit Octenisept. Dies ist einer Lösung zur Wund- und Schleimhautdesinfektion, die sie auch an die Tischnachbarn weiterreicht. Gerade erst wurde in ihrem Krankenhaus bei einem Patienten, der von einem Mittelmeerurlaub zurückgekehrt ist, beim Ultraschall Würmer in den Venen festgestellt. Die Ansteckungsorte  sind auf einige Flüsse  im Mittelmeerraum beschränkt.

Einen hygienischen Fortschritt bedeuten in den Kaufhäusern und den Einkaufszentren die sich automatisch öffnen und schließenden Türen. Auch in den Fernverkehrszügen gehören die automatischen Waggontüren zum Standard. Diese moderne Form von Sesam öffne dich  ist hier sehr praktisch, weil man meistens Koffer bei sich hat. Diese Automatiktüren gibt es dann auch beim Hoteleingang. Kurze Zeit später wird man mit vielen Brutstätten für Viren und Bakterien konfrontiert. Mit der Türschnalle des Hotelzimmers, verschiedenen Handgriffen im Bad und WC und zu guter Letzt mit der Fernbedienung des Fernsehers. Gerade auf den Fernbedienungen sollen sich, den Berichten aus Gesundheitsfibeln zufolge, die meisten  Viren und Bakterien befinden. Dagegen sorgt die gesundheitsbewusste Frau vor und besprüht bei Bezug eines Hotelzimmers alle Einrichtungsgegenstände, von denen eine Gesundheitsgefahr  ausgehen könnte mit einem Desinfektionsspray.

Keimfrei.

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