PARTEI:buch

Wie aktuell theologische Abhandlungen, die vor zweihundert Jahren niedergeschrieben wurden, sein können, erfährt man in der Klosterbibliothek in Wiblingen. Bei der Besichtigung der Klosterbibliothek, mit vielen theologischen, philosophischen und wissenschaftlichen Büchern, wo bei man anmerken muss, dass viele Bücher nach den Franzosenkriegen abtransportiert wurden, ist mir ein kleines Buch  mit dem Titel: “Hat der Satz seine Richtigkeit: Wem Gott ein Amt gegeben hat, dem gibt er auch den Verstand“, aufgefallen.  Verfasst wurde es von Martin Mack, der von  1712 – 1776 gelebt hat.

Für mich ist diese Frage noch immer aktuell, besonders dann, wenn es nach Wahlen zur Bildung einer Regierung kommt und die verschiedenen Ressorts mit Ministern besetzt werden. Dabei fragt sich der aufgeweckte Bürger, genügt für ein Ministeramt die Parteizugehörigkeit oder sollte nicht das Fachwissen eine entscheidende Rolle spielen. Diese Frage stellt sich nicht nur bei Ministerernennungen, sondern setzt sich auch auf anderen Ebenen fort. Eine Ursache der Millionenverluste in staatsnahen Betrieben liegt bestimmt darin, dass man in Parteiarbeit geschulte Menschen in das Management von Wirtschaftsbetrieben berufen hat. Damals wie heute kann die Richtigkeit des Satzes: „Wem Gott ein Amt gegeben hat, dem gibt er auch den Verstand“, angezweifelt werden.

Mitgliedskarte.

SCHWEINER:ei

kunsthutAuf dem Weg zu einem Grillfest in Gögglingen bei Ulm lege ich eine Pause ein, und setze mich auf den Betonsockel einer Garteneinzäunung. Hinter mir befindet sich ein Bauernhaus, links davon steht der Heustadel mit den landwirtschaftlichen Geräten und rechts davon, dem Geruch nach, der Schweinestall. Der Zaun umschließt einen kleinen Hausgarten, mit einem Ausgang aus dem Haus. Meine Anwesenheit auf der Gartenmauer befremdet die Bauersleute, sie beginnen den Geräuschen nach im unbewirtschafteten Garten mit allen möglichen Tätigkeiten. Einmal wird ein Teppich ausgeklopft, ein Wasser ausgeleert und oftmals die Tür geöffnet. Ich drehe mich trotz des regen Treibens hinter mir nicht um. Ein selbstgefalteter Hut, aus den Blättern der „Kunstzeitung“, schützt meinen Kopf vor der Mittagsonne. Ich denke an den Duft der Grillwürstchen und Kotelett, derweil der Geruch vom Schweinestall in meine Nase strömt. Beim Essen wird unser Leben, von der Wiege bis zur Bahre, bestimmt vom Schwein.

Wie wir die Schweine in großen Mastbetrieben behandeln, ist schweinisch. Schweine in einer kleinen Zucht führen ein schweinisch gutes Leben, bis zu dem Tag, da sie geschlachtet werden. Jedes von uns Kindern hatte am Bauernhof sein Lieblingsschwein, für das man einen extra Leckerbissen in der Futterküche besorgt hat. Die Freuden eines Schweineleben, das ausgiebige Fressen, haben ein Ziel, das es mit dem Schwein ein baldiges Ende nimmt, um als Grillwürstchen und Kotelett einen guten Duft zu verbreiten.

Im Alltag gibt es für Verfehlungen eine kurze und klare Ansage, du bist ein Schwein. Die jetzige Wirtschaftskrise wurde von einigen Profitschweinen ausgelöst. Wir Verbraucher sind arme Schweine. Die ganz Armen, denen es beim täglichen Essen auch am Schweinefleisch mangelt, waren die ersten Opfer der Schweinegrippe.

Eine Dorfbewohnerin richtet einen argwöhnischen Blick auf meine Kopfbedeckung und macht einen Bogen um meine Person. Die Mittagsglocken läuten meinen letzten Kilometer ein.

Schweinskotelett.

GE:fängnis II

Eine andere Art von Gefangene sind während der warmen Jahreszeit die Blumenliebhaber mit eigenem Balkon oder Garten. Egal, wann man sie besucht, ob am späten Abend oder am Wochenende, man trifft sie im Garten an. Es ist kaum möglich, dass man sie zu einer Unterbrechung ihrer Arbeit an den Blumen, Sträuchern und Gemüse bewegen kann. Es ist immer noch jenes und dieses zu tun, man hat als Besucher den Eindruck, es gibt keinen morgigen Tag und keine nächste Woche. Kommt es zu einem Gespräch, dann zwischen Rosensträuchern und Geranien. Plant man einen gemeinsamen Ausflug, dann muss man damit rechnen, dass sich die Abfahrt bis zu einer halben Stunde verzögern kann. Es müssen noch einige Pflanzen umgepflanzt und die Blumen gegossen werden. Die Heimfahrt kann nicht früh genug erfolgen,  weil die Sonne hat tagsüber die Erde ausgetrocknet. Der Tag endet mit dem Gießen. Die Einzigen, welche den Garten genießen, sind die Gartenzwerge und die Schnecken aus Ton.

Gefangen im Garten.

GE:fängnis

In der menschlichen Gemeinschaft dient das Gefängnis  dazu, Leute wegzusperren, um für ihre Straftaten Buße zu tun. Im Gefängnis ist jeder, der sich von schlechten Gedanken nicht lösen kann, sich von verschiedenen Emotionen zu sehr beherrschen lässt. Dies können negative Emotionen wie Hass, Wut, Angst oder Eifersucht sein, oder positive Emotionen wie Freude, Glück, Hoffnung oder Liebe. In einem Gefängnis lebt man, wenn man sich nur der Arbeit oder dem Gegenteil, nur dem Spiel widmet. Zu bedenken ist, dass  Mathematiker, Philosophen, Mediziner, für ihre Forschungsarbeiten  ein freiwilliges Gefängnis auf sich nehmen. Ohne dem wären die Leistungen nicht möglich. Ähnlich ergeht es den Malern, Komponisten oder Dichtern. In Ausnahmefällen wird der freiwillige Gefängnisaufenthalt von der Umwelt akzeptiert. Es ist nicht immer die wissenschaftliche oder künstlerische Leistung die wahre Leistung, sondern das Durchhaltevermögen bei den Projekten, entgegen den äußeren Umständen. Die kreativen Anlagen befinden sich im Körper, sie brauchen nur befreit werden, Raum und Zeit zum Wachsen. Es ist wie bei den Universen, auch wenn dadurch  ein anderes Universum verdrängt oder in seinem Wachstum behindert wird. In der Regel ist nur ein Universum möglich, nur ausnahmsweise vertragen sich zwei gleichwertige Universen nebeneinander.

Körperuniversum.

BLIND:taub

Bei vielen emotionalen Regungen kann man von Rauschzuständen sprechen. Der Volksmund sagt: „Liebe macht blind“, der Hass ebenso. “Taub” vor Trauer und Glück. Rauschzustände können Symptome wie Heiserkeit, Augenbrennen, Magendrücken oder Schwindelgefühle  hervorrufen. Geistige Symptome, Blindheit im Denken. Wie können wir mit  Rauschzuständen im Alltag umgehen? Im Alltagsleben fehlt uns die körperliche Ausdrucksmöglichkeit, wir müssen uns gefasst benehmen. Wer hat heute die Möglichkeit, wenn er vom Glück überwältigt wird, ganz spontan einen Luftsprung zu machen oder fängt zum Singen an. Bricht einem die Trauer um einen Menschen das Herz, den Schmerz hinauszuschreien. Alles verläuft gefasst, die Öffentlich-keit schaut zu. Man erwartet angemessene Trauer mit Hilfe von Zeremonienmeister. Für den Hass gibt es wenig körperlichen Raum. Man bekommt Entspannungstechniken, Verhandlungen, Vermittlungen angeboten. Es soll kein böses Wort fallen, nicht mit dem Fuß in den Boden stampfen oder eine Tür zuzuschlagen. Der Hass staut sich auf, er macht blind.

 

Blutrausch.     

WO:zu

Es gibt Lebenssituationen, da fragt man sich, wozu. Es ist so, dass man sich bemüht für ein Problem, ein Missverständnis, neue Lösungsansätze zu bieten. Für die Situation des anderen Verständnis zeigt, neue Vorschläge unterbreitet, aber mit keinem der Vorschläge Erfolg hat. Das Gegenüber hat Vorstellungen oder Wünsche, die unerfüllbar sind. Man hat den Eindruck, dass es nur ein scheinbares Gespräch ist, um von der eigenen Schuld abzulenken, eine Reinwaschaktion. Eine weitere Variante ist, dass man eine dritte Person zu einer Lösungsfindung heranzieht. Damit wird meistens die Problemlösung nur verschoben, und am Ende gibt es keine Lösung.

 

Die Frage ist, wozu leben wir? Oft werden wir in unserer Suche nach dem Lebenssinn blockiert, von Daseinsbarrieren.

 

Nicht fragen.  

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