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Die Situation im vorhergehenden Eintrag ist ein Beispiel dafür, dass man auch im späteren Alter sein Gehirn trainieren kann, wenn man Ausdauer hat. Bei einem Gespräch anlässlich einer Firmenfeier, bei Würstel und Bier, bin ich mit anderen Besuchern in das Gespräch gekommen. Dabei hat in der Runde ein Arbeiter erwähnt, dass er seit Anfang dieses Jahres in der Altersteilzeit ist und in drei Jahren in Pension gehen kann. Er hat darüber spekuliert, ob es notwendig sein wird, für die Pension ein Hobby oder eine handwerkliche oder eine soziale Beschäftigung zu suchen? Er hat schon davon gehört, dass manche Pensionisten, vor allem Männer im Ruhestand sehr schnell körperlich und geistig abbauen, wenn sie keine Aufgabe haben und sich dem Nichtstun hingeben. Für die pensionierten Frauen ist es zumeist der Haushalt der eine Tagesstruktur vorgibt, die fehlt den Männern nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben völlig. Dahinter lauert die Gefahr der Muse, die nach ein paar Monaten  ihren Glanz verliert. Betrübt hat ihn, dass er seit dem Wechsel in die Altersteilzeit sofort um Jahre älter eingeschätzt wird. In manche Entwicklungen im Betrieb will man ihn nicht mehr einbinden, weil er sei nur mehr eine halbe Arbeitskraft und in kurzer Zeit soundso in der Rente. Etwas verbittert und enttäuscht fasste er zusammen, dass er damit wohl einen Vorgeschmack auf das bekommen hat, was ihn mit dem Rentenantritt erwarten wird. Da könnte es noch schlimmer sein.

Wie er, habe ich eine ähnliche Erfahrung gemacht. Kaum habe ich verlautet, dass ich in Pension gehen und das Geschäft übergeben werde, wurde ich sofort um einige Jahre älter eingeschätzt als es noch vor ein paar Monaten der Fall war. Schmerzlich war es für meine empfindsame Seele, als ich das Angebot für Senioren, Thermaleintritt mit Tagesteller, in Anspruch genommen habe. Auf meine Frage an die Dame an der Badekasse, ob ich den Seniorenausweis vorweisen müsste, hat diese mit einem Blick in mein Gesicht gesagt, dies sein nicht notwendig.

Gesichtskontrolle.

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Vor der mündliche Prüfung zur Lehrveranstaltung „Natur und Technik“ habe ich mir Sorgen gemacht, wie werde ich es schaffen, eine Fülle von Namen, Thesen und Jahreszahlen zu merken. Die Namen der involvierten Philosophen, deren Jahresdaten und Theorien zu merken. Dafür habe ich eine eigene Lernmethode entwickelt. Den umfangreichen Stoff habe ich mit meinen gedanklichen Erweiterungen in den PC eingetippt und ausgedruckt. Mit dieser schriftlichen Hilfe habe ich in freier Rede über den Stoff geredet, wobei mich bei den Namen, den Buchveröffentlichungen und Jahreszahlen die Zusammenfassung unterstützt hat. Als nächstes habe ich auf einem Blatt Papier nur noch Namen, Datum und dazu ein Stichwort geschrieben. Mit Unterstützung dieses Blattes habe ich für mich über den Stoff referiert und zu guter Letzt ist es ein kleiner Notizzettel gewesen, mit ein paar Namen und einigen Zahlen. Zu meinem Erstaunen hatte ich mir mit dieser schriftlichen Reduktionsmethode vieles eingeprägt. Ich kann von mir nicht behaupten, dass ich ein ausgeprägtes Personen- und Zahlengedächtnis habe. Dafür hatte ich wenig Interesse und habe es keinesfalls gefördert und trainiert. Beim mündlichen Prüfungsgespräch hat es wunderbar geklappt.

Schwindelzettel

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Die Altersweisheit äußert sich bei den Menschen auf verschiedene Weise. Bei vielen wäre diese noch verbesserungswürdig, die meisten könnten sich in der einen und anderen Sache noch weiterbilden. Es soll sehr zuträglich sein, wenn man im späteren Lebensalter mit ganz etwas Neuem beginnt. Als Beispiel, wer  keine Fremdsprache spricht, sich in einem Fremdsprachen Kurs einklinkt. Wer ein schlechtes  Zahlen- und Namengedächtnis hat, einen Kurs in Geschichte belegt.

Ich bin ein richtiger Namens- und Jahreszahlenmuffel. Selbst in der Berufszeit war es mir zu wider, Stammkunden mit dem Namen zu begrüßen. Den akademischen Grad hinzuzufügen hat bei mir Brechreiz ausgelöst. Über die tieferen Ursachen kann ich aus mir heraus nichts sagen.  Wahrscheinlich  dürfte dies etwas mit meiner Mentalität, meiner Herkunft,  mit meinem Charakter zu tun haben. In Österreich hat es in den 70er und 80er Jahren noch ein weitverbreitetes  Obrigkeitsdenken gegeben. Jeder Leiter, egal ob Sparkasse, Hotel, Spedition oder Schule hat darauf bestanden als Direktor angeredet zu werden. Bei einem akademischen Titel war es Pflicht diesen bei der Anrede zu verwenden. Wurde dabei etwas vertauscht, dann wurde man zumeist korrigiert. In mir steckte auch etwas anarchistisches, eine soziale Botschaft, dass wir alle gleich sind, ohne Unterschied der Rasse, der Herkunft und der Bildung. Für mich war es wichtig, dass die Menschen eine Herzensbildung hatten, dass sie offen ihre Meinung gesagt haben, dass ihre Aussagen und ihr Handeln identisch waren. Vor allem auch, dass sie gegenüber gebildeteren oder höhergestellten Personen ihre Meinung vertreten haben und nicht Vorgesetzten oder öffentlich tätigen Personen Honig um das Maul geschmiert haben. Noch schlimmer, dass man im kleinen Kreis, bei einer internen Sitzungen eines Gewerbevereins, sich darüber beklagt hat, dass die Gemeindeverwaltung oder die Sparkasse bei der Auftragsvergabe die heimischen Handwerksbetriebe und Handelsgeschäfte zu wenig berücksichtigt. Die Aufträge an Unternehmen in anderen Gemeinden vergeben. Gab es dann eine Gelegenheit für einen offenen Meinungsaustausch mit dem  Bürgermeister, wo er  für Wünsche, Kritik und Anregungen zur Verfügung stand, dann hat man dem Bürgermeister „schön getan. “ Man hat beteuert, dass alles in Ordnung ist, dass man keinerlei Kritik an der Gemeindeverwaltung üben will. In solchen Situationen war es mit meiner Solidarität mit den Kollegen vorbei, dies habe ich ihnen als Charakterschwäche angerechnet,  egal welchen akademischen Titel jemand hatte.

Fruchtbringend

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