katzen:glück I

Katzenhalter stellen sich die Frage, wann ist eine Katze glücklich? Haben Katzen der Oberen Zehntausend ein glücklicheres Leben, als ihre Artgenossen in einem Einfamilienhaus am Stadtrand von Villach? Ich bin kein Tierpsychologe und auch kein Katzenflüsterer, nur ein gewöhnlicher Katzenhalter. Wahrscheinlich sind Haustiere, ich schließe Nutztiere aus, solange sie keine Schmerzen haben und ausreichend mit Futter versorgt werden, glücklich. Bei Katzen könnte man das Schnurren als Glücksbarometer bezeichnen. Auf der Couch gestreichelt zu werden, ein Glücksmoment für Miezen. Sie verschwenden keine Gedanken an die Zukunft und zumeist auch nicht an die Vergangenheit. Bei gewissen Situationen können sie manche Reflexe nicht ablegen, so ihnen einmal etwas Unangenehmes zugestoßen ist. Wir kennen das eigenartige Verhalten der meisten Haustiere, gibt es einen Termin beim Tierarzt. Es wird berichtet, dass an solchen Tagen die Katze oder der Hund unauffindbar sind. Nach erfolgreicher Suche weigern sie sich standhaft in den Transportkorb gesteckt zu werden. Undine zählt nicht dazu. Von ihr wird der Transportkorb ausführlich beschnuppert, markiert und zu guter letzt schaut sie ganz frech aus der Korböffnung mit der Frage auf der Lippe: Wann geht es endlich los. Während der Fahrt kommt ihr kein Ton über die Lippen. Es hat den Anschein, als setzt sie auf den Totstellreflex. Sie legt sich flach auf den Boden vom Weidenkorb.

Auch bei Haustieren zeigen Krankheiten im Anfangsstadium oft keine Symptome. Bei einer Routineuntersuchung wurde bei der Undine in der Brust ein Knoten festgestellt, der operiert werden muss. In diesem Stadium hat ihr der Knoten keine Beschwerden verursacht. In den letzten Monaten hat sie an Gewicht zugelegt und ist spielfreudig wie schon lange nicht. Gehört dies zum Katzenglück, dass sie nichts von ihrer Erkrankung weiß, noch, dass sie operiert werden muss? Wir sind zwar selbst nicht von der Operation betroffen, machen uns aber Sorgen wie sie diese überstehen wird. Vor allem die Tage danach. Inzwischen zählt Undine mit ihren siebzehn Jahren zu den Senioren. Für wen ist die Diagnose die größere Belastung? Undine weiß nichts von der anstehende Operation, unsere Unruhe kann sie bestimmt nicht einordnen. Gefühlsmäßig glauben wir, dass sie die letzten Tage vor der Operation nervös ist.

Steht uns eine Operation bevor, wie erleben wir die Tage davor? Persönlich kann ich dazu wenig beitragen. Untersuchungen, die nicht lebenswichtig sind, stehe ich ablehnend gegenüber, so harmlos sie für den behandelnden Arzt sein mögen. Aus der Verwandtschaft weiß ich, man sorgt sich darum, ob es das richtige Krankenhaus und der beste Arzt für die Operation ist. Verbunden mit der Hoffnung, dass die Beschwerden und die Schmerzen ein Ende finden und ein besseres Leben beginnt.

Aus dem Tagebuch…

schnecken:tempo II

Tagebuchnotizen verlieren kaum an Aktualität, da sie meistens keine Ansage an die Zukunft sind, sondern etwas Erlebtes oder Erdachtes festhalten. Verfeinert um eigene gesponnene Gedanken. Dies wirft die existenzielle Frage auf, ob wir uns vorwärts bewegen?  Vorwärts im Sinne wie wir es oft zu hören bekommen: Die Zeit vergeht so schnell, noch aktueller, alles verändert sich so rasch. Man kann mit den Neuerungen, die uns täglich via dem Medienstrom zugespielt werden, nicht Schritt halten. Nebenbei spotten wir über jene, welche sich darüber beklagen, dass sie nicht mehr mit allen Trends klar kommen. Sich bei den digitalen Neuerungen wie Onlinebanking, Fahrkartenautomaten oder dem Einscannen von Lebensmittel, nicht zurechfienden. In Österreich werden wir in naher Zukunft von den Behörden keinen Brief mehr per Post erhalten. Nicht mehr der Briefträger kommt, sondern alles wird per elektronischen Brief mitgeteilt. Der e-Brief ist das neue Zauberwort, geht es um Neuheiten aus der Digitalen Welt.

Ich erinnere mich an die Löschung meiner Gewerbeberechtigung, dabei wurde ich vom Amtsfräulein darauf aufmerksam gemacht, dass die Löschung der Gewerbe per Email bestätigt wird. Meine antiken Gewerbescheine, Urkunden wie wir sie in den Museen sehen, habe ich wieder mit nach Hause genommen. Nicht vom Papierwolf der Behörde zerreisen lassen. Zuhause habe ich sie in einem Ordner mit vielen anderen Dokumenten, Werbezettel und Fotos, abgelegt. Meine vierzigjährige Kaufmannschaft analog dokumentiert. Trotz meiner digitalen Präsenz bin ich ein nostalgischer Mensch, zwischen Bewahren und Erneuern. Das Technische entwickelt sich über Lichtfaserkabel mit Lichtgeschwindigkeit vorwärts, das Menschliche bewegt sich im Schneckentempo hinterher. Ansonsten hätten wir es schon geschafft, Kriege, Hungersnöte und Ungerechtigkeiten auszumerzen.

Sahelzone

schnecken:tempo I

Beim Schmökern in meinem ersten Buch „Alles Schlagloch“ habe ich den Eindruck, dass vieles nicht aus der Mode gekommen ist. Die Veröffentlichung des Buches liegt über zehn Jahre zurück. Manche Einträge erscheinen mir heute erst aktuell, wenn man mit aktuell einen Gedanken bezeichnet, über den es sich lohnt nachzudenken. In der aktuellen Literaturszene  wird man zuallerst danach beurteilt, was man zuletzt veröffentlicht hat. Hierbei unterscheidet sich das Buchgeschäft, aber auch die Literaturvermittlung, nicht von einer Modeboutique im Einkaufszentrum Atrio. Es zählt nur die aktuellste Mode. In einem Handy- oder Fotoshop sind nur das neueste Handy und die neueste Kamera interessant. In Kürze ist es soweit, dann nähert sich die Literaturvermittlung der Kurzlebigkeit einer Tageszeitung. Die Aktualität eines Buches wird dieselbe Verfallszeit haben wie eine Zeitung, gerade einmal vierundzwanzig Stunden. Die Sinnhaftigkeit des aktuellen Literaturbetriebes stelle ich in Frage, er gleicht einem Eventbetrieb.

Die Tageszeitungen graben sich ihr eigenes Grab oder wie man in Kärnten umgangssprachlich sagt, schaufeln sich ihr eigenes Grob. Sie werben massiv dafür, dass die aktuellsten Meldungen im Internet zu finden sind. Mir ergeht es so, finde ich in meinem Zeitungsarchiv einen Artikel der zehn, zwanzig oder sogar dreißig Jahre auf den Buckel hat, finde ich diese Seiten interessanter als die Abendausgabe der Tagespresse. Darin lese ich mit Aufmerksamkeit, weil ich feststellen kann, trifft der Inhalt heute noch zu?  Was ist von den versprochenen Ankündigungen eingetroffen und wie habe ich damals diese Situation beurteilt? Artikel aus der Vergangenheit schätze ich sehr. Einem aktuellen Zeitungsartikel kann man innerlich widersprechen oder eine andere Sichtweise einnehmen. Bei Ansagen zur Zukunft lässt sich kaum widersprechen, auf keinen Fall das Gegenteil beweisen, dies wäre vom menschlichen Verstand aus nicht möglich.

Archivar

meer:busen

Bei einer Schiffsreise las ich in der Bordzeitung, in den Navigationsangaben vom Kapitän, erstmals das Wort Meerbusen. Im konkreten Fall war es der Finnische Meerbusen. Dabei bildeten sich verschiedene Vorstellungen in meinem Kopf. Meerbusen kann ich am ehesten mit einer Meeresgöttin in Verbindung  bringen. In der Antike waren dies Schönheiten und bekannt für ihre Verführungskünste. Dazu kam der Nimbus der Meerjungfrauen, in der Männerwelt der Seefahrer eine besondere Vorstellung, die Begierden weckten. Von alldem dürfte etwas in die Bezeichnung Finnischer Meerbusen eingeflossen sein. Die Form der Küste dürfte einem weiblichen Busen ähnlich sein. Es liegt nahe den Gedanken weiterzuspinnen, diesmal an der Küste der oberen Adria in Portoroz. Auch ein sinnlicher Name, der Name der Rose, welcher vielerorts mit dem Duft der Weiblichkeit und der Anmut einer Frauengestalt in Zusammenhang gebracht wird.

In der Lagune vom Histronhotel gibt es einige Cafés, in einem arbeitet eine junge Kellnerin mit einem fröhlichen Gesicht und stets zu einem Scherz aufgelegt. Bei ihr kostet der Cappuccino € 1.20, im in Sichtweite gelegenen Grand Café, € 2.40. Man muss festhalten, dass sich das Grand Café in einem fünf Sterne Hotel befindet und man von der Terrasse einen atemberaubenden Blick auf die Bucht von Portoroz und Piran hat. Durch die an den Felsen angelehnte Bauweise des Bernardinhotel entsteht in einem das Gefühl, egal in welchem Stockwerk man sich gerade befindet, dass einem das Meer zu Füßen liegt. An schönen Frühlingstagen kann man hier beobachten, wie sich die Nussschalen, Miniboote mit einem  weißen dreieckigen Segel, zu Dutzenden auf der Wasseroberfläche mit den Winden aus verschiedenen Richtungen auseinandersetzen. Wenn dazu die Sonnenstrahlen sich auf dem Meer spiegeln und von der Uferpromenade ferne Stimmen kommen, da lohnt es sich den doppelten Preis für einen Cappuccino zu bezahlen.

Anderseits stelle ich fest, dass im Café, in der Lagune vom Histronhotel, sich der Ausblick auch lohnt. Hier bekommt der Begriff Finnischer Meerbusen eine andere Bedeutung. Diesmal ist es der Blick auf einen prallen, straffen Busen einer jungen Kellnerin, der sich aus dem schwarzen Shirt wölbt. Dazu kommt das spontane und unverbrauchte Lachen. Ich kann es nicht objektiv beurteilen, aber mir scheint, der Cremoro Cafe, welcher hier serviert wird, ist schmackhafter als der Illy Cafe des Grandcafes. Diese körperliche Ansicht und jugendliche Frische findet man auf der Terrasse des Grands Café nicht. So gilt es beim Cappuccino trinken abzuwägen, zwischen der Terrasse im zehnten Stock des Grandhotels mit dem Meer zu Füßen und dem Blick auf den Finnischen Meerbusen.

Land in Sicht.

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