03.07.2004 SOMMER . SCHNEE
Vor einem Jahr hat Österreich und ganz Mitteleuropa unter der Hitze gestöhnt. Dieses Jahr sind es die kalten Temperaturen und der viele Regen warum die Menschen mit dem Wetter unzufrieden sind. Egal ob Sonnenschein oder Regen, das Wetter ist auf jeden Fall ein Gesprächsthema. Es gibt kein Wetter, dass alle Wünsche zufrieden stellen könnte. Bei Regen, Blitz und Donner träumte ich in der vergangenen Nacht folgendes: Ich gehe noch zur Schule und liege an einem Nachmittag in den Sommerferien am Strand vom Millstäter See. Es fängt zu regnen an und dann beginnt es zu schneien. Ich hole meinen Fotoapparat um den Schneefall zu fotografieren, weil dies glaubt mir sonst niemand. Die ganze Landschaft um den See wird weiß. Als am Abend die Lichter angehen ist am Millstäter See eine Stimmung wie im Winter, am Weihnachtsabend.
Schneefall im Sommer.

 
07.07.2004 SOMMER . FEST
Vor dem Frühstück ziehe ich die Jalousien des Wohnzimmerfenster hoch. Mein Blick fällt auf die „Rote Wand“ am Dobratsch. Aus dem Bergmassiv sind beim Erdbeben 1348 große Teile abgerutscht. Manche Stellen sind bis heute nicht von der Vegetation überwachsen. Die Rote Wand klafft wie eine große Wunde im Berg. Im Frühjahr brechen immer wieder neue Stücke aus dem Berg und die Wunde heilt nicht. Der Felsen hat zu jeder Jahreszeit und Tageszeit eine andere Farbe. Im Sommer ist der Felsen leuchtend orange, blutrot oder ockergelb. Nach einem Regenfall ist er braun oder dunkelgelb. Im Winter sind die Felsen grau, nur schmale orange Streifen leuchten in das Tal. Nach einem Regen steigt im Sommer der Nebel vom Gailufer den Berg hoch und hüllt die „Rote Wand“ ein. An solchen Nebeltagen sieht man schemenhaft Gestalten an den Felswänden herum-klettern. Im Schutz des Nebels verlassen die Erdbeben-Toten ihre nassen und steinigen Gräber und feiern ein Sommerfest. Der Nebel schützt sie vor den Blicken der Gailtaler.
Sommerfest der Toten.

Kommentare:
D. am 8. Juli 2004 um 10:09
Auch ich sehe vom Wohnzimmer meines Elternhauses die Rote Wand, aber trotzdem muss ich anmerken, dass die Farben doch nicht so intensiv sind, wie sie immer geschildert werden. Ich habe schon verdammt oft hingesehen.
09.07.2004 SOMMER . DEPRESSION
Nichts ist schlechter zu ertragen als eine Reihe von verregneten Sommertagen. Wenn man sich seit einem halbem Jahr auf den Sommer gefreut hat, dann ist die Enttäuschung über das derzeitige instabile Wetter besonders groß. Schon im Februar hat man die Schnee-Fälle und die kalten Tage nur mit den Gedanken auf einen warmen Sommer ertragen. Im April hat man den Frühling kaum erwarten können und von Frühlings-Gefühlen geträumt. Diese Gefühle sind dann während der Eisheiligen erfroren. Daraufhin hat man keine neuen Frühlingskleider gekauft. Alle Hoffnungen waren auf einen schönen, warmen Sommer gerichtet. Jetzt fallen viele davon in das Wasser und werden vom Regen ertränkt. Aus dem Regen taucht die Sommerdepression auf, wie der Lindwurm aus dem Wörthersee.
Schlaglochwetter.

Kommentare:
P. am 9. Juli 2004 um 10:18
Ich habe noch Hoffnung. Hoffnung, dass der Sommer später kommt und dafür länger bleibt. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

W. am 9. Juli 2004 um 10:27
Hoffnung – na immer, aber es schaut ja wirklich nicht besonders gut aus! Aber so Ende Juli fängt es doch oft noch an schön warm zu werden , sogar in Österreich.

M. am 9. Juli 2004 um 20:58
Ich will auch hoffen.

schlagloch am 12. Juli 2004 um 17:05
Zusätzlich zu den starken Regenfällen hat es heute in Kärnten noch ein Erdbeben gegeben. Im Würgegriff der Natur.

 
11.07.2004 VORBEI . SCHAUEN
Es ist heute einerlei ob man zu einer Geburtstagsfeier, zu einem Grillabend oder einem Schulabschlussfest einlädt, man erhält keine konkrete Zusage mehr. Niemand verspricht verbindlich seinen Besuch. Im allgemeinen heißt es, man wird vorbeischauen. Schon das Wort „vorbeischauen“ verspricht nichts gutes, es enthält sehr viel Beiläufigkeit. Es bedeutet, dass der Besucher in Gedanken gar nicht anwesend sein wird, er wird an dem Fest vorbeischauen. Niemand will sich auf etwas verbindliches einlassen, alle Zusagen bleiben unver-bindlich. Dies trifft auch auf viele Beziehungen zu. Es muss heute möglich sein sich jederzeit zu trennen. Oft findet man keinen festen Halt im Leben oder in der Beziehung. Deshalb gleiten viele Menschen in Ängste und Depressionen ab. Man gibt sich unverbindlich, will überall dabei sein, ohne sich auf etwas konkretes einzulassen.
Vorbeischauen am Nächsten.

Kommentare:
[unbekannt] am 12. Juli 2004 um 15:55
Wie wahr wie wahr, da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen!

R. am 12. Juli 2004 um 22:41
Oha, noch jemand dem das unangenehm auffällt. Mir ist das in meinem Umfeld auch schon aufgefallen und ich ecke ziemlich an, wenn’s darum geht klare Verbindlichkeiten zu schaffen. Aber wieso?

 

12.07.2004 ERDBEBEN . TORRE
Jetzt, um 15.15 Uhr, starke Erdstösse in Kärnten. Der Boden schwankte unter den Füssen und die Gläser bewegten sich in den Vitrinen. Wir haben Mühe wieder zur Arbeit zurückzukehren. Die Kunden haben nur ein Thema, Erdbeben. Viele haben noch die Erinnerung an die schlimmen Folgen des Erdbeben von 1976 in Friaul. Diesmal liegt das Epizentrum in Slowenien, bei Kobarid. Dies wird für viele Menschen eine schlaflose Nacht.
Mutter Erde.
13.07.2004 ERDBEBEN . NACHLESE
Nichts überrascht einen so wie ein Erdbeben. Viele Ereignisse, auch Katastrophen und Unglücke bauen sich stufenweise auf. Manchmal erwartet man sogar ein Unglück. Ein Erdstoss kommt ganz plötzlich. Ich war gerade beim Beladen eines Kombiwagen als das Auto so stark zu schaukeln begann, als stünde das Auto auf einem Trampolin. Dann spürte ich die Wellenbewegungen des Boden in meinen Füssen. Als das Erdbeben vorüber war, schaukelte ich beim Gehen wie ein Schiff auf dem Wasser. Erst nach einiger Zeit beruhigte sich der Körper. Die nervlichen Anspannungen lösten sich beim Gespräch mit anderen Betroffenen. Das Zentrum des Erdbeben lag im Isonzotal in Nordostslowenien.
Die Erde trägt uns.

 
19.07.2004 GOTT . WO
Im Buch „Was der Seele gut tut“ schreibt Pater Pausch: Viele fragen, hat Gott den Menschen erschaffen oder ist es umgekehrt? Hat der Mensch aus Angst vor dem Tod Gott erschaffen, weil er ohne Jenseitsvorstellungen nicht leben kann? Es ist einerlei ob es so oder so ist. Gott kann man nicht besuchen wie die Stadt München oder sagen dort wo der Stephansdom steht wohnt Gott. Gott kann nur in sich selbst erfahren werden oder nirgendwo.
Gott wo bist du?
21.07.2004 KREMS . MÜNSTER
Das Stift Kremsmünster mit der siebenstöckigen Sternwarte thront auf einem Felsen über dem Ort Krems-münster. Im Ort, der sich an den Felsen anschmiegt und durch den die Krems fliest, kann niemand einen Schritt machen ohne nicht vom Kloster aus beobachtet zu werden. Das Dorfleben ist vom Blick auf das Kloster geprägt. Viele entziehen sich dem Blick auf das Kloster dadurch, dass sie mit gesenktem Haupt durch die Strassen gehen. So gehen viele Leute, mehr als in anderen Orten, mit gesenktem Kopf durch die Strassen. Andere fahren mit großer Geschwindigkeit durch den Ort, der fast in seiner Gesamtheit ein Strassen Knotenpunkt ist. Die meisten Häuser im Ort stehen zwischen zwei Einbahn-Straßen. Wenn am Abend im Ort die Lichter angehen, bleiben die meisten Fenster im Kloster finster. Der Hang des Klosterfelsen ist besiedelt und zwischen den Häusern verlaufen schmale Strassen, eine mit dem Namen „Tötenshengst“. Alle, die Sonntags zur Kirche gehen, müssen einen steilen Weg oder über die „Lange Stiege“ die vielen Stufen vom Ort zum Kloster zurücklegen.
Ein steiniger Weg zu Gott.

 
23.07.2004 FISCH . KALTER
Eine Attraktion im Kloster Kremsmünster sind die Fischbehälter auch Fischkalter genannt. Die Anlage wurde von Carlo Antonio Carlone in den Jahren 1690 bis 1692 erbaut und besteht aus mehreren Fischbehälter im Ausmaß von ca. je 50 m2. Die Fischbehälter umgibt ein Säulengang mit Jagdtrophäen aus mehreren Jahrhund-erten. In den Fischbecken stehen Steinfiguren aus denen frisches Wasser rinnt. Nähert sich ein Besucher dem Rand eines Fischbehälter, so drängen sich alle Fische zu dieser Stelle. Die Fische erwarten von den Besuchern Futter. Dies ist oft der Fall, da an dieser Stelle ein Automat für Fischfutter steht. Als Besucher wundert man sich über das Gedächtnis der Fische. Der Fischwart be-stätigt diese Beobachtung, wenn er erzählt, dass er in der Früh mit dem Fischfutter kommt und die Fische schon immer in der selben Ecke auf die Fütterung warten.
Schlau wie ein Fisch.