hund:gerecht

In einer Anekdote, ich weiß nicht von wem sie stammt, wird folgendes erzählt:  Auf die Frage, warum er sich von seiner Frau noch noch nicht getrennt hat, sagt der Mann, sie könnten sich bei einer Trennung nicht einigen, wer der Hund zugesprochen bekommt.

Das Schweizer  Zivil- und Konkursrecht wurde kürzlich an die Gegebenheit, dass Haustiere keine Sache sind, angepasst. Gibt es unter den Partnern bei einer Trennung keinen Konsens, wer für die Katze oder den Hund aufkommt, bzw. wem die Katze oder der Hund zugesprochen wird, dann entscheidet der Scheidungsrichter nach folgenden Kriterien. Wer von den Scheidungswilligen kann dem Haustier einen tiergerechten Platz bieten, während der andere Teil Unterhaltszahlungen leisten muss. Wie im Normalfall ist diese Unterhaltszahlung bei Schulden nicht  pfändbar. Wie bei Scheidungskindern kann der andere Partner verlangen, dass er für das Haustier ein Besuchsrecht zugesprochen bekommt.

Die größte Sorge von kränklichen, älteren Menschen besteht darin, wer betreut, pflegt und füttert, müssten sie in ein Krankenhaus oder ein Pflegeheim, ihre Katze oder Hund? Die Sorge um ihr über alles geliebte Tier mobilisiert gerade die älteren Menschen. Mit ganzer Kraft kämpfen sie dafür, dass sie in ihrer angestammten Wohnung bleiben können. In der Schweiz kann man in seinem Testament die Erben verpflichten, dass sie für das Haustier bei sich oder bei Dritten eine artgerechte Unterkunft bereitstellen.  Weiteres, dass ein Teil der finanziellen Mitteln von der Erbschaft für das Fressen und die Pflege der vererbten Haustiere zu verwenden ist. Ist man in der Schweiz ein Haustier in einem gut situierten Haushalt, dann kann man positiv sagen : Auf den Hund gekommen.

Bei Fuß.

katzen:glück II

Kürzlich besuchte ich eine neu eröffnete Tierhandlung, dort gab es Kühlregale wie bei der Tiefkühlkostabteilung  im Supermarkt. Eine Kühlstrecke, wo man für die Haustiere unter Tiefkühlspezialitäten wählen konnte. Heutzutage werden die Heimtiere nicht nur mit Fressspezialitäten verwöhnt, in den Möbelhäusern gibt es eigene Abteilung für Tiermöbel und Zubehör. Der Erwerb eines Designerzubehörs kann eine Lücke in die Brieftasche hinterlassen. Ein Kratzbaum aus Sisal, in Form eines Hundes, von Erik Stehmann gibt es schon ab € 650.–, eine kuschelige Höhle für die Katze, aus Wolle handgefertigt von Agnes Felt ab € 90.–.  Den Designerfuternapf, die rutschfeste DogBar aus Holz mit zwei Edelstahlschüsseln, ab € 139.–.  Unsere Katzen mit einem Rascheltunnel  zu beglücken ist gescheitert. Trotz unser Bemühungen und obwohl Katzen an sich Höhlen lieben, haben die Katzen sich geweigert, den Rascheltunnel zu benützen. Irgendwann ist er in der Mülltonne gelandet. Am liebsten setzen sich die Katzen dorthin, wo frisch geputzt wurde. Egal, ob dies die Eckbank im Esszimmer ist, oder ein Platz auf dem Wohnzimmercouch, wo für sie eine Decke und ein kleines Polster wartet.

Was Katzen alles können und dürfen und wozu sie gut sind, kann man seit kurzem beim Modeschöpfer Karl Lagerfeld miterleben. Schaut man sich die Katzenfotos von Houpette an, dann wirken sie so, als würde sie sich ihrer besonderen Stellung bewusst sein. Dienlich zur Werbung und zur eigenen Imagebildung. Houpette gehört zu den verwöhntesten Katzen, dafür sorgen zwei Zofen und ein Bodyguard. Sie wird manikürt und ihre Mahlzeiten werden von einem Spitzenkoch zubereitet. Dabei kann sie unter fünf angerichteten Speisen wählen, in ihrem Fall wohl zuerst daran schnuppern: Alles vom feinsten, Pasteten, Kroketten, Truthahn und manchmal Kaviar. Die schönsten Fotos und die ganze Story von Houpette  werden jetzt in einem Buch veröffentlicht.

Livestream

katzen:glück I

Welchen Stellenwert Haustiere in unserer Wohlstands Gesellschaft einnehmen, kann man daran ablesen, dass es in allen Supermärkten viele Regalmeter mit Tierfutter gibt. Auch die kleineren Läden verzichten nicht auf dieses Sortiment. Am meisten gibt es Tiernahrung und -zubehör für Vögel, Katzen und Hunde. Bei den Preisen gibt es eine große Bandbreite, vom Billigfutter, dies ist meistens die Eigenmarke der betreffenden Handelskette, bis zum Qualitätsfutter, mit einem Markennamen aus der TV-werbung. Die Fernsehwerbung für Tiernahrung wird immer raffinierter, es wird die Botschaft vermittelt: Geht es dem Haustier gut, dann geht es auch dem Frauerl und dem Herrl gut. Beim Frauerl zeigen sich in der Früh die ersten Sorgenfalten, wenn sich die Katze etwas ungewöhnlich benimmt. Wer kein entspanntes Verhältnis zu Haustieren hat, fühlt sich dann selbst den ganzen Tag unwohl. Wir legen bei den Haustieren und dem Auto ein ähnliches Verhalten an den Tag. Bei den kleinsten Beschwerden geht man mit der Katze zum Tierarzt, bei einem ungewöhnlichen Geräusch im Motorraum fährt man zum Automechaniker. Über den Stubentieger ergießt sich ein Redeschwall, was ihm fehlt, ob er etwas vermisst? Als Antwort kommt ein unverständliches Miau.Ist die Katze durch eine Infusion wieder fit, ist man danach selbst auch wieder fit. Frisst der Hund oder die Katze nicht so gierig wie gewöhnlich, wertet man dies gleich als ein Krankheitszeichen. Dabei unterschätzt man den Gusto bei den Haustieren, manches Mal verschmähen sie das Fressen, weil sie übersättigt sind. Wie bei uns, schmeckt ihnen dazwischen das sogenannte Fastfood Futter besser, als die gesunde Kost vom Tierarzt. Wer annimmt, dass, das Lieblingsfressen es für immer bleibt, der irrt sich. Plötzlich wendet sich die Katze oder der Hund davon enttäuscht ab. Das ist ein Verlangen nach Abwechslung.

Man nimmt an, dass die Katzen die Gefühlsschwankungen bei ihren Besitzern, Traurigkeit oder Fröhlichkeit erkennen und mittragen. Zum Teil empfindet man es so, dass fühlt man sich niedergeschlagen oder  kränklich, ist die Katze besonders anschmiegsam. Ist dieses Empfinden einseitig, unseres?

Balanceakt.

große:heft II

Im Seminar war bei der Buchbesprechung von Das große Heft die erste Frage der Teilnehmer, können Kinder so grausam sein? Erleben Kinder im Krieg nur Gewalt und Zerstörung, ist alles möglich. Für uns Sozialisierte  war es ein Zuviel an Brutalität. Dabei verfügen wir gerade erst seit zweihundert Jahren über eine dünne Schicht von Humanität, wie sonst wären dazwischen die Gräueltaten des 1. u. 2. Weltkrieges möglich gewesen.

Verschiedene Gruppen von Seminarteilnehmern hatten die Möglichkeit ein Kapitel des Buches, nach freier Wahl, umzuschreiben. Einige haben sich für das letzte Buchkapitel entschieden, wo der Vater sich nach vielen Jahren bei der Großmutter  meldet um die Zwillinge abzuholen. Er will die feindliche Grenze überqueren. Die Kinder haben dem Vater vorgegeben, dass sie genau wüssten wo die Minen liegen, er bräuchte sich wegen der Flucht keine Sorgen zu machen. Sie wollen ihm bei der Flucht behilflich sein, sie möchten lieber bei der Großmutter bleiben. Zu dritt brechen sie zur Grenze auf, der Vater läuft los und die Kinder warten im sicheren Terrain. Der Vater wird von ihnen als lebender  Minenräumer  in die Grenzzone geschickt und alsdann von einer Mine in der Luft zerrissen. Erst dann läuft einer von den Zwillingen über die Grenze, der andere kehrt zur Großmutter zurück. Diese Kaltblütigkeit, wie die Zwillinge ihren Vater in den Tod schicken, war für viele unerträglich.

Der Umschreibung fiel zuallererst die Version zum Opfer, dass der Vater von einer Mine zerrissen wird. Viele haben es so gesehen, dass sie zu Dritt die Grenzwache überlistet haben und die andere Seite der Grenze erreichen konnten. Man hat ausgeschlossen, dass selbst diese verrohenden Kinder den eigenen Vater bewusst in den Tod schicken.

Meine Gruppe hat das Kapitel umgeschrieben, wo eine verarmte Mutter mit ihrer behinderten Tochter, nach der Vergewaltigung durch die Eroberer, die Zwillinge aufforderte das Haus anzuzünden.  Sie und ihre Tochter sollten darin verbrennen. Die Tochter ist bereits tot und die Zwillinge machen die Mutter darauf aufmerksam, dass Verbrennen ein schmerzhafter Tod ist. Sie wollen der Frau den Tod durch verbrennen ersparen und schneiden ihr hinterrücks die Kehle durch und zünden dann das Haus an.

Unsere Version war, dass die behinderte Tochter von den Soldaten auf einem LKW mitgenommen wird und als die Zwillinge im Haus nachschauen die Mutter bereits tot in einer Ecke liegt. Sie gehen raus und zünden das Haus aus.

Die Zwillinge beteuern in ihrem Tagebuch, Das große Heft, nur die Wahrheit zu schreiben, die reine Wahrheit.  Wir haben als Leser die Wahrheit, was möglich sein könnte, nicht vertragen. Im Alltag  brauchen wir, um die unfassbaren Dinge auf den Kriegsschauplätzen zu ertragen, eine  Beschönigung der Wahrheit. Wer behauptet von sich, ich bin die Wahrheit und das Leben?

Agota KRISTOFs Buch, Das große Heft, Piper Verlag, ist ein kleines kompaktes Buch von 9×15 cm.