abano:retro I

Aus der Ebene rund um Abano erhebt sich der Monte Rossa ein Berg von etwa 180 Metern Höhe. Obwohl er nicht als richtiger Berg, sondern als Hügel wahrgenommen wird, erfordert er alle Kraft beim Aufstieg. Der Steig ist teilweise weggebrochen, die Holzstufen sind abgerutscht und viel Erdreich ausgeschwemmt. Er führt steil bergan und das Dickicht der Sträucher und Bäume trägt dazu bei, dass ich mich beim Aufstieg unwohl fühle. Eine kurze Zeit wähnte ich eine Wandergruppe hinter mir, aber dann wurden die Stimmen immer leiser. Diese umrundete den Berg, sie tscherfln rundherum. An diesem Nachmittag bleibe ich hier der einzige Wanderer. Am Gipfel angelangt zeigt sich ein großer Krater, dort stand bis vor einigen Monaten oder einem halben Jahr eine große Eiche. Auf der Schautafel mit den Erklärungen zur Natur und Fauna kann man sie noch sehen. Nach dem Vormittag im Thermalbad, bei 30 – 35 Grad, fühlt sich die Luft flauschig an. Der Frühling ist hier in voller Fahrt, wohin man schaut eine blühende Blumenpracht. Beim Gehen meinen Kopf klären, die Gedanken rein werden lassen. Die letzten Monate haben gezeigt, dass mit Ausdauer und Mut vieles möglich ist. Bei der Verleihung des Diplom zum Abschluss des SeniorLiberaleStudium, mit Auszeichnung, war mir die Freude im Gesicht abzulesen. Jetzt bin ich der zweite Absolvent, welcher den Universitätslehrgang abgeschlossen hat. Ein Beweis, dass Fantasie nichts Haltloses ist, ein Gegenbeweis für die allgemeine Aussage von den verrückten Künstlern. Ohne Freiheiten im Denken gäbe es auch keine Schlaglochtexte. Das Synonym Schlagloch ein Zufall?

Schlaglochslalom

mom:jan

Wie wir zu diesem Katzennamen gekommen sind? In der Autotouringzeitung wurde für Istrien eine Tour der Sinne empfohlen. Darunter befand sich auch der Ort Momjan, er liegt im kroatischen Teil von Istrien, an der Grenze zu Slowenien. Nach einem zweiten und dritten Versuch konnten wir die Abfahrt von der Landesstraße nach Momjan finden. Wie die meisten istrischen Dörfer liegt es auf einer Anhöhe. Beim Besuch von kleineren Ortschaften orientieren wir uns am Kirchturm, der meistens weithin sichtbar über die Häuser ragt. Von den haushohen Reklamesäulen der Supermärkte und den Plakatankünder, wie wir sie bei jeder Ortseinfahrt in Kärnten vorfinden, fehlt jede Spur. Bei der Kirche gab es einen Hinweis auf ein Kastell, von dem zwischen dem Gestrüb der eingestürzte Burgfried zu sehen war. Wir gehen die Häuserzeile, welche den Ortskern bildet, entlang. Ernüchternd schauen wir durch mit Brettern notdürftig vernagelte Fenster und Türen. Dahinter sind das Dach, die Zwischenmauern und -decken längst eingestürzt. Vor den bewohnbaren Steinhäusern sitzen ältere Leute auf einem Stuhl. Auf ihrem Schoss oder zu ihren Füßen zumeist eine schlafende Katze und ein paar Blumentöpfe. Durch das Hundegebell werden wir von einem Haus zum Anderem angekündigt, anderseits folgen uns die Blicke hinter dem Vorhang von einem Haus zum Anderen. Wir sind die einzigen Personen auf der Straße.

Uns kommt eine Frau mit einem kleinen schwarzen Dackel entgegen. Dessen Hinterfüße sind verletzt oder amputiert, er zieht seinen eigenen Rollstuhl hinterher. Der Hinterleib ist auf einem Gestell mit zwei Rädern aufgehängt. Soll uns dieser Hund leidtun, ist dies eine Qual für ihn? Der Hund läuft als verfüge er über vier gesunde Beine und nicht nur über zwei Vorderbeine. Er schaut uns mit lustigen Augen an und wendet den Kopf nach allen Richtungen. Das Laufen scheint im Spaß zu machen, er strahlt mehr Lebendigkeit aus, als mancher Rassehund. Neugierig zieht er seine Duftspur durch die Dorfstraße, aufgeregt wedelt er mit seinem Schweif. Die Frau hat Mühe ihm zu folgen.

Schweif einziehen.

vorteil:card III

Seit kurzem greift  in den Zügen die selbe Handymanie um sich, wie wir sie auf den öffentlichen Plätzen, in den Cafés und Schanigärten antreffen. Von den Reisenden wird ständig am Handy gewischt und nachgeguckt, ob nicht jemand etwas gepostet hat. Zumeist handelt es sich um Schüler und Studenten, welche die Zugfahrt nützen, um auf dem Laptop eine Aufgabe zu erledigen. Heute sind wir soweit, dass junge Menschen am Smartphone, kurz vor ihrer Ankunft, ein Zimmer für die nächsten Tage in der Stadt buchen. Am Zugfenster ziehen die Dörfer, die Wiesen, sowie die Berggipfel vorbei.

Ich bin mit dem Zug öfter auf längeren Strecken unterwegs, dabei kommt es immer wieder zu Situationen, die mich überraschen. Bei einer Fahrt von Villach nach Salzburg, im Spätherbst, sind in nächster Nähe drei Ehepaare gesessen, dem Reden nach Pensionisten. Mit ihrem bunten Outfit haben sie ein wenig Optimismus im Zugabteil verbreitet. Trotz dunkler Wolken und zeitweisen Regenschauern sind sie in legerer Bekleidung und ihren Fahrradtaschen im Abteil gesessen. Den Gesprächen nach waren sie mit ihren Fahrräder auf dem Weg zum Donauradweg und vertrauten darauf, dass die Niederschläge am nächsten Tag nachlassen werden. Eine allgemeine Wetterbesserung eintreten wird. Die Jüngste von den drei Frauen stellte, während der Regen gegen die Fensterscheibe spritzte, eine Flasche Sekt auf das Fensterbrett. Dazu die passenden Sektgläser aus Kunststoff und gemeinsam stießen sie im Zug auf schöneres Wetter und auf die Radtour an. Alle möglichen Getränke, Bier, Limonade, Mineralwasser, Apfelsaft und Cafe, werden während der Bahnfahrt aus den Reisetaschen gezaubert. Eine Flasche Sekt, dies war für mich einmalig. Zwischen dem Zuprosten wurde bedauert, dass sie schon überall auf der Welt gewesen sind, ihnen gehen langsam die Reiseziele aus. Ist unsere Generation im Vorteil oder haben wir uns die Vorteilscardgesellschaftsposition selbst erarbeitet?

Es macht sich eine neue Lebenseinstellung breit,das Jahrzehnt der Vorteilscardbesitzer. In der um sich greifenden Nimm drei zahl zwei, der Vorteilspackungsgesellschaft und den Stammkundenrabatteinkaufswochenenden will niemand mehr den Normalpreis zahlen. Es ist kaum noch zu überbieten und doch versuchen die großen Handelsketten noch einmal kräftig zuzuschlagen. Wie wäre es mit dem größten letzten Sonderverkauf aller Zeiten?

Letztes Aufgebot.