Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

KLOSTER . HOF

Das Zuviel an Waren, das Zuviel an Informationen und der Mangel an echtem Wissen führt im Westen zu einer Orientierungslosigkeit in religiösen Dingen. Deshalb besuchen immer mehr Menschen Vorträge über den Buddhismus  oder lassen sich in Dia Vorträgen über die Reisen in den Himalaja berichten. Bei einem Vortrag „Der Berg Kalesch“ im Yogazentrum in Villach hat die Vortragende von der Spiritualität der Berge gesprochen. Von den Meditationsplätzen am Berg, den Orten der Kraft, außerhalb der Klöster. Auch in Kärnten gibt es Orte der Kraft, in Gschriet am Mirnnock oder am Fuße des Großglockner. Die Kraftorte wurden von buddhistischen Mönchen „bestätigt“. Es sprechen viele, die gerne in die Berge gehen davon, dass sie dort zur Ruhe kommen, neue Kraft tanken. Vermischt sich hierbei kosmische Strahlung mit positiven Erlebnissen?

Für mich zählt der Innenhof eines Klosters zu den Orten der Kraft. Auch deshalb, weil man in einem Klosterhof garantiert vom Straßenlärm oder anderen Lärmquellen abgeschirmt ist. Aber wo gibt es einen offenen Zugang zu Klosterinnenhöfen, zu den wirklichen Innenhöfen. Soweit man Zutritt hat, handelt es sich zumeist um den Zutritt mit einer Führung oder es ist eine Sehenswürdigkeit für Touristen. 

In der Stille. 

 

Kommentar(e)    

Gerhard (3.7.07 23:23)
Als ich 2002 in Tokio war, überraschte mich das plötzliche Vorhandensein eines Klosters inmitten heftigen, pulsierenden Lebens. Man schritt hier aus der zermürbenden Hektik und dem allgegenwärtigen Lärm nur einige wenige Schritte durch einen Durchgang und plötzlich war man in fast völliger Stille in einer Art Klostergarten.
Das Kloster kündete sich nicht an. Es war plötzlich zur Hand.
Dieser Stadteil Tokios war extrem gepflastert mit Leuchtreklamen und dem üblichen Treiben und der Geschäftigkeit in den Strassen.

Ähnlich erholsam erwies sich auch ein Cafe‘, das im 3 Stock eines Hauses war. Man ging enge Treppen hoch und befand sich in dann in Räumen, die völlig abgeschirmt waren vom Draussen. Die Fenster waren verhangen und nicht geöffnet. Es war traumhaft ruhig und besinnlich dort. Eine Oase.

Mo / Website (5.7.07 11:13)
Ich kenne es leider nur aus dem TV, wie dicht z.B. in Japan große Betriebsamkeit und Gewimmel auf der einen Seite, und Stille und Ruhe auf der anderen, beieinander liegen.

In unseren Breiten ist das Innehalten zwar in vielerlei Hinsicht im Rahmen der hier bereits angesprochenen Wellness-Bewegung „chic“ geworden. Kultiviert haben wir es aber wohl, im Vergleich z.B. zu den Japanern, nicht und vielen fehlt wohl auch der Respekt davor.

Vielleicht ist das auch ein Grund, warum Orte der Stille, Ruhe und Einkehr durch Mauern und geregelte Öffnungszeiten geschützt und reguliert werden (müssen)

Gerhard (5.7.07 14:53)
Hallo Mo,
ich erinnere mich, als Kind mit einem Freund ganz tief im Wald spazieren gegangen zu sein und plötzlich festgestellt zu haben, daß es dort ABSOLUT still war. Wie sonderbar das war und wie ungewohnt, geradezu ein Ereignis! Nichts, einfach nichts, nicht mal ein Rascheln.
Nach etwa 15 Sekunden drang dann ganz von der Ferne ein schwaches Geräusch herein,war es ein Zug oder Flugzeug – ich weiß es nicht mehr.
Mo / Website (5.7.07 17:08)
Hallo Gerhard,

ich bin zwar eine Großstadtpflanze, aber ich meine mich an eine ähnliche Situation in meiner Kindheit zu erinnern.

Ansonsten habe ich die absolute Stille ein Mal in der Wüste kennengelernt. Dort gab es nur meinen Herzschlag, der plötzlich beängstigend laut für mich zu hören war.

Herzliche Grüße

Mo


schlagloch /
Hallo Gerhard!
Der Wechsel vom Stadtlärm in die Klosterstille hat sich bei dir über Jahre eingeprägt. Ich kenne Städte mit mehreren Millionen Einwohnern nur aus TV-Dokumentationen. Mich reizt der Wechsel vom lautesten Ort, meistens der Hauptplatz , zum ruhigsten Ort, eine kaum besuchte Kirche.
Gruss schlagloch.

MENSCHEN . SCHUTZ

Sitzt man bei der Drauschleife  bei Villach, dann hat man einen schönen Blick auf das Kloster Wernberg. Man hat das Gefühl im geistigen Einfluss, im spirituellem Radius des Klosters zu sitzen. Die Frage ist, ob dicke Klostermauern die Menschen welche darin leben vor seelischen Verletzungen schützen. Wie soll sich ein Mensch außerhalb der Klostermauern schützen. Hier ist jeder für seinen Schutz selbst verantwortlich, muss ein Schutzschild aufbauen. Was nützen Geschwindigkeitsbeschränkungen und Verkehrsüberwachung, es sterben mehr Menschen an seelischen Verletzungen als im Straßenverkehr. Diese Menschen sind innerlich tot, auch wenn sie leben. Sie sind lebende Zombies, die Leute mit dem ausdruckslosen Gesicht.
 
Jedem seine Klostermauer.        

29.6.07 12:59 verlinken / 6 Kommentare / kommentieren
WELL . NESS

Beim dem Begriff Wellness kann man beobachten, wie sich die Wörter für ein und das selbe Angebot wandeln. Früher bezeichnete man die gleichen Angebote als Erholungssurlaub, als Kuraufenthalt oder Gesundheitswoche. Heute hat jedes Hotel seinen Wellnessbereich, die Fortschrittlichen nennen es Spabereich. In den Alpentälern genügt die frische Luft, die Ruhe, das Wander- oder Bergsteigererlebnis nicht mehr. Die führenden Hotels bieten einen Spabereich mit Blick auf die Gipfel der Dreitausender an. Diese Wellnesswochen haben ihren Preis. Dort ist Platz für die sportlichen und aktiven Menschen, die Erfolgsgeneration. Fit über das Wochenende.
 
Dabei wird übersehen, dass auch gebrechliche Menschen, Menschen über siebzig und achtzig Jahren, solche die sich nur mehr langsam bewegen können und einen behutsamen Umgang brauchen ein Bedürfnis nach Erholung haben, um ihre Körperkräfte je nach Fähigkeiten zu aktivieren. Aus der Leistungsgesellschaft sind sie ausgeschieden und passen nicht in den Betrieb eines Wellnesthotel. Solche Menschen finden in den Kurhäusern von Klöstern liebevolle Aufnahme und Zuwendung. Für den Körper ein schonendes Training und für die Psyche ein aufmunterndes und tröstendes Wort. Bei den Marienschwestern vom Karamel ist Platz für diese Gruppe
 
Erholung für Körper und Geist.         

25.6.07 20:49 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren
AUS . VERKAUF

Wir verkaufen unser Haus, wir sind reich, wo wir wohnen werden ist uns egal. Oft werden von den Politikern unter dem Schlagwort Privatisierung und Globalisierung landeseigene Beteiligungen bei Stromerzeugern, Autobahngesellschaften oder Banken an private Investoren verkauft. Die Infrasturleistungen für die Bevölkerung wie Wasserversorgung, Müllentsorgung oder Sozialeinrichtungen wie Pflegeheime und Krankenhäuser an private Firmen vergeben. Der Schritt, dass die Polizei privatisiert wird ist nicht mehr weit.
 
In Vorwahlzeiten wird gerne etwas vom Volksvermögen bzw. Landesvermögen verkauft um die Kriegskassa, das Budget für die Wahlwerbung, aufzufüllen. Damit werden großzügige Wahlzuckerln verteilt, für jeden Stimmbürger einen Lutscher.

Diese Vorgangsweise gleicht dem Verhalten eines Bauern, der Teile der landwirtschaftlichen Nutzfläche verkauft und damit den Fortbestand des Bauernhofes gefährdet.
 
Die Sterntaler.   

22.6.07 12:35 verlinken / 4 Kommentare / kommentieren
SONNTAGS . ARBEIT

Die Generation, welche die Arbeitswelt mit den traditionellen Arbeitszeiten von Montag bis Freitag kennt und wo der Sonntag arbeitsfrei war ist schon älter. An diesem Arbeitsmodell orientieren sich über Fünfzig- und über Sechzigjährige. Für welche Berufe und Gesellschaftsschichten galt dieses Arbeitsmodell, der Sonntag als Familientag? Es hat immer Berufe gegeben die am Sonntag gearbeitet haben, wie Kellnerinnen, Haushaltshilfen, Krankenschwester oder Landarbeiter. Diese Berufsschichten hat man als Menschen kaum wahr genommen. Viele Dienstboten haben kein soziales Leben gekannt. Den Sonntag zu feiern war der Bürgerschicht vorbehalten, den Beamten, den Kaufleuten und Bauern.
 
Die unter Dreißigjährigen sehen heute die Gesellschaft und die Familie als ein Kommunikationsunternehmen, welches per Handy dirigiert wird und wo über das Handy kommuniziert wird.
 
Die SMS Gesellschaft.

15.6.07 12:57 verlinken / 7 Kommentare / kommentieren
SCHLARAFFEN . LAND

Täglich werden wir mit neuen Ereignissen und Meldungen konfrontiert und selbst suchen wir nach Neuheiten. Eine oft gestellte Frage von Kunden ist: „Welche Neuheiten gibt es“. Gerne besuchen wir im Frühjahr und im Herbst verschiedene Messen und unser Interesse gilt den Messeneuheiten. Man will nichts versäumen, sei es bei der Mode, bei den Sportgeräten oder bei der Unterhaltungselektronik. Dabei kommt das Erlebnis von gestern unter die Räder, es wird vergessen. Auch das Internet trägt dazu bei, dass wir uns in den Informationen verlieren. Bei dem Suchbegriff „Schlagloch“ kommen  555.334 Einträge. Hier stellt sich die Frage wie viel wird davon gebraucht und selbst schreibt man den nächsten Blogeintrag.
 
Dazwischen kommen persönliche Erinnerungen aus dem eigenem Speicher, sprich Gedächtnis, hoch. Egal ob es sich dabei um schöne oder unschöne Erlebnisse handelt, diese Erinnerungen verdrängen die aktuellen Tagesnachrichten. Manchmal muss man auch nach Jahren für die eigenen Erinnerungen, die eigenen Erlebnisse, Bußgeld zahlen.
 
Manchmal wache ich aus dem Schlaf auf, weil ich geträumt habe, dass die Politiker unsere Einzahlungen für die Pension veruntreut haben und unsere Pensionen weg sind.
 
Vom Alptraum im Schlaraffenland.       

19.6.07 12:26 verlinken / 6 Kommentare / kommentieren
SONNTAGS . RENNEN

Auf der Landstrasse bei Asbach im Innviertel  liefert sich die Jugend mit den Kleinmotorrädern und  Motorrädern ihr Sonntagsrennen. Die kurvige Landstrasse ist für die jungen Burschen eine Gelegenheit zu testen, was für eine Geschwindigkeit verträgt die Kurve, ohne mit dem Moped die Bodenhaftung zu verlieren. Jeder probiert jeden zu überholen. Manchmal gelingt dies in einer Kurve unter Einbeziehung der ganzen Straßenbreite. Mit dem Gegenverkehr wird nicht gerechnet oder er muss warten. Heute sind die Kleinmotorräder gelbe, orange und rote KTM mit viel PS und modernem Styling.    
 
Für unsere Sonntagsfahrten hatten wir das blaue Puch Moped vom Vater. Gut unterwegs war man, wenn das Schutzblech in den Kurven am Asphalt geschleift hat. Das Puch Moped hatte wenige PS, aber manchmal endete die Fahrt im Straßengraben. Ob dabei die Hand aufgeschürft wurde oder der Knöchel verstaucht war, war Nebensache. Wichtig war, das die Sonntagshose unversehrt geblieben ist und das Puch Moped vom Vater keinen Schaden davongetragen hat. Ist der Bruder mit dem Moped durch Rudersdorf bei Ferndorf gefahren, dann haben die Leute bei seinem Kommen die Kinder und die Hühner im Straßengraben in Sicherheit gebracht.
 
Das idyllische Landleben.     

12.6.07 12:30 verlinken / 4 Kommentare / kommentieren
SONNTAGS . ÖFFNUNG

In unserem Sprachgebrauch ist das Wort Supermarkt selbstverständlich. Wir kaufen unsere Lebensmittel im Supermarkt oder fahren nach der Arbeit noch schnell zu einem Supermarkt. Wir kennen die Namen der Lebensmittelketten wie Billa, Spar oder Lidl, hinter diesen Namen stehen keine persönlichen Eigentümer. Wir kennen den prominenten Sportler der für den einen oder anderen Konzern im Fernsehen Werbung macht. Es gibt kaum noch private Lebensmittelhändler. Früher nannte man zuerst den Familiennahme, wie Birnbaumer oder Schmied und sagte dann, dies ist ein Adeg Geschäft.
Die Kinder aus den Wohnsiedlungen in der Stadt sind die neue Supermarktgeneration. Für sie gibt  es keine Barrieren mehr, wenn sie in ein Geschäft kommen, keine Budel wo der Kopf gerade bis zur oberen Kante reicht. Am Budelrand standen früher für die Kinder die Zuckerlndosen und die Dose mit den Lutscher. Es kann passieren, wenn ein Stadtkind in ein Lebensmittelgeschäft am Land kommt, dass es nicht versteht, warum es der Frau hinter der Budel sagen muss was es will und die Ware nicht selbst im Geschäft suchen kann. Ist die Ware auch bezahlt, wenn sie nicht über den Scanner läuft und die Posten auf einem Notizzettel  zusammengezählt  werden.
 
In meiner Jugendzeit war es üblich, dass man am Sonntag nach dem Besuch der heiligen Messe zum nahegelegenem Krämer einkaufen gegangen ist. Durch den Hintereingang ist man in das Geschäftslokal gekommen und hat die Lebensmittel besorgt, welche die Mutter auf einem Zettel aufgeschrieben hat. Bezahlt wurde mit dem „Eiergeld“.  Der Sonntag war der einzige Tag in der Woche an dem man in das Dorf gekommen ist. Die Sonntagsöffnung wird heute an vielen Orten diskutiert.
 
In das Dorf gehen.   

8.6.07 10:02 verlinken / 7 Kommentare / kommentieren
HOCH . ZEIT

Durch die  warmen Temperaturen treiben die Knospen und die Blätter aus, und die Gefühle brechen in der Tierwelt und bei den Menschen durch. Wer jetzt nicht Gefühle zeigt, wird es in diesem Jahr nicht mehr tun. Der Frühling ist die schönste Zeit um zu heiraten. Trotz des aufgeklärten und konsumorientierten Zeitgeistes wollen die wenigsten Brautpaare auf eine kirchliche Trauung verzichten. Ob dies immer aus religiöser Überzeugung geschieht sei dahingestellt, viele schätzen den stilvollen Rahmen einer Kirche, das historische Ambiente. Für die Abgaben, die eine kirchliche Trauung kostet, könnte man sich kein vergleichbares weltliches Ambiente leisten. Die Kirche bietet einen schönen Rahmen für eine Hochzeit, zu einem kostengünstigem Preis.
 
Für Menschen die nicht religiös sind, gibt es eine neue Berufsgruppe, die Zeremonienmeister. Sie versuchen mit profanen Ritualen, die kirchlichen Rituale zu ersetzen.
 
Der schöne Rahmen. 

5.6.07 11:17 verlinken / 5 Kommentare / kommentieren
KOPF . TERROR

Die Angst der Regierungen vor Terroranschlägen in Europa bringt den Einwohner Einschränkungen bei der persönlichen Freiheit. Die Überwachung vom Telefonverkehr, die Überwachung von Bahnhöfen und von U- Bahnstationen mit Videokameras, wurde ausgeweitet. Wer mit dem Flugzeug verreist, kommt in das Visier der Terrorfahnder und wird wie ein möglicher Terrorist behandelt. Er wird zum gläsernen Menschen. Alle persönlichen Daten werden erhoben und alle Artikel, welche persönlich in das Flugzeug mitgenommen werden, müssen in einem Klarsichtbeutel transportiert werden. So wird man als Terrorist vorverurteilt.
 
Es gibt den Terroristen im eigenem Kopf. Der hält einem vor, man hätte zu wenig gearbeitet oder eine Arbeit unvollständig zurückgelassen und zu ungenau ausgeführt. Unter diesem Terror leiden hauptsächlich die Fleißigen und gewissenhaften Menschen, die mehr tun und arbeiten als Andere. Anderen Menschen ist es egal, wie sorgfältig und vollständig sie ihre Arbeit durchgeführt haben, sie rechnen damit, dass andere den Rest erledigen. Diese machen sich selbst keinen Terror.
 
Der Terror im eigenem Kopf.    

1.6.07 17:35 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren

NACHBAR . SCHAFTSpricht  man heute vom Terror und von der Terrorbekämpfung, dann denken wir an den Terror im Irak, Afghanistan oder Israel. Von diesen Ländern kommen täglich Meldungen von neuen Terroranschlägen und ihren Opfern im Fernsehen. Dieser Terror hat für unser tägliches Leben weniger Auswirkungen als der Streit den ein Nachbar vom Zaun brechen kann. Dies kann die Unhöflichkeit sein, dass der Nachbar alle Abfälle, welche von Passanten auf seiner Wiese landen aufklaubt und seinem nächstem Nachbarn auf die Wiese wirft. Es muss nicht das große Zerwürfnis sein, wo es um das Versetzen von einem Zaun geht, zugunsten des eigenen Vorteiles. Es genügt das Pflanzen von Ziersträuchern nahe an der Grundgrenze und den damit verbundenen Laubabfall. Dies sind die alltäglichen Begebenheiten, die einen Terroralarm in der Nachbarschaft auslösen können.
 
Man kennt die Situation, dass man sich am Wochenende auf der Terrasse entspannen will, und einer der Nachbarn fängt an den Rasen zu mähen oder beginnt in seiner Garage mit Schlosserarbeiten. Verschärft wird diese Situation dadurch, wenn es sich um Leute handelt die in Pension sind und die Möglichkeit hätten, lärmintensive Arbeiten während der Werktage durchzuführen. Oft will ein Wohnungsnachbar dem Nächsten durch extreme Lautstärke seine Musikvorlieben mitteilen. So kann eine Spirale der Gewalt beginnen, wo der eine Nachbar beginnt den Anderen zu terrorisieren.
 
Der Terror in der Nachbarschaft.     
31.5.07 18:58 verlinken / 7 Kommentare / kommentieren

 

PARTY . RAUMEs wird behauptet, dass das Leben in der Stadt viele Vorteile hat und Abwechslung bietet. Diese Aussage wird durch den steigenden Städtetourismus und den Zuzug von Menschen in die Stadt bestätigt. Wer hat die Möglichkeit die Vorteile des Stadtlebens zu nützen?  Die Pendler kommen in der Früh zu ihrer Arbeitsstelle in die Stadt und verlassen sie nach Arbeitsschluss wieder rasch. Die Stadtbewohner sind schneller an ihrem Arbeitsplatz und ziehen sich nach der Arbeit in ihrer Wohnung in einem  Wohnblock zurück. Dort kann es vorkommen, dass zur Kommunikation unter den Mitbewohnern im Internet eine Plattform für einen Meinungsaustausch errichtet wird. Es lädt jemand zu einer Frühlingsparty in den Partyraum und niemand von den Hausbewohnern kommt. Menschen die von den Tälern zu Veranstaltungen in die Stadt kommen schätzen diese mehr, als solche welche das Angebot vor der Haustüre haben.
 
An den Wochentagen trifft man am Hauptplatz viele Pensionisten, die zu einem  Cafe unterwegs sind und Hausfrauen beim Einkaufen. Ist Schulzeit, dann strömen Gruppen von Schülern am Morgen und zu Mittag durch die Stadt. Die Männer sind Mangelware und bei der Arbeit.
 
Allein im Partyraum
 
29.5.07 12:15 verlinken / 4 Kommentare / kommentieren

 

ROTE . PUNKTEDie neuen und markanten Punkte in der Draustadt sind rot. Der rote Würfel, ein Zubau zum Kongresszentrum, über die Drau die rote Brücke zur Gewerbezone Ost und die rote Leuchtschrift „Atrio“ vom  Einkaufszentrum. Ich sitze unter der roten Brücke, wo der Abfluss vom Ossiachersee in die Drau mündet im Schatten eines Baumes. Im Blickfeld die Kläranlage „Villach :klärt“, der sanfte Rücken des Dobratsch und die breiten Schultern der Gerlitze. Auf der Wasseroberfläche dreht sich ganz langsam der Blütenstaub, daran merkt man, dass das Wasser der Drau fließt. In diesem Mündungsdreieck vermischen sich die Stimmen von den Radfahrern, die nach einer Auskunft fragen, mit denjenigen die Antwort geben, mit dem Klicken und Kreischen der Shimano Schaltungen und dem Surren der Fahrradketten. Von der Brücke hört man das Holpern der Autoreifen und den dumpfen Schlag der Stossdämpfer. Hier kann man die Drau riechen, es riecht nach Schlamm.
 
Eine kleine Gruppe von Touristen vertieft sich in die Schautafel und versucht auf deutsch/englisch zu erfragen, wo die nächste Toilette ist. In cirka einen Kilometer gibt es ein Cafe. Bei der Frage nach dem Silbersee zeigt man ihnen mit den Fingern fünf Kilometer und klappt beide Händen auf und zu, wie das Maul eines Krokodil.
 
Von Punkt zu Punkt.
24.5.07 17:43 verlinken / 7 Kommentare / kommentieren

 

BAR . FUSSViele haben schon Pläne für den Urlaub oder sind bereits verreist. Dabei mögen es manche bequem und lassen sich verwöhnen. Andere wollen im Urlaub die körperliche Herausforderung, dazu zählt auch das Weitwandern. Im Alpen-Adria Raum gibt es einige Weitwanderwege, so den Karnischen Höhenweg oder den Weitwanderweg an die obere Adria.  Eine andere Art der Weitwanderung, barfuss über die Alpen, ist die Attraktion in einem Alpen Adria Einkaufszentrum. Auf dem Boden der Piazza ist eine Panoramakarte vom Alpen Adria Raum und das Gebiet von Kärnten stark vergrößert, sodass die größeren Gebäude, wie Fabriken, Wohnanlagen ersichtlich sind. Auf diesem Panorama soll man sich nur barfuss bewegen. Bei der Suche nach dem Wohnort und nach dem eigenem Haus ist die Kunst des Kartenlesen gefragt. Am schnellsten kann man sich am Verlauf der Flüsse, wie der Drau, der Gail oder der Möll orientieren. Auch die Autobahnen sind auf der Karte gut zu sehen und können zur schnellen Standortbestimmung beitragen.
 
Um das eigene Haus zu finden muss man sich weit nach vorne bücken, manchen würde man dies auf Grund ihres Alters nicht mehr zutrauen. Da passiert es, dass drei Generationen mit ihren Köpfen am Boden zusammenstoßen, jeder will die Nase vorne haben.
 
Barfuss über die Alpen  
22.5.07 14:11 verlinken / 6 Kommentare / kommentieren

 

SCHNUPFEN . MRTIn den nächsten Jahren wird es oft der Fall sein, dass die Arbeit des Chirurgen bei einer Operation von einem Roboter erledigt wird. Der Chirurg wird den Roboter mit einer Maus dorthin steuern, wo geschnitten, entfernt und genäht werden muss, besser verschweißt oder geklebt wird. Bei der schon heute sehr fortschrittlichen MRT Untersuchung stellt sich manchmal für den Radiologen die Frage, ob das Untersuchungsergebnis zu einer Krankheit führen wird oder ob der Körper sich selbst regeneriert. Oft trifft bei einer Vorsorgeuntersuchung ein, dass Krankheitssymptome festgestellt werden, von denen der Patient bis jetzt nichts gemerkt hat. Da stellt sich die Frage, überlässt man den beginnenden Krankheitsverlauf den Selbstheilungskräften des Organismus oder verordnet man Medikamente. Kommt ein Patient vom Land mit Kopfweh zum Hausarzt, dann wird ihm ein Schmerzmittel verschrieben. Werden am Wochenende Alkoholisierte in das Krankenhaus eingeliefert und klagen über Kopfschmerzen, dann wird eine Computertomografie gemacht.
 
Die Sinnhaftigkeit bei Halswirbelbeschwerden ein MRT zu machen ist für den Laien nachvollziehbar. Schwerer nachvollziehbar ist die Ansicht einer Radiologin auch bei Schnupfen ein MRT zu machen.
 
Bei Schnupfen zum Röntgen.   
18.5.07 13:43 verlinken / kommentieren

 

VER . WESENAuf den ersten Blick ist es oft nicht klar ersichtlich, dass man älter wird. Man gewöhnt sich an den Alterungsprozess, sodass man glaubt, man sehe immer gleich aus, genauso wie vor zehn Jahren oder zwanzig Jahren. Wer Glück hat dem sagt jemand in einer netten Runde, der Albert wird nicht älter, der sieht immer gleich aus. Besonders gut tut dieses Lob dann, wenn es aus dem Munde einer charmanten Dame kommt. Ist man aufmerksam dann merkt man, dass die Haut an den Händen, Armen oder Beinen nicht mehr so glatt ist wie früher. Schaut man nach dem Aufstehen in den Spiegel sind die Falten vom Schlafen noch im Gesicht. Bis man sich an diese Veränderungen gewöhnt hat und glaubt, alles ist beim Alten.
 
In einer Partnerschaft kommt ein anderes Phänomen hinzu, dass man  die Veränderungen beim Partner merkt und sagt, du hast dich verändert, du bist älter geworden. Die eigenen Veränderungen nimmt man nicht wahr und denkt sich, ich bin so wie immer, wie vor zehn Jahren. Dann kommt es vor, dass die Partnerin über den Partner sagt, er ist nicht mehr so agil wie früher. Sei es, dass er zwischen dem Heimkommen und der Arbeit im Garten eine Pause einlegt und nicht mehr sofort wenn er von der Arbeit kommt im Garten loslegt. Er ist mit den Jahren nicht mehr so belastbar. Alles braucht jetzt länger, das Auswechseln einer Glühbirne oder die Renovierung eines Kellerraumes.  
 
Vom wachsen und verwesen. 
15.5.07 13:33 verlinken / 4 Kommentare / kommentieren

 

MACHT . VERLUST IIIFür den Mann gibt es verschiedene Machtsymbole, dies kann ein interessanter Beruf sein, eine erfolgreiche Karriere in einem Betrieb oder eine verantwortungsvolle Stellung in der Gemeinde. Mit einem erfolgreichen Mann verbindet man auch ein tolles Auto, die Beziehung zu einer attraktiven Frau und eine schöne Wohnung. Zu den Machtsymbolen gehört der Besitz des Führerschein oder eine akademischer Titel. Schon öfters hat ein Autofahrer nach einem belanglosen Unfall aus Scham und aus Angst vor dem Verlust des Führerscheins Selbstmord begangen. Bei einem schwerem Verkehrsdelikt wird einem der Führerschein entzogen. Da kann es vorkommen, dass man sich zurückzieht und sich von den Freunden abkapselt um nicht darauf angesprochen zu werden. Man fühlt sich als halber Mann.
 
Vom Führerscheinentzug zum Verkehrsinfarkt.   
11.5.07 07:57 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren

 

MACHT . VERLUST IIDer Machtverlust ist nicht nur ein Problem für Politiker und Vorstandsmitgliedern, sondern betrifft auch den Arbeiter und Angestellten. Wir erleben, dass Menschen die in Pension gehen sich zurückgesetzt oder wertlos fühlen, weil sie aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden sind. Manche kommen für einige Zeit immer wieder an ihren Arbeitsplatz um mit den ehemaligen Kollegen zu reden. Es werden Erlebnisse ausgetauscht, bis sie den Anschluss verlieren oder man sich nichts mehr zu sagen hat. Es kommt vor, dass im Unternehmen plötzlich neue Leute in der früheren  Abteilung arbeiten und über die Ausführungen und Erinnerungen des ehemaligen Mitarbeiters milde lächeln. Länger trifft man sich noch im Gasthaus bei einer Runde Bier und plaudert mit seinen früheren Arbeitskollegen bis die neuen Mitarbeiter am Firmenstammtisch sitzen. Dann spüren sie, dass sie aus der Arbeitswelt endgültig ausgeschieden sind, der Faden zu den ehemaligen Arbeitskollegen abgerissen ist. Manche spüren auch einen Stich in der Herzgegend.
 
Dieser Machtverlust betrifft nicht nur Arbeitnehmer sondern auch selbstständige Unternehmer wenn sie in Pension gehen, egal ob Handwerker oder Kaufmann. Einige Zeit lang kann man dem Nachfolger in schwierigen Situationen beistehen, und auf der Strasse wird man von früheren Kunden freundlich gegrüßt. Aber mit jedem Jahr nach der Übergabe werden die Kontakte weniger. Auf der Strasse hört man im Vorbeigehen das jemand sagt, „dies war doch der ehemalige Elektromeister vom Ort, die Jungen können es viel besser“.
 
Vom Machtverlust zum Ortsverlust.      
7.5.07 14:20 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren
MACHT . VERLUSTBei Menschen die im öffentlichen Leben stehen, wie Politiker oder Vorstandsmitglieder von Unternehmen kann der Durchschnittsbürger zuschauen, wie sie unter dem Machtverlust leiden, wenn sie zurücktreten müssen. Wird zum Beispiel eine Regierung abgewählt und einige Minister verlieren ihren Posten, dann versuchen sie noch lange in den Medien durch Zwischenrufe für ihre Nachfolger präsent zu sein. Wie sehr Menschen an ihrer Macht festhalten, zeigt sich beim . Abschiednehmen von der Politik vom Ministerpräsidenten in Bayern oder dem englischem Premierminister. Solange es möglich ist zögern sie ihren Rücktritt hinaus um den Eindruck zu erwecken, dass sie selbst den Tag ihres Abschied aus dem Amt bestimmen. Diese Selbstbestimmung wäre vor dreißig Jahren für einen Politiker noch möglich gewesen. Heute, im Medienzeitalter, werden viele Politiker wenn sie Schwächen zeigen von der öffentlichen, besser gesagt von der veröffentlichten Meinung, hinausgedrängt. Die eigenen Parteifreunde leisten der öffentlichen Meinung Schützenhilfe.
 
Wie in unserer Denkweise Macht und Machtsymbole schon bei Kindern verankert sind, zeigte ein Erlebnis bei einem Spaziergang auf der Hochebene von Warmbad. Auf einem freiem Feld, inmitten des Waldes, sind kleine und größere bewachsene Erdhügel, darunter vermutet man vorchristliche Grabstätten. Für Kinder macht es Spaß auf die Hügel zu laufen und herunterzuspringen. Dabei sagte der größere Bub zum Kleinerem: „Dies hier ist ein großer Hügel, hier ist ein mächtiger Mann begraben. Vielleicht war er ein Fürst, ein Richter oder ein starker Krieger, bei den kleineren Hügel sind die gewöhnlichen Leute begraben.“
 
Vom Machtverlust zum Harnverlust.     
 
3.5.07 11:45 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren
SORG . LOSVon der Jugend die während des zweiten Weltkrieges groß geworden ist hat man später gesagt, dies war die verlorene Generation. Sie hat keine Möglichkeit gehabt eine unbeschwerte Jugend zu leben, sondern musste mit Schrecken, Hunger und Verzicht aufwachsen. Kann man etwas verlieren, was man nie besessen hat? Von der heutigen Jugend sagt man ebenso dies ist eine verlorene Generation, weil sie zu viel hat. Zuviel an materiellen Zuwendungen, zuviel an Unterhaltung und  Information. Sie hat keine Möglichkeit  jung zusein, sie wird in das Konsum- und Informationszeitalter hineingeboren.
 
Das Verloren sein und das Verlieren können ist eine Zeiterscheinung, eine weitverbreitete Zeiterkrankung, die Ursache vieler weiterer Erkrankungen ist. Wer macht sich nicht Sorgen, dass die Ausbildung nicht reicht, dass er keinen Arbeitsplatz findet oder seinen Arbeitsplatz verlieren könnte. Die Nachfrage nach den Produkten nachlässt oder etwas von seiner Gesundheit verloren geht. Die Sorge um den unerwarteten Verlust von einem Menschen, die Sorge den Anschluss an die Gesellschaft zu verlieren. Die Sorge um ein gutes Gedächtnis oder die Sorge um ein verlorenes Notizbuch.
 
Eine sorglose Nacht. 
30.4.07 12:39 verlinken / 5 Kommentare / kommentieren

NOTIZ . BUCH

In den sechziger und siebziger Jahren, der Zeit der ersten deutschen Urlauberwelle in Kärnten, gehörte zum Erkennungszeichen des Urlaubers der umgehängte Fotoapparat. Mit Fortschreiten der Technik und der Jahre wurde die Fotoausrüstung immer größer und umfangreicher. Als Einheimischer war man es gewöhnt, dass an allen Stellen fotografiert wurde. Dann folgten die Videokameras und jeder Spaziergang wurde gefilmt. Die Digitalkameras sind jetzt so klein und unauffällig, dass sie in jede Handtasche oder Rocktasche passen. Bei der Jugend ist der Trend das Fotohandy, man ist überall erreichbar und kann auch alles festhalten. Damit wird alles fotografiert, egal ob zwei miteinander raufen, jemand eine Leberkäsesemmel ist oder mit dem Fahrrad fährt. Wird heute auf öffentlichen Plätzen fotografiert, dann nimmt davon kaum jemand Notiz.
 
Mehr Aufmerksamkeit gibt es, wenn jemand auf einem öffentlichem Platz oder auf einer Caffeterasse sein Notizbuch aufschlägt und darin zu Schreiben beginnt. Beim Schreiben muss man genauer hinsehen als beim Fotografieren.
 
Vom Notizbuch zum Blog.            

21.4.07 15:56 verlinken / 4 Kommentare / kommentieren

 

GLOBAL . REGIONAL

Ich frage mich, was ist die Ursache für die Globalisierung und wer ist daran interessiert, dass die Globalisierung bis in die kleinsten Orte vordringt und diese Orte verändert. Es gibt viele Menschen welche die Globalisierung nicht wollen, warum gibt es sie trotzdem. Oft wettern Politiker gegen die Globalisierung und gleichzeitig berichten sie mit Stolz, dass es ihnen gelungen ist in Indien Aufträge für heimische Firmen zu erhalten. Man freut sich über die günstigen Preise bei den Schuhen aus China, beklagt aber, dass die nächstgelegene Schuhfabrik ihre Produktion einstellt und dreihundertdreißig Mitarbeiter keine Arbeit mehr haben. Vielleicht liegt es an unserer gespaltenen Persönlichkeit, dass man nur die eigenen Vorteile im Auge hat, aber die Nachteile für andere verleugnet.
 
Man lässt es den kleinen Handwerksbetrieben bei der Auftragsvergabe spüren, dass man es bei einem Industriebetrieb etwas günstiger erhalten hätte. Das zwei Bekannte aus der Nachbarschaft im Handwerksbetrieb einen Arbeitsplatz haben verdrängt man. Man sieht sich als Gönner des Handwerksbetriebes, in Wirklichkeit ist man hier eine Person mit Namen und nicht eine Auftragsnummer bei einem Industriebetrieb. Von den Vorteilen, wenn es etwas zu ändern oder zu reparieren gibt, gar nicht zu reden. Dann gibt es diejenigen, welche keine Aufträge an örtliche Unternehmer vergeben, aber wenn sie eine Reparatur oder eine kleine Anschaffung haben es beklagen, dass es manche Branchen im Ort nicht mehr gibt. 
Die tägliche Bedrohung.  

17.4.07 18:24 verlinken / 11 Kommentare / kommentieren

 

AUSZIAGN

Vur lauta Onsponnung
mecht i om liabstn
vom Stuahl aufsteahn
und ausn Zimma auße geahn.
De Wend ruckn imma
gleima zomm.
Vurm Fensta foahrn
de Autos mit hundat
Sochn vurbei, harinan
fong i on zan Schreibn.
Des hast mi ausziagn
und de foltige Haut herzagn.
I waß nit, wer ma dabei
zuaschaut…

NOCHT

In da Nocht weckt mi
a Voglschra, a Krah
zabricht dos Fensta.
De Ongst sitzt auf
da Bettkantn.
Mit schtorke Schmerzn
woch wearn,
a Gfühl wia zan Schterbn.

Den Bsuch von de
Krah in da Fruah
hon i nit wolln,
se san von sölba kemman.
Seitdem homs kann
Tog ausglossn…

SOMSTOGNOCHT

Om Sunntogvurmittog
des Leintuch und in
Gulda wieda in Kostn
eineraman, weil
i di Somstognocht
nit getroffn hon.

Om Telefon klingt
dei Stimm wia da
Klong von ana Zithasaitn,
mit an jedn Sotz
ruck ma nächa zomm,
i spir dein Mund.
Wonn i mei Hond ausstreck
spir i a kolte Maua…

 
Franz Supersberger:
An schean Tog
ISBN 978-3-8334-3251-4,
108 Seiten, Paperback, 11,50 EUR
in den Warenkorb
9783833432514
 
PRESSESTIMMEN
Eine gewisse Schwermut durchzieht wie ein roter Faden die Gedichte von Franz Supersberger. Er schreibt über Alltag, Einsamkeit und Zerfall, Sein und Schein in seiner Umgebung. Die Gedichte enden bisweilen unerwartet lapidar. Eurojournal

14.4.07 18:18 verlinken / 5 Kommentare / kommentieren

 

BLICK . ZURÜCK

Schaut man von der Kirche in Maria Gail in Richtung Villach, dann sieht man zwei markante Aussichtspunkte. Auf der linken Seite das Dreiländereck mit dem Bergrestaurant und dahinter der Montasch, auf der rechten Seite den Gipfel vom Dobratsch mit dem Sendeturm. Dies ist nicht der Dobratsch mit den steilen und schroffen Felswänden, wie er von Möselstein  aus zu sehen ist, sondern eine sanfte Bergkuppe, mit den Ausläufern in das Villacher Becken. Die Gipfel sind jetzt, Mitte April, noch schneebedeckt. Die Ausläufer vom Dobratsch versperren den Blick in das Gailtal, es wird ganz eng. Rund um die Kirche in Maria Gail werden die Felder grün und die Sträucher gelb. Die Laub- und Obstbäume bekommen zarte grüne Spitzen. Die Vögel singen in allen Stimmlagen und der Gesang der Lastkraftwagen von der Wörtherseeautobahn ist zu hören. Es ist ein Blick in die Vergangenheit.
 
Wann beginnt die Vergangenheit.

13.4.07 09:15 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

GLÜCKLICHER . MORGEN

„Ein glücklicher Morgen beginnt ohne böses Wort und

schlechte Gedanken“.

(Ovid, röm. Dichter, * 43 v. Chr.)

Nach vielen kritischen, manchmal nachdenklichen Blogeinträgen wünsche ich allen LesernInnen, aber auch mir, viele glückliche Morgen. Es ist erstaunlich wie treffend und zeitlos viele Zitate von römischen und griechischen Dichtern geblieben sind. Mehr kann man sich von einem Morgen nicht wünschen. Weil Friede und Zufriedenheit machen das Leben lebenswert.

Das Glück beim Zähneputzen.   

10.4.07 07:59 verlinken / 7 Kommentare / kommentieren

 

JAKOB . TOD

Jakob ist tot. Der Tod fragt nicht, wann er kommen kann, ob er zu früh oder zu spät dran ist. Ob er willkommen ist oder ob sein Kommen abgelehnt wird. Wäre gestern der richtige Zeitpunkt gewesen oder wäre es besser wenn er morgen gekommen wäre. Eine Stunde später und man hätte sich noch verabschieden können oder hätte man diese Stunde nutzlos verstreichen lassen, wie viele andere auch. Vielleicht hätte man Pläne gemacht für die nächste Woche und eine Stunde später sind diese Pläne nutzlos.
 
Dem Tod ist es egal, ob man gerade zu Hause bei Tisch sitzt, am Arbeitsplatz die Schuhoberteile stanzt oder mit dem Zug verreist. Ob man einen Besuch erwartet, noch etwas schaffen möchte oder ob man die Arbeit bereits abgegeben hat. Er fragt nicht wie viele trauern werden, ob es eine große Verwandtschaft gibt oder nur wenige Bekannte. Ob man von jemanden geliebt wird oder ob man für sich alleine lebt.
 
Der Tod fragt nicht wo sich die Angehörigen gerade befinden, ob sie in der Nähe wohnen oder weiter entfernt sind, welche Pläne sie für die nächsten Tage haben. Ob sie zum Begräbnis kommen können oder ob es nicht möglich sein wird. Er kennt keine Uhrzeit, kein Warten bis Mittag, bis am Abend oder bis morgen. Niemand entscheidet mit. Jetzt.
 
Wer wird was erben. 

6.4.07 14:08 verlinken / 4 Kommentare / kommentieren
ZWÖLF . UHR

Von den Katzen sagt man, dass sie über ein gutes Gehör verfügen und das Geräusch einer laufenden Maus wahrnehmen können. Öffnet die Frau beim Frühstück den Deckel vom Müller Joghurt, dann kommt die Katze angerannt um den Deckel abzuschlecken. Dieses Geräusch hört und erkennt sie sofort, egal wo sie sich gerade in der Wohnung aufhält. Ist es kein Müller Joghurt, lässt sich die Katze nicht blicken. Dringen unbekannte Geräusche von außen in die Wohnung, dann verdreht unsere Katze ihre Ohren. Gibt ein Motorradfahrer auf der Bundesstrasse Vollgas, dann flüchtet sich die Katze in das Bad und versteckt sich für einige Zeit hinter dem Wäschekorb.
Betrete ich einen Raum und irgendwo tickt eine Uhr, auch nur ganz leise, ergeht es mir ähnlich. Ich bin in Alarmstimmung. Man erlebt sozusagen das Verstreichen der Lebenszeit akustisch. Im Ruheraum ist es passiert, dass jemand fragte, gibt es hier keine Uhr? Dabei bohrte sich jedes Tick Tack in das Gehirn.
 
Es hat zwölf Uhr geschlagen.   

2.4.07 12:10 verlinken / 8 Kommentare / kommentieren