Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

WASSER . HART 
Religiöse Feste im Freien haben eine andere Ausstrahlung als solche in den Kirchen. Bei einer Gospelmesse in einem Park konnte man aus einem Korb einen Zettel mit einem Sinnspruch ziehen. Mein Zettel war blau und es stand darauf der Spruch : „Nicht Schwäche, Mut gehört dazu, seine Schwäche zu zeigen.“
Eine beliebte Aufmerksamkeit für andere Menschen sind kleine Geschenkbücher mit den verschiedensten Sinnsprüchen. Die Sprüche finden fast immer Zustimmung. Im Alltag wird es schwierig mit den Sinnsprüchen umzugehen. Es hat fast niemand den Mut, seine Schwächen zu zeigen, anderen gegenüber einzugestehen, dass die Anforderungen zu hoch sind, dass man überlastet ist und einem Vieles zu viel ist. Manchmal ist dieses Verhalten kurzsichtig. Es kommt aber auch auf das Gegenüber  an, ob einem Verständnis entgegengebracht wird oder ob nur darauf gewartet wurde, den Anderen zu demütigen, ihn herabzusetzen, ihm seine Arbeit wegzunehmen. Solche hohen Forderungen zu stellen, dass der Schwächere aufgibt, aufgeben muss.
 
Wasser ist härter als Stein. 
 
25.10.05 18:29 verlinken / kommentieren

 

KINDER . LÄRM 
Grosses mediales Echo hat die Ankündigung eines Hoteliers am Wolfgangsee ausgelöst, ab nächstem Jahr keine Urlauber mit Kindern unter zwölf Jahren zu beherbergen. Es gab für diese Aussage Befürworter und Kritiker und solche, welche aus dieser Aussage schnell mediales und wirtschaftliches Kapital schlagen wollen. Im Prinzip ist es einfach geklärt, so wie es Babyhotels oder Wellnässhotels oder Seniorenhotels gibt, hat dieser Hotelier sein Hotel, keine Kinder unter zwölf Jahren, positioniert. Umgekehrt gibt es viele familienfreundliche Hotels, welche Familien mit Kindern umwerben. Auch der Urlaub am Bauernhof gehört dazu. Ein Urlaub am Bauernhof ist für Kinder ein schöneres Erlebnis als ein Urlaub in einem fünf Sterne Hotel.
Persönlich empfinde ich es eine Bereicherung wenn in einem Hotel, Kinder und Jugendliche, junge und ältere Erwachsene bunt gemischt als Gäste anzutreffen sind. Gestört fühle ich mich, wenn der Verkehrslärm rund um das Hotel zu groß ist.
 
Kinderlärm statt Verkehrslärm.
23.10.05 22:24 verlinken / kommentieren

 

BAU . SAISON

 

Wenn der Verkehr der Sommersaison vorbei ist, kommt auf den Strassen die Bausaison. Dort, wo man aus Rücksicht auf den Urlauberverkehr mit der Sanierung der Strassen oder der Verlegung von Stromkabeln und Abflussrohren zugewartet hat, wird jetzt abgesperrt, umgeleitet und aufgegraben. Manchmal kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen den Baufirmen, wer bei den Grabungsarbeiten Vorrang hat. Hat die Verlegung des Abwasserkanal oder die Verlegung des Telefonkabel Vorrang. Ein Teil der Straßenfläche  muss für den Autoverkehr zur Verfügung stehen.
 
Wer zuerst gräbt, gewinnt.  

22.10.05 07:42 verlinken / kommentieren

 

HERBST .  SAISON

 
Um etwas zu bewerben oder zu verkaufen verwendet man oft das Wort „Saison“. Jetzt ist Herbstsaison. Es gibt eine Fülle von Ereignissen, welche jetzt Saison haben. Bekleidung und Schuhe haben immer Saison, das Angebot ist aber immer eine Jahreszeit voraus. Wenn man jetzt  Bekleidung für den Herbst einkaufen will, dann kann es sein, dass man in den Geschäften die Winterbekleidung vorfindet, die Herbstware ist schon ausverkauft. Oft hört man vom Verkäufer den Satz, „da hätten sie drei Monate früher kommen sollen“. Die Badesaison an den Seen ist zu Ende, dafür hat die Kursaison in den Thermalbädern begonnen. Rechtzeitig mit Saisonbeginn gibt es höhere Übernachtungspreise. Hier hat der Euro Saison, man hätte im Sommer kuren können, zu saisonal günstigeren Preisen.
 
Speisen hat immer Saison und jetzt gibt es  Wildgerichte mit Pilzen. Auf Grund des Regenwetter sind  die Pilze geschmacklos und bei den Wildgerichten kann es sein, dass das Wild nicht im Wald, sondern auf der Strasse erlegt worden ist. Der Wildwechsel hat im Herbst Saison.
 
Die Herbstsaison ist eröffnet.
 

20.10.05 17:50 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren
BUCH . VORSTELLUNG
 
 
Supersberger, Franz
An schean Tog
MundArt
(Books on Demand)  ISBN 3-8334-3251-9
108 Seiten – 12 × 19 cm
 
 
 
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3833432519/qid%3D1129450015/302-5598531-9707263

 
 

 

 

 
 
 
 
 
 
„Eine gewisse Schwermut durchzieht wie ein roter Faden die Gedichte von Franz Supersberger. Verwurzelt im Land Kärnten, schreibt er über Tradition, Alltag, Einsamkeit, Sein und Schein in seiner Umgebung. Die Gedichte enden bisweilen unerwartet lapidar.“ Eurojournal
 

16.10.05 10:10 verlinken / 1 Kommentar / kommentieren

 

MARKUS . PLATZ
 
Wem das Treiben auf dem Markusplatz in Venedig zuviel wird, der kann sich auf eine kleine Piazza, in ein ruhigeres Stadtviertel, San Polo, zurückziehen. Hier unterscheidet sich das Leben in keiner Weise vom Leben auf einer Piazza in einer italienischen Stadt auf dem Festland. Am wildesten treiben es die Kinder beim Ballspielen, Radfahren oder beim Skaten. In einer Ecke der Piazza versuchen ein paar Kinder bei einem Flohmarkt ihre gebrauchten Spielwaren weiter zu verkaufen. Auf den Bänken rund um die Bäume sitzen Frauen mit einer Strickerei oder einem Buch. Andere kommen mit den Einkaufstaschen aus dem Coop und genießen für zehn Minuten die Herbstsonne. Junge Mütter spazieren mit dem Kinderwagen und dem Hund rund um die Piazza. Unter einem Ahornbaum befindet sich der alte Ziehbrunnen. Vor der Trattoria sitzen ältere Herrn bei einem Glas Grappa.
 
Hier ist das Leben unverfälschter als am Markusplatz, wo die Touristen das Bild prägen und der Dogenpalast als statischer Zeuge Künstlichkeit verbreitet.
 
Das italienische Leben. 
 
12.10.05 12:44 verlinken / kommentieren

 

ICH. BLEIBE

Vielen BlogggernInnen wird es ähnlich gehen wie mir, dass ich bzw. sie von den Problemen bei 20six nichts bemerkt haben, bis ich bzw. sie ein Email von 20six erhalten haben, wo der Umstieg auf eine neue Software angekündigt wird. Ich möchte keinen „Stein“ auf die Betreiber von 20six werfen, weil von sogenannten „Hackern“ sind schon größere und sichere Systeme geknackt worden, wie z.B. das Pentagon oder Microsoft usw.
VORSICHTSMASSNAHME: Mein Weblog auf meinem PC abspeichern.
VORANKÜNDIGUNG: Im Frühjahr 2006 erscheint eine Auswahl von meinen BlogBeiträgen  als Buch:
ALLES SCHLAGLOCH  – TagGedanken   (ISBN 3833438371)
 
Ich bleibe.

10.12.05 16:57 verlinken / kommentieren

 

SCHMERZ . REICH

Der Tod eines Nachbarn im August war ein trauriges Ereignis. Im Sommer denkt man nicht an das Sterben, man erfreut sich an den die schönen, sonnigen Tagen. Von den meisten älteren Menschen wird der Winter als Belastung empfunden und sie sind froh, wenn der Frühling und der Sommer kommt. Ich halte die Sonne und die Hitze für eine Medizin. Aber keine Regel ohne Ausnahme und die Hitze kann auch zuviel werden.  
Beim Gebet für den Verstorbenen wurde der „schmerzreiche Rosenkranz“ gebetet. Der Vorbeter hat während der Gebete immer wieder den Vergleich zwischen dem Leiden Christi während der Kreuzigung und dem Leiden des Verstorbenen in den letzten Wochen hergestellt. Es sei jetzt eine Gnade Gottes, dass er von der Erde abberufen wurde. Mir hat der Verweis auf die Freude die dem Leben innewohnt gefehlt. Schmerzen erleben wir zu allen Zeiten unseres Leben. Manchmal ist der Wille und die Freude am Leben gerade während einer Krankheit am größten. Der Nachbar ist bis in das hohe Alter ein lebenslustiger Mensch, mit einer großen Portion Humor gewesen.
 
Hier wurde von der Kirche die Botschaft übermittelt, dass das Erdenleben eine Qual ist, der Tod eine Erlösung und jetzt kommt die schöne Zeit im Jenseits.
 
Leben im Diesseits oder Jenseits?
 
    

8.10.05 08:10 verlinken / kommentieren

INN . OVATION

 
Ein oft gebrauchtes Wort in unserem Berufs- und Alltagsleben ist das Wort Innovation. Vom heutigem Arbeitnehmer verlangt man, dass er innovativ ist. Es ist dies eine neue Selbstständigkeit, in der jeder aufgefordert ist, sich  Gedanken über seine Arbeit zu machen. Selbst über den Fortgang der Arbeit nachzudenken und nicht nur nach Anweisung oder Plan zu arbeiten. Dazu muss man kein schöpferischer Mensch sein, oftmals genügt es,  die Gedanken schweifen zu lassen. Von einem Verkäufer oder einer Verkäuferinn erwarte ich, dass sie mir eine Problemlösung anbietet und nicht nur ein Produkt verkauft. Auch bei der Verlegung eines Abwasserkanals ist es ein Vorteil, wenn sozusagen die vorderste Spitze, der Baggerfahrer innovativ ist und bei den Aushubarbeiten selbst Lösungen findet, wenn irgendwo unvorhergesehene Hindernisse auftauchen, ohne dass der Vorarbeiter gerufen werden muss. Oftmals ist es ja so, dass die Grabarbeiten an mehren Stellen in einem Ort oder Stadtteil stattfinden und zur Überwachung gibt es nur einen Vorarbeiter. Fast ein jeder hat sich schon gewünscht, dass ein Handwerker mehr Fantasie hätte. Gerade weil wir so ungeduldig beim Auto fahren sind, ärgern wir uns oft über Baustellen im Straßenverkehr, die manchmal schlecht geplant sind und auch vermeidbar wären.
Noch anspruchsvoller wird es, wenn es um die Entwicklung von neuen Produkten geht. Der Ruf nach intelligenten Produkten, die uns den Alltag erleichtern, vom intelligenten Dosenöffner bis zur mitdenkenden Waschmaschine erschallt täglich. Von den intelligenten Produkten im medizinischem Bereich und in der Kommunikation  hört man jeden Tag neue Erfolgsmeldungen.
 
Eine andere Art von Innovation beeindruckte  mich bei einem  Ausflug in der Nähe der Stadt Sopron  in Ungarn. Die Kreativität, wie man aus Sperrmüll neue Ge-brauchsgegenstände geschaffen hat. Diese Art von Kreativität ist in unseren westlichen Ländern verloren gegangen. Auf dem Gelände des Reiterhofes  „Vadon Lovas Club“  stand ein ehemaliger Wachturm, wobei auf der Plattform Heuballen gelagert wurden und das Skelett der Füße diente als Futtertrog für die Schweine. Auf einer Weide wurden Ziegen und Schafe gehalten.  Der Unterstand für die Ziegen und Schafe wurde aus alten Presspanplatten zusammengefügt. Als Stempel für den elektrischen Weidedraht  dienten alte Wasserleitungsrohre an denen ausgediente Akkumulatoren angeschweißt wurden. Als Tränke diente eine verrostete Badewanne.
 
Die Ziege in der Badewanne.
 

  

5.10.05 20:46 verlinken / kommentieren

 

LEBENS . ZEIT

 
Die monatlichen Kosten für den Durchschnittshaushalt, wie Wohnungsmiete, Lebensmittel, Heiz- und Autokosten werden immer höher. Es bleibt immer weniger Geld für Sonderwünsche zur Verfügung. Je weniger die Menschen konsumieren können, umso mehr werden sie mit Reklamezettel beworben. Der Postbote unterscheidet beim Austragen der Werbezettel nicht, ob er die Werbesendungen in einem Haushalt abgibt, der sich gerade die günstigen Lebensmittel vom Penny Markt und die Selbstbaumöbel von Möbellix  leisten kann, oder ob dies ein Haushalt ist, wo mehr Geld zur Verfügung steht, als nur für den täglichen Bedarf. Die Flugzettel der Bekleidungsdiskonter, wie Vögele, H&M und New Yorker aus der Stadt werden auch zum Textilhändler im Dorf getragen. Beim kleinen Händler wird die Kundschaft immer weniger, so hat er Zeit die Flugzettel durchzublättern und darüber nachzudenken, wie viele Jahre es noch bis zu seiner Pensionierung sind. Er erinnert  sich an den Busausflug wo die Frauen schon davon schwärmten, dass das größte Einkaufszentrum im Adria Alpenraum in wenigen Monaten seine Pforten am Stadtrand öffnen wird.
 
Die Lebenszeit verrinnt.    

1.10.05 07:50 verlinken / 4 Kommentare / kommentieren

 

UN . SERIÖS

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Der „mündige bzw. aufgeklärte Konsument“ ist ein viel gebrauchtes Schlagwort. Es passiert aber auch heute immer wieder, dass bei Verkaufspartys, die meistens in einer privaten Wohnung stattfinden, alle Arten von Waren zu überhöhten Preisen verkauft werden. So passiert es, dass bei einer Gesundheitsberatung von redegewandten Verkäufern, die Elektromatte mit Infrarotstrahlen gegen Verspannungen, an die eingeladenen Frauen zu einem Preis von € 1.200.– verkauft werden. Gleichzeitig wird als Schutz gegen den Elektrosmog der Infrarotmatte eine gesundheitsfördernde Bettwäsche verkauft, sodass dieses „Gesundheitspaket“ die staatliche Summe von € 1.700.-ausmacht.
Ich selbst habe einmal eine Verkaufsparty miterlebt und dabei wurde uns in einem Film vorgeführt, welche erschreckenden und ekelerregende Viecher die Hausstaubmilben sind. Die Suggestion der gezeigten Bilder und der Redeschwall der geschulten Verkäufer war so groß, dass einige Besucher Matratzen und Bettwäsche bei den Verkäufern bestellten. Später stellte sich heraus, dass die selben Matratzen und Bettwäsche in einem Möbelhaus um 30% günstiger erhältlich waren.
 
Null Bestellung, null Punkte.
 

21.9.05 11:52 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

SCHAU . PLATZfficeffice“ />
 
Ein Nebenschauplatz ist für mich die deutsche Bundestagswahl, Schröder gegen Merkel. In unserem medialen Zeitalter ist es so, dass es einerlei ist ob es Wahlen in der USA, in Afghanistan oder in Deutschland gibt. Auch die österreichischen Medien berichten darüber so, als wären es Nationalratswahlen in Österreich. Jeder Sender verspricht den Zuschauern die bessere Wahlberichterstattung. Welche Informationen bringen TV- Politikerduelle, außer ein paar schöne gefällige Sätze. Was bewegt die Menschen?, ich glaube der Ölpreis und die Wahlen sind Nebenschauplätze. Über diese Abwechslung im Alltagseinerlei ist man froh.
Die Aufmerksamkeit der Menschen zueinander, innerhalb der Partnerschaft, unter Freunden oder Nachbarn verändert den Tag viel mehr als Wahlprognosen und Wahlhochrechnungen. Es ist sinnvoller dem Partner zuzuhören als dem Nachrichtensprecher. Die Nachricht von einer Benzinpreissenkung von drei Cent kann die Sorge, dass der Arm nicht mehr voll funktionsfähig ist oder dass man schlecht sieht, nicht zum Schweigen bringen.
 
Vielleicht nächste Woche.   
18.9.05 19:02 verlinken / kommentieren

 

PASSIONS . SPIELE

 
Betritt man das Passionsspielhaus in Kirchschlag dann steht in der Mitte der Bühne ein Pfosten mit der Dornenkrone, der bei Beginn der Aufführung versenkt wird. Es erschallen die Posaunen und der Einzug Jesu in Jerusalem beginnt. Von allen Seiten strömen die Leute, darunter auch viele Kinder, auf die Bühne und mitten unter ihnen Jesu. Der Einzug wird von lauten Hosanna Rufen begleitet. Die bunten Kleider der Bevölkerung ergeben ein farbenfrohes Bild. Es herrscht eine freudige Stimmung auf der Bühne. Im Gespräch zwischen Jesu und den Pharisäern prallen die verschiedenen Meinungen aufeinander. Es werden Bibelstellen nachgespielt, wie Wunderheilungen oder die Stelle mit der Sünderin Maria Magdalena. Die Texte sind sehr Bibelgetreu. Spannend sind die Begegnungen zwischen Judas und dem Teufel, der sich nicht zu erkennen gibt. Die Inhalte dieser Gesprächen haben nichts an Aktualität verloren. In Judas findet sich der heutige Mensch wieder.
 
Die Szene des letzten Abendmahl ist einem Gemälde nachempfunden, sie ist so statisch wie ein Bild. Der minimale Handlungsablauf auf der Bühne erreicht zwar den Verstand der Zuschauer, sollte aber mehr die Herzen erreichen. Die Charakter wie Judas, Maria Magdalena oder die Hohen Priester sind dem menschlichem Alltag entnommen. Aber welchen Charakter gibt man Jesus, den eines Heiligen oder den eines Menschen ? Keine leichte Aufgabe.
 
Die Versuchung Jesu am Ölberg und die Todesangst gehören zu den schwierigen Szenen der Passionsspiele. Angst, die zu den schlimmsten Erfahrungen des Menschen gehört, lässt sich schwer darstellen. Über Angst spricht man im Alltag nicht.
 
Nach der Pause kommt Dramatik in die Passionsspiele. Es beginnt mit der Vorführung von Jesu vor Pontius Pilatus, das Auftreten der Soldaten und die Verwünschungen der aufgebrachten Volksmenge. Zu diesen packenden Szenen gehören auch die Geißelung und der Kreuzweg. Immer, wenn das Volk mit auf der Bühne ist, geht es emotional zu, mit vielen Zwischenrufen, Gemurmel und Unmutsäußerungen. Die Zwischenrufe aus dem Volk könnten ohne weiteres an manchen Stellen im Dialekt erfolgen, dies würde dem Passionsspiel mehr Volksnähe vermitteln. Die Kreuzigung, wo das Licht zurückgenommen wird, vermittelt körperlich spürbar die Verlassenheit des Menschen im Leid, in der Gestalt des Menschensohnes. Maria mit dem toten Jesu auf ihrem Schoß lässt die Frage aufkommen, warum gibt es immer Gewalt unter den Menschen. Jeder kann der Nächste sein, der Gewalt oder Leid erfahren muss.
 
Das strahlend gelbe Licht, welches aus dem leeren Grab den Besuchern entgegenstrahlte, hatte für mich Kultcharakter. Wenn es im Jenseits so strahlend hell sein wird, dann möchte ich auch einmal dort ankommen. Nach meinem Empfinden hätte mit dieser Szene das Passionsspiel ausklingen können. Ich kann nicht sagen, ob das gemeinsame Absingen von „Großer Gott“ wir loben dich durch die Schauspieler und die Zusehern den Glauben fördert.
 
Der Gesang und die Musik während der Aufführung ist so schön und ergreifend, dass ich mich darüber gewundert habe, dass dies während des Spieles live erfolgt.
 

17.9.05 15:09 verlinken / kommentieren

 

REIMICHL . KALENDER
 
Vier Monate bevor das neue Jahr 2006 anfängt liegt er da, der Reimichlkalender 2006, in der Tabak Trafik  zwischen dem unübersichtlichem Zeitungs- und Zeitschriftenangebot. Die Wände der kleinen Trafik sind vollgestopft  mit Zeitschriften aus allen Bereichen, den Garten- Wohn- Motorrad- und Computerzeitschriften. Dazwischen die Neue Post, die Freizeitrevue und die Bunte. Das Verkaufspult ist vollgeräumt mit Dosen für die Brieflose, überall stehen die Spender für die Lotto-Scheine „6 aus 45″ und ganz vorne ein Aufsteller mit den Scheinen für die Euro-Lotterie. Irgendwo ist noch Platz für eine Dose mit Einwegkugelschreiber und für den Ständer mit den Tempo-Taschentücher. Vor dem Wandregal mit den Zigaretten steht der Trafikant und beugt sich über die Sichtlade in der Feuerzeuge wahllos neben einander liegen. Es ist kaum möglich sich umzudrehen, ohne nicht am Billettständer anzustoßen. Auf der Fensterbank zwischen den Fußball- und Pferdestickers liegt der Reimichlkalender. Sein Aussehen hat sich in den letzten dreißig Jahren nicht verändert.
Soll ich den Reimichlkalender schon jetzt im September kaufen, ihn mit Geschenkpapier verpacken und ihn zu Weihnachten auspacken? In meinen Jugendjahren fehlte der Reimichlkalender unter keinem Christbaum. Alle in der Familie freuten sich schon auf die schönen Geschichten und interessanten Berichte und Bildern aus der ganzen Welt. Die große Geschichte von Reimichl wurde während den Weihnachtsfeiertagen vom Vater laut vorgelesen und die ganze Familie hörte zu. Die Lektüre des Reimichlkalender reichte den Eltern für die ganzen Wintermonate. Der Reimichlkalender war damals nur in einer Buchhandlung erhältlich und dies war einer der wenigen Anlässe eine Buchhandlung aufzusuchen. Jetzt liegt der Reimichlkalender zwischen Zigaretten, Brieflosen und Klatschzeitungen auf der Fensterbank einer Tabaktrafik und wird den Geruch nach Tabak nie mehr los.
 
Im Zigarettenrauch.
6.9.05 21:34 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

UN . GEDULD
In den meisten Kuranstalten ist es heute nicht mehr notwendig die Stiege zu benützen. Die einzelnen Stockwerke sind mit der Therapieabteilung, welche meistens unter Erdniveau liegt, mit einem Lift verbunden. So bleibt den älteren Kurgästen das zeitraubende und mühsame Stiegensteigen erspart. Wenn man jetzt annehmen kann, dass die Kurgäste das Liftfahren genießen, der kann etwas anderes erleben. Die Liftbenützer haben nicht die Geduld zu warten, bis sich die Lifttüren automatisch schließen. Es wird ungeduldig der Knopf „Sofortschließen“ gedrückt und wird dies von jemandem vergessen, so drückt ein Mitfahrer. Die gleiche Ungeduld herrscht beim Rufen des Liftes, einmal drücken ist den Meisten zu wenig.
 Die Ungeduld des Alters.
2.9.05 07:48 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren

 

VERZERRTE . GESICHT

 Um ein verzerrtes Gesicht zu erreichen machen die Menschen verschiedene Anstrengungen. Sie lassen dafür viele verschiedene Gesichtsmuskeln spielen, ein gutes Training für eine glatte Gesichtshaut. Wer die Nackenmuskeln überdehnt oder die Kiefermuskeln verspannt, bekommt Gesichtsschmerzen. Der Maler Piere Moda hat seinen Kopf weit zurückgelehnt, wurde dabei fotografiert und hat dann die Konturen mit  einem Filzstift nachgezeichnet. So entstand eine Serie von Selbstbildnissen.
Die Furcht vor dem eigenen Gesicht befällt einem am Morgen im Bad. Wer noch nicht ausgeschlafen ist wird durch den Blick in das eigene Gesicht wach. Jetzt gibt es nur einen Ausweg, in die Dunkelheit der Nacht zurückzukehren.
 
Flucht vor dem eigenem Gesicht.    
                         

26.8.05 07:43 verlinken / kommentieren

 

SIMULIERTE . MENSCH 
Im Computerzeitalter ist es möglich durch Simulation am PC auf viele praktische Experimente zu verzichten. Es genügt, dass die Daten in den Computer eingegeben werden und das Programm gestartet wird.  Die verschiedensten Situationen können am Computer simuliert werden. Dies kommt in der Entwicklung von Flugzeugen, Motoren, aber auch bei chemischen Experimenten zum Einsatz. Es ist daher nicht überraschend, dass die Kinderärzte für jedes Baby ein Computermodell anlegen. Dies macht es möglich, nach einem Zeitraum von drei Jahren vorauszusagen, wie groß das Kind einmal als Erwachsener sein wird. Nach mehreren Jahren  gibt es dann bereits Voraussagen an welchen Krankheiten dieser Mensch einmal leiden wird und auch das voraussichtliche Alter kann das Computerprogramm errechnen. Bald wird es genügen das Leben als Computermodell zu starten
Der simulierte Mensch.   
23.8.05 22:06 verlinken / 1 Kommentar / kommentieren

 

FALSCHE . GEDANKEN

 Wer jetzt das Krastal bei Villach besucht, kann die Skulpturen der diesjährigen Teilnehmer des Bildhauersymposium besichtigen. Besonders vielsagend ist der Titel der Skulptur der Südtirolerin Erika Inger, „Falsche Gedanken“. Bei dieser Arbeit stehen schwere Marmorblöcke auf dünnen Stahlstäben. Falsche Gedanken erheben sich mit Leichtigkeit und schleichen umher, um dann mit der ganzen Schwerkraft des Marmor jemanden zu erdrücken. Bei der Arbeit von Michael Kos „Wiedergutmachung“  werden die Sprünge der Marmorblöcke mit Stahldrähten vernäht. Hier wird ,wie in einem Krankenhaus, versucht, die Verletzungen welche wir der Natur zugefügt haben mit einer Wundnaht Wiedergutzumachen.
Morgen ist auch noch ein Tag.

19.8.05 11:24 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

HOCH . WASSER

 In diesem Herbst  kam es in weiten Teilen von Österreich zu sintflutartigen Regenfälle. Am schlimmsten waren die Vermurrungen und Verwüstungen in Vorarlberg. Jetzt, drei Monate danach, ist die Eisenbahn über den Arlberg noch immer unterbrochen. An der Wiederherstellung wird gearbeitet. Auch entlang einiger Flüsse gab es Überschwemmungen. Vorbei sind die Zeiten wo es neben dem Flussbett Überschwemmungsgebiete gab. In diesen Bereich war es völlig normal, dass die Flüsse von Zeit zu Zeit über die Ufer traten, ohne dabei Schaden anzurichten. Welche wertvolle Aufgabe Moorgebiete als  Regulator bei sintflutartigen Regenfällen haben, kann man beim Moor in der Nähe von Moeselstein beobachten. Vier  Wochen nach den letzten großen Regenfällen steht das Wasser im Schilf noch immer sehr hoch. Der durch das Moor führende Steg ist wieder begehbar. Wäre dieses Wasser direkt in die Gail geflossen, hätte es mehr Hochwasserschäden gegeben. Jahrzehntelang wurden Überschwemmungsgebiete und Moorgebiete trockengelegt, jetzt muss man nach jedem Hochwasser die Kellerräume trockenlegen.
 
Wir sitzen im Trockenen.

12.11.05 16:13 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

FRÜH . PENSION

Seit der Pensionsreform müssen wir alle länger arbeiten, um dann weniger Pension zu erhalten. Sogenannte Frühpensionisten werden jetzt argwöhnisch beobachtet. Vor allem dann, wenn sie gerade fünfzig Jahre alt sind oder auch darunter, unterstellt man ihnen gerne Arbeitsunwilligkeit. Manchmal ist es nicht ausgeschlossen, dass sich welche krank stellen. Unter den Frühpensionisten  befinden sich auch kleine Gewerbe- und Handelstreibende, die in ihrer Selbstständigkeit gescheitert sind. Sie sind nicht nur geschäftlich gescheitert, sondern auch körperlich, weil das Eine das Andere bewirkt . Für die kleinen Selbstständigen gibt es keinen Arbeitsinspektor oder Gesundheitstrainer. Die einzige Vorgabe ist, arbeiten um zu leben, auch wenn dabei die Gesundheit zu kurz kommt.
Oftmals trifft es zu, dass Kleinunternehmer bei Aufträgen für große Konzerne  oder als Subunternehmer den Geschäftsmethoden der Grossen unterlegen sind und finanziell und körperlich scheitern. Manche möchten noch gerne arbeiten, sie können es aber nicht mehr. Sie kommen dann in die Frühpension.
 
Von der Frühpension in die Depression.

12.8.05 07:48 verlinken / kommentieren

 

FEUER . STURM

 
Wer schon einmal von einem chinesischen Arzt oder Ärztin untersucht und behandelt wurde weis, dass die chinesische Medizin besonders auf den Fluss der Energien im Körper achtet und bei einer Blockade dieser Energieflüsse von Krankheit spricht. Auch mit den vier Elementen, Feuer, Wasser, Luft und Erde werden Krankheitsbilder beschrieben. Bei einer Untersuchung nach chinesischer Heilmethode fand die Ärztin, dass ich zuviel Feuer in mir habe. Diese Hitze verursache die Beschwerden. Mit Hilfe von Akupunktur könnte man die Hitze aus dem Körper ausleiten. Die Akupunkturnadeln wurden an folgenden Stellen angebracht: In der Kopfhaut, der Stirn, den Ohren, in der Bauchdecke,  im Unterarm und den Ober- und Unterschenkeln. Wenn ich die Muskeln anspannte schmerzten die Nadeln, es war wie im Fegefeuer. Nach zehn Behandlungen war das Feuer in mir noch nicht erloschen. Noch heute kämpfe ich mit dem Feuersturm in meinem Körper.
 
Der Feuersturm in mir.
 
  

10.8.05 17:07 verlinken / 4 Kommentare / kommentieren

 

STROM . FALLE

Was die Elektrizität, kurz gesagt der Strom, für eine Bedeutung im täglichen Leben hat merken wir immer dann, wenn er ausfällt und sei es nur für eine Stunde. In Möselstein ist am Samstagvormittag der Strom für eine Stunde unterbrochen gewesen und plötzlich war es in den Einkaufszentren dunkel. Dunkel im wörtlichem Sinne und auch im übertragenen Sinn, nichts war mehr möglich. In der Obst- und Fleischabteilung fielen die Waagen und Schneidmaschinen aus, die Türen konnten nicht mehr geschlossen werden und im Kassenbereich war für alle Kunden Stillstand und Endstation. Manche ließen die halbvollen Einkaufswagen stehen und verließen den Supermarkt. In einem Wohnblock war eine Frau in einem Lift eingeschlossen und musste händisch hochgekurbelt werden. Viele saßen plötzlich im WC in der Finsternis und der Schweinsbraten stand halb gebraten am Herd.
Der Stromausfall wurde zu einem öffentlichen Thema. Die Leute versammelten sich auf der Strasse und diskutierten über die Abhängigkeit vom Strom. Eine  geregelte Arbeit war ohne Strom  nicht möglich.
Der Mensch trägt sein Kraftwerk in sich, er versorgt sich selbst mit Energie. Zunehmend werden aus medizinischen und wissenschaftlichen Gründen in den Menschen Implantate eingesetzt die mit externer Energie versorgt werden müssen.
 
Wir sitzen in der Stromfalle.

7.8.05 09:34 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren

 

DIE . ANGST

 
Im Warmbad Villach bewegte sich eine Frau im Ozonbecken, mit beiden Händen an den Laufstangen festhaltend, von einer Massagedüse zur Nächsten. Die Wassertiefe beträgt 1.40 Meter. Sie konnte nicht schwimmen und hatte Angst im Wasser frei zu gehen. Jeder Schritt im Wasser ist ein Schritt gegen die Angst und viele kleine Schritte führen weg von der Angst. Der erste Schritt in die Angst ist auch der erste Schritt aus der Angst.
 
Die begehbare Angst.

4.8.05 21:35 verlinken / kommentieren

 

LEBEN . HEISST. HANDELN
 
Mit dem Motto, Leben heißt handeln, versuchen Greenpeace Aktivisten am Villacher Hauptplatz die Menschen über die Arbeit von Greenpeace zu informieren und neue Mitglieder zu werben. Das nach einigen Regentagen heute ein Tag mit viel Sonnenschein ist sieht man daran, dass einige Studentinnen auf den Schultern einen Sonnenbrand haben. Um 18 Uhr ist für die erste Partie der Werber Schluss, jetzt kommt die zweite Partie. Sie stellen sich den Leuten, welche von der Arbeit nach Hause eilen oder noch schnell einen Einkauf erledigen wollen in den Weg. Man sieht die unterschiedlichsten Menschen mit den verschiedensten Kleidern, aber fast niemanden ohne Handy. Das Handy ist heute ein Teil der Bekleidung. Ein Unterstandloser, welcher sich mit einer sechser Packung Bierdosen auf einer Bank gemütlich gemacht hat, kommt ohne Handy aus. Am Infostand von Greenpeace steht auf einem Plakat unter dem Zitat der Name Albert Camus. Als ich die Infodame frage, ob sie weis wer Albert Camus war, ist sie völlig unwissend. Sie kennt Camus nicht, noch hat sie ein Buch vom Literaturnobelpreisträger gelesen. Sie verspricht, wenn sie wieder zu Hause ist, dies nachzuholen. Ich empfehle ihr die Bücher „Der Fremde“ und „Die Pest“.
 
Handeln heißt auch, andere für ein Buch zu begeistern.    
2.8.05 19:20 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

BÄREN .  BRÜCKE II 

Ein Jahr nach der Eröffnung der Bärenbrücke über die Südautobahn ist bei den Naturfreunden der Bär los. Erstmals wurden auf der Bärenbrücke die Fußabdrücke von einem Braunbären entdeckt.

Wann kommt der nächste Bär.
 

VERZERRTE . GESICHT

 Um ein verzerrtes Gesicht zu erreichen machen die Menschen verschiedene Anstrengungen. Sie lassen dafür viele verschiedene Gesichtsmuskeln spielen, ein gutes Training für eine glatte Gesichtshaut. Wer die Nackenmuskeln überdehnt oder die Kiefermuskeln verspannt, bekommt Gesichtsschmerzen. Der Maler Piere Moda hat seinen Kopf weit zurückgelehnt, wurde dabei fotografiert und hat dann die Konturen mit  einem Filzstift nachgezeichnet. So entstand eine Serie von Selbstbildnissen.
Die Furcht vor dem eigenen Gesicht befällt einem am Morgen im Bad. Wer noch nicht ausgeschlafen ist wird durch den Blick in das eigene Gesicht wach. Jetzt gibt es nur einen Ausweg, in die Dunkelheit der Nacht zurückzukehren.
 
Flucht vor dem eigenem Gesicht.    
                         

26.8.05 07:43 verlinken / kommentieren

 

SIMULIERTE . MENSCH 
Im Computerzeitalter ist es möglich durch Simulation am PC auf viele praktische Experimente zu verzichten. Es genügt, dass die Daten in den Computer eingegeben werden und das Programm gestartet wird.  Die verschiedensten Situationen können am Computer simuliert werden. Dies kommt in der Entwicklung von Flugzeugen, Motoren, aber auch bei chemischen Experimenten zum Einsatz. Es ist daher nicht überraschend, dass die Kinderärzte für jedes Baby ein Computermodell anlegen. Dies macht es möglich, nach einem Zeitraum von drei Jahren vorauszusagen, wie groß das Kind einmal als Erwachsener sein wird. Nach mehreren Jahren  gibt es dann bereits Voraussagen an welchen Krankheiten dieser Mensch einmal leiden wird und auch das voraussichtliche Alter kann das Computerprogramm errechnen. Bald wird es genügen das Leben als Computermodell zu starten
Der simulierte Mensch.   
23.8.05 22:06 verlinken / 1 Kommentar / kommentieren

 

FALSCHE . GEDANKEN

 Wer jetzt das Krastal bei Villach besucht, kann die Skulpturen der diesjährigen Teilnehmer des Bildhauersymposium besichtigen. Besonders vielsagend ist der Titel der Skulptur der Südtirolerin Erika Inger, „Falsche Gedanken“. Bei dieser Arbeit stehen schwere Marmorblöcke auf dünnen Stahlstäben. Falsche Gedanken erheben sich mit Leichtigkeit und schleichen umher, um dann mit der ganzen Schwerkraft des Marmor jemanden zu erdrücken. Bei der Arbeit von Michael Kos „Wiedergutmachung“  werden die Sprünge der Marmorblöcke mit Stahldrähten vernäht. Hier wird ,wie in einem Krankenhaus, versucht, die Verletzungen welche wir der Natur zugefügt haben mit einer Wundnaht Wiedergutzumachen.
Morgen ist auch noch ein Tag.

19.8.05 11:24 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

HOCH . WASSER

 In diesem Herbst  kam es in weiten Teilen von Österreich zu sintflutartigen Regenfälle. Am schlimmsten waren die Vermurrungen und Verwüstungen in Vorarlberg. Jetzt, drei Monate danach, ist die Eisenbahn über den Arlberg noch immer unterbrochen. An der Wiederherstellung wird gearbeitet. Auch entlang einiger Flüsse gab es Überschwemmungen. Vorbei sind die Zeiten wo es neben dem Flussbett Überschwemmungsgebiete gab. In diesen Bereich war es völlig normal, dass die Flüsse von Zeit zu Zeit über die Ufer traten, ohne dabei Schaden anzurichten. Welche wertvolle Aufgabe Moorgebiete als  Regulator bei sintflutartigen Regenfällen haben, kann man beim Moor in der Nähe von Moeselstein beobachten. Vier  Wochen nach den letzten großen Regenfällen steht das Wasser im Schilf noch immer sehr hoch. Der durch das Moor führende Steg ist wieder begehbar. Wäre dieses Wasser direkt in die Gail geflossen, hätte es mehr Hochwasserschäden gegeben. Jahrzehntelang wurden Überschwemmungsgebiete und Moorgebiete trockengelegt, jetzt muss man nach jedem Hochwasser die Kellerräume trockenlegen.
 
Wir sitzen im Trockenen.

12.11.05 16:13 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

FRÜH . PENSION

Seit der Pensionsreform müssen wir alle länger arbeiten, um dann weniger Pension zu erhalten. Sogenannte Frühpensionisten werden jetzt argwöhnisch beobachtet. Vor allem dann, wenn sie gerade fünfzig Jahre alt sind oder auch darunter, unterstellt man ihnen gerne Arbeitsunwilligkeit. Manchmal ist es nicht ausgeschlossen, dass sich welche krank stellen. Unter den Frühpensionisten  befinden sich auch kleine Gewerbe- und Handelstreibende, die in ihrer Selbstständigkeit gescheitert sind. Sie sind nicht nur geschäftlich gescheitert, sondern auch körperlich, weil das Eine das Andere bewirkt . Für die kleinen Selbstständigen gibt es keinen Arbeitsinspektor oder Gesundheitstrainer. Die einzige Vorgabe ist, arbeiten um zu leben, auch wenn dabei die Gesundheit zu kurz kommt.
Oftmals trifft es zu, dass Kleinunternehmer bei Aufträgen für große Konzerne  oder als Subunternehmer den Geschäftsmethoden der Grossen unterlegen sind und finanziell und körperlich scheitern. Manche möchten noch gerne arbeiten, sie können es aber nicht mehr. Sie kommen dann in die Frühpension.
 
Von der Frühpension in die Depression.

12.8.05 07:48 verlinken / kommentieren

 

FEUER . STURM

 
Wer schon einmal von einem chinesischen Arzt oder Ärztin untersucht und behandelt wurde weis, dass die chinesische Medizin besonders auf den Fluss der Energien im Körper achtet und bei einer Blockade dieser Energieflüsse von Krankheit spricht. Auch mit den vier Elementen, Feuer, Wasser, Luft und Erde werden Krankheitsbilder beschrieben. Bei einer Untersuchung nach chinesischer Heilmethode fand die Ärztin, dass ich zuviel Feuer in mir habe. Diese Hitze verursache die Beschwerden. Mit Hilfe von Akupunktur könnte man die Hitze aus dem Körper ausleiten. Die Akupunkturnadeln wurden an folgenden Stellen angebracht: In der Kopfhaut, der Stirn, den Ohren, in der Bauchdecke,  im Unterarm und den Ober- und Unterschenkeln. Wenn ich die Muskeln anspannte schmerzten die Nadeln, es war wie im Fegefeuer. Nach zehn Behandlungen war das Feuer in mir noch nicht erloschen. Noch heute kämpfe ich mit dem Feuersturm in meinem Körper.
 
Der Feuersturm in mir.
 
  

10.8.05 17:07 verlinken / 4 Kommentare / kommentieren

 

STROM . FALLE

Was die Elektrizität, kurz gesagt der Strom, für eine Bedeutung im täglichen Leben hat merken wir immer dann, wenn er ausfällt und sei es nur für eine Stunde. In Möselstein ist am Samstagvormittag der Strom für eine Stunde unterbrochen gewesen und plötzlich war es in den Einkaufszentren dunkel. Dunkel im wörtlichem Sinne und auch im übertragenen Sinn, nichts war mehr möglich. In der Obst- und Fleischabteilung fielen die Waagen und Schneidmaschinen aus, die Türen konnten nicht mehr geschlossen werden und im Kassenbereich war für alle Kunden Stillstand und Endstation. Manche ließen die halbvollen Einkaufswagen stehen und verließen den Supermarkt. In einem Wohnblock war eine Frau in einem Lift eingeschlossen und musste händisch hochgekurbelt werden. Viele saßen plötzlich im WC in der Finsternis und der Schweinsbraten stand halb gebraten am Herd.
Der Stromausfall wurde zu einem öffentlichen Thema. Die Leute versammelten sich auf der Strasse und diskutierten über die Abhängigkeit vom Strom. Eine  geregelte Arbeit war ohne Strom  nicht möglich.
Der Mensch trägt sein Kraftwerk in sich, er versorgt sich selbst mit Energie. Zunehmend werden aus medizinischen und wissenschaftlichen Gründen in den Menschen Implantate eingesetzt die mit externer Energie versorgt werden müssen.
 
Wir sitzen in der Stromfalle.

7.8.05 09:34 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren

 

DIE . ANGST

 
Im Warmbad Villach bewegte sich eine Frau im Ozonbecken, mit beiden Händen an den Laufstangen festhaltend, von einer Massagedüse zur Nächsten. Die Wassertiefe beträgt 1.40 Meter. Sie konnte nicht schwimmen und hatte Angst im Wasser frei zu gehen. Jeder Schritt im Wasser ist ein Schritt gegen die Angst und viele kleine Schritte führen weg von der Angst. Der erste Schritt in die Angst ist auch der erste Schritt aus der Angst.
 
Die begehbare Angst.

4.8.05 21:35 verlinken / kommentieren

 

LEBEN . HEISST. HANDELN
 
Mit dem Motto, Leben heißt handeln, versuchen Greenpeace Aktivisten am Villacher Hauptplatz die Menschen über die Arbeit von Greenpeace zu informieren und neue Mitglieder zu werben. Das nach einigen Regentagen heute ein Tag mit viel Sonnenschein ist sieht man daran, dass einige Studentinnen auf den Schultern einen Sonnenbrand haben. Um 18 Uhr ist für die erste Partie der Werber Schluss, jetzt kommt die zweite Partie. Sie stellen sich den Leuten, welche von der Arbeit nach Hause eilen oder noch schnell einen Einkauf erledigen wollen in den Weg. Man sieht die unterschiedlichsten Menschen mit den verschiedensten Kleidern, aber fast niemanden ohne Handy. Das Handy ist heute ein Teil der Bekleidung. Ein Unterstandloser, welcher sich mit einer sechser Packung Bierdosen auf einer Bank gemütlich gemacht hat, kommt ohne Handy aus. Am Infostand von Greenpeace steht auf einem Plakat unter dem Zitat der Name Albert Camus. Als ich die Infodame frage, ob sie weis wer Albert Camus war, ist sie völlig unwissend. Sie kennt Camus nicht, noch hat sie ein Buch vom Literaturnobelpreisträger gelesen. Sie verspricht, wenn sie wieder zu Hause ist, dies nachzuholen. Ich empfehle ihr die Bücher „Der Fremde“ und „Die Pest“.
 
Handeln heißt auch, andere für ein Buch zu begeistern.    
2.8.05 19:20 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

BÄREN .  BRÜCKE II 

Ein Jahr nach der Eröffnung der Bärenbrücke über die Südautobahn ist bei den Naturfreunden der Bär los. Erstmals wurden auf der Bärenbrücke die Fußabdrücke von einem Braunbären entdeckt.

Wann kommt der nächste Bär.
 

ZER . STÖRT

 
Den größten Teil unseres  Leben befinden wir uns auf der Suche nach einem Lebenssinn. Worin liegt der Sinn unseres Leben? Jeder muss seinen Lebenssinn  bei sich, besser in sich suchen und nicht bei anderen Personen. Wenn einem der/die PartnerInn verlässt, verliert dann das Leben seinen Sinn?  Eine Trennung kann sehr schmerzen, aber es muss nicht bedeuten, dass das Leben zerstört ist. Eine Partnerschaft besteht, bei aller Zuneigung, aus zwei Teilen. Aus einem gemeinsamen Teil und einem ganz persönlichem Teil. Jeder sollte etwas für sich schaffen von dem er sagen kann, dies ist ein Großteil meines Lebens, meiner Persönlichkeit, die mir durch keine äußeren Einflüsse weggenommen werden kann. 
Wurde diese Vorsorge nicht getroffen, so ist dies eine persönliche Schuld. Einen Halt im Leben findet man in der Vergangenheit. Erlebnisse und Gefühle die man erlebt hat, kann einem niemand mehr wegnehmen. An diesen Erlebnissen kann man sich wieder aufrichten. Eine andere Möglichkeit für den Erhalt des Lebenssinn ist die Hoffnung auf die Zukunft. Der Gegenwart soll man keine große Bedeutung bei- messen. Wer es versäumt hat seinem Leben einen Sinn zu geben, kann dafür nicht jemand anderem die Schuld geben.
 
Das nächste Leben.  
 
 
 

14.7.05 12:03 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren

 

TERROR . RAND
In den letzten Tagen ist eine Fülle von Berichten über die Sprengstoffanschläge auf die U-Bahn in London über die Bildschirme geflimmert und in den Tageszeitungen veröffentlicht worden. Im Internet gibt es live Bilder vom Tathergang und persönliche Schilderungen. Überall wird über die Urheber und die Folgen der Terroranschläge diskutiert.
Auch bei einem so spektakulärem Ereignis, wie den Terroranschlägen in London, können die Wahrnehmungen ganz verschieden sein. Die persönliche Wahrnehmung eines so furchtbaren Ereignisses bestimmt die persönliche Befindlichkeit und Situation. Ein bekanntes Ehepaar ist am Wochenende von einem London Aufenthalt nach Österreich zurückgekehrt. Ihre Aufmerksamkeit richtet sich auf die Mutter, die nach einem Schlaganfall in das Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Terroranschläge waren für sie ein Randereignis.
Am Rande des Terrors.    
11.7.05 17:37 verlinken / 2 Kommentare / kommentieren

 

DIE . ALTEN

 
Zu oft reden wir „Alten“ die Welt schlecht und stellen die Zukunft hoffnungslos dar. Wir wollen, dass alles beim Alten bleibt, dann bleibt uns alles bekannt und auch unsere Vorteile bleiben beim Alten. Wir haben vergessen, dass wir 1968 aufgebrochen sind alles zu verändern, besonders alles was Alt war. Jetzt müssen wir den Jungen freie Hand lassen. Bleiben wir beim Alten, aber lassen wir Platz für das Neue. Die Jugend von heute wird schneller alt sein, als sie es heute glaubt.
 
Alles beim Alten.

10.7.05 21:06 verlinken / kommentieren

 

SCHI . LEHRER
 
Erstaunt zeigte sich die Rezeptzionistin eines Hotels in der Therme Loipersdorf als sie gefragt wurde, ob es möglich sei eine Schiausrüstung und einen Schilehrer  zu buchen. Über Nacht hatte es in der Thermenregion geschneit. Die Frau versuchte zu erklären, das diese Region  kein Schigebiet ist, die Umgebung bestehe nur aus Hügeln und es gibt keine Skilifte. Die Skigebiete liegen im Norden der Stermark. In der Thermenregion gäbe es kaum Schnee und er würde auch nicht für längere Zeit liegen bleiben. Für die nächsten Tage wäre es möglich einen Schwimmlehrer zu buchen.
 
Schwimmlehrer statt Schilehrer.
9.12.05 07:58 verlinken / kommentieren

 

BIO . GEDANKE

 
Manchmal wird vergessen wer für was zuständig ist. Dies zeigt ein Beipackzettel, der einer Vorratspackung Fleisch von einem Bio Bauern beigepackt war. Darauf war folgendes zu lesen: Mit diesem Vorratspaket haben sie Qualität vom Biobauer gekauft. Diesem Satz kann ich zustimmen. Dann wird mir ein schöner und erholsamer Sommer gewünscht, sowie viel Glück und Gesundheit. Sehr erfreulich.  Weiter steht geschrieben, wir möchten Ihnen diesmal ein paar Gedanken mit auf den Weg geben:
 
Suchen wir unser Licht
In unseren Gefühlen!
In ihnen liegt eine Wärme,
die viel Klarheit in sich schließt.  J. J.
 
Vielleicht sollten Biobauern einfach gesunde Produkte erzeugen und verkaufen, die Gedanken hole ich mir anders wo.
 
Der biologische Gedanke.

7.7.05 09:42 verlinken / 7 Kommentare / kommentieren

 

ANGESAUGTE . KUH

 
Wer das Bild „Angesaugte Kuh“ von Maria Lassnig betrachtet wird in dem unförmigen Körper, mit einem dicken Filzstift gezeichnet, eine Kuh erkennen können.
Das Bild entstand im Jahre 1988. Ratlos werden manche die metallenen Ausstülpungen betrachten welche den Kühen aufgesetzt sind. Nur wer selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, wird darin den Stutzen einer Melkmaschine erkennen. Die Kuh ist reduziert auf das Abbild eines Euter mit zwei Stutzen einer Melkmaschine.
Maria Lassnig wurde 1919 in Kappel am Krappfeld im Kärntner Unterland, einer von der Landwirtschaft geprägten Landschaft, geboren. In ihrer Jugendzeit sind die Kühe noch mit der Hand gemolken worden. Während meiner Kindheit wurden die Kühe bei uns am Bauernhof von Hand gemolken. Ich saß als Kind während des Melken auf einem Melkschemel neben dem Vater und horchte seinen Geschichten zu. Als Schüler erzählte ich dem Vater was wir in der Schule gelernt haben. Nach der Installation einer elektrischen Melkanlage hörte man im Kuhstall nur mehr die Geräusche der stampfenden und saugenden Melkmaschine. Mit den Gesprächen während des Melken war es vorbei.
 
Der Melkautomat. 

12.8.05 21:16 verlinken / 3 Kommentare / kommentieren