NOT:arzt

Beim Abendessen sitzt am Nebentisch eine schlanke Frau mit heller Gesichtsfarbe, langen Haaren und drei Kindern, das Jüngste an ihrer linken Seite. Sie essen gerade die Nachspeise. Ein Gedeck steht unberührt am Tisch, für ihren Mann? Ihr Blick ist gesenkt, sie spricht zu den Kindern mit gedämpfter Stimme. Die Kinder stellen keine Fragen.
Am nächsten Morgen sind die Kinder beim Frühstücksbuffet, die Frau wendet den Blick zur Seite. Man lobt wie brav und artig die Kinder sind. Die Frau gibt ihre Hände vor das Gesicht und bricht in Tränen aus. Ihre Kinder befinden sich noch im Schockzustand, der Mann sei gestern im Funpark mit den Skiern vor den Augen der Kinder gestürzt. Beim  Springen über die Schanze sei er aus den Skiern gekippt und so unglücklich auf der Piste aufgeprallt, dass er auf der rechten Seite Serienrippenbrüche habe und das Schultergelenk verletzt ist. Das Schlimme sei, dass die Lungenfunktion beeinträchtigt ist. Nach dem Sturz sei er bewusstlos am Boden gelegen und die jüngste Tochter habe gefragt, ob der Papa jetzt tot ist? Mit dem Rettungshubschrauber ist er in das nächstgelegene Krankenhaus gebracht worden. Er liegt auf der Intensivstation, sein Zustand sei über Nacht stabil gewesen, eine Operation ist zurzeit wegen der schwachen Lungenfunktion nicht möglich. Sie weint noch mehr. Vor den Kindern bleibt sie tapfer, ein Besuch mit den Kindern im Krankenhaus sei wegen des schlechten Gesundheitszustands nicht möglich.   
 
Bei unserer Anreise haben wir der Notarzthubschrauber aus dem Tal fliegen gesehen. Das Hubschrauberdröhnen in den Bergen gilt im Winter den gestürzten Skifahrern und im Sommer den abgestürzten Bergsteigern.
 
Kein schöner Tag.       

BE:sucher

Das Judendorfer Feld war Weideland für die Hirten mit ihren Schafherden. Jetzt ist es eine wohlgeordnete  Fläche mit  Wohnhäusern und Wohnblocks, Strassen und Gehwegen, Gasthäusern und Supermarkt,  Volks- und Hauptschule, Kirche und Kultursaal. Die Beweglichkeit der Hirten ist heute das mobile Leben der Stadtbewohner, als Benützer des Kreisverkehrs.

Läutet es an der Wohnungstür und die Besucher haben sich nicht über die Sprechanlage am Hauseingang angemeldet, kann es verstören. Man weis nicht, was einem erwartet, wenn man die Tür öffnet. Es könnte eine Schlammlawine in die Wohnung hereinbrechen, das Leben verändern, die Stabilität des Lebens gefährden. Wer zur Unruhe aufruft, ruft zur Vernachlässigung von Riten und Ritualen auf. Viele Lebensablaufe sind ohne Rituale nicht vorstellbar. Wir führen ein aufgeräumtes Leben und haben eine aufgeräumte Wohnung, es könnte sein, dass ein Termin abgesagt wird.

Besuch von wem.  

BE:kannt

Zu den Herausforderungen für den Menschen zählt das Kennen lernen von anderen Menschen. Es hält den Geist flexibel und geschmeidig. Andere Menschen kennen lernen kann man in verschiedenen Situationen. Viele Möglichkeiten gibt es im Dienstleistungsbereich, also geschäftlicher Natur. Auch hier gibt es verschiedene Intensität beim Kennen lernen. Bei bestimmten Berufen, gehört dies zum Arbeitsalltag, ein oberflächliches kennen lernen für einen Servier- oder Kassiervorgang. Intensiver wird das Bekanntschaftsverhältnis, bei einer schulischen oder beruflichen Ausbildung. In einem Betrieb bei der Zusammenarbeit mit KollegInnen, mit Auftragebern oder Lieferanten.
 
Die angenehme Art andere Menschen kennen zu lernen besteht bei einem Sportverein, einer Dorfgemeinschaft. Hier ist das Verbindende das gemeinsame Hobby. Auch bei einer Kulturreise oder Studienwoche kann man sich für eine kurze Zeit mit anderen Menschen einlassen. Man  muss Zuhören können, Interesse zeigen, sich mit der Gedankenwelt des Gegenüber vertraut machen.  Es ist unmöglich jemand anderen kennen zu lernen, wenn man nicht bereit ist, auch von sich etwas zu erzählen.
 
Der Internetsurfer. 

OSTER:dank

Mit dem Rücken lehne ich an die Kirchenmauer in Schruns, der Brunnen auf dem Kirchenplatz plätschert im Sonnenschein. Wärmt die Institution Kirche die Menschen, dies ist eine wichtige Frage. Viele Menschen klagen über die menschliche Kälte in unserer materiellen Welt. Strahlt die Kirche soziale Wärme aus, dann müsste sie viel Zulauf haben. Im Evangelium wird vom Haus Christi gesprochen und in einem Haus ist es heimelig und warm. Ich setzte mich auf eine Bank neben dem Brunnen. Meinen Banknachbar halte ich für einen zeitungslesenden Touristen mit Sonnenbrille und einem abgestelltem Wanderrucksack. Nach einiger Zeit sehe ich, dass der Rucksack mehrere Bierflaschen enthält, aus denen der vermeintliche Tourist immer wieder einen Schluck trinkt. Wer nimmt sich seiner an, wie christlich sind wir dann. Reden wir über das Christentum, so reden wir von unserem westlichen Standpunkt aus. Der Wohlstand wie wir ihn kennen ist die Ausnahme und nicht die Regel. Der Banknachbar hat Vertrauen zu mir gefasst und ersucht mich, auf den Rucksack mit seinen Habseligkeiten aufzupassen. Er  muss im Ort etwas erledigen. Eine halbe Stunde vergeht.
 
Entlang der Strasse nach Schruns stehen die Ankündigungen für das Milkafestival. So werden das Montafon zum Milkafon und die Montafonerkühe zu Milkakühen. Der Schnee auf der Silvretta ist nicht mehr weiß sondern lila. Alles ist lila, der Schianzug, das Mofa und die Häuser. Die Gedanken werden lila und der Himmel wird ein lila Himmel sein. Amen. 
 
Ein Theologe spricht bei den Ostergesprächen über „Das Reich Gottes auf  der Welt“. Er beharrt nicht auf den Dogmen der Amtskirche. Für ihn bedeutet das Reich Gottes keine Erfüllung im Jenseits, hier auf dieser Welt soll die Botschaft Jesus seine Wirkung zeigen, sich erfüllen. Reden wir über Bibelstellen dann betrachten wir diese aus der Sicht eines satten Europäers. Die Auslegung der Bibelstellen entspricht dem Zeitgeist.
3.4.19.. Aus dem Tagebuch

ALLEN MEINEN LESERINNEN UND LERSERN EIN ERHOLSAMES UND GLAUBHAFTES OSTERFEST.

20.3.08 10:46
 
 

2 Kommentar(e)     

weichensteller / Website (22.3.08 13:05)
Das Reich Gottes wurde immer schon hier in der Welt beginnend verstanden. Jesus sagt, es ist mitten unter euch, wie ein Senfkorn, und Jesus hat nicht zu Engeln gepredigt.
Der Vorbehalt, das kirchliche Bibelverständnis sei zu zeitgeistig, ist amüsant und könnte auf den undogmatischen Theologen zutreffen. Ansonsten besteht die Kirche jedoch auf dem Vorwurf gegen die jahrhundertealte und weltumspannende Tradition und kommt damit gut zurecht.

petros / Website (22.3.08 16:44)
…ein glaubhaftes Osterfest auch dir!LG
Petros