specku:lation II

Wer akute Schmerzen hat und sich untersuchen lässt, kann in den meisten Fällen mit einer klaren Diagnose rechnen. Zumindest erwartet man sich nach einer Reihe von Untersuchungen einen genauen Befund und Behandlung. Ein großes Feld für viele Spekulationen eröffnet eine Vorsorgeuntersuchung.  Im besten Vertrauen begibt man sich in die Ordination von Fachärzten.  Bei einer Vorsorgeuntersuchung werden auch mögliche Krankheitsbilder, von denen niemand genau sagen kann ob sie akut werden können, angezeigt und mitgeteilt. Es ist wie in der Genforschung, wo man sagt, dies und jenes Gen könnte später eine Krankheit verursachen. Ist dies jetzt ein medizinischer Fortschritt oder sehen die meisten Menschen dies als Belastung für die nächsten Jahre?  Wüssten wir, was uns in den kommenden Jahren erwartet, so würden dies die Meisten nicht als Glück sondern als Unglück empfinden. Es kann schnell vorkommen, dass im Kopf immer wieder die Frage auftaucht, wie wird sich dieses Gen entwickeln?  Für was wird es sich entscheiden, für Stillhalten, für die guten oder die schlechten  Eigenschaften?

Ein Ausweg ist, die immer wieder auftauchenden Fragen zu personalisieren, den einzelnen Fragen einen Namen zu geben, Michael, Fritz,  Fina, Hanna usw.  Die Fragen gerecht zwischen männlichen und weiblichen Vornamen aufzuteilen, im Sinne der Gleichberechtigung. Es könnten auftretende Fragen auch geschlechtslos oder beiderlei Geschlechts sein.  Ich zähle nicht zu jenen, die über die Information von vermeintlichen Risiken glücklich ist. Glück ist für mich anders. Es ist schlimm, dass im finanziellen Bereich spekuliert wird, noch schlimmer finde ich es, dass bei den Diagnosen spekuliert wird.

Genforschung.

mehr:meer

Was kann ich über das Jahr, seitdem ich in Pension bin, sagen. Wo habe ich mehr erreicht als während der Berufszeit. Unmöglich wäre der Besuch von Lehrveranstaltungen auf der Uni Klagenfurt  gewesen, wo ich mich mit dem  Schreiben auseinandergesetzt habe. Nach vorgegebenen Aufgabenstellungen und unter Berücksichtigung der Rechtschreibung, Orthografie und der Grammatik. Fehler in diesem Bereich wurden bei der Bewertung des Textes berücksichtigt, der wesentliche Aspekt  war die literarische Form und das sprachliche Ausdrucksvermögen.

Umgekehrt habe  ich meinen Literaturminiaturen weniger Zeit widmen können, anderseits habe ich den Anspruch für das Blog Schlagloch in die Höhe geschraubt. Ich habe mehr Korrekturen angebracht,  als dies vorher der Fall war. Ob dadurch die Texte an Spontanität eingebüßt haben, kann ich selbst nicht beurteilen.  Läuft dies ähnlich ab  wie bei der Verdauung,   dass je länger die Speisen  im Magen und  Darm verweilen umso mehr Nährstoffe werden aus den Lebensmitteln herausgefiltert.   Auch die Teilnahme an Workshop mit literarischen und religiösen  Themen war möglich.  Der Urlaub war,  wie  auch schon zu den Berufszeiten, ein Kuraufenthalt. Die körperlichen Beschwerden haben sich trotz Pension nicht aufgelöst. Manches Mal ist das Gegenteil eingetreten, dass ich meinen Körper mehr beobachte und auch kleine Beschwerden, Schmerzen und Veränderungen wahrnehme. Im Beruf hat man keine Zeit diese kleinen Unbilden wahrzunehmen. Da wird das Meiste von den Aufgaben überdeckt. Die Idee aus Langweile oder aus Neugier zum Arzt zu gehen, kann einem im Berufsalltag nicht kommen. Es kann sein, dass man für seine Neugier durch den Arzt mit einer Diagnose bestraft wird.

Immer wieder  stellt man sich die Frage, ob man jetzt zu den älteren Leuten gezählt wird. Irgendwann wird man dann  von jemandem getröstet der sagt, dass das Alter erst mit 65 Jahren beginnt.  Wird man 65 Jahre alt sein, dann wird sich jemand finden der sagt, das Alter fängt mit siebzig Jahren an.  Und vielleicht verspricht dann die Medizin,  dass niemand vor Neunzig sterben muss.  Ein wirksames Mittel gegen Schnupfen wird es immer noch nicht geben.

Jung mit 66.

riesen:burger II

Manche behaupten von sich, dass sie durch die Werbung nicht beeinflusst werden. Da wir täglich mit  Prospekten durch die Post, Anzeigen in der Zeitung, Spots im Fernsehen oder beim Lesen der Emailnachrichten mit Werbebotschaften konfrontiert sind, werden wir schleichend durch Werbung vergiftet. Es steht  in der Zeitung, am Wochenende minus 25 Prozent auf alle Sekt- und Champagnerflaschen,  minus 25 Prozent auf alle Waschmittel- und Weichspüler. Auf alle Geflügellebensmittel gibt es Minus 30 Prozent und dazu passend auf alle Blatt – und Beutelsalate sowie frischen Kräuter ebenso minus 30 Prozent. Alles dada im dada Supermarkt. Im Kopf macht sich eine ansteckende Erkrankung breit, man mutiert zum Rabattjäger. Beim Flanieren durch den Supermarkt wird man vom Jagdfieber erfasst und schleicht durch die Regalschluchten im Lebensmittelmarkt, wie einst die Indianer durch die Prärie. Ähnlich den Eingeborenen im Urwald auf der Suche nach einer Beute,  einem Tier oder einem Feind, welchen man erlegen möchte. Vorsichtig lugt man um die Regalecke und erspäht zwei Meter vorne weiter einen Rabattartikel, den man sich als Trophäe in den Einkaufswagen legt. Eine Beute wie einst der Kopf bei den Kopfgeldjägern. Wir sind Rabattjäger, auf der Suche nach dem günstigsten Preis.

Im Gehirn werden dabei bestimmte Regionen in Mitleidenschaft gezogen, sie reagieren nur mehr auf Preisschilder mit fetten Rabatten. Braucht es noch einen Einkaufszettel? Der bessere Weg ist, kaufen was gerade mit satten Rabatten angeboten wird und danach den Speiseplan zu erstellen. Bei den Aktionen finden sich alle Sorten von Lebensmittel, so gibt es bei zwei Stück Semmeln zwei Stück gratis dazu. Den Mengenvorteil bei Nudeln und Lasagne, zu zwei Packungen eine Packung gratis und das Frischfleisch von der Pute, dem Schwein und dem Schaf um 15 Prozent billiger.

Die fortwährende Vergiftung mit Rabattangeboten führt zu einem Werteverlust bei den Lebensmitteln. Niemand will für einen Mehrwert an Qualität mehr bezahlen. Auch Menschen, die es finanziell nicht notwendig haben jede Rabattaktion auszunützen, wollen keinen marktgerechten Preis mehr bezahlen, es muss billig sein. Die Werbestrategen haben mit uns über die Jahre eine Gehirnwäsche durchgeführt, ohne dass wir es gemerkt haben.

Richtig ist, was alle machen.

 

riesen:burger

Wer glaubt, dass er von der Werbung nicht erreicht wird oder sich vor Prospekten mit einem Aufkleber an seinem Briefkasten,  „Keine Werbung“, schützen kann, wird bald eines besseren belehrt. Findigen Werbeleuten sind diese Aufkleber ein Dorn im Auge und die Post hat eine neue Form der Prospektzustellung kreiert. Dieser Aufkleber und Andere mit einem ähnlichem Text werden mit dem „Kuvert“, darin befinden sich eine Fülle von verschiedenen Werbezettel, umgangen. Das „Kuvert“ wird einmal wöchentlich zugestellt und durch ein Sudoku Rätsel und der Verlosung einer Traumreise aufgepeppt. Wer möchte nicht eine Reise gewinnen und dabei verfliegt der Ärger, dass der Aufkleber „Keine Werbung“ missachtet wurde. So bleibt es nicht aus, dass man als Antiwerbungfreak in den Prospekten zu blättern beginnt. Es ist wie eine Reise in das Schlaraffenland. Im Räumungsverkauf gibt es auf alle lagernden Matratzen und Lattenroste minus 30 Prozent.  Auf die reduzierten Leuchten zusätzlich minus 30 Prozent. Das Beste kommt noch, minus 50 Prozent auf viele Ausstellungsstücke und überschüssige Lagerware. Das xxxl Möbelhaus ist auch bei den Rabatten xxxl.

Diese Angebote werden ständig aktualisiert und verlängert, wer ist dann noch bereit den vollen Preis zu bezahlen und gibt es diesen in den Möbelhäusern überhaupt noch? Ich möchte dazu anmerken, dass derjenige, welcher den normalen Preis zahlt nicht mehr normal ist. Durch diese ständigen Rabattaktionen wird der solid planende Kunde zu einem verrückten Kunden stigmatisiert. In solchem Ausmaß geht es in der Werbung weiter, wie minus 50 Prozent auf Einbauküchen bestimmter Marken und dazu noch einen Geschirrspüler gratis. Einen kleinen Depscher hat die Küche schon und hätte man nicht selbst einen Depscher, wenn man dieses Angebot ablehnen würde?

Beim Verzehr eines der günstigen Menüs die im Möbelhausrestaurant angeboten werden, könnte man darüber nachdenken, ob eine neue Küche mit 50 Prozent Rabatt Sinn macht, kochen muss man noch selbst. Aktuell gibt es: 2 Stk. Schweinsrückensteaks vom Grill mit zwei Beilagen um € 3.90 statt € 7.10  oder xxxl Riesen Burger um € 3.90 statt um € 7.90.  Auch das Frühstück wird zu einem günstigen Preis angeboten.

Wie viele Jahre wird es dauern, bis sich die  Küche amortisiert hat?  Beim Speisen im Möbelhausrestaurant käme der Fitnessefekt dazu, der Fußweg hin- und retour.

Fitness inklusive.