corona:risiko II

Von den Bestattungsunternehmen wird zur Kenntnis genommen, dass sich durch die Corona Pandemie der potentielle Kundenkreis um einiges erweitert hat. Konnten sie vorher alle Menschen über achtzig als potentielle Kunden wahrnehmen, für sie statistisch erfassbar, so ist der Kundenstock durch die Pandemie erweitert worden, Risikogruppe ab sechzig plus. Kommt es zu einem wirksamen Medikament und in weiterer Folge zu einem Impfstoff, wer wird zu der Personengruppe gehören, die zuallererst geimpft wird?  Wird es dafür eine Verordnung seitens des Gesundheitsministers geben? In Erinnerung geblieben ist mir die Hysterie um die Vogelgrippe, wo nicht genügend Impfstoff bzw. Tabletten vorhanden waren. Für gewisse Bevölkerungskreise waren Tabletten reserviert. Damals haben wir die teuren Tamiflutabletten besorgt, mussten sie aber nicht anwenden. Mit dem Umsichgreifen von dem Coronavirus wird von systemrelevanten Berufen wie Ärzten, Strom- und Wassertechniker, von Berufen an vorderste Front, wie im Lebensmittelhandel oder Güterverkehr gesprochen.

Gefühlsmäßig, dies ist keine objektive Wahrnehmung, gilt die Maskenpflicht seitdem wir aus China in großem Umfang Schutzmasken geliefert bekommen. Vorher hätte es auch keinen Sinn ergeben, die Maskenpflicht einzuführen, wenn nicht einmal für das Pflegepersonal in den Heimen Masken zur Verfügung gestanden sind. Mein erster Einkauf mit Schutzmaske war schon sehr ungewohnt. Das erste Mal ist im fortgeschrittenen Alter etwas Besonderes und kommt nicht mehr oft vor. Der richtige Zeitpunkt einen nahegelegenen Supermarkt aufzusuchen wird dadurch erleichtert, dass wir vom Esszimmer aus auf den Kundenparkplatz schauen können. Wenige Autos am Parkplatz bedeutet wenige Menschen im Geschäft, der günstigste Moment den Supermarkt aufzusuchen.

covid-19/15

corona:risiko

Schutzmasken gut, aber beim Meterabstand gibt es in manchen Diskontmärkten Probleme, weil die Gänge zwischen den Regalen auf keinen Fall zwei Meter breit sind. Wie soll dabei das aneinander Vorbeigehen funktionieren? Wollen mehrere Kunden gleichzeitig eine Marmelade kaufen, stößt das Abstandsgebot schnell auf seine Grenzen. Erstaunt bin ich, wie schnell ich mich an den Anblick von Menschen mit Mundmasken gewöhnt habe. Einiges war von den Fernsehnachrichten bekannt. In der Anfangsphase der Maskenpflicht dachte man, hinter jeder Gesichtsmaske steckt ein Coronavirusträger. Einmal hat sich ein etwas verwahrloster Herr über die Kunden mit Schutzmasken totgelacht und sich der Aufforderung der Verkäuferin eine Schutzmaske anzulegen widersetzt. Dem Inhalt seines Einkaufswagens zu schließen, mehrere Dosen Bier und eine Flasche Obstler, vertraute er dem Alkohol als Virentöter.

Für Österreicher nicht unüblich, bereits der Liebe Augustin vertraute in Pestzeiten auf ein paar Glaserln Wein und soll damit erfolgreich gewesen sein. Unter der dreilagigen Schutzmaske war es bei längerem Aufenthalt im Supermarkt heiß und die Brille hat sich beschlagen. In den ersten Wochen waren die Kunden beim Einkauf hektisch, ein jeder wollte den Supermarkt schnell wieder verlassen. Alles war ein gewisses Provisorium, im Kassenbereich fehlten am Boden die Markierungspunkte für den Abstand. Einige verloren die Geduld und leisteten mit dem Einkaufswagerl leichten Vorschub. Die Kassiererin hatte sich aus alten Pappkartons notdürftig eine Schutzwand gebastelt.

covid-19/14

corona:chinese

Nach dem Aussteigen aus dem Regionalzug, im benachbarten kaiserlichen Kurort, stand am Bahnsteig ein Chinese. Die Reisenden wichen ihm, einem Zauberwort folgend, rechts und links aus. Sie bildeten, für den verdutzt dastehenden Chinesen, eine Rettungsgasse. Bei einem Autounfall auf der Autobahn würde dies unter den Autofahrern nicht so toll funktionieren. Der Chinese hielt sich eine Hand vor seinem Mund. Wollte er sich vor uns, die wir uns noch frei bewegen konnten, schützen? Oder wollte er uns schützen?  Für mich machte er den Eindruck, als sei er bei seinem Europatrip hier gestrandet, nachdem er Salzburg und Hallstatt gesehen hat. Er wollte wissen, wo die Villa der Frau Schratt steht, der ewigen Geliebte des Kaisers Franz Josef. Er erregte mehr Aufmerksamkeit als die vielen Denkmäler in der Kurstadt, wie das von Dr. Franz de Paula von Wirer oder von Franz Lehár. Es liegt erst ein paar Wochen zurück, wo die Bewohner von Salzburg und Hallstatt von den Gemeindepolitikern massiv verlangt haben, die Besucherflut von Touristen aus dem Osten, einzuschränken. Jetzt  fordern sie massiv, dass der Umsatzverlust durch den Besucherrückgang bei den Asiaten von der Bundesregierung ausgeglichen wird. In absehbarer Zeit könnten die Asiaten wieder Reisen, aber Europa meiden, weil hier das Coronavirus wütet. An diesem Tag war es für mich nicht einfach von den Einwohnern eine Auskunft über die Sehenswürdigkeiten zu erhalten. Die meisten haben sich abgewendet, hatten sie das Gefühl angesprochen zu werden.

Ein Drogeriemarkt entledigte sich der obligaten und mit der Zeit lästig werdenden Frage nach einem Desinfektionsmittel, mit einem Plakat an der Geschäftstüre: Desinfektionsmittel erhältlich in der Kurapotheke. Erste Straße links, geradeaus und dann wieder links. Aus dem Tagebuch…

covid-19/13

corona:ostern III

Aufgrund der Ausreisebeschränkungen verbrachten wir die Osterwoche 2020 in der Draustadt und der Karsamstag kam näher. Wir hätten die Möglichkeit an der Fleischweihe teilzunehmen, die es aber in der traditionellen Form nicht gab. Auch die Fleischweihe musste dieses Jahr via Fernsehen stattfinden. Wir platzierten die Zutaten zur Osterjause in einem Korb im Wohnzimmer und schalteten den Fernseher ein. Auf einem offenen Feld, in naturbelassener Umgebung, ohne den sakralen Pomp einer Kathedrale, vor dem Schloss Seggau in der Steiermark, schritt der Bischof von Graz zur Speisensegnung. Mit ein paar Worten zur schwierigen Situation aller Österreicher in Zeiten der Coronakrise, dem Vorlesen des Evangeliums und einem gemeinsamen Vaterunser begann die kirchliche Feier. Begleitet wurde die Feier von einem Flöten- und einer Harmonikaspielerin.

Der Bischof nahm jeweils aus dem Weidenkorb die Zutaten für die Osterjause in die Hand und legte diese auf den Gabentisch. Durch das Einblenden des Textes am Bildschirm konnten wir den Segensspruch mitbeten. So haben wir zu zweit die Osterjause, anstatt einer Meeresbrise genossen. Bei mir selbst erlebe ich es, wie undankbar der Mensch ist, am liebsten wäre mir beides, eine Osterjause mit Meerblick. Bescheidenheit ist keine menschliche Eigenschaft, wir haben uns allzu sehr an einen gewissen Standard gewöhnt. Jeden Einschnitt empfinden wir als schmerzlich, auch wenn wir auf nichts Lebensnotwendiges verzichten müssen.

covid – 19/Ostern 2020

corona:kübel

Die Zeitungsseiten der Firstklassmedien sind gespickt mit Informationen zur Corona Krise. Sie kommen nur ihren journalistischen Pflichten nach, sie wollen mit den tragischen Nachrichten keine Geschäfte machen, wie sie immer behaupten. Dies sei der Unterschied zu den Krisenjournalen, den Boulevardzeitungen. Dabei kommen auch sie nicht umhin Ratschläge zu verteilen, wie sich die Leser die Zeit zu Hause sinnvoll gestalten können. Eine Herausforderung, wenn man bei Kindern die Schule und für sich die Arbeitsstätte, alles in der Wohnung, zu bewerkstelligen hat. Wer es leicht nimmt, überlässt den Jugendlichen zur unbeschränkten Benutzung das Smartphone.

Psychologen beschäftigen sich damit, welche Auswirkungen die permanente Berichterstattung über das Coronavirus für die Gemütslage älterer Menschen hat. Diese sind zumeist die fleißigsten Zeitungsleser und Fernsehzuschauer. Ihnen schwappt aus jeder Zeitung und jedem Fernsehkanal ein Kübel Coronaviren entgegen. Der Hausverstand wäre, sich beim Zeitungslesen und Fernsehen einzubremsen, aber wer kann sich der Faszination der Bilder und Schreckensmeldungen entziehen? Zumeist nicht freiwillig, es braucht einen Anstoß von außen und wie man mit den bedrückenden Meldungen umgeht. Ein bisschen Voyeurismus steckt in jedem von uns, dies wissen auch die seriösen Medienleute. Manches Mal trieft die Seriosität genauso aus der Zeitung oder von der Mattscheibe, wie bei anderen Medien das Blut.

covid-19/9