radio:müll

Wer glaubt, dass diese Wortkomposition für eine neue Recyclingidee steht, bei der man aus Recyclingstoffen ein preiswertes Radio erzeugt, dem gestehe ich zu, dass diese Möglichkeit besteht. Es ist bestimmt möglich ein günstiges Radio, einen Universalempfänger für Dritte Weltländer herzustellen, nach dem Vorbild  der PC Branche. Ob dort überhaupt überall eine Infrastruktur für den Rundfunkempfang besteht?  Von Afrika weis man, dass das Festnetztelefon übersprungen wurde und die Afrikaner beim Handy gelandet sind. So dürfte  wohl auch manche Radiotradition übersprungen worden sein.

Beim Wort Radiomüll denke ich an die Frühsendung des Regionalsenders. Frühmorgens bin ich sehr empfindlich für das, was ich zu hören bekomme. Meine Psyche liegt nackt auf dem Frühstückstisch, für Alles und Jeden zugänglich. Während der Nacht hat sich eine Schutzfolie um die Andere von der Seele entfernt, der letzte Schutzfilm wurde durch die Träume aufgelöst. Die Seele hat es, im Schutz der Nacht, nicht notwendig sich mit einer Folie zu schützen. So spaziert sie in der Früh unbekleidet durch die Wohnung und will von keinem Wort und von keiner Unterhaltungsmusik berührt werden. Mit vertrauten Ritualen zieht sie sich eine Schutzfolie für den Tag an. Dieser Prozess ist ähnlich, wie wenn bei einer Wunde  ein neuer Verband angelegt wird.  

Die morgendlichen „Weckersendungen“, wie sie in vielen Haushalten oder die ersten Stunden am Arbeitsplatz gehört werden, sind ein Feuerwerk an Gift, das auf meine Seele abgefeuert wird. Gutelaunegiftpfeile die meine Seele treffen. Der Gutelaunebecher der den Hörern verabreicht wird,  ist für mich ein seelischer Giftbecher. Eine Aufforderung an mich, bei fröhlicher Schlagermusik den Giftbecher zu leeren. Dazu kommen die aktuellen Nachrichten: Die Aufzählung  der Verkehrsunfälle und der Einbrüche, die Toten bei einer Bombenexplosion und Raketenangriff. Jede Viertelstunde werden die Wetteraussichten wiederholt, einmal wird die Seele der Sonne, in der nächsten Viertelstunde dem Schneefall ausgesetzt. Der musikalische Müll ergießt sich über meine ungeschützte Seele.

Gutelaunegiftpfeile.

 

zahn:reise

Unsere Zähne funktionieren wie ein Zahnradgetriebe, wo ein Zahn in den Anderen eingreift. Solange alles funktioniert ist man zufrieden, die Zähne werden geschmiert, gereinigt und geputzt. Schmerzhaft wird es, wenn es im Zahnradgetriebe zu knirschen anfängt. In der zweiten Lebenshälfte haben die wenigsten Menschen noch alle eigenen Zähne. Das Zahnfleisch schwindet, man fragt sich wohin? Manche besuchen den Zahnarzt wegen der Optik, die meisten kommen zum jährlichen Pflichttermin. Man hört sich in der Verwandtschaft um, welche Erfahrungen andere mit den Zahnärzten gemacht haben. Man befindet sich auf einer Zahnreise, von einem Zahnarzt zum Nächsten, bis man den passenden Zahnarzt oder Zahnärztin gefunden hat. Im Umgang mit den Patienten, in der Art der Behandlung, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vieles geändert.

Meine langjährige Zahnärztin hat die Patienten liebe- und respektvoll behandelt. Fragwürdig habe ich die Art und Weise der Sprechstundenhilfe gefunden, die in der Anmeldung hinter einer Glasscheibe saß. Ist ein Patient in das Wartezimmer eingetreten, hat sie die Glasscheibe zur Seite geschoben und sich nach den Beschwerden erkundigt. Man musste der Sprechstundenhilfe den Mund öffnen und zeigen, wo die Beschwerden sind. Dabei musste man sich bücken und sie hat mit einem Finger in den Mund gegriffen.

An einem Gründonnerstag habe ich Zahnschmerzen bekommen und da die Schmerzen stärker geworden sind, bin ich am Karfreitag zur Zahnärztin gefahren. Die Ordination war geschlossen. Daraufhin habe ich bei den Zahnärzten in der Umgebung angerufen, aber niemanden erreicht. Ich erinnerte mich an einen Zahnarzt in der Bezirksstadt, bei dem ich einmal einen Kontrolltermin hatte. Diesen wollte ich aufsuchen, als ich in der Stadt ankam, war es Mittag. An der Ordinationstür klebte ein Zettel, dass die Ordination verlegt wurde, sie befand sich jetzt in nächster Nähe. Seine Tochter führte die Praxis fort, die neuen Ordinationsräume waren hell und angenehm. Inzwischen war es zwölf Uhr und ich hatte keinen vorgemerkten Termin. Wo viele Ärzte schon an das Osterwochenende denken, machte sie eine Röntgenaufnahme und führte eine Wurzelbehandlung durch. Der Zahn war danach schmerzfrei. Sie machte mir den Vorschlag, dass ich nach den Feiertagen die Fertigstellung der Behandlung bei meiner Zahnärztin durchführen könnte. Ich bin ihr als neuer Patient geblieben.

Zahnradgetriebe.

Osterbilder kostenlos Bild 06

 

ALLEN BESUCHERN/INNEN FRIEDLICHE UND SCHMERZFREIE OSTERN !

VER:ständigung

Wie breit soll die Basis der Verständigung zwischen einem Übergeber und einem Übernehmer bei einer Betriebsübergabe sein?  Was und wie viel soll man voneinander wissen. Manches wird durch die Öffentlichkeit zugetragen und mit manchen Informationen wird man überrascht. Wie soll man sich austauschen, wenn sich der Anrufbeantworter mit der Ansage meldet: „Hinterlassen sie nach dem Signalton eine Nachricht“. So werkt auf der Baustelle jeder auf seiner Seite, nach seiner Sicht, an der Betriebsübergabe. Zum Schluß soll ein gemeinsames Haus entstehen.

Es ist wie auf einer Brücke, wo jeder von einer anderen Seite kommt, um sich in der Mitte zu treffen. Der eine bewegt sich unter der Brücke, der andere im Schatten des Brückengeländers, um unerwartet den anderen damit zu überraschen, wie weit man schon vorgedrungen ist. Man bewegt sich durch gegenseitige Zurufe aufeinander zu.   

Ein Weg.

VER:spannt

Schnell kann eine fordernde Arbeitssituation zu Verspannungen führen, dies habe ich beim Saisongeschäft gespürt. Die andauernde einseitige Haltung und Bewegungen, das Verharren in einer nach vorne geneigten Position haben im Bereich der Schultern zu Schmerzen geführt. Die Tage sind geschäftlich gut verlaufen, aber auch die Befürchtungen, dass etwas passieren könnte, führen zu Verspannungen. Obwohl alles zufrieden erledigt, halten die Spannungen an. Bei der Entspannung im Liegestuhl lösen diese noch Beschwerden aus. Niemand kann von sich sagen, dass sein Leben beschwerdefrei sein wird und das man immer einsatzbereit sein wird. Genau diese Anforderung stellt man an Kleinunternehmer. Eigentlich  müssten diese um Jahre früher in Pension gehen, weil sie wenig bis keine Arbeitszeit durch Krankenstand, Stempeln oder Urlaub verloren haben, dafür müsste es einen Bonus geben. Die Wirklichkeit ist, dass viele um einige Jahre länger arbeiten.

Überstundenabbau.