weihnacht:einkauf II

Eine andere Sichtweise, wir haben ein Zuviel an Waren und ein Großteil der Bevölkerung kann seine Konsumwünsche ad hoc befriedigen. Darunter befindet sich auch eine Schicht von Mitbürgern, welche sich nur das Notwendigste leisten kann. Bei den Jugendlichen gibt es eine Gruppe, welche aus dem Geschenkszwang die Notausfahrt gewählt hat. Haben sie coole Freunde, dann bedeutet ihnen dies schon viel und sie brauchen nicht extra beschenkt zu werden. Der Mittelstand, der Bauch der Gesellschaft, greift auf die Moneten zurück.

Ein Investor, welcher auf leeren Grünflächen in der Innenstadt neue Geschäftsflächen errichtet, wird freudig begrüßt. Er hofft diese gegen gutes Geld zu vermieten, mehr einzunehmen,  als dies bei einer Wohnungsvermietung der Fall wäre. Oft bleiben oder werden andere Geschäftsflächen dafür leer. Nicht weil die Zeiten wirtschaftlich so schlecht sind, sondern weil der Bedarf nicht gegeben ist. Noch glauben die meisten von uns, es gibt unbeschränkte Zuwachsraten. Jeder hofft für seine Firma, dass ihr Zenit noch nicht ausgereizt ist, dies gilt immer nur für die anderen. Ähnliches gilt für das Warenangebot, von jedem Artikel, sei es ein Stabmixer oder eine Taschenlampe, gibt es eine breite Produktpalette,  die Auswahl wird zur Qual.  So verkauft sich ein Stabmixer einer Marke plötzlich um vieles schlechter, weil das gleiche Produkt auch von anderen Herstellern angeboten wird. Das rechte Maß ist schon lange verloren gegangen, nicht nur zur Weihnachtszeit.

Mitternachtssonne.

weihnacht:einkauf I

Ein paar Wochen vor Weihnachten wurde von einem Handelskammerfunktionär verkündet: „Vor Jahresende kann man so günstig einkaufen wie schon lange nicht, weil der Handel bereits den Ausverkauf und andere Aktionen startet“. Zugleich beginnt an diesem Wochenende der so beliebte Weihnachtsverkauf, für den Handel der umsatzstärkste Monat im Jahr. Dabei kann der Konsument zusehen, wie sich die Handelsketten ein Kopf an Kopf rennen liefern, wer ergattert noch etwas vom Umsatz. Wie man für den Spitzensport nicht mehr das Wort Sport, im Sinne von Leibesertüchtigung verwenden kann, so geht es in der Vorweihnachtszeit nicht  mehr um Besinnung, sondern um das Einkaufen bis zur Besinnungslosigkeit. Wer am eigenen Leib spüren will, wie verrückt das Treiben in einer Shoppingmeile ist, der ziehe sich für ein Wochenende zu Besinnungstagen in ein Bildungshaus zurück. Nach diesem Innehalten besuche er ein Einkaufszentrum. Dafür gibt es Berichte, dass einem der Wirbel körperlich zusetzt und körperliche Beschwerden verursacht. So steigert sich in den nächsten Wochen der Einkaufsrummel, auf eine göttliche Botschaft wird zugunsten der Werbedurchsagen verzichtet.

Nach dem ersten langen Einkaufswochenende werden  von den Sprechern der Werbegemeinschaften und dem Gremialvorsteher eine Prognose erstellt, wie das diesjährige Weihnachtsgeschäft verlaufen wird. Dabei ist die Geschäftsentwicklung  von Branche und Lage der Geschäfte und auch von Region zu Region verschieden. Damit sind wir dort angelangt, was Weihnachten heute bedeutet, ein mehr an Umsatz, ohne ein mehr an spiritueller Botschaft.

Engel des Herrn.

geburt:taufe

Die Sträucher und Bäume um die Kirche Völkendorf  sind frisch beschneit. Überfallsartig füllt sich der Parkplatz mit Autos, viele junge Menschen steigen aus und eilen in die Kirche. Aus einem Fahrzeug wird ein Baby gehoben, in den Kinderwagen gelegt und in die Kirche geschoben. Von den anderen Kirchenbesuchern unterscheiden sich die Eltern durch ihr jugendliches Aussehen, der trendigen Frisur und der modischen Kleidung. Zwei Männer helfen einer älteren Frau gemeinsam aus ihrem Auto, der Rollstuhl wird aus dem Kofferraum geholt und man fährt sie nach vorne zum Altar. Die Heilige Taufe wird beim Taufbecken, im rückwärtigen Teil der Kirche, gespendet. Für das  Wohlergehen des Neugetauften werden die Heiligen der anwesenden Personen um ihren Segen angerufen. Zuletzt meldet sich ein Unsteter und ruft seinen Heiligen an: „Heiliger Jakobus, bitte für sie.“ Sein Geschenk an das Neugeborene. Neben ihm zittert der Freund, in eine dünne Windjacke gehüllt, erbärmlich. Der Bettler, der vor der Kirchentür gekniet ist hat inzwischen in einer Kirchenbank Platz genommen um sich ein wenig aufzuwärmen. Er hat wahrscheinlich schon vor wärmeren Kirchen gebettelt. Eine Prozession bestehend aus Kindern, den Ministranten, dem Pfarrer, dem Taufkind, den Eltern, den Paten und den Angehörigen zieht durch die Kirche zum Altar.

Die kühle Raumtemperatur kann die Herzen der Besucher nicht erwärmen, vielleicht können es die Worte des Pfarrers? Die Gläubigen erfahren vom Geheimnis, das der Engel Maria und Josef verkündet, von der Menschwerdung Gottes,  Jesus ist Gottes Sohn. In unserer Zeit fahren die Menschen zum Weihnachtsstern, der über dem Einkaufszentrum erstrahlt. Autokolonnen von Hirten sind unterwegs. Sie suchen nach passenden Geschenken, nach dem Glück, dass sie kaufen wollen. Der Warenstall ist warm und hell erleuchtet und es gibt genügend Parkplätze.

Zur Gabenbereitung bittet der Pfarrer alle Kinder und das Elternpaar mit dem Baby zum Altar. Ein ungewöhnlicher Ort für eine junge Mutter mit ungewöhnlichen Bewegungen, die Hände weit zu öffnen und zu schließen. Mit ihrem Blendamed Zahnpasta-lächeln kann sie die Situation gut meistern. Von den näher rückenden Weihnachten kündet der Adventkranz, darunter sind Josef und Maria mit ihrem Esel auf dem Weg nach Bethlehem unterwegs. Die Geburt Christi vollzog sich damals unbemerkt von den Menschen, die derweil mit dem Handy telefonieren, während im Stall ein Wunder passierte. In Wohlgefallen erhebt man sich zum Schlusssegen von den Kirchenbänken, man freut sich schon auf das Pfarrcafé, auf ein Stück Kuchen und Kaffee im geheizten Pfarrsaal. Der Ischiasnerv wird sich in der Wärme wieder beruhigen. Nach dem Auszug des Pfarrers und den Ministranten bleibt die Mutter mit dem Baby noch sitzen und stillt es. Die Sonne scheint durch die Glasfenster.

Aus dem Tagebuch.

friaul:import

Wohin  man heute, am 25. November, in der Draustadt blickt, aus allen Schaufenstern gucken die Weihnachtsmänner und die Weihnachtsengel. In der Konditorei bei der  Stadtpfarrkirche machen der Nikolaus und der Krampus den Weihnachtsmännern den Platz in der Auslage streitig. Rund um die Kirche reiht sich ein weihnachtliches Häusle nach dem anderen. Ob Wollpatschen, Weihrauch, Krippenfiguren, Sandbilder, Speck und Hauswürstel,Selbstgestricktes oder Früchtetee, auf dem Adventmarkt findet man alles. Seine Pforten sind weit geöffnet. Der Kirchturm wurde mit einem Lichtervorhang umhüllt. Da die Temperaturen es zulassen gibt es am Rathausplatz einen künstlichen Eislaufplatz. Dort finden die Bambini ihren Spaß.Überdacht wird der Eislaufplatz von einem Lichterzelt mit tausenden Glühbirnen. Gleich in der Nähe fährt eine Kindereisenbahn durch die künstliche Schneelandschaft.  .

Erwähnt wird gerne das italienische Flair der Draustadt, dieses kommt auch davon, dass gerade zu den Festtagen viele Besucher aus Friaul kommen. In den nächsten Wochen gibt es zwei Höhepunkte, der Christkindlmarkt und die Silvesterparty. Zu diesen Events kommen viele Busgruppen aus Oberitalien. Ohne dieses fröhliche, redselige Stimmengewirr, untermalt von Kinderrufen, wäre das Image der Draustadt nicht so südlich. Am Hauptplatz gibt es einen Besucheransturm bei den Glühweinhütten und  dem Maronistandl. Der erste Becher Glühwein und die erste Tüte Maroni schmecken am besten.

Mode sein wird.