vor:weihnachten I

Wir Alten, alt wie es früher bei betagten Menschen gebraucht wurde, spüren gerade vor den Weihnachtsfeiertagen, dass die Zeit immer schneller vergeht. Im Grunde ist es nicht die Zeit welche altert, sondern es ist unser Körper welcher verfällt. An den Feiertagen glaubt man zum Nichtstun verpflichtet zu sein. Plötzlich vergehen die Tage nicht mehr schnell genug. Dazu kommt, dass die Jahresfeste zumeist nicht nach den Regeln und Gebräuchen der Jugendzeit ablaufen. Manche Utensilien, welche zum weihnachtlichen Brauchtum dazugehörten, gibt es nicht mehr. Niemand von der jüngeren Generation würde sich für die Feiertage das Nichts vornehmen. Das Gegenteil ist der Fall, man setzt auf tolle Aktionen.

So entkommt uns Alten um die Weihnachtszeit der Stoßseufzer über die Hektik und den Stress, welche heute damit verbunden sind. Das Erbrechen über dem Konsumrausch und dem Kaufzwang. Wer sich in den Konsumtempeln der Draustadt umschaut, die Gesichter der vorbeieilenden Menschen beobachtet wird dem Hektischen, dem wo könnte ich das finden Blick, begegnen. Zu den Mythen der Alpenbewohner gehört die Vorstellung, dass es kurz vor Weihnachten schneit. Dazu der Wunsch, für die Meisten eine konkrete Hoffnung, dass das Fest der Feste friedlich ablaufen soll. Ein Fest, einfach das Fest. Seit der Jahrtausendwende hat sich durch den Klimawandel der Schnee und mit dem Schnee die Friedfertigkeit verflüchtigt. Durch die Erderwärmung  ist beides dahin geschmolzen.

Alle Jahre wieder.

ein:kehr

Unter der Zerstreuungsmaschinerie, welche auch in der Stillsten Zeit nichts an Lautstärke einbüßt, leiden auch die christlichen Kirchen. Die Amüsiergesellschaft hat sich im ganzen Alltag durchgesetzt. So erwarten sich auch diejenigen, welche der Glaubensgemeinschaft nahestehen, etwas Vergleichbares im Pfarrleben. Sie kommen mit falschen Erwartungen zum Gottesdienst oder anderen kirchlichen Veranstaltungen. Dort passiert nichts Spektakuläres und so bleiben sie den nächsten Veranstaltungen fern. Obwohl die Annahme, dass in der Messfeier während der Wandlung das Brot in Christifleisch und der Wein in Christiblut verwandelt wird nicht zu überbieten, kaum noch zu Toppen, ist. So kann man beobachten, dass zu den hohen christlichen Feiertagen, wie Weihnachten, Ostern, bei den Kirchweifesten und den Pfarrfesten die Anteilnahme der Bevölkerung zufriedenstellend ist. Hierbei lässt man sich gerne von der festlichen Musik, dem Gesang und dem Geruch von Weihrauch, mitreißen. In eine feierliche Stimmung versetzen.

Wer einmal eine Christmette in einem Dom erlebt hat weiß um die Macht der Musik und den liturgischen Handlungen. Es gibt noch vereinzelte Klosterkirchen, wie die Sebastianskirche in Salzburg,  wo die Christmette im lateinischen Ritus gefeiert wird. Fast alle Messtexte werden als Choräle gesungen, verbunden mit viel Weihrauch, da die Zelebranten immer wieder beweihräuchert werden.

Es gibt eine Fülle von kirchlichen Festen, die alle darauf abzielen das Wort Gottes in begreifbare Rituale zu übersetzen. Kaum jemand entkommt den lebensbedingten Riten wie Taufe, Erstkommunion, Firmung  und Hochzeit, je nachdem welcher religiösen Gemeinschaft er angehört. Fast könnte man sagen, dass die christlichen Kirchen ein Monopol auf die Begräbniszeremonien haben.

Christigeburt.

glocken:klang II

Auch in den nächsten Wochen wird die EU-Führung noch immer darüber diskutieren, dass die Flüchtlinge bereits in der Türkei oder in Griechenland einer Auslese unterzogen werden sollten. Eine Unterscheidung treffen, zwischen Kriegsflüchtlingen und Wirtschaftsflüchtlingen, wie es immer angekündigt wird. Abseits der Diskussionen um Flüchtlingsströme und deren Kontrolle oder wo sie für eine Nacht untergebracht werden, gibt es so etwas wie Normalität und eine andere Seite des gesellschaftlichen Lebens. Neben den sich selbst lobenden und möglichst oft in Szene setzenden Gutmenschen gibt es die vielen Beschäftigten und die Unternehmer in diesem Land. Dessen Arbeit ermöglicht es, dass die Flüchtlinge mit Decken, Essen und Unterkünften versorgt werden können. Der Obmann der Wirtschaftskammer beschwerte sich öffentlich über die Einführung der Registrierkassenpflicht. Diese erweckt den Eindruck, dass man die Unternehmer unter Generalverdacht stellt, dass sie Steuern hinterziehen.

Welchen Aufschrei gäbe es in den Medien, wenn man die Asylbewerber unter Generalverdacht setzen würde, dass sie gewalttätig werden.Ohne, dass die Arbeitnehmer und die Arbeitgeber nicht regelmäßig ihre Steuern abliefern würden, könnte sich unsere Regierungsspitze nicht mit einem Lächeln vor die TV Kameras stellen und sagen: „Wir schaffen es.“

Werbeausgaben.

glocken:klang I

„Süßer die Glocken nie klingen als zu der Weihnachtszeit, ’s ist, als ob Engelein singen, wieder von Frieden und Freud“ . Die Meisten von uns kennen dieses Weihnachtslied oder haben es in den letzten Wochen einmal gehört. Je nach Stimmungslage, sich dabei in die Kindheit zurückversetzt gefühlt oder dieses Lied als Kitsch abgeschüttelt. Für den Handel gibt es eine Abwandlung des Liedtextes: Süßer die Kassen nie klingeln als zu der Weihnachtszeit“. Auf dieses Klingeln, und das dabei kein Ton verloren geht, legt ab 1. Jänner des kommenden Jahres der Finanzminister bei den Handels- und Gewerbetreibenden großen Wert. Mit Beginn des neuen Jahres tritt die so genannte Registrierkassenpflicht in Österreich in Kraft. Alle Unternehmen, welche einen Jahresumsatz  von über 15.000.– Euro machen und wo die Barumsätze über 7.500.–Euro liegen, sind zur Anschaffung einer Registrierkasse verpflichtet. Jedem Kunden, egal ob dieser um 10 Cent oder um 10 Euro eingekauft hat, muss ein Kassenbon ausgehändigt werden. Der Kunde muss diesen Kassenbon vor dem Geschäft bei einer Kontrolle vorweisen können. Ansonsten gibt es gleich zwei Straftäter, den Unternehmer und den Kunden. Die Registrierkassenpflicht wird in Folge noch verschärft, alle  Kassen müssen ab dem Jahre 2017 über eine technische Sicherheitseinrichtung verfügen. Es ist gerade so, als würde das Geschäft durch das Ministerium videoüberwacht.

Vor zwei Wochen mussten wir in Klagenfurt vor einer Lesung eine kurze Zeit überbrücken. Das nächstgelegene Cafe befand sich im Eingangsbereich des Wirtschaftsförderungsinstitut kurz Wifi genannt. Beim Eintreten wurden wir von der Empfangsdame sofort daraufhin  angesprochen, dass die Informationsveranstaltung zur Registrierkassenpflicht wegen des großen Interesses von Seiten der Unternehmer vom Wifi, in das Konzerthaus verlegt werden musste. Dort trifft das Weihnachtslied, „Süßer die Glocken nie klingen als zu der Weihnachtszeit“, auf den Leitspruch der Händler, „Süßer die Kassen nie klingeln als zu der Weihnachtszeit“. So gesehen war die Wahl des Konzerthauses als Veranstaltungsort passend.

Uraufführung.