Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

ERNTE . ZEIT

An einem sonnigem Oktobernachmittag am Gailufer bei Müllnern sitzen und auf das fließende Wasser schauen, auf den Widerstand den die Felsblöcke dem Wasser bieten, bis das Wasser unbeschadet an den Seiten vorbeifließt. Auf der anderen Uferseite verläuft der Fahrradweg und viele fahren der Gesundheit nach. Die Ameisen vergraben sich im Sand, ein Käfer krabbelt über ein Stück Holz. Auf der Autobahnbrücke, welche das Tal und die Gail überquert, fließt der Autoverkehr auf vier Fahrstreifen. Aus der Nase fließt der Schleim, der Druck in den Stirnnebenhöhlen lässt nach. Der Körper befreit sich von den Krankheitserregern.
 
Im Kopf beginnen die Gedanken zu fließen, in welche Richtung sie fließen werden und wie stark der Gedankenfluss sein wird ist unbestimmt. Entspringt der  Gedankenfluss einer klaren Quelle oder ist die Quelle durch Sprengungen getrübt. Kommt man in der Tiefe der eigenen Quelle zu neuen Erkenntnissen oder wird das Wasser immer trüber. Will man aus seiner eigenen Quelle trinken oder bevorzugt man die  Quelle die verspricht, wer aus mir trinkt wird ewig leben. Der Mensch strebt nach Glück und wird zu der Quelle gehen, die ihn glücklich macht.
 
Das Glück ist ein Vogel.  
 

 Kommentar(e)   

Gerhard (15.10.07 23:36)
Ein schönes Bild da an der Gail.

Der Mensch strebt nach Glück – und ist so nicht bereit, das Normale anzunehmen.
Wieso ist man unzufrieden, wenn bspweise ein Abend unfruchtbar verlief – und dagegen zufrieden, wenn er Ergebnisse und Schönheit gebracht hat? Wieso bewerten wir so?
Offenbar sind wir hungrig nach Bestätigung – auch vor uns selber.

Gruß
Gerhard

schlagloch /
Hallo Gerhard!
Wahrscheinlich bewerten wir, weil wir von Geburt an bewertet werden. Was das Baby schon alles kann und sofort.
Gruss schlagloch.

Windrider (18.10.07 10:54)
vielleicht bewerten wir, um uns in dieser komplexen Welt besser zurechtzufinden?
lieben Gruß Windrider

HEIMAT . FRAGE

Was ist für wen, wo und was Heimat ? Diese Frage hat roman im Internet gestellt und hier sind die Antworten. Beteiligt haben sich dreißig Blogs, darunter auch schlagloch (Franz) .  Eine Lesereise wert.
 
Heimat: Schlussbericht
11.10.2007, 12:15 Uhr
von Roman Hanhart

Was bedeutet Heimat? Worin erkenne ich sie und gibt es so etwas wie Heimat überhaupt? Ist es nur ein Hirngespinst oder eine degradierte geographische Bezeichnung? Ist die Heimat wirklich fassbar, ist sie tatsächlich bestehend oder ist sie rein imaginär und damit nicht rational erfassbar? Sehen wir sie als Ort, als Gefühl oder Emotion oder gar als Ziel?
 
Mit der Parade wollte ich mit Euch zusammen mehr über den Begriff erfahren. Und das ist in vorzüglicher Weise gelungen. Denn ich konnte neue Eindrücke gewinnen, ja dazulernen und erkennen, dass Heimat tatsächlich existiert. Zwar auf eine bizarren, nicht wirklich fassbaren Ebene, aber sie ist da.
 
Mit den Beiträgen kann ich den Begriff Heimat wirklich ausdehnen und vertiefen. Von Herbert lernte ich, wieder als Kind zu sehen oder mich daran zu erinnern, was Heimat als Kind bedeutete. Von Doris nehme ich gerne an, dass auch eine Person Heimat bedeuteten kann, Frank erinnert mich, dass in kreativen Tätigkeit ein Stück Heimat integriert ist und von Réne lerne ich, dass Heimat dann aktuell werden kann, wenn man sie nicht mehr hat. Dass Heimat eine Liebesbeziehung sein kann, lerne ich von Dorin, Res bestätigt mir, dass Heimat manchmal einer Suche bedarf, Norbert nennt die Gesundheit im Zusammenhang mit der Heimat, ein völlig neue Verkettung für mich und Sabrina erzählt, dass auch das Netz eine Heimat bilden kann. Jenes Internet, in dem wir täglich unterwegs sind. Von Frank lerne ich, dass „Nichtdazugehören“ in Form einer Minderheit zu Heimat führen kann, Goggi erklärt auf seine Weise, dass sie sich nicht festbinden lässt, die Heimat. Ja, sie ist nicht fassbar. nff zeigt mir, dass Heimat mit Stärke vereinbar ist, Sabine „beweist“, dass Heimat dort ist, wo das Herz liegt, Rick spielt mit Ernsthaftigkeit mit dem Begriff Heimat, was mir sehr gefällt und Benjamin erinnert mich, dass auch Heimat dem Wandel unterlegen ist. Von Ray lerne ich, den Begriff Heimat mit der Mutter zu verbinden, der Schattenewahrer zeigt einmal mehr, wie diffizil Heimat ist und Roger zeigt mir, wie wichtig Ankommen und Heimkommen für die Heimat ist. Peter hinterfragt sogar den Begriff Heimat als solches, was ich für sehr spannend halte, vor allem sein Fazit und der Nordsee-Club blendet sehr schön in die Kindheit zurück und vergleicht jene Erfahrungen mit der heutigen. Die Erinnerungen, die bilden einen wichtigen Bestandteil der Heimat, das ist nun auch mir klar. Vom bugsierer lerne ich, dass auch der Begriff Heimat nicht gefeit ist vor der Macht der Medien, der Falschmeldungen und dem Kampf gegen jene. Jochen erschüttert meine leichte und kindliche Wahrnehmung über Deutschland und nennt das Kind beim Namen, Falki gibt sich dem Gegenteil hin und erklärt unsere Schweiz zur Heimat. Er erinnert mich daran, dass ich vielleicht zu weit suche. Franz nimmt sich die Heimat und die Erde zu Gemüt. Sehr beachtlich, was man beim Lesen entdecken kann! Pascal lässt mich durch seine Erfahrung daran teilhaben, wenn Heimat vermisst wird, weil die wichtigsten und simpelsten Dinge im praktischen Leben fehlen. Julia beschreibt in ihrem Beitrag die Suche nach der Heimat im geographischen Sinn. Ein weiterer Bereich, der in der Weise noch nicht zur Sprache kam. Und schliesslich bebildert Chrigu seine Heimat aus den Alpen heraus. Von David lerne ich, dass Heimat reifen kann, sie verändert sich, wechselt ihren Ort und wird zu dem, was wir ihr geben. Sie ist aber auch Leidenschaft und Verwurzelung. Thomas zeigt mir, dass der Geburtsort gar nichts mit der wahrgenommen Heimat zu tun haben muss. Im Gegenteil; die Heimat muss man zuerst finden.

KUNST . GRIFF

Wie und wo spüren wir unsere Seele?  Die Hand oder den Fuß spüren wir, wenn sie schmerzen oder wenn wir sie bewegen. Unsere Psyche spüren wir, wenn wir uns über etwas freuen, oder wenn wir traurig sind. Körperlich spüren wir unsere Psyche wenn unsere Schultern verspannen oder vor Aufregung das Herz klopft. Warum wünschen wir uns ein Weiterleben nach dem Tod, im Jenseits. Unser  Leben auf der Erde ist unvollkommen und beschwerlich, dies wird trotz Fortschritt so bleiben. Wir müssen lernen diese Unzulänglichkeit zu ertragen, mit ihr umzugehen. Wer ist der Mann, der uns ein Paradies verspricht, das nicht von dieser Welt ist. Wenn wir hier gut arbeiten und fleißig sind, dann können wir uns ein irdisches Paradies einrichten. Das himmlische Paradies ist nicht überprüfbar. Ist die Sehnsucht nach einem Himmel in unserem Gehirn oder Genen verankert oder wurde diese Sehnsucht durch Erzählungen geweckt. Ist es die Angst vor dem Nichts, dass unser Hirn zu diesem Kunstgriff greift .
 
Fragen erlaubt.   
 

Kommentar(e)     

Gerhard (10.10.07 00:41)
Heilsversprechungen gibt es viele.
Vielleicht liegt das Glück, so denke ich, in der blossen Annahme des Lebens so wie es nun mal ist.
Nehmen wir Schmerz, Kummer, Not, Ungerechtigkeit , Alter und Sterben einfach an! Sowohl das alltägliche Leiden wie auch die vorbeikommende Freude.
Nichts muß dauern, nichts vollkommen sein, auch Scheitern auf breiter Basis darf sein – was soll es letztendlich.
weichensteller / Website (10.10.07 11:18)
Cioran, den ich in Rumänien besucht habe, schreibt von der völligen Untauglichkeit des Menschen zum Glück. Er hat zwischen den beiden Bäumen gewählt und sich für den Baum der Erkenntnis entschieden, den Baum des Lebens aber vernachlässigt.
Interessant, dass in den Postings Christus mit Buddha einfach gleichgestellt wird. Das entleert natürlich ihre Botschaft, die völlig entgegengesetzt ist.
Aber die Seele spüren wollen, das würde beiden niemals einfallen, das ist ein Widerspruch ad definitionem.
schlagloch /
Hallo Gerhard!
„Nichts muß dauern, nichts muß vollkommen sein, auch Scheitern“, vielleicht verbirgt sich dahinter eine Lebensformel.
Gruss schlagloch.
schlagloch /
Hallo Weichensteller!
Haben wir nicht einen leiblichen Körper mit Geist erhalten, um die Seele spüren zu können? Wenn wir mit unserem leiblichem Körper etwas für die Seele tun können, dann müssen wir mit diesem Körper auch die Seele spüren können.
Gruss schlagloch.
weichensteller / Website (11.10.07 23:11)
Also unser europäischer Begriff von SEELE hat zwei Wurzeln:
1. die griechisch-heidnische, bes. Platon. Hier ist Seele das Eigentliche des Menschen, das die Materie zu Leben erweckt, bzw. nach dem Tod dieser äußeren Hülle weiterlebt.
2. die biblische: nefes im AT, psyche im NT. Grundbedeutung des hebräischen Ausdrucks: Kehle, Schlund, Hals; z.B. „das Wasser geht bis zur Seele“ (=Hals), Ps 69,2) / Seele als Begehren: „meine Seele dürstet nach Gott“, Ps 42,2 / Seele als Leben, Atmen, Atem: Gott haucht Adam Leben ein, „die Seele aushauchen (Jer 15,9); Mk 8, 35 f: seine Seele gewinnen/verlieren / Seele als Person (=sterblich): „möge meine Seele den Tod des Aufrechten sterben!“ (Num 23,10)
In der Bibel ist also mit Seele immer der ganze Mensch gemeint, niemals nur ein Teil (im Gegensatz zu Körper/Leib/Geist…), und die Vorstellung einer Auferstehung NUR der Seele ist überhaupt nicht biblisch: Auferstehung meint den ganzen Menschen!

Und zu schlagloch:
Eine Reflexivität (Selbstbezug, Selbstwahrnehmung, Spüren) der Seele ist nirgendwo je einem Menschen eingefallen, weder in der christlichen Tradition noch in der fernöstlichen. Der Anfang solchen Denkens könnte vermutlich in der Aufspaltung des Menschenbildes in der neuzeitlichen Philosophie gesehen werden, etwa ab Descartes. Dann aber alle Ganzheiten spaltend. Beachte den totalen Bedeutungswandel von Seele/Psyche im 19. Jht bei Freud!

Sowenig zur Begriffs- und Ideengeschichte und zu meiner Zurückhaltung zu Seele und Körper…

Grüße
weichensteller

Gerhard (12.10.07 00:22)
Hier ist der m.E. der Begriff Seele unklar, wird verschieden verwendet. Im popopulären Sinn meint Seele mein innerstes Wesen, den Kern meiner Person, da, wo man mich „findet“.
Seele = eigentliches Ich, mein „Selbst“, das, was mich ausmacht. Und dieser Kern „thront“ fürwahr über „die Teile“, macht „mich“ aus.

petros / Website (16.10.07 15:08)
Wie du schon sagst: Fragen erlaubt.

Antworten (ob nun philosopische, naturwissenschaftliche, theologische…) gibt es viele.

Ich glaube.

LG
Petros

END . ZEIT

Oft  spricht man vom Ende der Zeiten, vom Endzeitalter. Viele glaubten zur Jahrtausendwende, dass dies das Ende der Menschheit sein werde oder ihr Ende einläuten werde. Ein Ende der Sehnsucht scheint sich abzuzeichnen. Wo sind die Zeiten, dass man nach jemandem Sehnsucht hatte, dass man eine Woche gewartet hat um jemandem zu sprechen. Vor lauter Sehnsucht gestorben ist oder sich gefreut hat jemandem am Abend wiederzusehen. Heute greift man bei der nächsten Gelegenheit zum Handy und telefoniert, und die Sehnsucht wird kleiner. Das Handy hat im wahrstem Sinne des Wortes das Ende der Sehnsucht eingeläutet. Wenn man täglich Schokolade isst, dann kann man sich auf keine Tafel Schokolade mehr freuen. Die Vorfreude kann sich nicht aufbauen. So zerstört das Handy die Sehnsucht am Wiedersehen.
 
Im Endzeitalter.      
 

 Kommentar(e)     

Gerhard (5.10.07 22:23)
Interessant, diese Beobachtung.
Aber: Schon bei den alten Griechen und natürlich auch danach gab es Beschwerden über die jeweils neue Generation: Zu genußsüchtig, zu oberflächlich etc. Folglich wiederholt sich diese Bewertung alle 20 Jahre und die Leute heutzutage müssten super-super-oberflächlich sein.Lieber Schlagloch: Ich frage mich dennoch, ob diese Beobachtung von Dir „stimmt“?!. Der heutigen Zeit sagt man nach, daß sie neben der Genußsucht Verfallenen auch aufmerksamere Menschen hervorbringe. Menschen, die zunehmend spirituell unterwegs snd und sich ums Allgemeinwohl kümmern. In irgendeiner Zeitschrift las ich sogar, daß die Zahl der ums Gemeinwohl bekümmerten und tätigen Menschen eigentlich schon die kritische Masse überschritten hätte. Folglich müsste es nur so regnen an Leuten, die sich im Kleinen und Großen um das Wohl der Menschheit kümmern.

Die Welt ist anders geworden: Früher schrieb man sich Briefe und unterlag vielleicht Täuschungen oder Illusionen. Heute kann man das durch direkten Kontakt schneller angehen und klären. Für alles gilt: Es gibt ein Für und Wieder.
Und Gefühle wie Sehnsucht oder etwa das Bedürfnis, Mutter zu werden, sterben nie aus. Ohne bestimmte Parameter gibt es kein Menschsein, denke ich.

Längerer Text, sorry.

weichensteller / Website (5.10.07 23:42)
Nach so vielen unfreiwillig mitgehörten Palawern am Handy: Sehnsucht nach Gesprächen von Antliz zu Antliz. Hoffnung, dass sich da manche Dummheit und Ignoranz aufklären würde.
***
Nach der mühsam erduldeten halben Stunde in Geräuschschrott und Massengehetze des modernsten Einkaufszentrums unserer Stadt: Sehnsucht nach Stille. Ich habe seither den ganzen Tag keine Musik mehr gehört.
schlagloch

Hallo Gerhard !

Es stimmt, dass sich die ältere Generation immer über die Lebensweise der jüngeren Generation beschwert . Mir ist heute der Widerstand der Jugend gegen die Älteren zu sanft, die Jungen sind konsumorientiert. Der Bestiz eines Handy ist ein Konsumschaden und die Meinungen sind von den Medien gesteuert.

Wenn auch mehr kommuniziert wird, so ist vieles nichtssagend. Im Internet ist tarnen und täuschen angesagt. Die meisten erwarten sich vom Partner Idoleigenschaften.

Gruss schlagloch.


Gerhard (8.10.07 13:41)
Hallo Schlagloch!
Es müsste wohl eine Untersuchung herhalten, wie es wirklich um die Jugend bestellt ist. Mir scheint, daß so manche den Konsumwahn nicht mitmachen, aber vielleicht sind sie kaum sichtbar?!
Merkwürdigerweise bin ich auch in den letzten Jahren auf den Konsumzug aufgestiegen, sicherlich auch Du. Und wir beide wurden zu einer Zeit groß, in der solche Sachen wie Konsum, Medien etc verpönt waren. Da galten „echte“ Werte etwas. Doch diese Werte wurden damals auch relativ unkritisch übernommen (Flower-Power-Zeit?!) und nicht sonderlich tief hinterfragt. Man verhielt sich halt auf bestimmte Weise und hielt die für „cool“. „Cool“ verwendete man da nicht, gabs noch nicht, aber die richtige Metapher fällt mir jetzt auch nicht mehr ein.