Über schlagloch

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht mehrmals die Woche eine kleine Studie zu verfassen und teilt dies per Weblog „schlagloch“ einer stetig wachsenden Internetgemeinde mit. Einzelne Leser treten auf der Internetplattform mit ihm auch in eine Diskussion über das Geschriebene ein. Vom Deutschen Literaturarchiv Marbach werden ausgewählte Online-Publikationen, so auch das Blog „schlagloch“ auf der Plattform Literatur-im-Netz langzeitarchiviert. Einige „Schlaglöcher„ hat er materialisiert und zu Büchern gemacht: Zeitenwandel (2009); Die Beobachtungen (2011); Bruchstellen (2015).

KALTES:herz

In den letzten Faschingstagen ist es in Möselstein  Brauch, dass man als Kunde, egal ob man eine Drogerie, Bäckerei oder Tischlerei besucht, auf ein Glas Sekt oder Wein oder ein Stamperl Likör oder Schnaps eingeladen wird. Heute wird von einem Großteil der Kunden dieses Angebot abgelehnt, weil sie mit dem Auto unterwegs sind und keinen Alkohol trinken dürfen oder weil sie Medikamente nehmen und sich diese mit Alkohol nicht vertragen. Es gibt kaum noch Menschen, die ihre Einkäufe und Besorgungen zu Fuß erledigen. Die tägliche Einnahme von Medikamenten ist so selbstverständlich wie der Verzehr von ein Stück Brot zum Frühstück. Früher gab es am Bauerhof im Winter zum Frühstück ein Stamperl Schnaps und ein Stück Speck, dies wärmte den Körper für die Arbeit im Freien.
 
In der kalten Jahreszeit treffen sich die Jugendlichen am Samstagabend am Bahnhof, in der Jackentasche mehrere Dosen Bier und in der Hand eine Flasche Schnaps. Andere besteigen mit einer Plastiktragtasche und verschiedenen alkoholischen Getränken den Regionalzug in die nächste Stadt. Es ist teuer, wenn man keine Fahrkarte löst und vom Kontrolleur beim Schwarzfahren ertappt wird. Gefeiert wird am Rande vom Hauptplatz. In einer Seitengasse steht bei einer Eingangstür ein Putzkübel mit der Bitte: „In den Kübel zu pinkeln und nicht auf den Boden“.
 
Zum Herzerwärmen.     
4.2.08 18:46
 
 

 2 Kommentar(e)    

Isabella / Website Hallo Schlagloch,
früher war Alkohol als „Medizin“ weit verbreitet, heute braucht man oft genug Medizin um den Alkohol (bzw. seine Auswirkungen) zu bekämpfen.
… und ist dieser Kübel ein Faschingsgag oder steht der immer da? Spricht jedenfalls für sich …
LG Isabella
schlagloch Hallo Isabella !

Kein Faschingsgag.

Gruss schlagloch.

FASCHING:treiben

Villach bezeichnet sich als Narrenhochburg. Zu Beginn des Jahres dreht sich alles um den Fasching und endet am Faschingsamstag mit einem großem Faschingsumzug. Dass dies in ganz Österreich bekannt ist, dass glauben alle Villacher. Die Fernsehübertragung der Villacher Faschingsitzung erreicht hohe Zuschauerzahlen, nur übertroffen von Sendungen zur Nationalratswahl oder Natascha Kampusch wird  interviewt. Nationalratswahlen finden in Zukunft nur alle fünf Jahre statt und die Interviews mit Natascha Kampusch werden weniger.
Diesem närrischem Treiben kann sich die Kirche in Völkendorf nicht verschließen und so gibt es am Faschingsonntag für alle, die am Faschingsumzug nicht teilgenommen haben oder vom Faschingstreiben noch nicht genug haben, eine Faschingmesse. Die Einladung verspricht Stars wie zum Wiener Opernball, erwartet werden Santana, Bob Marley, Emerson, u.a.  Zum Tanz, gemeint ist zur Messe, spielt eine tolle Faschingsband. Verkleidung ist erwünscht aber nicht vorgeschrieben. Für alle, die das ganze Jahr eine Maske tragen auch nicht notwendig. Es sind alle Narren willkommen, ob mit oder ohne Verkleidung. Mein Inneres kann ich schlecht verbergen, deshalb mochte ich mich verkleiden. Die erste Idee ist, ich gehe als Mafiosi, dazu könnte ich meine Sonnenbrille tragen. Da ich keinen üppigen Haarwuchs, aber auch keine Glatze habe und ein schlechter Schütze war, verwerfe ich diese Idee. Im Keller suche ich nach dem Karton mit der Aufschrift „Fasching“, darin sind die Utensilien für einen Seeräuber. Ob in der Kirche ein Goldschatz versteckt ist?, die Kirchenmäuse wüssten wo. Beim Suchen fällt meine weiße Kappe aus dem Schrank. Mit der weißen Kappe und der Sonnenbrille verwandeln ich mich in den DJ Ötzi.
 
Dem Besuch der Faschingmesse steht nichts mehr im Wege, außer der Fußmarsch. Vor der Kirche sagt ein Jugendlicher:  „Schauts do kummt da Ötzi .“ Andere Kirchenbesucher konnten sich wohl nicht zwischen verschiedenen Verkleidungen entscheiden und haben das Sonntagsgewand gewählt. Die Faschingsband in ihren Kostümen hat schon Aufstellung genommen. Die flotte Musik und der Pfarrer als Rocksänger sorgen für Stimmung während der  Messe. Manche folgen mit irritiertem Gesichtsausdruck der Musik und dem Gesang. So kommen sie zur ihrer Gesichtsmaske. Andere Masken sind spärlich zu sehen, ein paar Prinzessinnen und Cowboys hätten der Stimmung gut getan.  
Während der Messfeier sah man den einen Fuß und die andere Hüfte bei der Musik mitwippen und mitschwingen. Im Evangelium ist von der Liebe die Rede, das passt gut in die Faschingszeit, da fällt das Wort „ich liebe dich“ öfter und leichter als sonst. Nach der Messe wird es richtig fröhlich in der Kirche. Gott muss den Menschen aus Fröhlichkeit erschaffen haben, ob er dabei schon an den Villacher Fasching gedacht hat?
18.02.2007  Aus dem Tagebuch
   

 1 Kommentar(e)    


Gerhard Der Refrain „Komm lasst uns fröhlich sein“ drückt wohl ein Grundbedürfnis des Menschen aus.O segensreiche Fröhlichkeit!Gruß
Gerhard

FRÖHLICHE:zeit

Wir Menschen erleben es oft schmerzlich, wie schnell die Zeit vergeht. In der Jugend sind es die  fröhlichen Stunden, ein Wochenende oder eine Urlaubswoche. In späteren Jahren spricht man darüber, dass ein Monat so schnell vergeht. Wird man älter ertappt man sich dabei wie man sagt, dass das letzte Jahr so schnell vergangen ist. Besonders zu Jahresende und Jahresanfang wird dies schmerzlich bewusst. Noch später spricht man davon, wie schnell die letzten drei, fünf oder zehn Jahre vergangen sind. Am Heranwachsen der Enkel kann man besonders gut beobachten wie die Jahre vergehen. Einen einzelnen Tag nimmt man nicht mehr wahr.
 
Hat man ein Haustier, wie Hund oder Katze dann stellt man auch hier fest, wie die Tiere älter werden. Bei Hunden oder Katzen zählen ein Jahr wie sieben Menschenjahre. Im Bekanntenkreis hört man von Hunde-, Katzen- oder Meerschweinbesitzern, dass die Tiere bei unheilbaren Krankheiten oder Altersbeschwerden von einem Tierarzt eingeschläfert werden. Diese Vorgangsweise sei eine humane Art, aber wie human ist ein künstlicher Tod. Das was als menschlich bezeichnet wird, ist manches Mal das Unmenschlichste.
 
Kinder wie die Zeit vergeht.
31.1.08 14:09
 
 

 2 Kommentar(e)     

WindriderHallo Schlagloch,
machmal ist ein künstlicher Tod besser als ein Tier schmerzvoll dahinsiechen zu lassen. Wir mußten unsere CollieSchäfer-Hündin einschläfern lassen. Sie war 17 Jahre alt und wir wollten es hinauszögern bis zum letzten Tag. Aber irgendwann brach sie uns mitten im Wohnzimmer zusammen und übergab sich und es war einfach schrecklich. Sie litt furchtbar. Wir haben dann doch die Tierärztin geholt und sie wurde dann bei uns zu Hause eingeschläfert. Das war das, was wir vielleicht schon viel früher hätten tun sollen. Unser Meerschweinchen hatte einen Augentumor. Wir ließen das Meerschweinchen operieren. Es war schlimm, aber das Meerschweinchen fing an sich langsam zu erholen. Dann aber wurden noch Krebsgeschwüre im Bauchbereich gefunden und wir mußten das Meerschweinchen dann doch einschläfern lassen. Sowas wie diese Meerschweinchen-OP würde ich wahrscheinlich nicht wieder machen lassen, denn letztendlich wurde das arme Schweinchen nur gequält.
lieben Gruß Windrider

schlaglochHallo Windrider!
Den Tieren ergeht es ähnlich wie uns Menschen, wir können unser Leben immer wieder verlängern, den Tod hinausschieben, bis zum bitteren Ende.
Gruss schlagloch.

HUMOR:punkt

Dieses Jahr erreicht der Fasching schon Ende Jänner einen Höhepunkt. Die kurze Faschingszeit wirkt bei vielen  wie ein Turbomotor. Sie haben bereits in den ersten Jännertagen nach passendem Faschingzubehör Ausschau gehalten und die ersten Faschingsbälle besucht. Die Proben für das Krippenspiel und für die Faschingssitzung fanden im Kulturhaus zur selben Zeit statt. Die einen können mit dem lustigen Treiben nichts anfangen, wohl auch nichts mit sich selbst. Die anderen arbeiten das ganze Jahr über für die Aufführung der Faschingsitzung. Sie sind das ganze Jahr in Faschingslaune. Einige machen eine feste Gaudi, die anderen versauern während der Party. Humor kann man nicht verordnen, obwohl ein Sprichwort sagt, „Humor ist die beste Medizin“ oder „Wer dreimal täglich lacht wird hundert Jahre alt“.
 
Arbeitet man in einem Gastlokal, Boutique oder in einem Supermarkt dann ist es an manchen Tagen unmöglich sich dem Faschingstrubel zu entziehen. Es gehört zum Arbeitsauftrag sich zu verkleiden und bei der Gaudi mitzumachen. Bei manchen Zwangsnarren spürt man als Gast oder Kunde, wie die Kostümierten unter ihrer Verkleidung leiden.
 
Humor ist, wenn man trotzdem lacht.  
29.1.08 18:21
 
 

 4 Kommentar(e)   

Gerhard
Hallo Schlagloch!Ich kenn‘ mich mit Fasching speziell nicht aus, kann mir aber vorstellen, daß es dauerhaft Spaß macht, da mitzumachen.
Etwas Ähnliches ist sicher auch die Teilnahme an der Loveparade oder der Besuch einer Ü30-Party.
Freude und Ausgelassenheit ist was Schönes!
So treffe ich fast jeden Tag an der Bushaltestelle jemanden, mit dem es zu Scherzen kommt und mit dem ich herzhaft lachen kann.

Gruß
Gerhard

schlagloch /
Hall0 Gerhard!Beim Bus zu scherzen, da fängt der Tag gut an. Oft sieht man in der Früh in den Bussen nur verschlossene Gesichter. Lei Drei.

Gruss schlagloch.

Gerhard Hallo Schlagloch!

Lei Drei??? Ist das kärntnerisach?

Ne, bei mir fängts gut an. Und abends beim Heimfahren, da treff ich grad diese Leut‘, mit denen ein Schabernack möglich ist. Mich wunderts fast, wie schnell wir immer wieder ins Lachen kommen.
Eingespielter Humor – so lässt es sich trefflich leben!

Gruß
Gerhard


schlagloch
Hallo Gerhard!
Der bekannteste Faschingsruf von Kärnten ist „Lei Lei“ heist soviel wie „Lei Lossn“. „Lei Drei“ verweist auf das Länderdreieck “ Kärnten-Friaul-Slowenien“. Fast jede Gemeinde hat seinen eigenen Faschingsruf. Aber wer versteht schon Kärnten.
Gruss schlagloch.