LETZTE:nacht

Die letzte Nacht. Es besteht keine Möglichkeit mehr noch etwas zu unternehmen. Hätte man noch ein letztes Jahr, dann würde man sich viel vornehmen. Man würde in anderen Spitälern nachfragen, ob es eine Alternative in der Behandlung gibt, ob sich das Ende hinauszögern lässt. Man würde einen Nachfolger für den Betrieb suchen, eine Aufgabe, welche man begonnen hat fertig stellen. Diesen und jenen anrufen, darauf drängen, dass man dieses und jenes gemeinsam unternimmt. Man will ein bisschen Spaß haben, sich untertags unterhalten. In der Nacht, wenn man zur Ruhe kommt würden die Zweifel kommen, in der Zeit bevor man einschläft. Man würde etwas Neues planen, rechnen, wie viel Zeit braucht dies und rechnet sich das. An der Sache zu zweifeln beginnen und sich etwas anderes ausdenken, zwischen den Dingen hinundherschwanken. Etwas Neues beginnen, es wieder abbrechen, wieder etwas anderes beginnen und wieder abbrechen, unzufrieden und nervös werden. Sich vor einem plötzlichem Tod fürchten, der früher kommt als von den Medizinern vorhergesagt. Muss man sterben, dann zum angekündigten Termin und nicht zu einem Unkontrollierbaren. Jeden Kontakt mit Menschen, die eine ansteckende Krankheit haben, vermeiden. Nicht in die Nähe von verschnupften Menschen kommen, dies könnte eine Grippe auslösen, der Beginn einer Lungenentzündung sein.

Man wird immer einsamer, sondert sich von den Leuten ab. Sich das Essen durch ein Guckloch reichen lassen, einen Vorkoster einsetzten. So wird ein Vorhaben nach dem Anderem von den Gesundheitsvorkehrungen erstickt. Die Pläne enden dadurch, dass sie vom nächsten Plan erstickt werden. Welches Glück sagt man zu Beginn des Jahres, ein ganzes Jahr Zeit, plötzlich würde man die Zeit hassen. Man sehnt sich nach der Nacht, wo man schlafen kann. Der letzten Nacht, wo man beim Aufwachen weis, ob es etwas Neues gibt oder nichts weis, weil es nichts gibt.

Der Friede.

AB:kühlen

Mit jeder Schlechtwetterfront wird es im Herbst um einige Grade kühler. Der Temperaturrückgang wirkt sich wohltuend auf den Straßenverkehr aus. Die Fahrweise der Autofahrer wird ruhiger und gedämpfter. Die Abkühlung bringt Erleichterungen bei körperlichen Beschwerden, bei Venen- und Lymphdrüsenleiden, bei Kreislaufproblemen und hohem Blutdruck. Die Menschen bewegen sich leichter und sind wieder mehr belastbar. Nicht in allen Arbeitsstätten gibt es Klimaanlagen und bei Privathäusern ist es die Ausnahme. Beim Arbeiten mit dem PC dauert es nicht lange und es schaltet sich die Kühlung ein. Sind es die Gedanken oder die offenen Programme, welche den PC heißlaufen lassen? 

Was verschafft unserem Kopf Kühlung, wenn er heißgelaufen ist? Die Ursachen können vielfältiger Natur sein, durch Überarbeitung, eine besondere Herausforderung, ein Konflikt oder unwahre Behauptungen welche die eigene Person betreffen. Die Einen versuchen den Kopf durch autogenes Training zu kühlen, andere mit einem Spaziergang im Wald, einer Rastpause an einer Quelle. Man besinnt sich eines Kurses zur Körperentspannung oder legt sich kühlende Wickel auf den Kopf. Es nützt kaum, die Klimaanlage in der Wohnung einzuschalten. Diese kühlt nur äußerlich und nicht den Brand im Kopf. Manche beginnen bei den Haaren oder im Nackenbereich zu schwitzen. Wie bei einer Klimaanlage bildet sich Kondenswasser und läuft den Hals entlang. Je nachdem ob man ein rechter oder linker Typ ist, betrifft es die rechte oder linke Kopfseite. 

Linke Typen.

TAUB:stumm

Es ist erstaunlich welche Kräfte ältere Menschen mobilisieren, wenn sie noch in einer Wohnung oder in einem Haus wohnen. Wo es darum geht, für einen anderen zu sorgen oder dem anderen behilflich zu sein. Meistens befindet sich ein Partner im besserem gesundheitlichem Zustand und bemüht sich dem anderem das Leben zu erleichtern. Das beginnt damit, dass er sich um Ordnung und Sauberkeit in der Wohnung kümmert oder für den anderen die Besorgungen erledigt. Glück ist, wenn man im fortgeschrittenen Alter noch fähig ist für zwei Personen zu kochen. Die Unterhaltung soll nicht zu kurz kommen. Gemeinsame Busausflüge sorgen für neue Reize und die Erlebnisse kann man miteinander teilen. 

Schnell altern lässt einen Senior, wenn sein Partner stirbt, plötzlich verliert der Alltag seinen Sinn. Der Grund für das Handeln ist abhanden gekommen. Man denkt darüber nach, ob es für eine Person notwendig ist alles in Schuss zu halten. Man vernachlässigt seine Gesundheit, seine Wohnung, oftmals auch sein Äußeres. Man beginnt an allem zu sparen, an der Heizung, an der Kleidung und beim Essen. Oft verliert man den Kontakt zur Umwelt, zur Gesellschaft.

Es dauert nicht lang, bis man von den Kindern oder der Verwandtschaft aufgefordert wird, die Wohnung aufzugeben und in ein Altersheim zu ziehen. Hier wird man versorgt und verwaltet, mit der eigenen Selbstständigkeit ist es vorbei. Hier treffen sich die Kinder, die Verwandtschaft zu den Festtagen und es stellt sich die Frage, wer verwaltet den Senior. Es kommt zu einem Streit um das Fürsorgerecht. Die Kräfte  entfalten sich nicht in der Fürsorge für den Senior, die Kräfte bündeln sich in der  Verwaltung des Senior. Dies bedeutet die Verwaltung des zu erwartenden Erbe. Der Fernseher läuft, der Senior sagt kein Wort, er fragt nichts. Keiner weiß, hört er noch, sieht er noch oder nicht. Die Bilder laufen weiter. 

Im Tonstudio.

SCHUB . UMKEHR

Vieles was für uns heute selbstverständlich ist und aus dem Altagsleben nicht mehr wegzudenken, hat vor hundert Jahren seinen Siegeszug angetreten. Dazu gehört das Auto, es wurde damals als Kraftwagen bezeichnet. Im Gegensatz zum Pferdewagen wurde der Wagen von einem Kraftmotor angetrieben. Viele Menschen hatten vor den ratternden Gefährten große Angst, manche sagten, sie seien des Teufels, wohl ob der stinkenden Auspuffgase. Die Pferdekutscher und Pferdefuhrwerker, die Hufschmiede und Wagnermeister  protestierten gegen das neue Fortbewegungsmittel und vertraten die Ansicht, der Mensch könne diese Geschwindigkeit nicht vertragen. Sie dürften mit dem zunehmendem Autoverkehr gesehen haben, dass sie ihre Geschäftsgrundlage, die Beförderung von Menschen und Waren einbüßten. Für die Hufschmiede und Wagnermeister hatte dies zur Folge, dass auch sie weniger Arbeit hatten. Standen zuerst viele Menschen dem Kraftwagen skeptisch gegenüber, so setzten sich bald die Vorteile durch. Die Pferdewagen verschwanden immer mehr aus dem Straßenbild. Von den negativen Folgen des Autoverkehrs werden wir erst heute erfasst.  Wie sehr in den ersten Jahrzehnten das Auto die Aufmerksamkeit der Bevölkerung erregte, zeigt sich in einem historischem Foto, wo ein Verkehrsunfall mit drei Toten, am 4. Oktober 1928 auf der Warmbaderstrasse bei Villach festgehalten wurde. Auf dem Foto sieht man  das Motorrad mit Beiwagen welches mit einem Auto zusammen gestoßen ist und die drei Toten hängen vom Motorrad auf die Strasse. Rund um die Fahrzeuge hat sich eine Gruppe von Menschen versammelt.
 
Die Fernsehbilder von einem Verkehrsunfall in den Nachrichten lösen, wenn es sich nicht um Verwandte handelt, kaum noch Aufmerksamkeit aus. Mehr Beachtung gilt einem Pferdefuhrwerk, welches wöchentlich durch Möselstein fährt.
 
Die Schubumkehr.