navi:frust II

Die Aussicht mit Hilfe des Navigationsgerät schneller am Ziel zu sein und welche Folgen dies hatte, habe ich in der Verwandtschaft von einer jungen Frau erfahren.Sie war mit dem Auto in Unterkärnten unterwegs,wo ihr die Orte und die Straßen nicht so geläufig sind. Nach einem Besuch bei Freunden im Rosental wollte sie rasch auf einen Parkplatz in der Nähe vom Landeskrankenhaus Villach kommen. Die junge Autofahrerin erhoffte sich vom Navi den kürzeren und sicheren Weg, als durch die Hinweisschildern am Straßenrand. Es wird noch einige Jahre dauern und man wird sich die Frage stellen, ob die Straßenschilder mit den Ortsangaben noch notwendig sind? Die neuen Autos werden alle mit Navigationssystem ausgerüstet sein. Nach Prognosen der Autoindustrie können wir annehmen, dass die Autos in Zukunft auch ohne uns Lenker auskommen werden. Wir werden nur noch Mitfahrer sein. Wird es dann obsolet sein eine Führerscheinprüfung zu machen? Die heutigen Führerscheine werden wertlos sein. Die Fahrschullehrer werden, wie dazumal die Pferdekutscher, zu einem aussterbenden Beruf, höchstens noch ein Nischenberuf. Womit sich die vielen Verkehrspolizisten ihr Brot verdienen werden, ungewiss.

Die frischgebackene  Autobesitzerin hat in ihr Navigationsgerät die Notaufnahme vom Krankenhaus als Zielort eigegeben, um rasch den Parkplatz zu erreichen. Ihre Fahrt endete nicht am nahe gelegenen Parkplatz vom LKH sondern in der Einbahnstraße zur Notaufnahme und mit einem vielsagenden Kopfschütteln der diensthabenden Krankenschwester.

Rettungsgasse.

navi:frust I

Bei den Navigationsgeräten, die heute viel im Einsatz sind, ist nicht immer alles paletti. Als ich das erste Mal in einem Auto mit Navi mitgefahren bin, welches als die Errungenschaft vorgeführt wurde, hat mich ekelige Ansagerstimme echt genervt. Inzwischen dürfte sich einiges bei der Sprachausgabe verbessert haben. In unserer Stadt hat sich in diesen Sommer ein holländischer Urlauber einen zweifelhaften Ruhm erworben. Seine Absicht war, ein Lokal auf dem Villacher Hauptlatz, Fußgängerzone, zu besuchen und hat sich dabei total auf sein Navi verlassen. Er wurde vom Kaiser-Franz-Joseph Platz in eine schmale Querverbindungsstraße zum Hauptplatz gelotst. Diese historischen Altstadtgassen waren für Fußgeher oder für ein Pferd mit einem Karren gebaut worden. Der Urlauber hat seinem Navigationsgerät voll vertraut und sich von der Enge nicht irritieren lassen. Solange, bis er schlussendlich mit seinem Auto zwischen den Hausermauern stecken geblieben ist. Er musste mitsamt seinem Auto von der Feuerwehr aus dem Altstadtgässchen befreit werden.

Regelmäßig kann ich zuschauen, wie stolze Navibesitzer ihr Fahrzeug zurückschieben, weil die Warmbader- Allee nur zum Teil mit Kfz befahrbar ist. Die Durchfahrt wird durch zwei Säulen gesperrt. Mit einem Verkehrsschild wird zu Beginn der Straße darauf ausdrücklich hingewiesen: Durchfahrt nur für Radfahrer. In den Navis scheint diese Information nicht angekommen zu sein. Das gesperrte Stück würde eine Abkürzung bedeuten, der Weg auf der Umfahrungsstraße ist wesentlich länger. Heute will jeder schnell am Ziel sein.

Planlos.

wind:mühle

Bei der Beziehung zwischen Mann und Frau gibt es eine geschichtliche Entwicklung. Die gesellschaftlichen Veränderungen machen eine Veränderung der Beziehungen erst möglich. Wer eine Notausfahrt für die Seele sucht, einen Bremsweg für die Gefühle, bevor sie zu viel Schaden anrichten, kann dies in einem Kurs der Volkshochschule finden. Es geht um Entspannung im Schulter- und im Nackenbereich, die Verhärtungen behindern den freien Blutfluss in den Kopfbereich. Die Wahrnehmungen trüben ein, wirbeln Sand auf und lassen manches unsicher erscheinen. So wirkt auf den ersten Blick die saubere Wasserqualität trüb. Sand ist kein Hindernis. Zu kurzer Atem lässt die Muskulatur im Brust- und im Nackenbereich verkrampfen, im Kurs wird freigerubbelt und freigezittert, bis die Übungen in Schüttelbewegungen übergehen. Den Frust, den Ärger und die Unsicherheit abschütteln.

Auch in Hanglagen wurde früher von den Bergbauern für den Eigenbedarf Getreide angebaut und selbst Brot gebacken. Nach dem Dreschen der Garben, dieser Vorgang war mit viel Lärm und  Staub verbunden, erfolgte durch die Windmühle das Aussieben des Getreides von Rückständen. Mit Hilfe von mehreren Sieben wurden Strohhalme und Gräten vom Weizen getrennt. Mit dem erzeugten Wind wurde die Streu vom Weizen getrennt. In der Windmühle herrschten ein Rütteln und ein Schütteln, alles Unbrauchbare wurde davon geblasen.

Gleiches bewirkt das Schütteln und Rütteln in der Atemgymnastikstunde. Alles Belastende, Verkrampfte, fällt durch das Schütteln  der Glieder zu Boden. Dieser Unrat ist oft zäh und trennt sich nur  schwer vom Körper, es geht darum den Unrat aus der Seele abzuschütteln. Zu den körperlichen Schüttelübungen kommen verbale Schüttelübungen.

Rüttelfest.

glück:zufrieden

Wie kann man ein glücklicher Mensch werden? Diesem Thema zu widmen ist ein spontaner Einfall. Anleitungen dafür finden sich in unzähligen Büchern und moderner, auf unzähligen Internetseiten. In den Bücherstuben, den Buchhandlungen, in den Papier- und Blumengeschäften, selbst in Konditoreien finden sich Bücher zum Thema glücklich sein. Angefangen bei kleinen Geschenkbüchlein mit lieblichen Bildern und kitschigen Texten. Eigentlich treffen wir auf diese Motive täglich, irgendwo, nur wir übersehen sie in unserer Eile. Kann es sein, dass wir unsere täglichen Glücksmomente übersehen, nicht bemerken oder gar wegschauen. Wir erwarten uns vom Glück etwas Großes, etwas was uns überwältigt und missachten dabei die kleinen Dinge. Oft genügt  eine kleine Geste, um uns glücklich zu machen. Das liebevoll arrangierte Kopfpolster auf dem Bett oder ein Stück Moncheri neben der Kaffeetasse am Nachmittag. Einiges hat man an diesem Tag probiert um glücklich zu werden. Einen Besuch im Schwimmbad, einen Schaufensterbummel in der Innenstadt und  ist dabei nur zielgerichteten Leuten begegnet. Gar nicht zu Hause ist das Glück bei einem Bummel durch die Shops in einem Neukaufzentrum. Hier begegnet einem der habgierige Mensch, der schnell ein Schnäppchen sucht. Enttäuscht wird, weil das Foto aus dem Prospekt, beim Sichtkontakt, beim Anfassen sich ganz anders anfühlt.  Zum einem kann die wöchentliche Gymnastik zur Qual werden, wer will schon ständig an die Gesundheit denken. Das wirkliche Glück kommt oft, wenn man sich nichts mehr wünscht. Freude kann sich im Nachhinein einstellen, wenn man sich zu etwas überwindet, was einem schwer fällt. Dazu gehören auch Vorhaben, die nicht wirklich nützlich sind oder welche niemand braucht. Keinen materiellen Gewinn bringen und von der Umgebung als nicht notwendig beurteilt werden.

Ausdauer