rund:funk

Bei Abklärung einer Angelegenheit kommt einem manchesmal der Gedanke, “das ist nicht möglich”. Man versucht einen Sachverhalt, einen Randbereich des Alltags, mit einer Behörde abzuklären. Es ist notwendig, dass das Rundfunkgerät bei der Behörde angemeldet ist und wird ein Wohnungswechsel vorgenommen, diesen der Rundfunkbehörde zu melden. Die alte Adresse hat als Postadresse noch immer Gültigkeit, doch wird an diesem Standort kein Rundfunkgerät mehr betrieben. Für die zuständige Sachbearbeiterin bedeuten zwei Adressen auch zwei Rundfunkgeräte. Man möchte annehmen, dass,  wenn zwei Menschen Deutsch sprechen, dies geklärt werden kann. Der Kompromiss ist, dass ein neues Anmeldeformular zugesandt wird.

Es ist manchmal einfacher mit jemanden zu kommunizieren, der nicht dieselbe Sprache spricht. Dabei gibt es die Möglichkeit, dass man sich mit einem Lächeln, einem Kopfnicken oder mit den „Händen und Füßen“ verständigen kann.

Anmeldeformular.

 

pension:wann

Es gibt Beispiele, dass manche Menschen länger arbeiten,  als von Seiten der Pensionsversicherung notwendig ist. Sie gönnen sich auch im fortgeschrittenen Alter keine Ruhe. In manchen Fällen ist es die Furcht vor der Einsamkeit, weil man keinen Partner oder er/ sie vor Jahren verloren hat. So verbleibt man,  solange es möglich ist im angestammten Beruf, bis einem der Arbeitgeber in Pension schickt. Eine bessere Position, was die Verlängerung der Lebensarbeitszeit  betrifft, haben die Selbständigen. Sie können zwischen ihrem frühesten und spätesten Pensionsantritt frei wählen. Es ist ein Vorteil der Selbstständigen, dass man nicht in die Anonymität zurück muss, in die Anonymität einer Privatwohnung oder  eines Privathauses.  Erlauben es die körperlichen Kräfte kann man in der Öffentlichkeit  bleiben und so außerfamiliäre Kontakte haben, sich mit der Kundschaft auf ein Gespräch einlassen. Man hat einen strukturierten Tagesablauf, eine Aufgabe, die man nicht suchen muss, die einem zufällt.  Dieses Privileg kennt man auch in der Landwirtschaft, dass die Altbäuerin und der Altbauer sich bis zu letzt, solange die Kräfte es erlaubten, am Hof nützlich machen. So entkommt man der Nutzlosigkeit,  dass man sich nur noch als überflüssiger Esser sieht, den viele schon in das Grab wünschen. Nur eine Krankheit  zwingt einen zum Aufhören.

Hof kehren.

hoch:montafon II

Ein anderes Beispiel für ein langes Berufsleben, man könnte sagen, für eine zweite Berufskarriere ist der örtliche Schneidermeister im Hochmontafon. Manche sagen mit Zufriedenheit, dass sie mit Erreichung des sechzigsten Lebensjahrs seit vierzig Jahren selbstständig waren. Die „neuen alten Selbständigen“ sind oft über sechzig Jahre selbstständig, wo Andere schon lange in Pension sind. Der Schneidermeister sitzt am einzig freien Platz in der Werkstätte über die Nähmaschine gebeugt. Alle Maschinen werden von einem zentralen Motor, mit Keilriemen, betrieben. Was sich wo, unter den vielen Modezeitschriften,  den Zuschnitten und Schnittmuster aus Packpapier verbirgt, weiß nur er. Bis zur Decke sind die Regale mit Stoffen, Schnittmuster, Knöpfen, Schnallen und Bänder angefüllt. Von der Decke hängen zwei halbfertige Blusen und Sakkos auf den Kleiderbügeln. Er erzählt, dass er nicht  wüsste,  wie er zu Hause seine Zeit verbringen soll. Er ist Witwer, da kommt er lieber täglich, auch sonntags,  in seine Werkstätte. Manchmal werfen Touristen einen ungläubigen Blick durch das Fenster und denken dabei  an die Geschichte vom tapferen Schneiderlein. Ich denke an den Avemichlschneider der mir,  für die Sonntage im Internat, einen Kärntner Anzug geschneidert hat.  Die  Kleiderproben fanden nach dem Kirchgang statt. Den Anzug habe ich, trotz der Wachstumsphase in der Kindheit, vier Jahre lang getragen. Jeweils in den großen Schulferien wurde der Anzug zum Erweitern und Verlängern zum Avemichlschneider gebracht. Damals haben die Schneider mit dem Stoff nicht gespart und überall „Reserven“ eingebaut, sodass man mehrmals Erweitern und Verlängern konnte.

Hochwasser.

hoch:montafon

Sowohl  im Handel, wie im Gewerbe begegnet man Menschen die länger als die übliche Berufszeit im Geschäft oder in der Werkstätte bleiben. In einem Tourismusort im Hochmontafon gibt es im Ortszentrum ein Handelsgeschäft mit einer Fassade aus den sechziger Jahren. Auch bei der Ordnung und der Übersichtlichkeit ist es kein Vorzeigeobjekt. Es ist ein Gemischtwarengeschäft der alten Prägung, vor dem Geschäft steht Tag für Tag ein Verkaufsständer mit Besen, Rechen und anderem Werkzeug zum Sauber halten. Manche Artikel, wie Gläser, Geschirr  und Spielwaren liegen bestimmt schon seit zehn Jahren  hinter der Schaufensterscheibe. Im Ort ist das Geschäft eine Institution, die nicht wegzudenken ist. Seit einigen Jahren gibt es am Ortsrand einen neuen Supermarkt, trotzdem kaufen viele Einheimische und Gäste ihre Getränke, Süßigkeiten, Waschmittel, Zigaretten und Zeitungen in diesem Laden. Der erste Ansprechpartner bei  Fleisch, Wurst, Käse, Gemüse und Obst ist der Laden nicht. Der Inhaber gönnt sich erst seit ein paar Jahren eine Mittagspause, er steht knapp vor dem neunzigsten Geburtstag.

Die jungen Alten.