vogel:flieg I

Vor drei Jahrzehnten hat Neil Postman seinen Bestseller „Wir amüsieren uns zu Tode“ veröffentlicht. Er befasste sich mit den möglichen Folgen, welche der stundenlange Fernsehkonsum für die geistige Entwicklung des Menschen haben könnte. In dem Buch setzte er sich mit der Gefahr auseinander, dass alles zur Show wird, ohne Inhalte: „Unsere Priester und Präsidenten, unsere Chirurgen und Anwälte, unsere Pädagogen und Nachrichtensprecher brauchen sich nicht sonderlich zu mühen, um den Anforderungen ihrer Fachgebiete zu genügen, sie müssen vor allem den Anforderungen gewachsen sein, die an eine gute Show gestellt wird.“ (N. Postmann)

Heute haben seine Aussagen noch mehr Gültigkeit, da es für die Amüsiertheit durch die permanente Verfügbarkeit von Filmen und Videos im Internet keine zeitliche Beschränkung gibt. Von 0 bis 24 Uhr. Zu Neils Postmann Zeiten war es üblich, dass Kinder und Jugendliche im häufigsten Fall, täglich ein bis zwei Stunden vor dem Fernseher saßen. In den meisten Familien beschränkte sich die Erlaubnis für die Kinder zum Fernsehschauen auf den Samstag- und Sonntagnachmittag. In Österreich gab es in den 70er Jahren noch viele Haushalte, welche keinen Fernseher hatten. Die Erwachsenen gönnten sich ein- bis zweimal die Woche einen Fernsehabend und dabei vor allem zum Wochenende. Es dauerte nicht lange und das Fernsehkastl wurde als Familienmitglied adoptiert.

Heiteres Beruferaten

drohne:flieg

Als Kind stand ich immer staunend vor einem Kellerfenster in Nußdorf. Das Fenster gewährte einen Blick in die Werkstatt eines Bastlers, die Nachbarn sagten eines Fliegerdamischen. Er hatte mehrmals den Versuch unternommen mit selbstkonstruierten Flugschwingen von Nußdorf  nach Olsach zu gleiten. Alle Flugversuche endeten zumeist sehr hart auf dem Wiesenboden. Für uns Kinder war sein Hobbyraum ein lohnendes Ausflugsziel, weil er uns verschiedenes mechanisches Spielzeug und bewegliche Figuren vorführte.

Ein neues Fluggerät beflügelt heute die Fantasie der Menschen, es sind dies die sogenannten Drohnen. Sobald sie preislich erschwinglich sein wird, wird sie sich so schnell verbreiten wie das Handy. Es ist anzunehmen, dass in manchen Familien ein Drohnenbausatz unter dem heurigen Weihnachtsbaum liegen wird. Die Drohne wird zum liebsten Spielzeug der technikverliebten Menschen werden und wohl bei nützlichen und unsinnigen Aktionen eingesetzt. Wie etwa einem Freund vier Häuserblock weiter mit Hilfe der Drohne eine Bohrmaschine zurückzugeben oder der Freundin im Nachbarort ein Stück vom selbst gebackenen Christstollen zum Kaffee zu servieren. Es wird um unsere Köpfe so summen, als würden wir von einem wild gewordenen Bienenschwarm verfolgt.

Vor kurzem hat die Kleine Zeitung berichtet, in Velden sei eine Frau um Haaresbreite ein Unfallopfer einer fehlgesteuerten Drohne geworden. Sie ist außer Kontrolle geraten und hätte besagte Frau beim Wäscheaufhängen fast am Kopf getroffen. Das Optimale wird sein, wenn jeder der es möchte zu einer fliegenden Drohne wird. Ist es Zufall, dass Red Bull mit dem Werbeslogan, Red bull verleiht Flügel, einen Umsatzrekord erreicht? Schlummert im Menschen immer noch die Sehnsucht zu fliegen wie ein Vogel?

Höhentauglichkeit

gehen:laufen

Dasselbe Wort kann in einem Satz eine unterschiedliche Bedeutung haben, nach Sinnhaftigkeit verschieden angewendet werden. Unsere Ausdrucksweise ist im Umgang mit Bekannten anders, als wenn wir im Berufsleben Kontakt mit den Vorgesetzten oder mit Kunden haben. Bei den engsten Freunden genügt die Unterhaltung in der Mundart, wobei sich diese auf die Menschen aus demselben Bundesland beschränkt. Zwischen Kärntner und Vorarlberger kann es bei einer Unterhaltung im Dialekt schon zu inhaltlichen Missverständnissen kommen. So entsteht bei dem einen oder anderen Satz eine Gedankenlücke. Mit der Umgangssprache sollte es zwischen Österreichern keine Probleme geben. Unterhält man sich mit Urlaubern, dann versucht man in der Schriftsprache zu sprechen, wie man sie auf einer Behörde oder bei einer Prüfung anwendet. Eigenartig verdreht klingen meistens die Sätze, spricht man mit Zuwanderern oder Migranten, dann verfällt man auch selbst in einen Zuwanderer Slang. Wir drücken uns bei der Unterhaltung mit verschiedenen sozialen Schichten jeweils anders aus, auch bei den Inhalten.

In Kärnten ist es gebräuchlich, dass man sagt: Man geht in den Supermarkt einkaufen. Ist die Zeit knapp, dann würde man sagen: Man geht einmal schnell in den Supermarkt etwas holen. Die Steigerung von gehen ist, dass man ein schnell vorsetzt. Dafür gäbe es noch viele Beispiele. Laufen hat in Kärnten eine ganz andere Bedeutung, dies bringt man meistens mit dem Sport in Verbindung. Der große LaufEvent heißt, Ganz Kärnten Läuft. Die Sportlichen laufen eine Runde im Park oder den See entlang. Nur bei Notfällen wird man das Wort laufen verwenden: Lauf schnell einen Arzt holen oder lauf schnell zu der Feuerwehr. Die Aufforderung zum Laufen in Notfällen wird heute durch das immer verfügbare Handy ersetzt. Dabei ist es notwendig, schnell, im Sinne von geschickt, das Handy zu bedienen.

Ein zu Besuch weilendes fünfzehnjähriges Mädchen aus Vorarlberg sagte: Sie läuft geschwind in den Supermarkt einen Laib Brot kaufen. Oder sie sagt: Sie läuft geschwind zum Nachbarn Äpfel holen. Auf meinen Einwand, sie hat genug Zeit um einen Laib Brot zu kaufen, erwidert sie: Sie wird nicht laufen, wie das  Wort vermuten lässt, sondern in Vorarlberg sagt man generell statt gehen laufen. Nach meiner Privatphilosophie  drückt sich darin etwas über die Bereitschaft der Vorarlberger zum Schaffen aus. Ihnen geht es darum viel zu machen und alles mit Tempo, sei es einen Laib Brot zu kaufen.

Tscherfl und Tscherfln

navi:frust II

Die Aussicht mit Hilfe des Navigationsgerät schneller am Ziel zu sein und welche Folgen dies hatte, habe ich in der Verwandtschaft von einer jungen Frau erfahren.Sie war mit dem Auto in Unterkärnten unterwegs,wo ihr die Orte und die Straßen nicht so geläufig sind. Nach einem Besuch bei Freunden im Rosental wollte sie rasch auf einen Parkplatz in der Nähe vom Landeskrankenhaus Villach kommen. Die junge Autofahrerin erhoffte sich vom Navi den kürzeren und sicheren Weg, als durch die Hinweisschildern am Straßenrand. Es wird noch einige Jahre dauern und man wird sich die Frage stellen, ob die Straßenschilder mit den Ortsangaben noch notwendig sind? Die neuen Autos werden alle mit Navigationssystem ausgerüstet sein. Nach Prognosen der Autoindustrie können wir annehmen, dass die Autos in Zukunft auch ohne uns Lenker auskommen werden. Wir werden nur noch Mitfahrer sein. Wird es dann obsolet sein eine Führerscheinprüfung zu machen? Die heutigen Führerscheine werden wertlos sein. Die Fahrschullehrer werden, wie dazumal die Pferdekutscher, zu einem aussterbenden Beruf, höchstens noch ein Nischenberuf. Womit sich die vielen Verkehrspolizisten ihr Brot verdienen werden, ungewiss.

Die frischgebackene  Autobesitzerin hat in ihr Navigationsgerät die Notaufnahme vom Krankenhaus als Zielort eigegeben, um rasch den Parkplatz zu erreichen. Ihre Fahrt endete nicht am nahe gelegenen Parkplatz vom LKH sondern in der Einbahnstraße zur Notaufnahme und mit einem vielsagenden Kopfschütteln der diensthabenden Krankenschwester.

Rettungsgasse.