gehen:laufen

Dasselbe Wort kann in einem Satz eine unterschiedliche Bedeutung haben, nach Sinnhaftigkeit verschieden angewendet werden. Unsere Ausdrucksweise ist im Umgang mit Bekannten anders, als wenn wir im Berufsleben Kontakt mit den Vorgesetzten oder mit Kunden haben. Bei den engsten Freunden genügt die Unterhaltung in der Mundart, wobei sich diese auf die Menschen aus demselben Bundesland beschränkt. Zwischen Kärntner und Vorarlberger kann es bei einer Unterhaltung im Dialekt schon zu inhaltlichen Missverständnissen kommen. So entsteht bei dem einen oder anderen Satz eine Gedankenlücke. Mit der Umgangssprache sollte es zwischen Österreichern keine Probleme geben. Unterhält man sich mit Urlaubern, dann versucht man in der Schriftsprache zu sprechen, wie man sie auf einer Behörde oder bei einer Prüfung anwendet. Eigenartig verdreht klingen meistens die Sätze, spricht man mit Zuwanderern oder Migranten, dann verfällt man auch selbst in einen Zuwanderer Slang. Wir drücken uns bei der Unterhaltung mit verschiedenen sozialen Schichten jeweils anders aus, auch bei den Inhalten.

In Kärnten ist es gebräuchlich, dass man sagt: Man geht in den Supermarkt einkaufen. Ist die Zeit knapp, dann würde man sagen: Man geht einmal schnell in den Supermarkt etwas holen. Die Steigerung von gehen ist, dass man ein schnell vorsetzt. Dafür gäbe es noch viele Beispiele. Laufen hat in Kärnten eine ganz andere Bedeutung, dies bringt man meistens mit dem Sport in Verbindung. Der große LaufEvent heißt, Ganz Kärnten Läuft. Die Sportlichen laufen eine Runde im Park oder den See entlang. Nur bei Notfällen wird man das Wort laufen verwenden: Lauf schnell einen Arzt holen oder lauf schnell zu der Feuerwehr. Die Aufforderung zum Laufen in Notfällen wird heute durch das immer verfügbare Handy ersetzt. Dabei ist es notwendig, schnell, im Sinne von geschickt, das Handy zu bedienen.

Ein zu Besuch weilendes fünfzehnjähriges Mädchen aus Vorarlberg sagte: Sie läuft geschwind in den Supermarkt einen Laib Brot kaufen. Oder sie sagt: Sie läuft geschwind zum Nachbarn Äpfel holen. Auf meinen Einwand, sie hat genug Zeit um einen Laib Brot zu kaufen, erwidert sie: Sie wird nicht laufen, wie das  Wort vermuten lässt, sondern in Vorarlberg sagt man generell statt gehen laufen. Nach meiner Privatphilosophie  drückt sich darin etwas über die Bereitschaft der Vorarlberger zum Schaffen aus. Ihnen geht es darum viel zu machen und alles mit Tempo, sei es einen Laib Brot zu kaufen.

Tscherfl und Tscherfln

navi:frust II

Die Aussicht mit Hilfe des Navigationsgerät schneller am Ziel zu sein und welche Folgen dies hatte, habe ich in der Verwandtschaft von einer jungen Frau erfahren.Sie war mit dem Auto in Unterkärnten unterwegs,wo ihr die Orte und die Straßen nicht so geläufig sind. Nach einem Besuch bei Freunden im Rosental wollte sie rasch auf einen Parkplatz in der Nähe vom Landeskrankenhaus Villach kommen. Die junge Autofahrerin erhoffte sich vom Navi den kürzeren und sicheren Weg, als durch die Hinweisschildern am Straßenrand. Es wird noch einige Jahre dauern und man wird sich die Frage stellen, ob die Straßenschilder mit den Ortsangaben noch notwendig sind? Die neuen Autos werden alle mit Navigationssystem ausgerüstet sein. Nach Prognosen der Autoindustrie können wir annehmen, dass die Autos in Zukunft auch ohne uns Lenker auskommen werden. Wir werden nur noch Mitfahrer sein. Wird es dann obsolet sein eine Führerscheinprüfung zu machen? Die heutigen Führerscheine werden wertlos sein. Die Fahrschullehrer werden, wie dazumal die Pferdekutscher, zu einem aussterbenden Beruf, höchstens noch ein Nischenberuf. Womit sich die vielen Verkehrspolizisten ihr Brot verdienen werden, ungewiss.

Die frischgebackene  Autobesitzerin hat in ihr Navigationsgerät die Notaufnahme vom Krankenhaus als Zielort eigegeben, um rasch den Parkplatz zu erreichen. Ihre Fahrt endete nicht am nahe gelegenen Parkplatz vom LKH sondern in der Einbahnstraße zur Notaufnahme und mit einem vielsagenden Kopfschütteln der diensthabenden Krankenschwester.

Rettungsgasse.

navi:frust I

Bei den Navigationsgeräten, die heute viel im Einsatz sind, ist nicht immer alles paletti. Als ich das erste Mal in einem Auto mit Navi mitgefahren bin, welches als die Errungenschaft vorgeführt wurde, hat mich ekelige Ansagerstimme echt genervt. Inzwischen dürfte sich einiges bei der Sprachausgabe verbessert haben. In unserer Stadt hat sich in diesen Sommer ein holländischer Urlauber einen zweifelhaften Ruhm erworben. Seine Absicht war, ein Lokal auf dem Villacher Hauptlatz, Fußgängerzone, zu besuchen und hat sich dabei total auf sein Navi verlassen. Er wurde vom Kaiser-Franz-Joseph Platz in eine schmale Querverbindungsstraße zum Hauptplatz gelotst. Diese historischen Altstadtgassen waren für Fußgeher oder für ein Pferd mit einem Karren gebaut worden. Der Urlauber hat seinem Navigationsgerät voll vertraut und sich von der Enge nicht irritieren lassen. Solange, bis er schlussendlich mit seinem Auto zwischen den Hausermauern stecken geblieben ist. Er musste mitsamt seinem Auto von der Feuerwehr aus dem Altstadtgässchen befreit werden.

Regelmäßig kann ich zuschauen, wie stolze Navibesitzer ihr Fahrzeug zurückschieben, weil die Warmbader- Allee nur zum Teil mit Kfz befahrbar ist. Die Durchfahrt wird durch zwei Säulen gesperrt. Mit einem Verkehrsschild wird zu Beginn der Straße darauf ausdrücklich hingewiesen: Durchfahrt nur für Radfahrer. In den Navis scheint diese Information nicht angekommen zu sein. Das gesperrte Stück würde eine Abkürzung bedeuten, der Weg auf der Umfahrungsstraße ist wesentlich länger. Heute will jeder schnell am Ziel sein.

Planlos.

wind:mühle

Bei der Beziehung zwischen Mann und Frau gibt es eine geschichtliche Entwicklung. Die gesellschaftlichen Veränderungen machen eine Veränderung der Beziehungen erst möglich. Wer eine Notausfahrt für die Seele sucht, einen Bremsweg für die Gefühle, bevor sie zu viel Schaden anrichten, kann dies in einem Kurs der Volkshochschule finden. Es geht um Entspannung im Schulter- und im Nackenbereich, die Verhärtungen behindern den freien Blutfluss in den Kopfbereich. Die Wahrnehmungen trüben ein, wirbeln Sand auf und lassen manches unsicher erscheinen. So wirkt auf den ersten Blick die saubere Wasserqualität trüb. Sand ist kein Hindernis. Zu kurzer Atem lässt die Muskulatur im Brust- und im Nackenbereich verkrampfen, im Kurs wird freigerubbelt und freigezittert, bis die Übungen in Schüttelbewegungen übergehen. Den Frust, den Ärger und die Unsicherheit abschütteln.

Auch in Hanglagen wurde früher von den Bergbauern für den Eigenbedarf Getreide angebaut und selbst Brot gebacken. Nach dem Dreschen der Garben, dieser Vorgang war mit viel Lärm und  Staub verbunden, erfolgte durch die Windmühle das Aussieben des Getreides von Rückständen. Mit Hilfe von mehreren Sieben wurden Strohhalme und Gräten vom Weizen getrennt. Mit dem erzeugten Wind wurde die Streu vom Weizen getrennt. In der Windmühle herrschten ein Rütteln und ein Schütteln, alles Unbrauchbare wurde davon geblasen.

Gleiches bewirkt das Schütteln und Rütteln in der Atemgymnastikstunde. Alles Belastende, Verkrampfte, fällt durch das Schütteln  der Glieder zu Boden. Dieser Unrat ist oft zäh und trennt sich nur  schwer vom Körper, es geht darum den Unrat aus der Seele abzuschütteln. Zu den körperlichen Schüttelübungen kommen verbale Schüttelübungen.

Rüttelfest.